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Einer für alle: Wie die D2C-Marke T1TAN mit günstigen Torwarthandschuhen Oliver Kahn und René Adler auf den Plan rief

Heute taucht Shopify in die Welt des Fußballs ein. Zu Gast in der aktuellen Podcast-Folge sind nämlich die badischen Fußballfans Matthias Leibitz und Manuel Meier von der T1TAN GmbH. Matthias ist lange Zeit Torwart gewesen und auch Manuel war als Fußballspieler aktiv. Mit diesem Background haben die beiden ihre Leidenschaft zu einem Unternehmen gemacht, das sich auf Produkte für Torhüter konzentriert - allen voran stehen dabei Torwarthandschuhe in Profiqualität.

Wie Manuel erst 2020 als Geschäftsführer dazu kam, wie die Zusammenarbeit mit dem Profitorhüter René Adler entstand und warum der Rechtsstreit mit Oliver Kahn ein Highlight war, erfahrt ihr in der neuesten Folge des Shopify-Podcasts und in diesem Beitrag.

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    Show Notes

      Mehr Tipps und Einblicke in die Unternehmensgründung und die Zusammenarbeit mit René Adler gab uns Matthias im Interview für diesen Blogbeitrag.

      Mit 300 Stück und 1.500€ pro Person fing alles an

      Manuel Fritsch: Ist die Idee, dass du gesagt hast, man braucht eigentlich mal bessere Torwarthandschuhe in deiner aktiven Torwart-Zeit entstanden? Fußball ist so ein großes Thema in Deutschland, gibt es da nicht schon das perfekte Produkt?

      Matthias Leibitz: Also die Idee, Torwarthandschuhe als Business Case zu machen, die kam ursprünglich mal von mir. Jeder Torhüter, von der Kreisliga B bis in die Bundesliga, ist verrückt, wenn es um Torwarthandschuhe geht. Da hat jeder einen kleinen Fetisch. So kam es, dass ich mich schon seit ich mich erinnern kann mit Torwarthandschuhen auseinandergesetzt habe. Im Amateurbereich muss man die Torwarthandschuhe oft selbst bezahlen. Wenn man sich anschaut, dass man im Seniorenbereich so vier Paar Torwarthandschuhe pro Jahr verschleißt, dann summiert sich das natürlich über die Zeit. Damals war es irgendwann so, dass die ersten Marken sich über die damalige magische Grenze von 100 Euro hinausgewagt haben. Kaufe ich mir vier paar Handschuhe á 100 Euro, dann bin ich im Amateurbereich 400 Euro in der Saison los als Student oder Schüler. So kamen dann Manuel und ich irgendwann auf die Idee, eine Firma zu gründen. Da habe ich gesagt, ja komm, ich kenne mich einigermaßen aus mit Torwarthandschuhen, weil ich selber damit spiele. Ich denke auch, dass da einfach ein Bedarf ist, was Neues zu machen. A) bessere Qualität, wirklich in den Profibereich hinein, und dann über ein neues Vertriebsmodell. Damals war Direct to Consumer noch nicht so in aller Munde, aber trotzdem haben wir gesagt, wenn man das direkt verkaufen könnte ohne den Fachhandel, dann könnte man ein richtig cooles Produkt zu einem sehr fairen Preis anbieten. Das war schon immer unsere Strategie. So sind wir dann wirklich auf die Idee gekommen damals, selber anzufangen. Anfangs war das ein Hobby, da hat es uns gefreut, wenn ein paar hundert Handschuhe aus Fernost gekommen sind und wir die an unsere Freunde verkaufen konnten.

      Manuel und Matthias - die Geschäftsführer von T1TAN

      Manuel F.: Wann war das?

      Manuel Meier: Also das war um das Jahr 2010. Matthias und ich haben uns damals 2005 im Rahmen vom Studium kennengelernt. Mein Wunsch war es schon immer, Unternehmer zu werden. Ich habe dann viele Bücher gelesen zum Thema Geschäftsmodell, das Buch „Kopf schlägt Kapital“ von Günter Faltin war eigentlich damals der Auslöser. Wo einfach in der Wertschöpfung vieles weggelassen wird, was das Produkt teuer macht. Matthias ist torwartverrückt, hat dann immer gegoogelt bei Ebay, ob er irgendwo Profimodelle günstig kaufen kann mit einem besseren Belag als die Standardmodelle. Und so sind wir damals zum Gründen gekommen.

