Marketing ist nichts für Sie.

Marketing ist nichts für Sie.

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Nach über zehn Jahren im Marketing bin ich vor kurzem zu dem Schluss gekommen, dass Marketing nichts für mich ist.

Lesen Sie bitte erstmal weiter, bevor Sie sich ein Urteil bilden. 

Ich bin seit 2005 im Marketing tätig, damals hatte ich ein Musikvideo für eine Heavy-Metal-Band gedreht. Nachdem ich einen ganzen Sommer lang gedreht und geschnitten hatte, fragte ich mich ernsthaft, ob all die Mühen nicht vergeblich waren, wenn niemand das Video sieht.

Obwohl ich stolz auf mein Produkt war, war ich immer noch nervös, was meine Freunde und die Familie wohl sagen würden.

Obwohl ich stolz auf mein Produkt war, war ich immer noch nervös, was meine Freunde und die Familie wohl sagen würden. Es wurde sogar noch schlimmer, als ich bemerkte, dass Leute, die sich das Video ansahen, nach 30 Sekunden irgendwie hibbelig wurden und dass sie nach den vollen drei Minuten und neunundzwanzig Sekunden ziemlich fertig aussahen.

Irgendetwas stimmt hier nicht

War das Video so schlecht? Hatte ich einen ganzen Sommer verplempert? War diese Band so schlecht und nur ich hatte es nicht bemerkt? Sollte ich aufhören, die Dinge zu tun, die mir so viel Spaß machen?

Irgendwann, in einer schicksalhaften Nacht, erzählte ich meinem besten Freund von diesen Sorgen und Nöten.

Ich denke, wir alle kennen diese Momente in unserem Leben, wenn die Zeit still zu stehen scheint und wir jedes Detail wahrnehmen, sodass wir diesen Moment niemals vergessen werden.

Nur weil du dieses Video gemacht hast, bedeutet das nicht, dass ich es gut finden muss.

Die Antwort meines besten Freundes war so ein Moment. Er lächelte wissend: "Tommy, du bist egoistisch. Nur weil du dieses Video gemacht hast, bedeutet das nicht, dass ich es gut finden muss. Es ist wirklich nicht schlecht. Hättest du eine bessere Kamera benutzt, könnte es auf MTV laufen." 

"Es ist nur so ... dieses Video ist nichts für mich. Nicht meine Musik, ich mag den Sänger nicht und ich würde garantiert kein Geld ausgeben, um diese Typen live zu sehen. Das hat nichts mit dir zu tun."  

"Außerdem hast du dieses Video nicht für mich gemacht. Du hast es für Leute gemacht, die diese Band mögen, damit sie es mit ihren Freunden teilen können. So können diese Leute ihre Kumpels zu einem Konzert einladen, ohne das Risiko einzugehen, dass diese die Musik nicht mögen."

"Dieses Video ist nichts für dich. Es geht nicht um dich. Dies ist ein Musikvideo für Leute, die sowas mögen. Anstatt mich damit zu nerven, solltest du dir überlegen, wie du es Leuten zeigen kannst, die sich dafür interessieren."

In diesem Augenblick erkannte ich, dass ich mein Produkt mit den falschen Leuten teilte. 

Falsches und richtiges Publikum

In diesem Augenblick erkannte ich, dass ich mein Produkt mit den falschen Leuten teilte. Ich erkannte, dass ich die Fans glücklich machen wollte, dass das Video Teil ihres Lebens werden sollte, dass es zu ihnen gehören sollte. Fans sollten das Video teilen wie etwas ganz Essenzielles aus ihrem eigenen Leben, das würde sie cooler machen in den Augen ihrer Freunde.

Im Nachhin klingt das ziemlich profan, doch damals hat mir der Rat meines Freundes die Augen geöffnet. Es ging komplett gegen das "Arbeit hart und die Leute werden dich belohnen“-Prinzip, mit dem ich aufgewachsen war.

Niemand schuldete mir etwas, nur weil ich hart gearbeitet hatte. Aber das Video mit den richtigen Leuten zu teilen, dürfte noch schwieriger werden.

Was ist echtes Marketing?

Heute weiß ich, dass sich echtes Marketing niemals um einen selbst dreht. Es geht immer um das Zielpublikum - dessen Wünsche, Bedürfnisse, Hoffnungen und Träume. Das Ego fragt: "Und was ist mit mir?" Aber echtes Marketing fragt: "Was kann ich geben?"

