Die Krise als Chance: 7 Dinge, die Shopify-Experten 2020 über starken E-Commerce gelernt haben

Aus der Krise lernen

Für Freelancer:innen und Agenturen weltweit ist 2020 ein Jahr der Gegensätze. Während unzählige Unternehmen noch immer um ihre Existenz kämpfen, zählt der E-Commerce längst zu den eindeutigen Gewinnern der Krise. Onlineshopping boomt - und die Nachfrage nach leistungsstarken Stores, Websites und Apps, die das Einkaufserlebnis noch komfortabler gestalten, ist hoch.

Aber was bedeutet die Krise wirklich für unsere Branche? Wie wirkt sich der Boom auf unsere Workflows und Prioritäten aus - und wie haben Homeoffice und Abstandsgebot unsere Zusammenarbeit mit Kund:innen und Kolleg:innen verändert?


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Wir haben sieben Shopify Partner gefragt, was sie aus dem Jahr 2020 gelernt haben. Hier sind ihre praxiserprobten Learnings für den souveränen Umgang mit einer ungewöhnlichen Situation.

1. Das Ziel muss nicht immer Wachstum sein

Von Engpässen in der Supply Chain bis hin zur vorübergehender Schließung  zahlreicher Ladenlokale infolge des landesweiten Lockdowns: Je nach Branche sehen sich Unternehmer:innen seit Beginn der Corona-Krise mit ganz unterschiedlichen Problemen konfrontiert. Die daraus resultierenden Umsatzeinbußen lassen sich auch mit viel Flexibilität und Kreativität nur bedingt ausgleichen.

Widrigen Umständen Rechnung zu tragen, ist für Klaus Rautenberg von Moving Primates zentraler Bestandteil eines soliden Businessplans - insbesondere in Krisensituationen. „Dass wir als Shopify-Agentur in diesen herausfordernden Zeiten weiterhin wachsen, das wissen wir natürlich zu schätzen”, so Klaus. „Gleichzeitig steht für uns aber auch die Frage im Raum, ob Wachstum der einzig richtige Weg ist.

Die Auswirkungen der Pandemie sind für viele Branchen im Moment nur schwer abschätzbar. Warum sollen wir nicht stolz darauf sein, wenn wir den Status quo erhalten können – vor allem dann, wenn es bedeutet, dass unsere Kund:innen ihre Unternehmen sicher durch die Krise bringen, während rundherum die Branche am Boden liegt?“

Klaus sieht daher auch das Vermitteln realistischer Erwartungen als einen wichtigen Beitrag zum Krisenmanagement: „Als Shopify Partner können wir unsere Kund:innen nicht nur dabei unterstützen, durch E-Commerce neue Businessmodelle zu erschließen. Wir helfen ihnen auch, ihre eigene Stärke in der Krise neu wahrzunehmen und den negativen Tunnelblick gegen Optimismus einzutauschen.“Das Moving Primates Team.Das Moving Primates Team.

2. Auch wenn niemand weiß, wie lange ein Boom andauert: Übernimm dich nicht

Auch für Patrick Rosenblatt zählt Wachstum zu den wichtigsten Themen des Jahres 2020. Bei dem Versuch, mit der rasant ansteigenden Nachfrage nach professionellen Onlineshops Schritt zu halten, stieß seine Agentur Eshop Guide in den vergangenen Monaten mehrfach an ihre Grenzen.

„Es ist anstrengend, wenn man sich bei jeder neuen Anfrage entscheiden muss: Bringe ich das Projekt noch unter oder sollte ich es ablehnen? Da setzt schnell der Hamster-Reflex ein: Andere Branchen kämpfen schon mit Kurzarbeit, wer weiß, wie lange die Lage für uns so üppig bleibt? Nur kann man sich auch leicht selbst ausknocken, indem man Aufträge annimmt, für die man eigentlich gar keine Ressourcen hat.“

Aus diesem Grund sind Patrick und sein Team seit jeher streng mit sich selbst, wenn es darum geht, die eigenen Kapazitäten realistisch einzuschätzen - und bei Bedarf neue Expert:innen an Bord zu holen. „Wir haben in den letzten Monaten sechs neue Mitarbeiter:innen angeheuert“, erzählt Patrick.  „Dabei haben wir gelernt, wie wichtig es ist, auch das Recruiting zu streamlinen.“