      2010 haben wir gesagt, jetzt legen wir los, haben alles, was wir damals angespart hatten, zusammengekratzt und übers Internet einen Hersteller in Fernost gefunden, für die ersten Bestellungen von 300 Stück. Da sind zwei, drei Pakete angekommen, da haben wir uns gefreut wie kleine Kinder. Matthias hat sie gleich angezogen, war von der Qualität so begeistert. Wir haben bis 2017 so Schritt für Schritt das im Nebenerwerb aufgebaut.

      Matthias: Das war eigentlich schon ein großer Pluspunkt für uns, für unsere ganze Firma, dass wir eigentlich noch normale Berufe hatten, über die wir Miete, Weggehen, Urlaub, alles Mögliche bezahlen konnten und nicht von den Umsätzen oder Einnahmen aus der Firma angewiesen waren. Dadurch konnten wir alles komplett reinvestieren. Ich glaube, wir haben uns kein einziges Mal in den Jahren Gewinn ausgezahlt, sondern immer alles wieder sofort ins Produkt, in Werbung, Webseite und so gesteckt. Wir haben schon klein angefangen, unser ursprüngliches Investment war, glaube ich, 1500 Euro pro Person. Das ist ja eigentlich nix, wenn man bedenkt, was wir heute so jonglieren. Aber so konnten wir immer durch den Cashflow, durch die Gewinne, die wir erwirtschaftet haben, besser werden. Das war damals ein großer Vorteil für uns.

      Manuel M.: Ich glaube, es war auch ganz wichtig für die Produktentwicklung. Wir haben das Feedback von Kunden aufgenommen, haben Produkte optimiert und sind so über kleine Chargen immer besser geworden – bis zum Stand, wo wir heute sind.

      Manuel F.: Was habt ihr zu dem Zeitpunkt noch gemacht?

      Matthias: Ich war damals im Marketing bei der Firma Hobart, das ist ein Maschinenbauunternehmen. Da war ich sieben Jahre lang beschäftigt, bevor ich mich getraut habe, zu kündigen und hier als Geschäftsführer dann zu 100 Prozent anzufangen. 

      Manuel M.: Ich bin in der Firma geblieben, wo wir uns kennengelernt haben, das war ein duales Studium damals an der Berufsakademie. War da im Controlling und dann am Schluss als Geschäftsführer tätig und bin dann jetzt vor zwei Jahren oder vor drei Jahren in den Mutterkonzern gewechselt in die Schweiz, bevor Matthias vor zwei Jahren auf mich zugekommen ist und gesagt hat: „Manuel es wird immer größer, ich brauche dich jetzt operativ. Das Potenzial ist da, wir können T1TAN noch um ein Vielfaches größer machen.“ Da habe ich auch gekündigt und zum Januar dann dieses Jahres angefangen.

      Vom ersten Prototyp bis zum Shopify-Store

      Manuel F.: Der erste Prototyp - habt ihr da schon ein eigenes Produkt in Auftrag gegeben oder einfach nach Handschuhen gesucht, die hier nicht auf dem Markt sind?

      Matthias: Da ich selber Torwart und Torwarthandschuh-Verrückter bin, habe ich mir schon seit ich 18 bin und online einkaufen kann, bei Ebay in England, in Frankreich, in Shops in Russland immer mal so exotische Handschuhe gekauft und versucht mir Profimodelle zu organisieren. Die hatten dann immer irgendwelche kleinen Details, die das Serienmodell beispielsweise nicht hatte. Und so hatte ich schon damals einen Überblick über viele Marken und die Vorteile von einigen Modellen. Ich habe mir dann von überall das Beste rausgepickt für das erste Modell. Ich meine, wir waren damals natürlich noch keine Torwarthandschuh-Experten, wir haben uns nicht mit Nähtechniken, Materialien und so ausgekannt. Wir haben gesagt, das finde ich von dem Handschuh gut, das finde ich von dem anderen Handschuh gut, so und so soll der aufgebaut sein. Dann haben wir den ersten schon nach unseren Vorgaben technisch umsetzen lassen. Vom Design her waren wir da noch nicht so kreativ, da haben wir halt mit der Fabrik zusammengearbeitet und die haben uns einen Vorschlag gemacht. Aber sonst von der Spezifikation, Auswahl vom Latex und so weiter, da haben die sozusagen ein Sondermodell für uns entwickelt, und das dann in der ersten Losgröße 300 Paar produziert. Wir haben auch schon immer Wert daraufgelegt, dass die Handschuhe so gemacht werden, wie ein Amateurtorhüter sich das wünschen würde. Robust, lange Haltbarkeit und bequem. Aber am Anfang waren die noch nicht fancy.

