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Eine neue Schule in Pakistan: So setzt Buckle & Seam die Trinkgeldoption von Shopify ein

Dass ein Unternehmen sowohl wirtschaftlich als auch fair und nachhaltig agieren kann, haben Marco Feelisch und Georg Wolff, die Gründer der Taschenmarke Buckle & Seam, bereits im Shopify Podcast bewiesen. Das Berliner Start-up, das in Pakistan produzieren lässt und dort seinen Mitarbeitern faire Löhne und Arbeitsbedingungen zusichert, will den vorwiegend europäischen Kunden ein anderes Pakistan vorstellen. 2016 launchte das Unternehmen den ersten Shopify-Store mit Ledertaschen und stellte die Herrentaschenindustrie damit auf den Kopf. „Wir möchten, dass sich jeder Käufer im Klaren ist, dass seine Tasche fair in Pakistan produziert wurde. Darauf sind wir sehr stolz!“, so Marco Feelisch.

Aber das Unternehmen geht noch einen Schritt weiter und hat mit ONE BAG – ONE CHILD ein Programm ins Leben gerufen, das Mädchen in Pakistan zur Schulbildung verhelfen soll. Wie dieses Spendenprogramm jetzt vorangetrieben wird, wie Shopify dabei helfen kann und welche Ziele das Unternehmen konkret verfolgt, hat uns Marco im Interview berichtet.

Die komplette Story von Buckle & Seam hörst du im Podcast

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Shopify hat ein neues Trinkgeld-Feature. Ihr wart einer der ersten Händler, die dieses implementiert haben. Warum war das für euch so interessant?

Wir haben das Shopify Tipping-Feature als Spendenfunktion im Einsatz. Diese Funktion hilft uns, die Spendenthematik in den Vordergrund zu stellen. Wir haben es damals direkt am ersten Tag des Announcements implementiert. Wir spenden sowieso schon, aber bis dato nur intern in der Buchhaltung. Unsere Mission ist es, Mädchen in Pakistan zu Bildung zu verhelfen. In Pakistan ist die Rolle der Frau eine ganz andere als in Deutschland. Dem wollen wir entgegenwirken. Wir sind der Meinung, dass Bildung enorm viel zu Veränderungen beiträgt.

Es gibt Leute, die spenden on top 50 Euro. Damit kann man zweieinhalb Monate Schulausbildung bezahlen. 

Durch das neue Feature können wir unseren Kunden ab jetzt die Möglichkeit geben, einfach beim Kauf z.B. eines Weekenders noch etwas zu spenden. Herbei kann man sich entweder zwischen einem festen Prozentsatz des Einkaufspreises oder einem benutzerdefinierten Wert entscheiden. Es gibt Leute, die spenden dann on top einfach 50 Euro, wenn sie eine Tasche kaufen. Damit kann man zweieinhalb Monate Schulausbildung bezahlen. 

Die Trinkgeldoption von Shopify ermöglicht die Spendengabe im Checkout von festgelegten Prozentsätzen oder einem benutzerdefinierten Betrag

Lesetipp: Wie du die Trinkgeldoption selbst integrieren kannst, um entweder Trinkgelder oder Senden zu sammeln, erklären wir im Help Center.

Wie aufwendig war es, dieses Feature zu integrieren?

Das waren ungefähr drei Klicks und zwei Minuten Aufwand für uns. Man benötigt dafür keinerlei technisches Verständnis. Das Gute ist, dass ich relativ viele Freunde habe, die auch Shopify nutzen und das Feature jetzt auch in ihre Shops integriert haben, eben weil es keinerlei Aufwand ist. Ein Kumpel, der das vor wenigen Woche hinzugefügt hat, konnte dadurch schon 4.000 Euro mit seinem Shop sammeln. Besser geht’s nicht!  

Mit wenigen Klicks kannst du die Option in deinen Shop integrieren

Die Spenden fließen in eure Aktion ONE BAG – ONE CHILD. Wofür soll die Spendensumme genutzt werden?

Zurzeit sind wir in Gesprächen für eine neue Schule. Wir haben bereits eine Schule mit 137 Kindern, da wir da jedoch schon über der Kapazitätsgrenze liegen, brauchen wir eine neue Schule. Diese müssen wir mit einem Partner vor Ort bauen und hier stecken wir aktuell in Gesprächen und mitten im Prozess, denn es muss erst einmal geklärt werden, wo die Schule errichtet werden kann. Wir brauchen eine Zertifizierung, damit alles seinen rechten Weg geht. Wir können natürlich nicht einfach Geld an eine Privatperson überweisen, um eine Schule zu errichten, sondern es stecken einige rechtliche Herausforderungen dahinter. Eigentlich wollten wir für diese Verhandlungsgespräche viel öfter in Pakistan sein. Corona hat uns allerdings einen Strich durch die Rechnung gemacht. Jetzt im September, Oktober wollen wir nach Pakistan fliegen, um einen Partner zu onboarden.

