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Nullen, Einsen und bunte Farben: Das Shopsystem-Fazit eines Webdesigners

Erfahrung mit Shopsystemen

WooCommerce, Magento und Shopify sind drei der beliebtesten E-Commerce-Shopsysteme auf dem Markt. Zusammengenommen stellen sie laut einer Angabe von Codeinwip eine Plattform für mehr als 2,5 Millionen Onlineshops bereit.

Die Anbieter werden in Struktur, Set-up und Bedienung unterschieden und eignen sich je nach Design-Anforderungen für diverse Projekte. Auch für Agenturen und Entwickler bietet jedes Shopsystem Vor- und Nachteile. Dank jahrelanger Erfahrung in der Welt des E-Commerce kennt Shopify-Partner, Webdesigner und Graffiti-Künstler Milo die Stärken und Schwächen der drei Marktführer bestens. 

Im Interview zieht er sein Shopify-Fazit im Vergleich zum Umgang mit Magento und WooCommerce und deren Partnerprogrammen. Außerdem erklärt er, wie SAP Business One-Nutzer ihr internes ERP-System mit Shopify verknüpfen können. 

Von der Münchner Graffiti-Szene zum internationalen Webdesigner

Wer an professionelle Webdesigns denkt, hat wahrscheinlich schnell das Bild einer großen Onlineagentur im Kopf, bei der es nur so von kreativen Köpfen wimmelt. Nach dem Motto ‘Zu viele Köche verderben den Brei’ hat sich Milo bewusst für das Gegenteil der typischen Agenturstruktur entschieden. Seit 2003 schafft er unter dem Namen 3oneseven einzigartige Webdesigns für Onlinehändler. Das Kernteam ist dabei überschaubar. Es besteht aus Gründer Milo, seiner Frau und zwei vierpfotigen Musen. 

Seinen kreativen Ursprung fand der Shopify-Partner in der Leidenschaft für Graffiti. Doch was er heute als Jugendsünde abtut, führte ihn in die Welt des Grafikdesigns. Mit einem abgeschlossenen Studium und mehreren Jahren Agenturerfahrung bei einer globalen Full-Service Agentur in Berlin, entschloss Milo nach seinen eigenen kreativen Vorstellungen zu arbeiten und machte sich mit 3oneseven selbstständig. 

Name und Logo der Agentur stammen von einem seiner Graffiti-Tags, gezeichnet im Wildstyle, einer Form von Graffiti, bei der Buchstaben und Verbindungspunkte ineinandergreifen. Für Graffiti-Laien sind solche Werke oft schwer zu lesen, da die Buchstaben oft auf nicht entzifferbare Weise ineinander übergehen. Während die Wurzeln des Agenturnamens komplex scheinen, sind Milos Designs genau das Gegenteil. Speziell, einzigartig und dennoch simpel und benutzerfreundlich.

Auch mit der Strategie seines Unternehmens verfolgt er dieses Konzept. Ein kleines internes Team verknüpft er mit einem Netzwerk aus Freelancern, die je nach Projektanforderungen hinzugezogen werden. Mit 17 Jahren Agenturerfahrung hat der Design-Experte unzählige E-Commerce-Projekte für bekannte Marken umgesetzt und seine Graffiti-Skills im großen Maß einsetzen können. Für die Umsetzung stützt er sich dabei auf verschiedene Shopsysteme.

Für welche Art von Onlineshops arbeitest du mit Shopify? 

Über die Jahre habe ich Projekte aus den unterschiedlichsten Branchen betreut. Jedes Projekt und jeder Kunde kommt mit individuellen Ansprüchen und Wünschen zu uns. Die Entscheidung für ein Shopsystem ist deshalb von Fall zu Fall unterschiedlich. 

Was hingegen immer gleich bleibt, ist unsere Herangehensweise:

  1. Wir führen ein Erstgespräch durch und definieren die Kriterien und Anforderungen an das Projekt. 
  2. Anschließend legen wir die Struktur des Onlineshops fest, bevor wir einen ersten Designentwurf erstellen. 
  3. Dieser Entwurf wird schließlich als Vorlage für die Entwicklung genutzt.
  4. Im nächsten Schritt wird getestet und Verfeinerungen gemacht, bevor der Shop schließlich live geht. 

Die Dauer eines solchen Projekts variiert dabei nach Umfang des Produktkatalogs und den zusätzlichen Funktionen. Auch das verwendete Shopsystem spielt eine entscheidende Rolle. Wir arbeiten sowohl mit Magento als auch mit WooCommerce und Shopify. Viele Kunden wünschen sich Einfachheit und einen geringen Aufwand für die Instandhaltung des Onlineshops.