Anstatt eine einzige Ausschreibung zu veröffentlichen, empfiehlt das Team von Eshop Guide, klar konturierte Rollen auszuschreiben und die eingehenden Bewerbungen nach einem festen Schema zu bearbeiten. „So konnten wir auch bei insgesamt 200 Bewerbungen allen Interessent:innen innerhalb von 10 Tagen antworten, ohne dass unsere laufenden Projekte darunter leiden mussten.“


Patrick Rosenblatt, Geschäftsführer von Eshop Guide

3. Ein klares „Nein“ im richtigen Moment steigert die Produktivität

Wie wichtig es ist, gerade in schweren Zeiten die eigenen Kapazitäten nicht zu überschätzen, das weiß auch Christoph Dahn von Greenblut. Seit Beginn der Corona-Krise unterstützt der Webentwickler seine Kund:innen dabei, sich aufs Wesentliche zu konzentrieren. „Im Moment eröffnet die ganze Welt Onlineshops. Um sich gegen diese massiv wachsende Konkurrenz durchzusetzen, wird es immer wichtiger, den eigenen Unique Selling Point (USP) herauszuarbeiten.“ 

In einer angespannten Situation, in der sich niemand auch nur den kleinsten Auftrag entgehen lassen möchte, bleibt dieser Fokus jedoch schnell auf der Strecke. „Viele Händler:innen wollen alles für alle machen. Dabei wäre es viel wichtiger, sich auf die 80-20-Regel zu besinnen und die 20 Prozent Aufwand zu identifizieren, die 80 Prozent des Erfolgs ausmachen.“

Christophs wichtigster Tipp für den souveränen Weg durch die Krise? „Öfter mal ,Neinʻ sagen.“ Und das bedeutet, Anfragen, Projekte und auch Zielgruppen, die mehr Aufwand als Mehrwert mit sich bringen, selbstbewusst abzulehnen.

„Diese Taktik gilt übrigens auch für virtuelle Meetings“, fügt er hinzu. „Videokonferenzen sind ein echter Segen, was die Zusammenarbeit auf Distanz angeht, aber sie sind auch viel anstrengender als Besprechungen, bei denen alle an einem Tisch sitzen.“ Christoph empfiehlt daher, klare Zeitlimits zu setzen und darauf zu achten, dass zwischen den einzelnen Videocalls ausreichend Zeit für eine kleine Pause bleibt. 

„Dann findet eben ein Kund:innengespräch am Vormittag statt und das nächste erst nach der Mittagspause. Vor Corona war die Fahrt zum nächsten Termin der Zeitpuffer, den wir brauchten, um den Kopf freizubekommen. Und nur weil wir in dieser Zeit jetzt spazieren gehen oder auf dem heimischen Sofa eine Tasse Kaffee trinken, sollten wir dabei kein schlechtes Gewissen haben: Pausen erhalten schließlich die Produktivität.“

Christoph Dahn, Gründer von GREENBLUT

4. Digitale Medien erhalten dein Netzwerk aus sicherer Distanz

Björn Forsberg, der Gründer von FORSBERG+two, ist seit acht Jahren mit seiner Agentur für Shopify-Apps selbstständig und hat sich in dieser Zeit ein starkes Netzwerk aufgebaut. Sowohl den Kontakt zu seinen Kund:innen als auch den kreativen Austausch mit Kolleg:innen aus aller Welt zu erhalten, war ihm 2020 ein besonderes Anliegen. 

„Mir hat das vergangene Jahr vor Augen geführt, wie wichtig es ist, Kontakt zueinander aufzunehmen und zu halten. Nicht nur, um miteinander übers Geschäftliche zu reden, sondern auch darüber, was gerade im Privaten alles passiert.“

Um den Kontakt zu seinen Kund:innen und Kolleg:innen auch während der Pandemie zu erhalten, nutzt er neben Videokonferenzen und E-Mails auch die Sozialen Medien. „Da muss ich aber echt aufpassen”, gibt er lachend zu. „Es ist viel zu leicht, morgens bei einer Tasse Kaffee stundenlang durch Twitter zu scrollen und zu prokrastinieren.“ 

Björn versucht daher, auch am heimischen Schreibtisch klare Arbeitszeiten einzuhalten. Die Kommunikation mit Kolleg:innen und Kund:innen ist dabei kein Lückenbüßer, sondern erhält einen festen Platz im Terminkalender. „So gehe ich sicher, dass ich die Anrufe nicht aufschiebe, bis alles andere erledigt ist. Das wird nämlich nie der Fall sein - gerade im Homeoffice, wo die Arbeit ohnehin mit Familie und Haushalt um unsere Aufmerksamkeit konkurriert.”