      Von Anfang an haben wir die Produkte für uns entwickeln lassen, auch mit unserer eigenen Brand. Wir haben nicht irgendwas von jemand anderem weiterverkauft, sondern schon nach unseren Spezifikationen fertigen lassen.

      Mittlerweile überzeugen die Torwarthadschuhe von T1TAN auch durch Design

      Manuel F.: Hattet ihr denn von Anfang an auf Shopify gesetzt oder habt ihr da auch verschiedene Sachen ausprobiert? 

      Manuel M.: Nee, leider nicht. Wir hatten eine Odyssee hinter uns. Shopify ist glaube ich das vierte Shopsystem, das wir im Einsatz haben. Da haben wir vieles ausprobiert, sind gewachsen, haben dann wieder andere Anforderungen gehabt, haben wieder was Neues eingeführt. Jetzt sind wir seit zwei Jahren auf Shopify und bis jetzt soweit zufrieden. Da denke ich, dass das nächste Wachstum auch international mit dem Shop stattfinden kann. Alles, in so einer Unternehmensgründung sind Lernkurven, also ob es das Produkt ist, ob das im Shop ist, ob es in den Abläufen ist.

      Ganz am Anfang haben wir bei mir aus dem Keller raus verpackt und versendet. Da hab ich abends bis um zehn im Keller gesessen, die Handschuhe gerichtet, personalisiert und sie am nächsten Morgen zur Packstation gefahren.

      Dann haben wir erstmal einen Fulfillment-Dienstleister gehabt, mit dem dann wieder das nächste Wachstum möglich war. So weit bis wir da an die Grenze gestoßen sind. Und jetzt haben wir wieder einen neuen Fulfillment-Partner, der für ein deutlich größeres Wachstum eingerichtet ist und seine Prozesse und Abläufe so im Griff hat.

      Manuel F.: Das heißt, ihr seid wirklich auch selber mitgewachsen, mit euerm Unternehmen?

      Matthias: Am Anfang waren wir jahrelang die einzigen zwei Mitarbeiter. Das heißt, wir haben alle Prozesse selber gemacht. Wir waren Fotograf, Webdesigner, IT-Fachmann. 

      Manuel F.: Fotomodel wahrscheinlich?

      Matthias: Ja, alles. Am Anfang hatte der Manuel das erste iPhone und mit dem haben wir dann Fotos gemacht vor der grauen Tapete bei mir zu Hause und mit Paint oder so die Handschuhe freigestellt. Wenn man sich das heute anschaut, wird man bestimmt Augenkrebs davon bekommen, aber damals war das so Hands-On und wir haben halt einfach was gemacht. 

      Manuel M.: Auch das erste Video der Produktvorstellung gibt es noch. Auch vor einer grauen Wand, auch mit dem iPhone aufgenommen. Wenn ihr mal googelt, dann findet ihr das bestimmt auf YouTube. Das lohnt sich auf jeden Fall mal anzuschauen.

      Wie Oliver Kahn und René Adler T1TAN prägten

      Manuel F.: Dann wie ging es dann weiter? Wo war der Moment, wo ihr gemerkt habt, da steckt mehr dahinter als nur ein Hobbyprojekt, was sich verselbstständigt?

      Manuel M.: In so einer Unternehmensgründung geht es immer mal bergauf und bergab. 2014 war das, wo wir dann auch gesagt haben, was machen wir jetzt mit dem Unternehmen? Es läuft nicht richtig an, aber es läuft auch nicht schlecht. Da waren wir so ein bisschen am Scheideweg. Dann kam ein Anruf aus München vom Manager vom Oliver Kahn, der gesagt hat, der Olli würde sich ganz gerne mal mit uns zusammensetzen und unterhalten über Möglichkeiten, über unser Unternehmen und so weiter. Das haben wir dann gemacht und das war für uns so der ausschlaggebende Punkt, wo wir gesagt haben, wenn der Olli Kahn sich für sowas interessiert, dann machen wir es jetzt richtig. Dann investieren wir noch mal, schauen, dass wir noch mal ein bisschen Geschwindigkeit aufnehmen können.

