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Alles, nur nicht smart: Wie Sternglas Bauhaus-Uhren im 21. Jahrhundert zu neuem Leben erweckt

Für die vierte Folge unseres Shopify Podcasts haben wir uns mit dem Hamburger Dustin Fontaine getroffen. Er ist Gründer und Geschäftsführer von Sternglas, die sich als Ziel gesetzt haben, erschwingliche Uhren im Bauhaus-Stil anzubieten.

Wie Dustin seine Liebe zu Uhren entdeckt hat, mit welchen Rückschlägen er bereits bei der ersten Auslieferung zu kämpfen hatte und wie wertvoll diese Erfahrung schlussendlich war, erfahrt ihr in dieser Folge!

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    Show Notes

    Traditionsmarke: Vom Namen bis zum Design

    Manuel Fritsch: Warum Sternglas? Was ist Sternglas?

    Dustin Fontaine: Sternglas ist tatsächlich ein Kunstname. Ich habe nach einem deutschen Namen gesucht, der irgendwie traditionell klingt, weil die Uhrenbranche auch für Tradition steht. Ich wollte auch diese Designtradition, wir stehen ja am Ende für Bauhaus-Design, irgendwie in den Namen einfließen lassen. Und ich habe also wirklich über drei Monate lang tagtäglich an dem Namen gesessen. Am Ende hat es sich aber gelohnt, weil der Name wirklich cool geworden ist. Das Verrückte ist, dass ich am Anfang gar nicht so überzeugt von dem Namen war. Irgendwann habe ich einfach gesagt: Okay, irgendwann reicht‘s, jetzt musst du aufhören zu suchen. Am Ende ist es auch ein bisschen mein Credo, diesen Perfektionismus ein bisschen runterzufahren und eher ins Machen zu kommen.

    Dustin Fontaine SternglasDustin Fontaine - Gründer von Sternglas

    Vom Praktikanten zum eigenen Business

    Manuel: Den Namen hattest du dann irgendwann - aber wie kamst du denn überhaupt zu der Idee: „Ich gründe jetzt eine Firma und will Uhren machen?“

    Dustin: Sternglas steht in erster Linie für bezahlbare Bauhaus-Uhren. Wir wollen Bauhaus-Uhren, welche oft sehr teuer sind, bezahlbar und in guter Qualität vertreiben und damit den „Value for Money“-Ansatz, den viele Start-ups heutzutage fahren, verwirklichen. Bei mir kam es dann so, dass ich einen Kumpel gehabt habe, dessen Vater eine Uhrenfirma hatte. Dort habe ich dann irgendwann angefangen als Schüler zu arbeiten. Erstmal habe ich Ablage und Akten gemacht, was so der mieseste Schülerjob war, den es so gab.

    Manuel: Also weit weg von den Uhren gewesen?

    Dustin:  Weit weg von den Uhren, aber auch nahe dran. Weil ich natürlich auch Armbänder an die Uhren, die Uhren verpacken und versandfertig machen musste. Ich habe immer viel mit dem Gründer Manfred gesprochen, welcher mich auch extrem inspiriert und für diese Uhren fasziniert hat. Dort habe ich dann auch noch eine Weile gearbeitet. Irgendwann habe ich mich dann parallel als Webdesigner selbstständig gemacht und mit 17 für den Uhrmacher die erste Website aufgesetzt. Durfte ich eigentlich noch gar nicht, deshalb habe ich dann gewartet, bis ich die Rechnung mit 18 schreiben durfte. Nach der Schule habe ich dann die Uhrenfirma Meistersinger, als ersten großen Kunden für meine kleine Webagentur gewonnen und habe für die vier Jahre lang die Website aufgebaut, Content Management System gemacht und Bilder bearbeitet.

