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Auf die Kette gekriegt: Wie die XOUXOU Handykette vom Spielplatz in die Welt kam

Hätte, hätte, Handykette! Genau darum geht es in der vierten Folge unseres Shopify Podcasts. Dieses Mal digitaler Gast: Yara Jentzsch Dib. Sie hat 2016 das Unternehmen XOUXOU gegründet und damit einen echten Trend ausgelöst, den jeder mittlerweile schon einmal gesehen haben dürfte. Sie hat aus Eigenbedarf heraus die Handykette erfunden und ein Unternehmen mit 15 Mitarbeiter*innen in Berlin aufgebaut.

Im Podcast erzählt sie, wie sie auf diese Idee kam, was ein portugiesisches Kosewort mit dem Firmennamen zu tun hat und was ihre größte Herausforderung auf dem Weg war.

Die komplette Transkription dieser Folge findest du hier.

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Show Notes


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Vom Nestbau zur Business-Idee

Yara Jentzsch Dib: Ich bin Yara, ich bin die Gründerin von XOUXOU. Damals habe ich eigentlich nur meinem Hobby Raum gelassen. Das war Makramee, eine Knüpftechnik aus Seilen. Ich war schwanger mit meinem ersten Kind, es war Winter in Berlin, ich hatte Zeit und ich wollte einfach kreativ sein. Ich habe dann nach etwas gesucht, was ich hier zu Hause machen kann und was mir Spaß macht.

Manuel Fritsch: Was knüpft man denn normalerweise so?

XOUXOU-Gründerin Yara Jentzsch Dib

Yara: Pflanzenampeln zum Beispiel, damals war es eine Krippe oder Wandteppiche. Das war und ist total in Mode. Plant Hanger sagt man dazu, die gibt es jetzt in jedem großen Kaufhaus in Massen. Damals war es aber noch im Kommen und ich habe das da so ein bisschen gefunden und mich damit identifizieren können, da ich ein sehr großes Interesse für Einrichtung habe. Zu dieser Zeit wahrscheinlich besonders. Man sagt ja, Frauen, die schwanger sind, haben einen großen Nestbautrieb.

Es war nicht unbedingt eine Idee, von der ich dachte, damit gründe ich jetzt.

Manuel: Wie kommst du jetzt vom Nestbau, von einer Beschäftigung für deine Hände, hin zu einer Marke, die inzwischen wahrscheinlich jeder kennt, weil diese Handyketten ein wahnsinniger Trend geworden sind?

Yara: Es ist inzwischen wirklich ein Markt, das ist ein Accessoire, was jetzt seinen Platz erkämpft hat. Der Kuchen ist riesig, es gibt unfassbar viele Konkurrenten - damals war es nicht so. Es war so, dass ich dafür auch belächelt wurde. Es war nicht unbedingt eine Idee, von der ich dachte, damit gründe ich jetzt. Ich habe mich nicht hingesetzt und versucht, irgendwas zu finden, was allen gefällt und was ein Bedürfnis auslöst. Ich habe einfach selbst mein Handy überall vergessen und gemerkt, dass ich davon eingenommen bin, dass ich immer daran denke, wo mein Handy ist. Dieser Gedanke hat zu viel Raum in meinem damaligen Leben eingenommen. Es hat mich genervt, denn ich war so verliebt in mein Kind und wollte meine Hände dafür freihalten, um es zu halten und rauszugehen.

Allmählich wurde es Frühling und ich wollte eigentlich nicht an mein Handy denken. Damals habe ich trotzdem gemerkt, dass ich es brauche für Einkaufslisten und alles Mögliche. Ich bin eines Tages nach Hause gekommen und hielt mein Schlüsselband in der Hand und dachte, „Lustig, meinen Schlüssel habe ich immer dabei und den vergesse ich nie und weiß immer, wo er ist.“ Dieses Band ist prominent, ich sehe das in meiner Tasche und ich kann es mir umhängen, muss mir also keinen Kopf drum machen, wenn ich mal ohne Tasche rausgehe. Da dachte ich, vom Prinzip her ist es das, was ich für mein Handy brauche.

Ich brauche ein Schlüsselband um mein Handy!