Für Alpine Electronics, ein Tochterunternehmen des japanischen Elektroherstellers Alps Electric, erstellen wir beispielsweise Shops für jedes europäische Land und passen Sprache, Zahlungs- und Versandoptionen sowie rechtliche Vorgaben entsprechend an. Shopify war aufgrund der klaren Struktur das passende Shopsystem. 

Neben der Entwicklung des Shopdesigns geben wir den lokalen Teams ebenfalls eine Einführung in die Bedienung des Backends. Bei über 30 Lokalisierungen war es deshalb ausschlaggebend, dass das System benutzerfreundlich gestaltet ist, sowohl für uns als auch für den Kunden. 

Worin siehst du die Vor- und Nachteile von Magento, WooCommerce und Shopify?

In fast zwei Jahrzehnten Agenturerfahrung habe ich alle Sonnen- und Schattenseiten der gängigen Shopsysteme kennengelernt. Für meine Kunden baue ich nach wie vor mit Magento, WooCommerce und Shopify. In den letzten Jahren empfehle ich letzteres jedoch immer häufiger, weil es oftmals die einfachste Lösung ist. 

Das liegt zum einen an der Benutzerfreundlichkeit des Shopify-Backends, zum anderen an den Nachteilen der anderen Plattformen. Seit dem Update von Magento ist es sehr schwierig mit diesem System zu arbeiten. Der Umzug von Magento 1 zu Magento 2 ist sehr aufwändig, fast so wie der Umzug zu einem grundlegend anderen Shopsystem. Nichts ist gleich. Alle Einstellungen und Daten müssen von Grund auf neu eingerichtet werden. 

Zudem ist Magento sehr resourcenhungrig. Man benötigt einen leistungsstarken Server, was die Kosten schnell in die Höhe treibt. Hierfür bieten wir ein WooCommerce-Paket inklusive Hosting an. Doch selbst dieses ist deutlich kostspieliger als eine Lösung mit Shopify. Das macht sich vor allem bei kleineren Projekten bemerkbar.

Welchen Mehrwert siehst du in dem Partnerprogramm eines Shopsystems?

Ich hatte bereits zwei suboptimale Erfahrungen mit Partnerprogrammen von Magento und WordPress. Durch den mehrmaligen Besitzerwechsel ist der offizielle Support für Experten bei Magento regelrecht eingebrochen. Durch das enorme Wachstum wirkte die Community von WordPress hingegen lediglich überladen und chaotisch. Deshalb habe ich mich nach und nach immer mehr auf Shopify fokussiert. 

Ganz zu Beginn war die gesamte Dokumentation für Shopify-Partner ausschließlich auf Englisch verfügbar. Auch rechtliche Aspekte und Abschnitte des Checkout-Prozesses waren zum damaligen Zeitpunkt noch nicht auf den europäischen Markt angepasst. Die Shopify Partner Manager haben mir mit meinen Anliegen weitergeholfen, sodass ich Schulungen und Tutorials für unsere Kunden durchführen konnte. Mittlerweile ist das System auf die unterschiedlichen Länderanforderungen eingestellt und die Informationen sind auch auf Deutsch verfügbar.

Shopify ist kurzum einfacher für den Kunden

Aus all diesen Gründen haben wir bereits viele Shopify-Migrationen von anderen Plattformen begleitet. Shopify ist kurzum einfacher für den Kunden. Er muss sich weder um Updates, noch um den Server kümmern. Auch für unsere Enterprise-Kunden eignet sich die Cloudlösung. Dank unseres eigens entwickelten Moduls, können sie ihr SAP-System problemlos integrieren.

Warum eignet sich eine SAP Business One-Integration besonders für umsatzstarke Shops? 

Während sich viele Onlinehändler auf SAP Business One als bevorzugte ERP-Lösung verlassen, entscheiden sich nur sehr wenige für Shopify als Store-Frontend. Einige vermeiden eine Anbindung an Shopify, da sie befürchten, dass die Integration zu komplex ist. Dabei zählt das Shopsystem zu den wenigen, die sich dank seiner Benutzerfreundlichkeit hervorragend für eine Verknüpfung mit SAP Business One eignet. 

Die nahtlose Kommunikation zwischen den beiden cloudbasierten Systemen und die einfache Skalierbarkeit unterstützen das Wachstum von Unternehmen. Ohne die Fusion beider Systeme muss sich der Händler bei Shopify einloggen, um auf analytische Zahlen zugreifen zu können. Anschließend muss er diese manuell in das interne SAP-System übertragen. Das kann sehr zeitaufwendig sein. 

In diesem Kontext ist es deshalb sinnvoller, alle wichtigen Informationen an einem Ort, sprich im eigenen ERP System, zu haben. Eine zentralisierte Auswertung von Shopdaten erleichtert vor allem für umsatzstarke Shops die Finanzbuchhaltung.

