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Alle Rechtsformen für dein Unternehmen im Überblick

Jedes Unternehmen in der Gründungs- und Wachstumsphase muss sich Gedanken über die Rechtform für das eigene Business machen. Die Rechtsform steckt den rechtlichen Rahmen ab, in dem du dich mit deinem Unternehmen bewegst. Sie hat unter anderem Auswirkungen darauf, welche Steuern du zahlen musst, wie viel Eigenkapital du für die Gründung brauchst und wie groß dein persönliches Haftungsrisiko ist. In diesem Gastbeitrag beantwortet Dr. Jan Evers, Gründungsförderer und Geschäftsführer von BusinessPilot und der Gründerplattform, die wichtigsten Fragen zu den verschiedenen Rechtsformen.

Inhaltsverzeichnis


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Welche Rechtsformen gibt es?

Zunächst lassen sich Rechtsformen grob in zwei Kategorien einteilen: in Einzelunternehmen/Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften. Der wichtigste Unterschied liegt darin, dass bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften die Unternehmer bzw. Gesellschafter mit ihrem privaten Vermögen für die Schulden des Unternehmens haften. Kapitalgesellschaften gelten hingegen als juristische Personen, also gewissermaßen als von den Unternehmern unabhängige Einheiten. Deshalb ist bei ihnen die Haftung beschränkt. Alle Rechtsformen bringen Vor- und Nachteile mit sich. Die wichtigsten Merkmale stellen wir deswegen nachfolgend vor.

Die gängigsten Rechtsformen für Unternehmen in Deutschland:

Einzelunternehmen und eingetragene Kaufleute

Die beliebteste Rechtsform in Deutschland ist das Einzelunternehmen. Die Einzelunternehmen-Rechtsform entsteht automatisch, sobald du für deinen Onlineshop oder dein Fitnessstudio eine Steuernummer beantragst und keine andere Rechtsform angibst.
Diese Rechtsform zeichnet sich dadurch aus, dass sie kostengünstig ist (kein Stammkapital vorgeschrieben) und unkompliziert gegründet werden kann (keine Satzung erforderlich). Der Nachteil ist, dass du mit deinem gesamten Vermögen für die Schulden deines Unternehmens aufkommen musst.
Auch eingetragene Kaufleute, also Gewerbetreibende, für die das Handelsrecht gilt, zählen zu den Einzelunternehmen, sofern sie allein gründen und keine andere Rechtsform wählen.

Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR)

Sobald du dich mit weiteren Personen zusammenschließt, um ein Unternehmen zu gründen, entsteht eine GbR. Die Anforderungen sind ähnlich überschaubar wie bei der Einzelunternehmen-Rechtsform: kein Stammkapital, keine Satzung oder Ähnliches.
Trotzdem solltet ihr unbedingt einen Gesellschaftervertrag aufsetzen, aus dem hervorgeht, wie Einnahmen und Verluste geteilt werden sollen. Falls es später mal Streit gibt, ist eine solche schriftliche Vereinbarung Gold wert. Die GbR eignet sich für Kleingewerbetreibende oder Freiberufler, die sich z. B. zu einer Praxisgemeinschaft zusammentun wollen.

Lesetipp: Die Kleinunternehmerregelung und alles, was du wissen solltest .

Offene Handelsgesellschaft (OHG)

Eingetragene Kaufleute, die gemeinsam ein Unternehmen gründen, können dafür die Rechtsform OHG wählen. Sie wird über einen Notar ins Handelsregister eingetragen.
Auch für die Gründung einer OHG ist kein schriftlicher Vertrag erforderlich, aber empfehlenswert, zumal auch Banken oder Geschäftspartner darauf Wert großen legen. Das Handelsgesetzbuch bestimmt die Grundlagen der Geschäftsführung. Daraus folgt, dass die OHG zu einer doppelten Buchführung inkl. Jahresabschluss und Gewinn-und-Verlust-Rechnung verpflichtet ist.

Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)

Die Rechtsform GmbH zählt besonders im E-Commerce zu den beliebtesten Rechtsformen. Ein Stammkapital von 25.000 Euro ist ebenso vorgeschrieben wie eine Satzung. Zudem sind GmbHs verpflichtet, eine Bilanz zu erstellen, was den bürokratischen Aufwand deutlich erhöht.
Der Vorteil: Die persönliche Haftung der Gesellschafter beschränkt sich auf das eingebrachte Stammkapital. Und diese Rechtsform genießt ein hohes Ansehen – das kann bei der Suche nach Geldgebern oder Geschäftspartnern ein Pluspunkt sein. Auch als Einzelperson kannst du eine GmbH gründen und so von der Haftungsbeschränkung und dem Vertrauensbonus profitieren.

Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt)

Die Unternehmergesellschaft (UG) ist gewissermaßen die kleine Schwester der GmbH. Die Regeln sind fast die gleichen wie bei einer GmbH, lediglich die Einlage von 25.000 Euro entfällt. Schon mit einem Euro Stammkapital ist es möglich, eine UG (haftungsbeschränkt) zu gründen. Das Stammkapital kann nach der Gründung aus den Einnahmen des Unternehmens angespart werden. Sind 12.500 Euro erreicht, kann die UG in eine GmbH überführt werden. Die Anfangsinvestitionen sind hier also deutlich geringer als bei einer „echten“ GmbH, dafür ist das Image auch nicht ganz so stark.

Es gibt noch weitere Rechtsformen, die aber eigentlich erst infrage kommen, wenn das Unternehmen schon sehr stark gewachsen ist, da deren Gründung teuer und aufwendig ist. Dazu zählt die Aktiengesellschaft (AG) oder die Kommanditgesellschaft (KG). Auch die eingetragene Genossenschaft (eG) ist eine mögliche Rechtsform.

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    Welche Kriterien spielen bei der Wahl der Rechtsform eine Rolle?

    Jede Rechtsform hat ihre Vor- und Nachteile. Die eine Rechtsform, die perfekt zu deinem Unternehmen passt, wirst du also nicht finden. Es geht darum, eine individuelle Abwägung zu treffen und die Variante zu wählen, die am ehesten zu deinem Unternehmen und deiner Situation passt.

    Folgende Kriterien solltest du dabei berücksichtigen:

    Papierkram

    Die Rechtsformen unterscheiden sich nach dem bürokratischen Aufwand, der bei der Gründung (Satzung) und im laufenden Betrieb (Buchführung, Bilanzierung) anfällt. Gerade am Anfang kann es sinnvoll sein, mit etwas Unkompliziertem wie dem Einzelunternehmen als Rechtsform, einer GbR oder einer OHG zu starten und auszuprobieren, ob die Geschäftsidee überhaupt funktioniert. Die Rechtsform, für die sich Kleingewerbe entscheiden sollten, ist dabei das Einzelunternehmen oder die GbR. Später, wenn das Unternehmen wächst, kann die Rechtsform immer noch gewechselt werden.

    Haftung

    Wie wichtig die Frage der Haftung für dich ist, hängt von zwei Dingen ab: vom wirtschaftlichen Risiko und von deiner persönlichen Risikoneigung. Wenn du in dem Wissen, dass dein Privatvermögen vor Verlust geschützt ist, besser schlafen kannst, und/oder wenn das Risiko hoch ist, dass dein Unternehmen viele Schulden anhäuft, solltest du über eine GmbH oder UG (haftungsbeschränkt) nachdenken.
    Aber nicht jede Form der Haftung lässt sich beschränken: So verlangen viele Banken bei der Kreditvergabe eine persönliche Bürgschaft der Gesellschafter. Dann müssen diese im Zweifel auch ihr Privatvermögen einbringen, um den Kredit zurückzuzahlen.
    Volle Haftung trägst du, wenn du als Einzelkaufmann, mit einer OHG oder mit einer GbR an den Start gehst.

    Unabhängigkeit

    Wenn es dir wichtig ist, unabhängig zu bleiben und in deinem Unternehmen allein zu entscheiden, sind das Einzelunternehmen, eine Ein-Personen-GmbH oder eine Ein-Personen-UG geeignet. Wenn du lieber im Team gründest, was zwar mehr Abstimmungen erfordert, aber auch mehr Know-how und Ressourcen bedeutet, kommen eine GbR, OHG, GmbH oder UG infrage.

    Steuern

    Die Rechtsform eines Unternehmens entscheidet auch darüber, wie es besteuert wird. Leider gibt es kein Patentrezept, zumal nicht nur die Art des Unternehmens, sondern auch die geschäftliche Situation eine Rolle spielt. Dir bleibt nichts anderes übrig, als mit deinem Steuerberater durchzurechnen, welche Rechtsform aus steuerlicher Sicht die größten Vorteile bietet.

    Image

    Die Rechtsform eines Unternehmens wirkt immer auch nach außen und insofern ist die Frage, welche Option die richtige ist, auch aus Marketingsicht relevant. Eine GmbH vermittelt bei Geschäftspartnern, Lieferanten, Kunden oder Geldgebern den Eindruck von Professionalität und weckt Vertrauen. Das kann aber schnell wieder verspielt werden, wenn sich bei näherem Hinsehen die Consulting GmbH als kleiner Ein-Mann-Betrieb herausstellt.

    Lesetipp: So gründest du in 4 Schritten dein eigenes Unternehmen.

    Wann ist der richtige Zeitpunkt, sich um die Rechtsform zu kümmern?