Björn Forsberg, der Gründer von FORSBERG+two

4. Produktives Homeoffice erfordert starken Teamgeist

Für viele Unternehmen stand das Jahr 2020 im Zeichen des Homeoffice. Auch Freelancer:innen und Web-Agenturen sahen sich gezwungen, das Tagesgeschäft aus Büro und Co-Working-Space an den heimischen Schreibtisch zu verlegen.

Welche Veränderungen das für die Zusammenarbeit im Team bedeutet, weiß auch Adrian Piegsa von Tante-E. Die Mitarbeiter:innen der Agentur arbeiten schon seit dem Frühjahr fast ausschließlich im Homeoffice und haben sich längst an das neue, digitale Miteinander gewöhnt - mit all seinen Vor- und Nachteilen.

„Dass unsere Meetings virtuell stattfinden, hat natürlich viele Vorteile”, erzählt Adrian. „Zum Beispiel können wir so als Team unabhängig davon zusammenarbeiten, wer wo wohnt. Aber wir haben auch gemerkt, dass sich das Agenturfeeling nur bedingt in den digitalen Raum verlagern lässt.”

Was Adrian im Corona-Alltag am meisten vermisst, ist die soziale Komponente der gemeinsamen Arbeit im Büro. „Auch wenn sich natürlich Vieles digitalisieren lässt, ist die Arbeitsatmosphäre live einfach lebendiger und kreativer. Wenn das plötzlich fehlt, lernt man das Miteinander ganz neu schätzen.”

Je größer die Distanz, desto wichtiger ist ein starkes Wir-Gefühl: Wenn sich alle als Teil eines Teams fühlen, ist es leichter, gemeinsam Mittel und Wege zu finden, um produktive digitale Workflows zu gestalten. Um den Zusammenhalt zu stärken, rät Adrian daher dazu, den digitalen Raum auch für Unternehmungen jenseits der Arbeitszeit zu nutzen. „Nicht nur für die Kaffeepause per Videokonferenz, sondern auch für ein Feierabend-Special mit Wein-Tasting oder virtuellem Pub Quiz.”

Adrian Piegsa, der Gründer von Tante-E

6. Die Usability ist wichtiger als je zuvor

Infolge des Lockdowns im stationären Einzelhandel haben in diesem Jahr auch Zielgruppen, die den E-Commerce bisher eher gescheut haben, die Vorzüge des Onlinehandels für sich entdeckt. Eine Erfahrung, die das Kaufverhalten nachhaltig prägen wird, vermutet Fabian Gmeindl von Drip Trading.

„In Zukunft werden immer mehr Nutzer:innen online browsen und kaufen. Das schließt auch die älteren Generationen ein. Deshalb ist es besonders wichtig, dass Websites nicht nur ansprechend, sondern vor allem leicht verständlich sind. Darauf sollten wir gezielt optimieren.“ 

Die Bedürfnisse von User:innen zu bedenken, für die der Einkauf im Onlineshop digitales Neuland darstellt, erfordert eine besondere Sensibilität der Webentwickler. „Wenn wir eine Änderung an einer Seite vornehmen, sind wir so tief in der Materie, dass wir nicht bemerken, dass das, was in unserem Kopf Sinn ergibt, für User:innen unpraktisch und verwirrend sein könnte”, weiß auch Fabian.

Seine drei Tipps für maximale Usability sind deshalb: Klare Visualisierungen, einfache Bedienung und nur so viel Content auf einer Seite wie unbedingt notwendig. Das Wichtigste ist allerdings, ab und zu gezielt die Perspektive zu wechseln und die neuen Zielgruppen bewusst in den Entwicklungsprozess einzubeziehen.

„In dieser Hinsicht habe ich viel von meinem Großvater gelernt”, erzählt Fabian. „Stell dir einfach vor, da versucht ein Sechzigjähriger in der U-Bahn auf seinem Smartphone mit schlechtem Kontrast die Website zu nutzen, an der du gerade arbeitest: Wie nutzer:innenfreundlich findet er das Ergebnis wohl?”