      Das war meiner Meinung nach der eine Punkt, wo wir gesagt haben, jetzt richtig. Der zweite war dann Matthias‘ Entscheidung, 100 Prozent einzusteigen im Jahr 2017. Das ist auch zusammengefallen mit der Aufnahme vom René Adler als Gesellschafter und als ersten Profi, den wir in der Bundesliga hatten, der mit unseren Handschuhen gespielt hat. Da ist noch mal eine ganz andere Geschwindigkeit dann entstanden.

      Matthias: Wo ich dann wirklich angefangen habe, Vollzeit für T1TAN arbeiten zu können und dann wirklich mal 40, 50, 60 Stunden in der Woche Zeit hatte und nicht nur fünf, dann kann man wirklich das große Rad drehen, dann hat man auch mal Zeit Leute zu normalen Uhrzeiten anzurufen. Da hat sich dann eins zum anderen ergeben und ab da ist es wirklich exorbitant gewachsen.

      Als René Adler (rechts) zu T1TAN kam, nahm das Unternehmen neuen Schwung auf

      Manuel F.: Wie ist das mit so einem Promi-Testimonial? René Adler hat ja auch richtig investiert und ist Mitgesellschafter, Mitinvestor, oder? 

      Manuel M.: Ja genau. René Adler ist Mitgesellschafter, hat auch teilweise bei der Produktentwicklung sein Feedback und sein Input gegeben. René ist wie Matthias torwarthandschuh-verrückt. Man stellt sich das vielleicht vor, ein Bundesliga-Keeper, der irgendwie Starallüren hat oder so - das ist es gar nicht! René hat ein ähnliches Mindset, wie wir, ist gut drauf und hat eigentlich dasselbe Interesse, was Geschäft angeht, was Torwarthandschuhe angeht.

      Mit Facebook Werbung zum Promi-Tesimonial

      Manuel F.: Habt ihr proaktiv einen Investmentpartner gesucht?

      Matthias: Wir haben natürlich damals schon gehofft, dass ein großer Leuchtturm irgendwann auf uns aufmerksam wird. Aber konkret ist da nie irgendwas draus geworden. Dann kam der René über Zufall auf uns zu. Und zwar hatten wir damals Facebook Werbung laufen mit der Targetierung Interesse Torwart. Dann war damals unser Slogan, „Profi-Torwarthandschuhe für unter 60 Euro“. Weil René natürlich auch auf Facebook unterwegs ist und die gleichen Videos anguckt, wie wir auch, rutscht er natürlich auch ins Targeting. So hat er dann irgendwann die Facebook Werbung von uns gesehen und dann hat er die sich einfach mal von seiner Agentur inkognito bestellen lassen, als er noch beim HSV war. Er hat die getestet und fand die wirklich cool.

      Dann hat bei uns das Telefon geklingelt und dann hieß es: „Ja servus, hier ist der René, wie sieht es aus? Ich würde gerne mit euch was zusammen machen. Kommt doch mal nach Hamburg und dann quatschen wir miteinander.“ Dann bin ich nach Hamburg geflogen, habe mich mit dem René und seinem Manager getroffen. Da hat man gleich gemerkt, okay, so auf einer Wellenlänge, fußballverrückt, torwartverrückt. René hatte auch Bock da wirklich was zu reißen. Dann haben wir zur Saison 2017/2018 also im Sommer 2017 mit ihm zusammen gestartet. 

      Manuel F.: Das heißt, das waren ja eigentlich dann zwei Sachen mit einer Klatsche? Also einmal ein finanzieller Background aber natürlich auch einfach eine unglaubliche Werbewirkung.