    Für mich war das unfassbar so als 20-Jähriger dann für eine so große Firma zu arbeiten. Irgendwann saß ich in einem Meeting und da ist mir klar geworden: Warum machst du nicht auch Uhren, und zwar zu bezahlbaren Preisen? Alle fanden die Uhren immer cool, die ich anhatte und die habe ich auch überall rumgezeigt, in der Schule und später im Studium. Viele wollten auch so eine haben, die waren aber einfach viel zu teuer mit über 1000 Euro. Und dann habe ich ungefähr 2010 die Idee gehabt: Warum gründe ich eine Uhrenfirma, die minimalistisch designten Uhren zu bezahlbaren Preisen anbietet? Das habe ich aber irgendwie nie so richtig auf die Kette bekommen, weshalb ich in den Semesterferien, mitten in meinem Studium, mir zwei Monate Zeit genommen habe, um Uhren zu zeichnen.

    Damals war ich noch überzeugt: Eine gute Gründung, eine Unternehmensgründung, da muss irgendwie eine Erfindung hinter stehen, da muss irgendwas Revolutionäres, Verrücktes hinter sein. So wie man das von früher noch so kennt, ist das so ein bisschen die alte Denke vom Unternehmertum. Und ich dachte: Ich muss DAS Uhrendesign erfinden und das habe ich natürlich nicht gefunden. Obwohl, wenn ich jetzt heute zurückblicke, dass ich das, was ich damals gemacht habe, eigentlich sehr gut finde. Damals war das eben leider nicht so. Dann ist es versandet und dann habe ich es irgendwann vier Jahre später, wieder in diese Schleife genommen.  Als Webdesigner war ich immer sehr unglücklich, weil ich immer nur für andere ausführen musste und nicht meine eigenen Ideen umsetzen konnte. Und ich habe mich immer wieder gefragt: Was mach ich jetzt? Ich will irgendwelche Produkte verkaufen und kam immer wieder zu den Uhren zurück. Ende 2015 habe ich dann gesagt, egal was kommt, nächstes Jahr machst du das, egal um welchen Preis. Dann habe ich auch angefangen und bin diesmal völlig anders ran gegangen. Ich habe gemerkt, dass mir mein Perfektionismus im Weg steht. Den muss ich runterfahren, den muss ich reduzieren. 

    Manuel: 2016 kam dann der erste Prototyp?

    Dustin: Genau. Diesen ersten Prototyp, weil das einfach absolut cool war, das eigene Produkt in den Händen zu haben, irgendwas, was ich selbst geschaffen habe. Für mich hätte dann die Reise auch zu Ende sein können. Also ich habe die Uhr einfach für mich gebaut damals.

    So sehen die Uhren im Baushaus-Stil heute aus

    Manuel: Wie hast du das finanziert? Du hast am Anfang gesagt, dass du den Markt gesehen hast und die Uhren immer ab der Preiskategorie 1000 aufwärts gehen.

    Dustin: Ich hatte da ein bisschen Branchenerfahrungen durch meine Jobs. Natürlich habe ich mich auch viel erkundigt. Aber es ist so, und das ist auch allgemein bekannt, dass man das auch zu günstigen Preisen produzieren kann. Nur hat es halt niemand so wirklich gemacht und es hat sich auch niemand so klar damit positioniert. Also die anderen Marken haben vielleicht eher auch noch gesagt: Ja, wir haben da auch „noch“ so eine Bauhaus-Uhr.

    Ich habe lange gespart, weil ich diesen Traum von einem physischen E-Commerce Produkt, einem eigenen richtigen Unternehmen hatte. Das heißt, einmal sind es private Ersparnisse und zum anderen Teil habe ich dann halt gesagt: Okay, ich will das neu entwickeln. Und Crowdfunding, Kickstarter war damals oder ist ja immer noch das Thema. Und das hat echt toll funktioniert. Ich war zum ersten Mal so richtig in meinem Element und hatte auf jeden Fall voll das gefunden, was ich immer machen wollte.

    Manuel: Bei Kickstarter - war es erstmal nur das Ziel, wir machen eine Uhr und mal gucken wie die Welt darauf reagiert?