Im ersten Schritt müssen wir jedoch auch immer an die Väter herantreten und diese darüber aufklären, dass es gut ist, wenn ihre Töchter in die Schule gehen. Im zweiten Schritt müssen wir natürlich auch den Mädchen aufzeigen, dass es sinnvoll für ihre weitere Entwicklung ist, wenn sie unabhängig sein können und eine Schulausbildung haben. Der dritte Schritt ist dann das Gebäude, Lehrpersonal, aber natürlich auch Bücher, Schuluniformen, Schreibutensilien und Schreibmaterial für die Kinder zu Hause zu organisieren.

So konnten wir in der letzten Zeit mehr als 5.000€ sammeln, die in die Schulausbildung der Mädchen in Pakistan fließen.

Wie wird das Spenden-Feature von euren Kunden angenommen?

Die Leute nutzen die neue Spendenmöglichkeit auf jeden Fall. Letztens hat jemand einfach 100 Euro gespendet! Insgesamt nutzen 21% unserer Kunden die Funktion und spenden im Durchschnitt knapp 8€. So konnten wir in der letzten Zeit mehr als 5.000€ sammeln, die in die Schulausbildung der Mädchen in Pakistan fließen.

Lesetipp: Auch das Superfood-Unternehmen YourSuper agiert sozial und spendet einen Teil des Umsatzes. Die komplette Erfolgsgeschichte liest du hier.

Werdet ihr auf irgendeine Weise die Spendenaktivität transparent machen?

Wir arbeiten gerade an einer Zertifizierung, wo es um die Unternehmenswerte geht und wie man sich als Unternehmen zukünftig nachhaltiger aufstellt. Dafür müssen wir jährlich dann Impactreports publizieren und Rechenschaft ablegen. Das passt auch sehr gut zu unseren Firmenwerten, denn wir möchten alles möglichst transparent halten. Deswegen haben wir jetzt auch noch einmal eine Crowdfunding-Kampagne auf die Beine gestellt, bei der wir natürlich auch transparent den Investoren gegenüber sein müssen. Unser bisheriges Wachstum haben mein Mitgründer Georg und ich bisher von unseren eigenen Mitteln finanziert.

Wir sind jedoch so extrem gewachsen und planen weiteres Wachstum, dass wir das nicht mehr selbst stemmen können.

Wir wollen kein Venture Capital, denn das würde unsere Mission kaputt machen. Wir wollen etwas Langfristiges und da viele unserer Kunden signalisiert haben, dass sie gern investieren würden, haben wir das Ganze als Crowdfunding-Kampagne aufgezogen. Die Kunden, die in uns investiert haben, bekommen acht Prozent Zinsen pro Jahr, fünf Jahre lang. Mit diesem Darlehen können wir unser Wachstum sicherstellen.

Die Trinkgeld- bzw. Spendenfunktion von Shopify gibt es noch nicht lang. Hast du Wünsche in Bezug darauf?

Marco Feelisch - Gründer von Buckle & Seam

Wenn es nach mir ginge, würde ich dieses Feature verpflichtend machen. Niemand hindert dich daran, dass Spenden für einen guten Zweck zu sammeln. Wir konnten auf jeden Fall feststellen, dass es viele Leute gibt, die gern spenden. Natürlich machen es einige auch nicht, aber diejenigen, die dazu bereit sind, werden das auch online machen.  

Als Shop-Betreiber muss man sich jedoch im Klaren sein, dass diese Spenden mehrwertsteuerpflichtig sind. Das zählt in erster Linie als Umsatz, worauf dann die 19 bzw. 16 Prozent Mehrwertsteuer angesetzt werden. Wenn man hier etwas integrieren könnte, sodass es steuerfrei wird, wäre das perfekt. Hier könnte ich mir von Shopifys Seite vorstellen, dass drei, vier Organisationen angebunden werden, sodass auch Händler, die kein eigenes Spendenprogramm haben, sagen können, „Ich will meinen Kunden die Möglichkeit geben für Amnesty International zu spenden“.

Viele Menschen sind bereit zu spenden, man muss ihnen nur die Möglichkeit bieten.


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Which method is right for you?Über die Autorin: Caroline Dohrmann ist Online-Marketing-Managerin und Content-Enthusiastin. Wenn sie nicht gerade Shopify-Händlern und Händlerinnen die besten Geheimtipps in Interviews entlockt, schreibt sie im Blog über die Shopify-Community, Social Media und was das Online-Marketing gerade bewegt.