      Manuel M.: Also das Kapital, das war eigentlich im Hintergrund. Das war uns gar nicht so wichtig und dem René auch nicht so. Für uns war eigentlich der größte Knackpunkt, im Marketing spricht man von der kognitiven Dissonanz. Ein günstiges Produkt und eine gute Qualität - das passt nicht zusammen. Als René angefangen hat, unsere Handschuhe in der Bundesliga zu tragen, haben natürlich viele Leute gedacht, hoppla, so schlecht können die nicht sein, wenn sie in der Bundesliga gespielt werden. Und dann kosten sie noch unter 60 Euro. Das ist ja perfekt. Mit René als Gallionsfigur, er war jahrelang in den Topligen unterwegs, einer der besten Torhüter Deutschlands, dazu noch ein sympathischer Typ - das hat uns wirklich nach vorne gebracht.

      Manuel F.: Und dann ein Multiplikator wahrscheinlich auch, weil auch andere internationale Spieler oder Torwärter sich dann dafür interessiert haben. Oder habt ihr da wie im Influencer Marketing gezielt Leute angeworben?

      Matthias: Also über René ist es für uns natürlich viel einfacher in den Profibereich rein zu kommen. Der kennt die Leute, die Leute kennen ihn und nehmen Kontakt mit ihm auf. Ich sag mal, wenn wir jetzt den René nicht an Bord gehabt hätten, wäre es bestimmt schwieriger gewesen, Fuß zu fassen. Er hatte damals mit den Handschuhen gespielt, andere Bundesliga-Profis haben ihn gesehen, sprechen ihn darauf an, und so sind wir dann zum Beispiel zum Florian Müller oder Robin Zentner gekommen. Wenn wir jetzt einen großen Profi an Land ziehen möchten und der René macht da mal den ersten Anruf, dann nimmt man ihn natürlich ernster, wie wenn da jetzt der Matthias aus Herbolzheim anruft.

      Jetzt gehen wir natürlich aber auch aktiv auf die Suche. Das heißt, entweder bei uns im Team oder mit dem René zusammen suchen wir Torhüter aus, die zu uns passen, weil sie in Social Media aktiv sind, coole Typen sind, vielleicht jung sind und ein Potenzial haben, sich super zu entwickeln. Dann gehen wir die aber jetzt natürlich auch selbst an, also das sind sozusagen unsere Influencer und jeder freut sich wirklich wie ein kleines Kind, wenn er von uns wieder ein Paket mit neuen Handschuhen bekommt.

      Auf die Qualität und den Grip der T1TAN-Handschuhe schwören sowohl Profis als auch Amateure

      Manuel F.: Eigentlich hattet ihr Amateure im Fokus und jetzt sind die Profis dazugekommen als Zielgruppe. Musstet ihr euer Produkt dann anpassen?

      Manuel M.: Das ist ja genau unser Ansatz, dass das Profilequipment auch in den Amateurklassen genutzt werden kann. Wir haben immer gesagt, wir demokratisieren den Torwartbereich, weil die Modelle, der Belag, der Grip, der früher nur den Bundesliga-Keepern vorenthalten war, den haben wir jetzt der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt zum vernünftigen Preis. Daher haben wir nicht den Fokus nur auf Profi, sondern unser Fokus ist eigentlich der Torwart in der breiten Masse, der da richtig leidenschaftlich dahinter ist, ein gutes Equipment braucht. Und das viermal im Jahr zu einem vernünftigen Preis.

      Warum der Direct-to-Consumer-Ansatz so wichtig ist

      Manuel F.: Wie schützt ihr euch davor, dass andere Hersteller dieses Modell jetzt einfach 1:1 nachmachen?

      Matthias: Grundsätzlich kann die jeder nachmachen, könnte die Adidas nachmachen oder irgendeine andere neue Brand. Aber unser Vorteil ist hier halt die Geschwindigkeit. Wir hauen im Dreimonatszyklus neue Produkte auf den Markt mit Verbesserungen, die wir schon von unseren Kunden als Feedback mitbekommen haben. Wir haben auch einen eigenen Entwickler im Torwarthandschuhbereich bei uns in der Firma. Das heißt, wir können uns den ganzen Tag nur auf das Produkt konzentrieren. Dadurch wird das Produkt auch in extrem kurzen Zyklen verbessert und das ist einfach eine Pace, die niemand mitmachen kann. Klar, kann einer versuchen, uns zu kopieren, aber in drei Monaten wäre das dann schon wieder veraltet, weil wir einfach so eine Geschwindigkeit an den Tag legen können. Traditionelle Brands planen Kollektionen im Zwei- oder Dreijahreszyklus voraus - das gibt es bei uns nicht.