    Dustin: Ja genau. Es war erstmal nur der Plan, diese eine Uhr raus zubringen, weil ich damals noch überzeugt war, dass es als so ein One-Product-Unternehmen, Sinn macht. Zu dem Zeitpunkt habe ich bestimmt noch nicht so genau auf dem Schirm gehabt, wie groß das mal werden wird. Ich wollte einfach so eine kleine feine Firma machen, wo ich und ein, zwei Leute fröhlich Uhren verkaufen, verpacken und versenden.

    Von Beginn an: E-Commerce statt stationärer Handel

    Manuel: Woher kam der Ansatz, direkt in den E-Commerce zu gehen? 

    Dustin: Für mich stand immer fest, ich will was mit E-Commerce machen. Ich wusste: Wenn ich mich irgendwo auskenne, dann mit E-Commerce. Damals war mir also auch schon klar, dass Online-Business die Zukunft sein wird, und dass das über den klassischen Handel extrem schwer geworden wäre. Für mich als Person ,mit meinen Fähigkeiten wäre ich nicht dazu in der Lage gewesen, ein Fachhandels-Business aufzubauen. Mittlerweile sind wir ja im Fachhandel, aber nur, weil ich mir jemanden reingeholt habe, der sich da auch gut auskennt. 

    Manuel: Wie fiel dann die Wahl auf Shopify?

    Dustin: Am Anfang habe ich noch gar nicht Shopify benutzt, sondern Jimdo. Für mich hatte das folgende Logik, ich wollte mich auf jeden Fall nicht mit der Technik identifizieren, ich war Webdesigner, konnte also auch die Technik irgendwie bedienen, aber ich wusste, mein Geschäft soll das Handelsgeschäft sein und kein IT-Business. Wir haben also einen super simplen, Basic Shop gemacht und ich habe mir auch gesagt: Ich passe mich dem System an und nicht das System soll sich mir anpassen. Ein Jahr später sind wir dann zu Shopify gewechselt, was auch für uns nochmal ein richtiger Gamechanger war. Jimdo war für uns irgendwann völlig unterdimensioniert und irgendwann konnte man da gar nichts mehr richtig verarbeiten mit Bestellungen oder sowas. 


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    Die Reise ging dann im Prinzip weiter nach Kickstarter mit einer ganz großen Niederlage. Ich hatte ewig für das Design des Glases benötigt, da ich damals unbedingt ein stark gewölbtes Glas haben wollte, weil das für mich so an Vintage-Uhren aus den 50er Jahren erinnert hat. Das einzig Blöde war, dass es am Rand des Glases nicht ganz so schön aussah da es ein bisschen verschwommen war.

    Manuel: Also, wenn man reingeguckt hat, oder wie?

    Dustin: Von oben war da so ein grauer Schleier drum rum, das war nicht so schön. Aber egal, für mich ging es um diese tolle Wölbung. Irgendwann hat mir ein Kumpel geschrieben, der eine meiner ersten Uhren getragen hat, dass ihm Anfang Dezember 2016 das Glas einfach im Flugzeug auseinander gesprungen istIch habe aber dann gesagt: Okay, aber du weißt ja jetzt auch nicht, ob da irgendwas ist. Vielleicht ist er ja nur zu doof gewesen und irgendwo gegen gehauen. Dann kam also die erste Charge, diese habe ich dann an die Kickstarter Backer versendet. Es blieb nicht bei diesem Einzelfall, das ist dann ständig passiert. Sogar mir selber - ich saß am Tisch und das Uhrenglas ist einfach zersprungen. Dann häuften sich irgendwann die Nachrichten, meine Uhr, sei so toll, aber die geht kaputt. Aber total nett, die Leute haben echt total nett reagiert. Und ich habe dann auch immer geschrieben, und das war von Anfang an meine Maxime: "Ich kann mich jetzt noch nicht drum kümmern, aber ich suche nach einer Lösung. Du kannst die Uhr erstmal zurückschicken. Und sobald ich eine Lösung gefunden habe, schicke ich dir eine neue."