Damals hatte ich schon diese berühmte durchsichtige Plastikhülle drum, und bin dann nachhause gekommen, habe zwei Nadeln an einer Kerze erhitzt und da Löcher reingemacht. Dann habe ich da zwei Ringe durchgemacht und somit meinen ersten Prototyp erstellt. Das habe ich damals gar nicht als solches angesehen - für mich war es eine Lösung, es war kein Prototyp. Durch mein Hobby hatte ich überall Seile und davon habe mir dann ein Stück genommen und dachte, das schlinge ich jetzt da drum, mache einen Knoten und das war’s!

Alles begann mit Tauschgeschäften

Durchsichtige Hülle, bunte Seile und zwei Ringe - so einfach und genial sind die XOUXOU-Ketten aufgebaut

Manuel: Was hast du denn vorher gemacht, bevor du dann schwanger wurdest?

Yara: Ich habe Filmwissenschaften und Schauspiel studiert und sowohl bei Produktionsfirmen als auch vor der Kamera gearbeitet. Ich hatte damals das Problem, dass ich mein Handy überall liegenlassen habe am Set. Damals war es einfach ein Problem, das ich nicht weiter hinterfragt habe. Mit einem Kind sind doch Relationen alle verschoben und dann war ich pragmatisch genug, um mir da eine Lösung zu suchen und selbst aktiv zu werden.

Das ist die Einleitung zu der Geschichte. Denn was dann passierte, ist das wirklich Relevante: ich bin damit auf die Straße gegangen und die Reaktionen waren total durchmischt - aber sie waren da und vor allem von sehr unterschiedlichen Leuten. Das hat mich getriggert.

Das Publikum hat immer Recht!

Manuel: Haben dich Leute auch dann direkt angesprochen?

Yara: Ich habe ja Schauspiel studiert und da gab es einen Leitsatz von unserem Dozenten: Das Publikum hat immer Recht. Das ist mir wieder in den Kopf geschossen, als ich dann gesehen habe, dass die Leute auf der Straße, im Café oder auf dem Spielplatz eine Reaktion hatten. Es war ein positives: „Was ist da? Wo kann ich das kaufen?“. Da meinte ich, „Das kann man nicht kaufen, ich weiß nicht mal, wie ich es nennen soll!“. Mein Freund hat ein Restaurant und da saß ich oft mit meinem Kind und dieser Handykette und habe dann erst mal alle, die dort arbeiten, ausgestattet. In der Gastronomie gilt keep your hands free, du musst aber natürlich trotzdem für Reservierungsanrufe erreichbar sein. Es war eine ganz eigene Dynamik, die am Anfang von mir geschürt wurde und plötzlich wie ein Lauffeuer vorgeschossen ist.

Manuel: Das heißt, du hast sie dann für Freunde und Bekannte gebastelt?

Yara: Genau. Ich bin inzwischen eine Geschäftsfrau, aber am Anfang war es mir ungeheuer, Geld von meinen Freunden zu nehmen. Deswegen habe ich lieber Tauschgeschäfte gemacht. Du bist Physiotherapeutin, ich bastle dir eine Kette und du machst mir eine Massage. Dann im Sommer 2017 waren viele Freunde von mir auf Festival und meinten, dass es gerade für Festivals gut ist. Man will sein Handy nicht halten, aber man braucht es für Fotos und Co. Das war dann die zweite Nische. Angefangen auf dem Spielplatz mit Mamas als erste Klientel. Aber ganz schnell ging es dann über in die Festival- und die Sommer-Nische.

Mehr als nur ein kurzfristiger Hype

Manuel: Wo war dieser Schlüsselmoment, als du dachtest, ich muss den nächsten Schritt gehen?

Ich habe am Anfang bei jeder Order einen kleinen Herzsprung gehabt.

Yara: Ich hatte damals einen E-Shop mit anderen Sachen, alles Unikate. Wenn ein Teil verkauft wurde, war es sold out. Bei der Handykette habe ich es dann erstmals eingeführt als Produkt, nicht on demand, sondern so, dass es immer vorrätig ist. Ich dachte, ich kann es einfach basteln und am nächsten Tag gehe ich zur Post. Als ich die Handykette aufgenommen habe, hat sie innerhalb von zwei Monaten alle anderen Produkte verdrängt. Plötzlich kamen Bestellungen aus Hamburg, München, Düsseldorf, Köln und ich war in Berlin. Das waren keine Bekannten mehr.