      Manuel F.: In dem Moment, wo der Karton bei euch ankommt, könnt ihr es quasi schon online stellen und das Ding ist am nächsten Tag beim Kunden, oder?

      Manuel M.: Das ist genau der Vorteil von dem Direct-to-Consumer- Ansatz. Wir haben den Fachhändler nicht zwischendrin, der den ganzen Prozess verlangsamt, auf Lager einkauft und so weiter, sondern wir liefern an, stellen im Onlineshop die Bestände ein und können eine Minute später anfangen zu verkaufen und der Kunde hat es am nächsten Tag. Das ist einfach das Geschäftsmodell, das es uns erlaubt, schneller zu sein.

      Branchenführer beim Thema Nachhaltigkeit

      Manuel F.: Wie ist denn euer Ansatz so, was Nachhaltigkeit angeht?

      Manuel M.: Wir haben mehrere Lieferanten. Ein Lieferant kommt aus Deutschland mit Werken in der Ukraine, in Tunesien und Ungarn. Der andere Lieferant kommt aus Pakistan. Es sind dieselben Lieferanten wie für andere große Marken auch. Es gibt nicht x Torwarthandschuhlieferanten, sondern das ist auf eine kleine Zahl reduziert. Wir haben jetzt unseren ersten Torwarthandschuh, der die Oberhand recycelt hat aus PET-Flaschen. Wir haben uns auf die Fahne geschrieben, uns als Unternehmen dem Nachhaltigkeitsthema zu widmen, auch unsere Produkte sukzessive umzustellen. Zum Beispiel die neue Protection Wear, die Unterziehwäsche, ist auch schon komplett umgestellt auf recyceltes Material. Also von dem her denke ich, machen wir da schon einen ganz großen Schritt mit dem Fokus auf die Nachhaltigkeit. 

      Matthias: Noch niemand hat sich überhaupt über das Thema bisher in unserer Branche Gedanken gemacht, also im Torwartbereich speziell, da wollen wir absoluter Vorreiter sein und gucken uns am Produkt selbst, aber auch in der ganzen Lieferkette davor, im Versand etc. die Punkte an, wo wir umweltverträglicher sein können, wo wir auf Recycling setzen können.

      Manuel F.: Ist es jetzt das erste Produkt neben den Handschuhen, was ihr dann noch habt?

      Matthias: Unser Ansatz ist, alles von Head to Toe für den Torwart. Da wollen wir ihn wirklich komplett ausstatten können und sind da jetzt auch schon so weit, Trikot, Mütze, Pflegeprodukte für den Handschuh, um den Grip zu konservieren, komplette Unterwäschekollektion, also alles, was der Torhüter braucht.

      Hürden und Highlights in der Geschichte von T1TAN

      Manuel F.: Was waren denn so Schwierigkeiten, auf die ihr gestoßen seid?

      Matthias: Es war zum Beispiel mal so, dass wir ein neues Produkt mit einem Influencer zusammen gelauncht hatten und zum Launch-Termin, - eigentlich hätte schon alles am Freitag da sein sollen - hat der Lieferant gesagt, dauert noch ein bisschen, aber müsste wahrscheinlich Dienstag kommen. Okay, gut, also wenn es Dienstag da ist, können wir launchen, kein Problem. Dann dauert halt der Versand einen Tag länger, dann ist es aber auch beim Kunden. Dann haben wir da gelauncht und so nach ein paar Tagen hatten wir 1000 Teile verkauft. Dann kam die Hiobsbotschaft: es dauert wahrscheinlich noch zwei Monate bis die Handschuhe dann komplett alle da sind. Dann kam das so tröpfchenweise jeden Tag irgendwie wieder 20 Paar. Da hat das Telefon geklingelt und die eine oder andere böse E-Mail kam auch. Ich war noch in dem Zeitpunkt im Urlaub, das heißt, ich musste dann morgens um fünf Uhr schon im Urlaub aufstehen, um alle Kunden zu besänftigen. Irgendwann waren die dann aber doch ausgeliefert, da waren auch alle happy. Das würde ich nicht mehr riskieren, Produkte zu verkaufen, die nicht auf Lager sind.