    Manuel: War das auch ein finanzielles Risiko dann in dem Moment? 

    Dustin: Ja, das war natürlich finanziell für mich damals ein Desaster. Ich erinnere mich noch, wie ich dann auch die restlichen Uhren, die ich noch hatte, zurück zu meinem Uhrenhersteller schicken musste, der die dann ausgetauscht hat. Das war schon traurig. Auf der anderen Seite hatte ich auch irgendwas ganz Wichtiges verstanden, nämlich dass mein Produkt wirklich funktioniert. Und das war für mich eigentlich so das wichtigste Learning dabei. Das heißt, ich wusste, wenn ich weitermache, dann kann ich mir das auch wieder zurückholen.

    Manuel: Also wusstest du, dass ein Markt dafür existiert, dass die Leute diese Uhr wollen. Du hattest jetzt nur technische Probleme. 

    Dustin: Die Leute finden das Produkt toll. Und ich habe natürlich auch gemerkt: Okay, ich bin wirklich in der Lage ein Business aufzubauen. Was aber ganz wichtig ist bei dieser Story, dass wir dadurch unser größtes USP gefunden haben. Ich habe dann überlegt, welches Glas man verwenden kann. Und ich wusste, Saphirglas ist eigentlich das beste Glas, das es gibt, das beste Uhrenglas. Und habe dann gesagt: Okay, so ein Mist mit der Wölbung, aber ich nehme in Kauf, dass das nicht mehr so stark gewölbt ist. Dafür nehme ich aber Saphirglas und kann das auch gut meinen Kunden verkaufen und allen meinen Kickstarter Backern sagen. Das haben wir auch dann ganz stark getan, wodurch das unser Haupt-USP geworden ist, dass wir eben sagen: Wir benutzen das beste Uhrenglas der Welt.

    Wenn jetzt wir Herausforderungen oder Probleme haben oder wenn es mal nicht so gut läuft, dann weiß ich immer: Jetzt ist aber die Zeit, wo man lernt. Jetzt wird man von der Realität geschliffen wie so ein Diamant und muss sich dieser Herausforderung stellen und kann einfach unglaublich viel lernen.

    Das perfekte Team als geheimer Erfolgsfaktor

    Manuel: Jetzt seid ihr ja ordentlich gewachsen. Wie viele Mitarbeiter seid ihr jetzt? 

    Dustin: Also in Köpfen sind wir jetzt 25, so groß ist die Firma tatsächlich geworden. Als ich dann 2017 mit den neuen Uhren mit dem Saphirglas gestartet bin, habe ich gesagt: Okay. Wenn ich jetzt meinen Lebensunterhalt damit bestreiten kann und entspannt dieses Jahr meine Uhren verkaufen kann, dann bin ich glücklich. Aber das ist eingeschlagen, wie eine Bombe, also das hat sich weitaus mehr verkauft, als ich je erwartet habe.

    Manuel: Also von der Ein-Mann-Firma, die ein Produkt verkauft, zu einer gesamten Kollektion? Ihr seid trotzdem noch spezialisiert, auch wenn ihr jetzt mehrere Uhren im Angebot habt. 

    Dustin: Ja genau. Also die Idee ist immer noch, Bauhaus-Uhren oder gutes Bauhaus-Design bezahlbar zu machen. Das Coole ist auch, dass ich auch schon ganz früh gesagt habe, dass wir das mit den Kunden zusammen machen. Also aus diesem Community-Gedanken haben wir wirklich auch ein Thema gemacht, auch intern. Wir haben immer Meetings und dann versuchen wir genau das, was wir an Wünschen bekommen haben, auch umzusetzen. Ich sehe das so, dass wir dem Kunden oder unseren Trägern dienen müssen als Unternehmen. Und deswegen ist da eben auch so eine Community-Marke daraus entstanden, wo man eben mitbestimmen kann und wir nicht arrogant und hochnäsig dastehen und sagen, wir wissen alles besser.