Ich habe am Anfang wirklich bei jeder Order einen kleinen Herzsprung gehabt, denn mein Handy hat dann immer einen bestimmten Sound gemacht. Da habe ich gemerkt, dass es eine Dynamik gibt, die an Fahrt aufnimmt. Ich habe dann angefangen vorzuproduzieren. Nachdem das Kind eingeschlafen war, saß ich zuhause am Küchentisch zuhause saß und habe gebastelt. Es gab 16 Schritte, Löcher in die Cases machen, dann Biegeringe reinbasteln, Seile zuschneiden, Seile mit Feuer anspitzen - es gab viele Schritte, das war wirklich Handarbeit. Das kann bis heute nicht maschinell gemacht werden.

Mein Freund ist ziemlich schnell mit eingestiegen und wir haben angefangen mehr Cases zu bestellen. Wir waren immer out of stock. Ich merkte irgendwann, ich brauche ich eine kleine Werkstatt und habe dann bei Kleinanzeigen nach bastelaffinen Studentinnen und Studenten gesucht, und wurde fündig. Ich habe alle mit Materialien versorgt, Seilen, Werkzeugen und Cases.

Manuel: Aber es war immer noch so, dass du das eher nebenher gemacht hast?


Gründerin Yara und ihre zwei Kinder - der Grund warum XOUXOU entstand

Yara: Ich war komplett eingenommen, jede freie Minute war Homeoffice angesagt. Es war schon nicht mehr so, dass es so ein Hobby war. Aber wir hatten keine Kapazitäten, uns besser aufzustellen. Wir mussten uns personell erweitern, aber gleichzeitig auch den Bedarf decken. Im Mai 2018 war es dann so, Richard ist eher der Zahlenmensch und Analytiker, und er meinte, wenn das jetzt so weitergeht, dann ist der Sommer krass, da können wir uns drauf vorbereiten. Ich war hochschwanger mit meinem zweiten Kind. Wir waren gar nicht aufgestellt, wir waren nicht wirklich darauf vorbereitet.

Es war eine Nummer zu groß damals.

Manuel: Ihr wurdet überrannt von dieser plötzlichen Nachfrage. Hattest du das Gefühl, das ist nur ein Trend und kann dann auch wieder schnell weg sein?

Yara: Das ist auf jeden Fall eine gute Frage, weil ich sehr lange gebraucht habe, um zu verstehen, dass das ein neuer Markt ist. Wir haben uns lange nicht gut aufgestellt, weil wir dachten, das ist ein Hype für einen Sommer. Es hat einen Moment gebraucht, um zu verstehen, jetzt kommen Konkurrenten, es ist ein Markt, es ist ein Accessoire, was inzwischen auch von großen Ketten nachgemacht wird. Ich glaube, solange Menschen an Handys gebunden sind und sie diese Geräte weiter in ihren Alltag integrieren, wird die Handykette bestehen.

Der Weg zur XOUXOU-Marke

Manuel: Wann wurdest du denn dann richtig zur Gründerin?

Yara: Das lief auf jeden Fall fließend, und es war auch was, wo ich reingewachsen bin und immer noch reinwachse. XOUXOU nimmt immer wieder eine neue Form an. Es gab diesen Ist-Zustand und aus dem heraus sind wir gewachsen, haben Leute gesucht, haben uns professionalisiert, haben unser Fulfillment und unser Backend besser aufgestellt. Wir können in so vielen Richtungen wachsen, horizontal wie vertikal. Es gibt Länder, da gibt es das Produkt noch nicht. Ich war im Dezember in New York bei einem Event und da wurde ich wieder so anguckt. Diese Blicke kannte ich von Berlin 2016, und es ist lustig, dass es New York war, denn es ist eigentlich meistens andersrum, was die Trends betrifft. Da sind wir jetzt auch und haben ein Fulfillment-Center und versuchen den Markt zu eröffnen.  

Dann gibt es natürlich auch die andere Achse, was Produkte betrifft. Wir müssen eine Brand aus XOUXOU machen und für was stehen und Werte haben. Dann können wir auch andere Produkte verkaufen, da sehe ich noch ganz viel für kommen.