      Manuel M.: Das Gute am Matthias ist ja, er ist ein gnadenloser Optimist, und deswegen hat er die Aktion noch zweimal danach gemacht, mit demselben Ergebnis. Aber ich glaube, jetzt haben wir es einigermaßen im Griff, auch die Lieferanten.

      Matthias: Was eigentlich ein cooles Ereignis war und uns auch bestärkt hat, war der Rechtsstreit mit Oliver Kahn. Als das publikgemacht wurde von uns, war der Zuspruch von unseren Fans extrem. Die meisten sind keine Kunden bei uns, sondern Fans von der Marke und die leben sozusagen den T1TAN-Lifestyle. Als die dann mitbekommen haben, dass wir vor Gericht angegriffen werden, haben die uns einen Riesenzuspruch gegeben und gesagt, wir stehen hinter euch, egal was passiert. Wir wünschen, dass ihr gewinnt, aber wenn ihr verliert, ist auch egal. Wir werden immer bei euch bleiben, ihr seid ein cooles Team, ihr habt coole Produkte. Ob ihr jetzt dann T2tan heißen müsst, wäre ihnen dann egal. Das war schon extrem cool!

      Manuel M.: Also vor allem gegenüber unseren Kunden oder Fans auf der einen Seite, aber auf der anderen Seite bin ich auch felsenfest überzeugt, dass uns das intern wahnsinnig zusammengeschweißt hat. Und jetzt haben wir uns ja auch mit dem Olli gut geeinigt und seitdem ist da auch eine positivere Grundhaltung da.

      Manuel F.: Wie groß seid ihr jetzt?

      Matthias: Wir sind insgesamt zehn Mitarbeiter, unterschiedlichste Bereiche, Support natürlich, weil wir ganz nah am Kunden sein wollen. Social Media, E-Commerce, wir haben aber auch, wie ich vorhin schon mal gesagt habe, einen eigenen Torwarthandschuh-Entwickler im Schwarzwald. Der CTO sitzt in Rumänien, also da sind wir auch international aufgestellt bei uns. Mit dem Manuel und mir zusammen sind wir insgesamt zehn Mitarbeiter, die sich da tagtäglich um Torwarthandschuhe und unsere Kunden kümmern.

      Immer im Wandel - Handschuhe und Produktpaletten werden stets weiterentwickelt

      Die Voraussetzung: das Gründer-Gen

      Manuel F.: Würdet ihr sagen, man braucht sowas wie einen Gründer-Gen, um so ein Start-up zu machen?

      Manuel M.: Ich glaube, dass man ein Gründer-Gen braucht. Also man muss Lust haben, um was zu entwickeln, was zu gründen, was voranzutreiben. Es gibt oftmals Hürden, da muss man weitergehen. Ich glaube, man braucht das Unternehmertum schon im Blut und vor allem auch die Leidenschaft zum Produkt oder zum Kunden, weil ansonsten wird es denke ich schwieriger.  

      Matthias: Ich sage das auch, dass man auf jeden Fall das Gen in sich haben muss, weil da ist viel in der Zeit auch mit Verzicht gekoppelt. Wenn ich jetzt abends nach Hause komme und zwei, drei Stunden an der Webseite arbeite, auf irgendwas muss ich verzichten. Für die meisten ist es einfach, ich komme nach Hause, setze mich auf die Couch, ziehe mir Netflix oder so rein. Ganz viele Menschen, das kennt man aus dem privaten Bereich, haben eine Geschäftsidee. Aber Ideen, die hat man schnell, die Umsetzung, das ist das Schwierige. Und da muss man halt Zeit investieren, Zeit opfern, auf andere Dinge verzichten. Da kann ich mir dann überlegen, investiere ich 3000 Euro am Anfang, kaufe mir Material oder gehe ich halt mit 3000 Euro nach Thailand in den Urlaub?

      Manuel F.: Es ist ja immer auch mit Risiken verbunden.  

      Matthias: Also bei uns war das Risiko so im Nachhinein schon überschaubar. Wir haben 1000 oder 2000 Euro investiert, und das würde im schlimmsten Fall daneben gehen. Dann haben wir das wirklich lange im Nebenerwerb aufgebaut, das heißt, wir hatten nie das Risiko alles auf eine Karte zu setzen. Im Nachhinein war das echt die beste Entscheidung, die wir getroffen haben. Wenn wir am Anfang gesagt hätten, lass uns 100.000 Euro sammeln und wir legen los, da hätten wir wahrscheinlich so viele krasse Fehler gemacht, wo wir halt über die Zeit gelernt haben, wie es eigentlich funktioniert, auf was man achten muss. Das kann man am Anfang noch gar nicht wissen. In unserem Fall war das dann einfach die beste Lösung, da so langsam aufzubauen. Als ich dann gekündigt habe, war das auch kein Risiko mehr, weil ich habe ja gesehen, was jeden Monat reinkommt.