    Manuel: Du bist mit dem Produkt im Kopf gestartet, aber nicht mit der Idee, wie führe ich eine Firma mit 25 Leuten. Wie bist du da reingewachsen? Welche Schwierigkeiten gab es?

    Dustin: Also das ist natürlich eine große Herausforderung, wenn nicht sogar die größte, die ich jetzt in diesem Status der Firma habe. Also erstmal habe ich einfach super coole Leute gefunden, auch irgendwie, kann ich gar nicht sagen, durch Zufall. Manche haben sich einfach initiativ beworben und gesagt: Ich will dabei sein. Und andere habe ich aus meinem Umfeld, es sind auch zwei alte Freunde von mir mit an Bord. Das hat sich irgendwie so glücklich "fügungsmäßig" ergeben. Ansonsten ist Führung von so vielen Leuten natürlich eine große Herausforderung. Man ist sich sicher nicht immer einig, sondern jeder hat verschiedene Ideen. Und mir ist es immer wichtig, alle zu hören und alles wertzuschätzen, was andere machen, immerhin sind sie ja bei mir dabei, bei meiner Sache. Sie unterstützen meine, beziehungsweise unsere Sache. Und deswegen bin ich da dankbar und sehe mich da auch in einer besonderen Verantwortung auch für mein Team, die Ideen zu hören. 

    Das Sternglas-Team um Gründer Dustin

    Das war immer das, worunter ich gelitten habe als Webdesigner. Ich musste immer nur umsetzen, umsetzen, umsetzen. Ich will eine Kultur schaffen, in der von allen die Ideen gehört werden, in der alle mitbestimmen dürfen, egal von der Pack-Aushilfe im Lager bis zum CF. Das alle dabei sind und alle ihre Meinung sagen können und dürfen und das alle mitbestimmen und mitmachen können. Und weil ich glaube, dass nur so ein Unternehmen langfristig erfolgreich ist, wenn es sich immer wieder von sich aus selber verbessert. Das ist das eine, und dieser Enthusiasmus - bei uns tragen wirklich alle diesen Uhren-Enthusiasmus oder manche habe ich auch so ein bisschen damit angesteckt, dass alle so für diese Sache brennen.

    Ich will eben diese Kultur, einfach ein cooles Unternehmen, wo man einfach sich als Teil davon fühlt, wo man mitbestimmen kann, wo man mitmachen kann, wo man jeden Tag irgendwie immer Spaß hat zur Arbeit zu kommen. Ich trage dadurch eine ganz besondere Verantwortung und man muss auch viel persönlich an sich wachsen. Am schlimmsten ist es zum Beispiel, wenn es mal nicht läuft.

    Alles außer Smart

    Manuel: Ihr macht sehr klassische Uhren. Uhren mit Quarz und auch automatische Uhren, die man selber noch mit der Hand aufdrehen kann. Ist das ein bisschen so der Gegenentwurf zu Smartwatches?

    Dustin: Oftmals habe ich das Smartphone in meinem Alter als sehr störend empfunden. Das ist ständig am Vibrieren und Klingeln, ich habe es auch immer auf lautlos und vibrationslos, weil mich das einfach manchmal unglaublich stört, wenn die ganze Zeit angerufen wird, immer was passiert. Zum Beispiel sitzt man in der U-Bahn, ist eigentlich gut gelaunt und dann kommt eine schlechte Nachricht, irgendwie zieht einen das gleich runter. Andere Generationen vor uns hatten das Problem nicht. Deswegen sehe ich das Smartphone schon als Stress, als stresserzeugendes Ding, was da so in unserem Leben ist. Da finde ich, hat dann eine Smartwatch, die auch viele haben, irgendwie noch krassere Auswirkungen. Also da sieht man das die ganze Zeit dann auch noch am Arm. Deswegen sagen wir auch immer, das ist so ein bisschen der Gegenentwurf dazu, weil die einfach nicht klingeln, die zeigen einfach nur die Zeit an, die machen nichts. Das gibt einem auch so ein bisschen Ruhe, gerade in so einer rastlosen Welt, wo ständig überall irgendwas los ist. Deswegen stehen wir im Prinzip auch als Gegenentwurf, auch dieses Mechanische. Ich glaube, dass das auch viele Leute fasziniert heute. Natürlich ist auch unter Uhren-Fans oder Uhren-Enthusiasten eine mechanische Uhr immer noch mal viel mehr wert als eine batteriebetriebene Uhr oder eine Smartwatch.