Echtes Marketing dreht sich niemals um einen selbst.

Kurz nach diesem Gespräch mit meinem Freund, fing ich an, das Video den Leuten zu zeigen, die es gut finden würden. Ich sah mir die Myspace-Seite der Band an und kontaktierte jeden ihrer 2.000 “friends" persönlich, einen nach dem anderen.

Ich kontaktierte ein paar lokale Musik-Blogger, die über diese Art von Musik schrieben. Ich kontaktierte ein paar alte Freunde, von denen ich wusste, dass sie früher Heavy Metal gehört hatten. Ich ging zu Konzerten ähnlicher Bands und zeigte den Fans mein Video.

Ich hatte eine Heidenangst. "Was, wenn sie es hassen? Was, wenn sie denken, dass ich ein Spammer bin? Was, wenn sie mich blocken? Was, wenn ich es falsch mache? Was, wenn ... Was, wenn ... Was, wenn ...."

Jedes Mal, wenn ich mich zu sehr sorgte, erinnerte ich mich an den Rat meines Freundes:

"Manche werden‘s mögen, andere nicht. Was soll‘s, mach einfach weiter."  

Erst als ich meine Komfortzone verlassen hatte, gingen all diese Türen für mich auf.

Raus aus der Komfortzone!

Zuerst fragten mich andere Bands, ob ich ein Musikvideo für sie machen könnte. Dann wurde ich plötzlich der "Video-Typ" bei lokalen Konzerten, und bevor ich mich versah, hatte das Original-Musikvideo über 5.000 Views. Nicht vergessen: YouTube war gerade mal ein Jahr alt, das war damals viel!

Ein paar Monate nachdem das Video von den richtigen Leuten gesehen wurde, veröffentlichte die Band ihre Debüt-CD bei unserem lokalen Musiklabel.

Zur Releaseparty herrschte ein riesiger Andrang. Einige Fans kamen von weit her, nur um eine CD zu kaufen und die Band mal persönlich kennenzulernen.

Die Band gab zwei Stunden lang Autogramme auf ihrem Album, T-Shirts und Plakaten. In diesem Moment fühlten wir uns alle wie echte Rockstars.

Später erzählte uns jemand aus dem Plattenladen, dass die Band an dem Abend mehr Platten verkauft hätte als Stars wie U2, Korn und Tool bei deren Releases.

Die Lektion für jeden, der diesen Artikel liest - Ladenbesitzer, Marketing-Profi oder Unternehmer - ist, dass Marketing nichts für Sie ist. Beziehungen zu Ihrer Zielgruppe aufzubauen, hat nichts mit Ihnen zu tun. Marketing dreht sich um die Menschen in Ihrer Zielgruppe, diese müssen Sie glücklich machen.

Marketing hat nichts mit Ihnen zu tun. Marketing dreht sich um die Menschen in Ihrer Zielgruppe, diese müssen Sie glücklich machen!

Die richtige Zielgruppe zu finden, ist das härteste Stück Arbeit. Vielleicht müssen Sie 50 Blogger anschreiben oder eine Partnerfirma finden oder mit Wildfremden ein paar Kurze verhaften, um Zugang zu den richtigen Leuten zu bekommen. 

Insgeheim wissen Sie garantiert schon, was Sie tun müssen, allerdings haben Sie Angst, es anzugehen. 

Aber von nichts kommt nichts. Man muss sich angreifbar machen, seine Seele nach außen kehren und kann nur hoffen, dass die Zielgruppe es einem zurückzahlt.  

Komischerweise ist es so: Je mehr man gibt, desto mehr bekommt man zurück. Nicht nur von der Kernzielgruppe, sondern von deren Freunden und deren Familien und tausend anderen, die man in seiner kleinen Marketingwelt niemals getroffen hätte.

Es stimmt: Marketing ist nichts für Sie. Marketing ist für andere.


Which method is right for you?Geposted von Hendrik Breuer: Hendrik ist verantwortlicher Redakteur des deutschen Shopify-Blogs. Möchten Sie einen Gastbeitrag veröffentlichen? Dann lesen Sie bitte zuerst diesen Leitfaden. Hendrik erreichen Sie übrigens auch auf Twitter.

Dieser Artikel von Tommy Walker erschien ursprünglich auf Englisch im Shopify.com-Blog und wurde übersetzt.

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