Manuel: Zum Thema Branding - magst du uns da ein bisschen mitnehmen, wie ihr das entwickelt habt?

Yara: Das war ein langer Prozess, bei dem auch viele Menschen beteiligt sind. April letzten Jahr haben wir uns ein Office geholt und haben angefangen, Strukturen zu etablieren und darüber nachzudenken, wofür wir stehen und was wir wollen. Durch Corona ist es jetzt wieder so, dass wir viel Homeoffice machen, aber damals war es dann Thema, dass wir für privat Raum schaffen müssen und der ist geografisch schon erst mal schärfer zu definieren. Mit zwei kleinen Kindern war es doof zu Hause zu arbeiten, denn ich wurde weder dem einen noch dem anderen gerecht. XOUXOU ist schon sehr erwachsen über das letzte Jahr und wir haben Zeit gehabt und merken immer mehr, dass wir ein tolles Team haben, immer weiter an der Firma arbeiten und viel weiterdenken.

Manuel: Wie ist es mit dem Thema Nachhaltigkeit, produziert ihr weiterhin in Deutschland?

Yara: Das geht leider nicht mehr, weil wir inzwischen eine Modularserie haben, die komplett von uns entwickelt wurde und aus einem Guss besteht. Dazu mussten wir einfach nach China gehen. Das ist die Szene für Handyhüllen. Es gibt eigentlich keine Handyhülle, die nicht in China produziert wird. Unser erster Lieferant ist bis heute eigentlich unser einziger Lieferant. Der ist mit uns mitgewachsen. Irgendwann gab’s von unserer Seite die Bitte, ob vielleicht die Löcher an den durchsichtigen Hüllen schon vorhanden sein könnten, ob man es in die Form integrieren könnte. Das war für uns ein totaler Gamechanger. Wir haben ihm erste Bilder geschickt von unseren Produkten und der kannte das nicht. Das gab’s dort auch noch nicht. Das finde ich schön, dass man gemeinsam wächst.

Die nächste Generation - modulare Handyketten mit Karabiner

Was unsere Produkte betrifft, wir sind natürlich ein Produkt aus Silikon. Wir arbeiten an unserer Nachhaltigkeit indem wir Produkte schaffen wollen, die einen Wert haben. Bei den Modular-Produkten und den neuen, die jetzt kommen, arbeiten wir an Qualität. Auch wenn man ein neues Handy hat, kann man die Bänder behalten und mit der neuen Hülle benutzen. Die alte Hülle hat noch einen Marktwert und kann weiterverkauft werden oder verschenkt werden.

Das Ziel: den Markt vergrößern

Manuel: Und wie geht denn die Reise jetzt weiter? Merkst du, dass der Trend zurückgeht?

Yara: Corona hat uns auch zu schaffen gemacht, wir haben auf jeden Fall einen deutlichen Drop gespürt am Anfang, von dem wir uns allmählich erholen, aber unsere Jahresplanung sah ganz, ganz anders aus. Das ist jetzt einfach eine Realität, mit der wir umgehen müssen und wo wir auch unsere Herausforderung haben und dabei auch unseren Weg finden. Und wie es weitergeht? Besser werden, was die Produkte betrifft und geografisch expandieren. Wir haben jetzt inzwischen Fulfillment in Kalifornien und wollen da den Markt erobern. Intern einfach professioneller werden, die Firma gesund wachsen lassen, nicht krass explosiv, sondern gut und geführt.

Manuel: Wie schnell ging das bei euch mit den Mitarbeiterwachstum?

Yara: Wir haben inzwischen 15 Mitarbeiter und manche sind noch in Kurzarbeit. Wir haben auch während Corona weitergesucht, weil es einfach Profile waren, die wir davor schon gesucht haben. Da haben wir ein großes Asset gesehen, uns als Firma besser und mit mehr Potenz aus der Krise zu führen.

Manuel: Du hast damit nicht gerechnet, nach dieser Idee auf einmal 15 Mitarbeiter*innen zu haben, Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu haben. Wie hast du das erlebt?

XOUXOU ist wie unser drittes Kind.