    Die nächsten Schritte: Wo geht's hin mit Sternglas?

    Manuel: Ist das auch eine Option oder eine Überlegung, dann irgendwann selber zu produzieren? Oder ist das noch sehr weit weg?

    Dustin: Ja, da gibt es auch schon lange Überlegungen. Ich habe da auch Lust drauf. Es ist nicht ganz trivial, da braucht man viele Ressourcen und Maschinen für. Aber ich kann mir das gut vorstellen und kann dazu noch nicht so viel sagen, aber ich finde es spannend. Es braucht dann so ein bisschen zwei Herzen, auf der einen Seite weiß ich natürlich auch, dass es manchmal besser ist, sich wirklich nur auf die Gestaltung und auf die Vermarktung zu konzentrieren, als jetzt noch andere Bereiche anzugehen, wo man dann erst eine starke Kompetenz aufbauen muss, die auch mit der Kernkompetenz, die das Unternehmen hat, gar nichts wirklich zu tun hat.

    Manuel: Was würdest du den Hörern und Hörerinnen denn empfehlen, die es sich jetzt auch überlegen mit Shopify den Schritt in den E-Commerce zu wagen?

    Dustin: Als erstes, habe ich gemerkt, dass es total wichtig ist, was zu machen, wofür man brennt. Man kann natürlich auch alles andere zum Brennen bringen, aber wenn es mal schlecht läuft, dann hält einen diese Leidenschaft am Ball. Die zweite Sache ist, dass man einfach starten soll, also im Sinne von, dass es nicht zu komplex sein soll am Anfang. Man muss erst die Kompetenz aufbauen und deswegen ist es gut, wenn man am Anfang vielleicht zum Beispiel auf vorhandene Komponenten zurückgreift, bevor man selber Formen oder Muster entwickelt. Ebenso sollte man die Idee möglichst schnell an den Markt bringen. Denn irgendwann verliert man halt die Lust. Am Anfang, wenn man die Idee hat, brennt man total dafür und dann nach ein paar Wochen schläft das ein und dann versandet es wieder. Diese Energie darf nicht ausgehen. Und das Nächste ist, dass man einfach am Markt testen muss, wie die Idee angenommen wird und was man noch verbessern kann.

    Manuel: Sonst entwickelt man es unter Umständen am Markt vorbei, weil man sich dann immer weiter in Kleinigkeiten verschanzt, oder?

    Dustin: Genau! Deswegen möglichst schnell am Start sein. Dann merkt man auch, was die Leute wirklich von einem wollen. Ich war manchmal auch verblüfft, ich habe immer gedacht, ich wolle den Glasrand immer so dünn wie möglich haben und habe da total viel Energie reingesteckt. Und dann musste ich irgendwann hinnehmen, dass der Glasrand eben nicht so war, wie ich wollte. Dann habe ich mich 2017 überwunden und dieses Produkt rausgeschickt, ich fand's blöd aber keinen Menschen hat es irgendwie interessiert. Stattdessen sind die Leute mit anderen Sachen gekommen, die sie nicht so gut fanden, oder haben sich noch andere Produkte gewünscht. Da habe ich irgendwann gemerkt: Das muss nicht alles perfekt sein. Dann sieht man eben auch, worauf es wirklich ankommt.

    Vermarktung: Unterschätzter Marketingaufwand?

    Manuel: Nochmal zum Thema E-Commerce, wie kriegt man denn die Leute dazu, überhaupt auf die Seite zu kommen?