Fabian Gmeindl von Drip Trading

7. Es ist mehr als nur okay, auf Sicht zu planen

Kurzarbeit, ungewohnte Arbeitsabläufe und dazu vollkommen überwältigte Versanddienstleister: Die Corona-Krise hat die Produktions- und Lieferketten vieler Onlinehändler:innen ins Stocken gebracht. Die Folgen? Ausverkaufte Produkte und lange Lieferzeiten. „Viele unserer Händler:innen mussten aufgrund von Lieferengpässen ihre Aktionen kurzfristig umgestalten oder komplett auf einen Plan B ausweichen“, erinnert sich Petra Dobrocka von byrd

Wer in kleinen Schritten auf Sicht plante, konnte sich an die in der Krise teils schnell wechselnden Bedürfnisse der Verbraucher:innen und des Marktes umso leichter anpassen. „Das funktioniert allerdings nur, wenn auch die interne und externe Unternehmenskommunikation stimmt“, merkt Petra an.  

„Da muss die Logistik eng mit dem Marketing zusammenarbeiten und das Marketing seinerseits ganz klare Kommunikation mit den Kund:innen betreiben. Unternehmen, die das geschafft haben, konnten nicht nur Verluste vermeiden, sondern oftmals sogar von der Situation profitieren.“

Um die Balance zwischen Planungssicherheit und Flexibilität zu halten, sind auch die Freelancer:innen und Agenturen gefragt, die die Unternehmen auf ihrem digitalen Weg begleiten. „Es ist wichtig, dass unsere Kund:innen eine klare Vorstellung davon haben, was wie lange dauert. Die Angst vor dem Ungewissen lähmt - und dagegen können wir ja leicht etwas unternehmen.“

Petra Dobrocka, Mitgründerin von byrd

Petra Dobrocka, Mitgründerin von byrd

Zuversicht als Kernkompetenz im Krisenmanagement

Es wäre falsch, zu behaupten, dass das Krisenjahr 2020 für alle Unternehmer:innen gleichermaßen Chancen geboten hat: Viele Branchen ringen bis heute mit Umsatzeinbrüchen und Einschränkungen durch die Corona-Maßnahmen. Allerdings wäre es mindestens genauso falsch, zu resignieren.

Dank der tatkräftigen Unterstützung durch Agenturen und Freelancer:innen konnten viele Unternehmen innerhalb weniger Monate aus der Not eine Tugend machen und digitale Märkte für sich entdecken - auch in Branchen, die dem E-Commerce bislang eher skeptisch gegenüberstanden.

„Es ist schon irgendwie beeindruckend, wie oft es erst einmal einen Schuss vor den Bug geben muss, damit offensichtliche Prozesse endlich in Gang kommen“, findet auch Patrick Rosenblatt. Der Lockdown im Frühjahr hatte in Deutschland kaum begonnen, als ihn die ersten Anfragen erreichten und innerhalb einer Woche konnte das Team von Eshop Guide die ersten Onlineshops live schalten.

„In den letzten sechs Monaten haben manche dieser Shops mehrere Millionen Euro eingenommen“, berichtet Patrick beeindruckt. „Ihre schnelle Reaktion auf die veränderten Gegebenheiten haben die Händler:innen sicher nicht bereut. Aber vielleicht haben sie sich geärgert, dass sie erst bis zum Lockdown damit gewartet haben, ihre eigenen Onlineshops aufzubauen.“

Lesetipp: Eine Shopify-Partner-Prognose: Was erwartet uns in 2021?

Wichtig ist daher – und da sind sich alle Shopify Partner, mit denen wir uns über das Jahr 2020 unterhalten haben, einig – trotz aller Widrigkeiten die Zuversicht nicht zu verlieren. Ja, auf eine Auftragsschwemme folgt vielleicht ein Tief, und ja, im Homeoffice arbeitet es sich definitiv anders als gemeinsam im Büro oder Co-Working-Space. Aber mit ein bisschen Flexibilität, Kreativität und Optimismus bietet jede Krise auch die Chance, neue Wege zu gehen, neue Zielgruppen zu erschließen und Produkte zu entwickeln, auf die wir unter anderen Umständen vielleicht nie gekommen wären. Unter Druck entstehen schließlich auch Diamanten.


Titelbild von Mark König.



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