Yara: Bei mir ist es so, dass natürlich die Partnerwahl krass entscheidend ist. Richard und ich haben zwei Kinder zusammen und wir arbeiten beide bei XOUXOU. Wir sind sehr symbiotisch, was die ganze Alltagsstruktur und Alltagsgestaltung betrifft. Da spielen wir uns gegenseitig zu. XOUXOU ist wie unser drittes Kind. Das braucht genauso viel Aufmerksamkeit, ganz andere natürlich, aber es will auch wachsen.

Manuel: XOUXOU ist auch ein Kosewort, was du zu deinen Kindern am Anfang gesagt hast, bevor der Name für die Firma kam, oder?

Yara: Genau. Eine ganz intuitive Entscheidung von mir. Ich habe mein Kind Xuxu genannt, auf Portugiesisch bedeutet das so viel wie Liebling, Schätzchen, Darling. Ich habe nicht lange überlegt, damals habe ich halt meine gebastelten Plant Hangers an Boutiquen hier an Berliner Freunden verkauft. Die meinten dann, „Willst du nicht vielleicht einen Namen haben, damit wir das besser positionieren können?“. Ich so, nennen wir es doch einfach XOUXOU, weil es mein meistgesprochenes Wort gerade ist. Inzwischen kann ich meine Kinder gar nicht mehr so nennen, weil es so ein Eigenwort geworden ist.

Ich bin auch froh, dass ich nicht wusste, was auf mich zukommt, weil ich sonst wahrscheinlich sehr verkopft gewesen wäre und mir zu viele Gedanken gemacht hätte, was cool klingt oder aussprechbar ist. Um den Namen XOUXOU gibt’s auf jeden Fall ein kleines Geheimnis und das finde ich ganz gut ehrlichgesagt.

Manuel: Hier im Podcast stell ich oft die Frage, gibt es sowas wie ein Gründer- oder Gründerinnen-Gen? Wie würdest du das beantworten?

Yara: Ich glaube, es ist eine Mischung. Ich war schon immer selbstständig und will es auch immer bleiben. Selbstständig im Sinne von frei gestalten, frei entscheiden und auch mal Nein sagen können. Das will man entweder oder nicht. Bei mir ist es dafür auf jeden Fall eine gute Voraussetzung gewesen, dass ich nicht zu durchdacht war oder zu verkopft, sondern dass mir das schon zugefallen ist. Auch, wenn es viel Arbeit ist und ich lernen musste, um Hilfe zu bitten und Dinge abzugeben. Dass das erstmal so meine Veranlagung war, zu gründen, nicht zu verkopft zu sein und einfach volle Kanne reinzugehen, ist ein Charakterzug, der auf jeden Fall dazu beigetragen hat.


Manuel: … und dieser Nachfrage nachzugehen, anstatt aus Angst zu sagen, nein, ich mache es nicht, das ist mir zu gefährlich.

Es war schon immer klar, diese Fahrt wird gefahren.

Yara: Das kam gar nicht in Frage, in keiner Sekunde. Es gab Überforderung, es gab Momente, wo ich dachte, das ist mir viel zu viel, aber es gab nie den Moment, wo ich gesagt habe, soll ich das jetzt weitermachen oder soll ich abbrechen? Nein, es war schon immer klar, diese Fahrt wird gefahren.

Corona als größte Herausforderung

Manuel: Gab’s denn Rückschläge, durch die ihr durch musstet?

Yara: Ich würde sagen, dass Corona auf jeden Fall eine sehr große Herausforderung war. Nicht nur persönlich, sondern beruflich. Sich neu zu finden, neu zu positionieren, neue Workflows und neue Kommunikationsarten, und auch zu überlegen, was wird alles kommuniziert und wie viel wird abgegeben, wie viel wird weitergeführt? Corona ist auf jeden Fall eine der größten Challenges gewesen.

Manuel: Dann kommen wahrscheinlich noch rückgehenden Bestellungen dazu, oder?

Yara: Genau. Die Sommermonate spielen uns eigentlich immer sehr zu. Es war ja jetzt genau in den Sommermonaten. Wir mussten schauen, wie wir uns anpassen, mit dem Stock umgehen, was schon bestellt war und so weiter. Das sind viele Knöpfe, wo wir dachten, okay, welche drücken wir jetzt und wie spielen wir das?