    Wer darüber nachdenkt, wird sehr früh mit der Frage nach der richtigen Rechtsform konfrontiert. Die meisten Gründungswebsites oder Broschüren rücken sie sehr prominent in den Vordergrund. Das weckt den Anschein, von der Wahl der richtigen Rechtsform hänge das Wohl und Wehe des gesamten Vorhabens ab. Aber ganz so ist es nicht.

    Zweifellos ist die Rechtsform wichtig. Aber viel wichtiger ist, dass du aus deiner Geschäftsidee ein funktionierendes Geschäftsmodell machst. Erst wenn du dich eingehend mit dem Geschäftsmodell auseinandergesetzt hast, die Risiken kennst und weißt, mit wem du gründen möchtest, kannst du die Konsequenzen der einzelnen Rechtsformen richtig beurteilen. Und für alle Team-Player gilt: Unabhängig von der Rechtsform solltet ihr von Anfang an in einem Gesellschaftervertrag festhalten, wie ihr die Gewinne und Verluste aufteilen wollt. Denn schon bevor ihr offiziell gegründet habt, seid ihr eine GbR. Und sofern nichts anderen vereinbart wurde, stehen dann alle Gesellschafter mit ihrem Privatvermögen füreinander ein – auch für die Fehler der anderen!

    Hier geht’s zum RECHTSFORM-Finder der Gründerplattform

    Fazit: Welche Rechtsform ist die richtige?

    Die Rechtsform deines Unternehmens hat persönliche, finanzielle, steuerliche und rechtliche Folgen. Folgende Fragen können dir bei der Entscheidung helfen:

    • Gründest du allein oder im Team?
    • Wie viel Eigenkapital ist vorhanden?
    • Wie hoch ist das Schuldenrisiko?
    • Wie wichtig ist es dir, deine persönliche Haftung zu beschränken?
    • Wärst du dem bürokratischen Aufwand gewachsen, den die Gründung einer Kapitalgesellschaft mit sich bringt?

    Beschäftige dich gründlich, aber nicht zu früh mit diesem Thema. Erst wenn du dein Geschäftsmodell vor Augen hast und weißt, mit wem du an den Start gehen willst, kannst du wirklich einschätzen, welche Rechtsform am besten geeignet ist. Am besten, du holst dir fachkundigen Rat, zum Beispiel von einem Gründungsberater oder einer Steuerberaterin. Aber nimm diese Frage auch nicht zu schwer. Es ist durchaus möglich und in vielen Fällen sogar äußerst sinnvoll, die Rechtsform zu wechseln – etwa wenn sich dein Unternehmer verändert und aus der alten Rechtsform „herauswächst“.

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    Häufig gestellte Fragen zu Rechtsformen

    Welche Rechtsformen gibt es?

    Zu den wichtigsten Rechtsformen der Unternehmen zählen Einzelunternehmen und eingetragene Kaufleute, die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), die Offene Handelsgesellschaft (OHG), die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) sowie die Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt).

    Welche Rechtsform soll ich wählen?

    Welche Rechtsformen du für dein Unternehmen wählst, kommt auf deine finanzielle, steuerliche und rechtliche Situation an. Du solltest dir folgende Fragen bei der Entscheidungsfindung stellen: Gründest du allein oder im Team? Wie viel Eigenkapital kannst du aufbringen? Besteht ein Schuldenrisiko und wenn ja, wie hoch ist es? Wie wichtig ist es für dich, deine persönliche Haftung zu minimieren? Bist du dem bürokratischen Aufwand gewachsen, der bei der Gründung einer Kapitalgesellschaft auf dich zukommt?

    Was sind die wichtigsten Merkmale einer GmbH?

    Eine GmbH zählt vor allem im E-Commerce zu einer der beliebtesten Rechtsformen. Du benötigst dafür ein Stammkapital von 25.000 Euro und eine Satzung. Außerdem besteht die Pflicht, eine Bilanz zu erstellen. Die Haftung beschränkt sich hierbei auf das eingebrachte Stammkapital. Die GmbH hat ein sehr gutes Image und kommt auch bei Geschäftspartnern und Investoren gut an.

    Was sind Rechtsformen?

    Die Rechtsformen für Unternehmen stecken den rechtlichen Rahmen ab, indem du dich bewegst. Sie wirkt sich darauf aus, welche Steuern du zahlst, wie viel Eigenkapital du für die Gründung benötigst und wie groß dein ganz persönliches Haftungsrisiko ist.

    Which method is right for you?Über den Autor: Dr. Jan Evers ist mit Leib und Seele Gründungsförderer und Geschäftsführer des Startups BusinessPilot, das gemeinsam mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und der KfW die Gründerplattform aufgesetzt hat, um Gründen in Deutschland einfacher und sicherer zu machen.