Welche konkreten Vorteile bringt die Integration von SAP Business One in Shopify?

Ein perfekt integriertes Shopify-System bringt wenig Fehlerpotenzial bei der Datenübertragung zwischen Web-Storefront und Datenbank mit sich. Der Informationsfluss ist zuverlässig und zeitsparend, da keine manuelle Eingabe mehr notwendig ist. Die Integration bedeutet auch eine höhere Effizienz für alle angebundenen Systeme, die PSM- oder CSM-Integration verwenden, was zu einem beschleunigten Informationsfluss im gesamten Unternehmen führt. 

Die wichtigsten Vorteile einer Verknüpfung von SAP Business One und Shopify lassen sich unter folgenden Punkten zusammenfassen:

  • Produktdaten-Synchronisation
  • Wenn neue Produkte zum Shopify-Frontend hinzugefügt werden, folgt eine dynamische Aktualisierung der Elemente im SAP Master. Wenn sich Produktdetails ändern, beispielsweise durch Rabatte, werden sie auch automatisch in der Datenbank aktualisiert. So wird zu jedem Zeitpunkt sichergestellt, dass die Informationen in beiden Systemen übereinstimmen. 

  • Schnellere Bestellbearbeitung
  • Mit der SAP Business One-Datenbank können Käufer selbst ohne Registrierung bestellen und bezahlen, indem sie als Gast einkaufen. Die Auftragsabwicklung wird ebenfalls beschleunigt, da die Laufzeit für Informationen zwischen Standorten verkürzt wird.

  • Buchhaltung
  • Über Shopify getätigte Einkäufe können automatisch zur Finanzbuchhaltung hinzugefügt werden, sobald die Zahlung erfolgt.

  • Automatischer Lagerbestand
  • Wenn Bestellungen entgegengenommen und bezahlt werden, aktualisiert der Lagerbestand automatisch den Lagerbestandswert in beiden Systemen.

  • Aktuelle Kundendaten
  • Für ein Unternehmen mit einem vorhandenen ERP-System können Daten aus der vorhandenen SAP-Datenbank importiert werden. Regelmäßige Updates stellen sicher, dass diese Daten immer aktuell sind.

    Vom Kauf über den Versand bis hin zur Auslieferung ist dem Kunden durch die Anbindung stets bekannt, was mit seiner Bestellung geschieht. Das wiederum führt zu einer hohen Kundenzufriedenheit, denn Kommunikation und Schnelligkeit sind zweifellos zwei der wichtigsten Kriterien im E-Commerce.

    Stichwort Schnelligkeit. Weshalb gehört Speed-Optimierung zu eurem Service-Repertoire?

    Je mehr Script man zu einer Seite hinzufügt, desto langsamer wird sie. Lange Ladezeiten führen dazu, dass ein Onlineshop von Suchmaschinen und Besuchern schlechter bewertet wird. Deshalb legen wir großen Wert auf eine optimierte Schnelligkeit. Bei Shopify ist dieser Aufwand minimal, da viele Elemente automatisch optimiert werden. Hier kommt es darauf an, nicht zu viele Apps im Hintergrund laufen zu lassen.

    Von der Spraydose zum Webdesign

    Good Design just WorksGood Design Just Works – Milo 3oneseven

    Milo hat seine Spraydose aus der Hand gelegt, um heute Händlern wie Alpine unter die Arme greifen zu können. Er hält Shopsysteme im E-Commerce für unumgehbar: Denn sie sind im besten Fall funktional, skalierbar und bieten ansprechende Designs. Durch sie können selbst Händler, die keinerlei Erfahrung in der Webentwicklung haben, einen eigenen professionellen Onlineshop eröffnen. Vorbei sind die Zeiten, in denen nur IT-Profis Webshops einrichten konnten oder alle Karten auf den Vertrieb über Online-Marktplätze gesetzt wurden.

    Die Arbeit mit unterschiedlichen Plattformen macht Milo großen Spaß. Diesen Aspekt sieht er als Schlüssel zu einer erfolgreichen Zusammenarbeit mit seinen Kunden. Der Wissensdurst und der Wunsch innovative Designs zu entwerfen, treibt ihn zusätzlich an. Und obwohl am Schmunzeln in seiner Stimme zu hören ist, dass er mit Freude an seine Jugendsünde, die Zeit als Graffiti-Künstler, zurückdenkt, wirkt er zufrieden seine Kunst heute in Onlineshops, statt auf dem Mauerwerk Münchens betrachten zu können. 

    Titelbild von Sergej Akulich. Weitere Bilder von Bethany Legg.


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