    Dustin: Ich habe erstmal gemerkt, dass das die wirkliche Challenge ist. Also für mich war vorher klar, ich mache die Website fertig und dann bin ich raus. Aber die Arbeit geht eigentlich erst mit der Vermarktung los. Ich habe dann früh angefangen mit Facebook Ads. Ich wusste am Anfang noch gar nicht so richtig, was ich da tue und habe mir dann irgendwann eine Anleitung besorgt im Internet, wie ich das richtig mache. Und habe auch wieder, Gott sei Dank, einfach stumpf das befolgt, was mir da gesagt wurde, und das hat funktioniert. 

    Am Anfang hatte ich noch nicht mal einen Pixel installiert, da wusste ich gar nicht, was das ist. Erst, als ich den dann installiert hatte und messen konnte, wer jetzt kauft und wie viele, und dann eben auch die ganzen anderen Sachen aufgesetzt. Also mittlerweile arbeitet da jemand Vollzeit dran im Unternehmen, der den ganzen Tag nichts anderes macht, auch an Google. Also eine Idee ist nichts wert, wenn sie nicht gut vermarktet wird. Wenn man da keinen Traffic draufschickt, dann passiert gar nichts. 

    Von Kickstarter zur bekannten Marke

    Manuel: Das darf man auch bei Kickstarter glaube ich nicht unterschätzen. Die Sogwirkung. Aber unter Umständen kann es auch sein, dass es nie jemand mitkriegt, weil man die Kickstarter-Kampagne schon nicht bewirbt.

    Dustin: Ja genau. Das ist auch der Grund, warum viele Kickstarter-Kampagnen scheitern, weil die eben gar nicht verstanden haben, wie wichtig es ist, da Traffic drauf zu schicken. Dann bleibt das immer nur ein leeres Listing bei Kickstarter, wo niemand drauf geht. Bei Kickstarter ist es so, dass viele folgende Strategie anwenden: Sie machen einen Pre-Launch, wo sie sich erstmal E-Mail-Adressen einholen, wo man sich dann eintragen kann über eine Facebook Ad oder eine Google Ad, wo man sich dann einträgt, wenn der Launch ist, um informiert zu werden. Da sammeln die sich dann erstmal ein paar tausend Leute, die dann Interesse haben. Und sobald die Kickstarter-Kampagne live geht, schicken die dann E-Mails raus an alle, die sich da eingetragen haben, dass sie jetzt das Produkt bei Kickstarter kaufen können. Und so passiert das natürlich auch, dass innerhalb von 24 Stunden alles gefundet wird. Das war bei mir damals noch nicht so, da wusste ich gar nicht davon, dass andere da überhaupt Traffic über Online-Marketing einkaufen. Ich habe immer gedacht, dass machen viele mit kluger PR, aber es ist eigentlich einfach nur kluges Online-Marketing.

    Manuel: Merkst du das jetzt so ein paar Jahre später, dass ihr eine Marke geworden seid?

    Dustin: Der Name Sternglas ist mittlerweile ein bisschen bekannter. Ich weiß nicht, wie bekannt, viele kennen es auch immer noch nicht in unserer Zielgruppe, aber er ist ein bisschen bekannter. Der Name transportiert schon mal was, ohne dass man die Marke kennt, er steht schon so ein bisschen für was Hochwertiges. Sternglas, das hat schon irgendwie Hand und Fuß. Und deswegen trägt der Name auf jeden Fall im Online-Marketing auch. Wir haben natürlich auch, die Pixel bei uns im Online-Marketing, sind trainiert, haben ganz viele Kundendaten und wissen natürlich, wie wir werben müssen und wie das bei uns gut funktioniert.


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    Which method is right for you?Manuel Fritsch ist der Moderator des Shopify Podcasts. 2000 gründete Manu sein erstes Unternehmen und arbeitete 15 Jahre in der Agenturwelt. Seit 2015 ist er als freiberuflicher Spielejournalist für Fachmagazine, Zeitungen und seinen eigenen Podcast mit inzwischen über 2.500 Folgen tätig.

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