Manuel: Ab welchem Moment habt ihr dann gemerkt, es hilft Marketing zu machen? Habt ihr da nachgeholfen oder lief euch das immer so ohne große Unterstützung zu?

Marketing war nie etwas, wo wir uns für entscheiden mussten. Es war immer klar, dass wir es machen.

Yara: Social Media ist auf jeden Fall schon immer eine große Plattform von XOUXOU gewesen, auch Ads. Mein Freund und seine Freunde hatten damals eine Agentur und am Anfang haben die mich gefragt, ob die mit XOUXOU ein bisschen ausprobieren können. Ich fand das cool und wollte das auch auf jeden Fall ausprobieren und muss sagen, dass es da auch auf viel Zustimmung gestoßen ist. Marketing war nie etwas, wo wir uns für entscheiden mussten. Es war immer klar, dass wir es machen. Ab dem Moment, als wir uns für mehr Stock entschieden, als wir an Nachfrage dahaben. Ab dem Moment musst du verkaufen.

Manuel: Am Anfang hattet ihr auch die Vorteile, dass Magazine und Frauenzeitschriften über euer Produkt berichtet haben. Kamen die auch viel auf dich zu?

Yara: Total. Erstens war die Nachfrage da „Was ist das für ein Produkt und warum haben es jetzt alle an?“ und es gab sehr viele Inbound-Anfragen. Bis heute kommt da sehr viel rein und wir müssen gar nicht so nach außen treten. Wir arbeiten, tüfteln und verbessern uns und freuen uns über das Interesse, sei es an der Geschichte oder an dem Produkt.

Warum Shopify die erste Wahl war

Manuel: Du hattest schon am Anfang einen Shop. Warst du da direkt bei Shopify?

Yara: Ja, ich bin lustigerweise direkt bei Shopify gelandet. Ich kannte es damals nicht und habe nach etwas gesucht, was am selbsterklärendsten ist. Da habe ich ein bisschen recherchiert und bin da ziemlich schnell darauf gekommen. Ich fand auch cool, dass ich mit Drag & Drop einfach meinen Shop gestalten konnte. Ich hatte Elternzeit und habe da die Zeit gehabt, mir das anzueignen, mir was selbst beizubringen. Im Endeffekt handelt es sich genau um den gleichen Account, den gleichen Shop, der natürlich jetzt ganz anders aussieht und auch im Backend ganz anders aufgestellt ist, aber im Kern hat sich alles drum herum entwickelt.

Ich hatte keine Ahnung, ob das funktioniert, was ich mache und ich wollte auch kein Minus machen.

Manuel: Jetzt als großes Unternehmen mit 15 Mitarbeiter*innen und Tausenden von Bestellungen, hat euch Shopify alles geboten, was ihr gebraucht habt?

Yara: Ja. Damals war es für mich wichtig, dass es kein Festbetrag ist, sondern dass der Betrag, den ich zahle, davon abhängt, wie viel ich verkaufe. Das fand ich fair. Ich hatte keine Ahnung, ob das funktioniert, was ich mache und ich wollte auch kein Minus machen.

Ich dachte, das ist ein Hype.

Manuel: Gibt es irgendwas, wo du sagst, das hätte ich wissen müssen?

Yara: Vielleicht wäre es nicht schlecht gewesen, ein bisschen mehr daran zu glauben, dass es sehr viel Potenzial hat und sich schon gut aufzustellen. Ich war selbst davon überzeugt, ich habe nur nicht so schnell erkannt, dass das wirklich ein Markt ist. Ich dachte, das ist ein Hype.

Damals hätte ich gar nicht das Budget gehabt jemand anzustellen. Es war schon gut, dass es organisch passiert ist. Ich finde es auch schön, dass wir keine Investoren haben, denn dann wären wir nicht so frei gewesen.

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Which method is right for you?Manuel Fritsch ist der Moderator des Shopify Podcasts. 2000 gründete Manu sein erstes Unternehmen und arbeitete 15 Jahre in der Agenturwelt. Seit 2015 ist er als freiberuflicher Spielejournalist für Fachmagazine, Zeitungen und seinen eigenen Podcast mit inzwischen über 2.500 Folgen tätig.

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