      Manuel F.: Ist dir das schwer gefallen, in diese Unternehmerrolle zu gehen vom Angestelltenverhältnis, dann auch mit Mitarbeiterverantwortung, mit Geschäftsführerrolle?

      Matthias: Der Schritt zu kündigen, der war für mich dann schon leicht eigentlich, weil ich das immer sein wollte. Ich hatte nie im Kopf, Angestellter zu sein oder zu bleiben, also war ich dann eher froh, wo ich endlich gesehen habe, jetzt reicht es auch vom Geld her. Aber es ist natürlich schon ein riesiger Schritt auch Mitarbeiter zu führen oder ein paar hunderttausend Euro nach Asien zu überweisen. Das ist schon was anderes wie das, was man normalerweise als Angestellter macht. Das finde ich dann auch persönlich schon eine Herausforderung. Ganz easy ist es am Anfang, wenn man nur alleine ist, da muss man sich nur mit sich selber abstimmen.

      Jetzt sind wir beide Geschäftsführer, da muss man sich abstimmen.

      Manuel M.: Aber man wächst ja auch persönlich damit. Also wenn ich jetzt den Matthias von damals 2010 oder 2017 noch vergleiche mit heute, das sind Welten. Wenn man Lust darauf hat und auch den Mut, das einzugehen, da glaube ich, kann sich jeder nur selber positiv entwickeln. Was auch noch wichtig ist, bei uns beiden steht ganz oben in der Werteskala diese Unabhängigkeit, diese Freiheit. Das braucht man schon, dass man sein eigenes Ding machen will, Unternehmer sein will, das sind die Grundvoraussetzungen. Der Rest, der kommt. Wenn man so jung ist, wie wir beide jetzt mit 35, da hat man noch ein paar Jahren Leben vor sich, wo man wachsen kann.  

      Wo die Reise hingeht

      Manuel F.: Ihr seid ein Direct-to Consumer-Produkt. Ist der Einzelhandel noch ein interessantes Feld oder ist das einfach ein Ding, wo ihr sagt, lohnt sich nicht?

      Manuel M.: Es geht gar nicht mit unserem Geschäftsmodell. Unser Ansatz ist die Torwarthandschuhe zum vernünftigen Preis an unsere Kunden zu verkaufen. Wir könnten unsere Produkte mit der Qualität zu dem Preis gar nicht anbieten über den Fachhandel. Deswegen ist das für uns auch aktuell überhaupt gar keine Option.

      Manuel F.: Wie sieht es aus mit anderen Sportarten, andere Sportarten brauchen auch Handschuhe, habt ihr da mal drüber nachgedacht? Oder ist das auch noch Zukunftsperspektive?

      Matthias: Wir wollen in dem Bereich, wo wir sind, stark werden, groß werden. Die Nische wollen wir komplett besetzen, da kennen wir uns aus, da ist unsere Zielgruppe oder Fanbase schon super aktiv. Wenn wir jetzt in Handball gehen würden oder American Football, dann wären wir ja gar keine Experten mehr. Das heißt, dann sind wir auch gar nicht mehr glaubwürdig. Deswegen ist schon unser Ansatz, im Fußball, also speziell im Torwartbereich einfach immer größer zu werden. Da wollen wir die Nummer eins werden.

      Manuel F.: Das heißt, ihr seht noch genügend Wachstumspotenzial in dem Bereich?

      Manuel M.: Absolut. Ja.


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      Which method is right for you?Manuel Fritsch ist der Moderator des Shopify Podcasts. 2000 gründete Manu sein erstes Unternehmen und arbeitete 15 Jahre in der Agenturwelt. Seit 2015 ist er als freiberuflicher Spielejournalist für Fachmagazine, Zeitungen und seinen eigenen Podcast mit inzwischen über 2.500 Folgen tätig.

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