Wie zwei Berliner Unternehmer die Produktion in China erfolgreich umgesetzt haben

Wie zwei Berliner Unternehmer die Produktion in China erfolgreich umgesetzt haben

Shopify Store schnell bauen

Ist das noch ein Ladekabel oder schon ein Mode-Accessoire?

Anfang 2017 hatten Paul Blezinger und Antonia Anastasiadi eine Idee, die sie nicht mehr losließ – sie wollten ihre Erfahrungen aus der Smartphone- und E-Commerce-Branche mit ebenfalls vorhandenen Design-Kenntnissen kombinieren. Einige Monate später schon konnten die beiden nylongeflochtene Lightning-Kabel für iOS-Produkte in vier einzigartigen Farben in ihrem Shopify Shop anbieten.

Mit dem Berliner Label talmo haben die beiden ein Unternehmen gegründet, das Elektronik und Mode-Accessoires verbindet und individuelle, technische Lifestyle-Produkte auf den Markt bringt.

Wie talmo als junges Unternehmen Hersteller in China gefunden und die Beschaffungsprozesse und Produktionsabläufe organisiert hat, verriet uns Paul Blezinger im Interview.

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Der ganze Beschaffungsprozess in China sieht einfach aus, aber da steckt viel Arbeit dahinter. Allerdings: Wenn es so einfach wäre, würde es jeder machen.

Als Erstes: Woher kommt eigentlich der Name talmo?

Uns kommt zugute, dass die meisten Leute “talmo” für eine skandinavische Bezeichnung halten, denn derartige Namen werden oft mit Ästhetik und Design verbunden. Tatsächlich hat es aber überhaupt nichts Skandinavisches, sondern steht für “tech à la mode”, was im Französischen modisch, trendig oder zeitgemäß bedeutet. Dass diese Bezeichnung in den USA auch für “Mit Eis-Creme” steht, passt nur umso besser zu unserer Marke.

Wir wollen nicht nur auf Kabel reduziert werden, sondern zukünftig den gesamten Tech-Bereich abdecken - und das gern mit ein wenig Witz und Charm!

Wie kam es zu talmo?

Die Idee hatten wir Anfang 2017. Da haben wir uns das erste Mal mit dem Thema Nylon-Lightning-Kabel auseinandergesetzt und geschaut, ob es einen Markt und Interessenten dafür gibt.

Weil wir im Februar 2017 durch unsere vorherigen Firmen sowieso in Shenzhen bzw. Hongkong waren, haben wir uns gesagt: Okay, jetzt sind wir gerade hier, sprechen wir mal mit einem Hersteller, der Lightning-Kabel produziert!

Wir haben uns dann vor Ort umgesehen und uns ganz locker ausgetauscht und die ersten Kontakte zu den Herstellern geknüpft. Nach Februar haben wir dann Schriftkontakt gehalten und uns über Preise und Mindestbestellmengen informiert.

Danach kamen ungefähr drei Monate mit intensiven Vorbereitung auf uns zu. In dieser Zeit haben wir alle theoretischen Sachen erledigt und eine grobe Struktur gebaut. Dabei ging es darum, die Produkte selbst zu bestimmen und ins Detail zu gehen. Wir haben über Farben, Materialien, Konnektoren und mögliche Kunden gesprochen. Erst dann sind wir in intensivere Gespräche mit Zulieferern gegangen und haben unsere Vorstellungen mitgeteilt.

Der offizielle Launch war Anfang November 2017. 

Produziert wurde von Anfang an in China. Wie läuft sowas ab?

In unserem Fall haben wir die Hersteller vor Ort angesprochen, was wir auch empfehlen können, um von vornherein eine Vertrauensbasis aufzubauen. Um alles möglichst einfach zu halten, kann man die Standardprodukte bestellen und als White-Label-Produkte vor Ort herstellen lassen und anschließend einfach sein Logo hinzufügen.

Wir hatten allerdings eher spezifische Vorstellungen, z. B. wollten wir Farben, die es in der Form noch nicht gab. Wenn man solche konkreten Anforderungen hat, muss man viel probieren und austesten, bis man die gewünschte Farbe bekommt. Und das ist natürlich ein Prozess, der lange dauert, weil es immer viel hin und her geht. Man gibt die Farbwünsche in Auftrag und bekommt dann ein Muster zugeschickt, für das man als Firma in Vorleistung geht. Dank Express-Versand ist das in circa. 5 Tagen in Deutschland. Dann begutachtet man das Muster und ist am Anfang meist nicht zufrieden. Der Hersteller erhält ein Feedback und es geht erstmal wieder hin und her.

Diese gesamte Kommunikation kann nervenaufreibend sein. Wenn man dieses Hindernis und die Zeit, die dafür draufgeht, von vornherein einplant, ist man auf jeden Fall nicht enttäuscht, wenn alles ein bisschen länger dauert. Deswegen haben wir uns auch keine bestimmte Deadline gesetzt, sondern alles peu á peu und eher entspannter gemacht.

Wie kann man als Unternehmen einen geeigneten Produzenten in China finden?

Der allererste Kontakt geht mittlerweile ziemlich einfach über Alibaba oder AliExpress. Diese Marktplätze kann man eher als Kataloge verstehen, die zeigen, welcher Hersteller welches Produkt anbietet. Über diese Plattformen nimmt man Kontakt mit den jeweiligen Anbietern auf und stellt seine Fragen. Intensivere Verhandlungen laufen dann später über Skype oder WeChat ab. Jeder dieser Hersteller hat außerdem ein Sales-Team, mit dem man sich vor Ort treffen und die man jederzeit erreichen kann.

Wenn die Menge, also auch vor allem monetär, nicht allzu groß ist, würde ich empfehlen, erst mal ohne persönlichen Besuch den Kontakt anzubahnen. Falls man im Laufe der Kommunikation merkt, dass das ganze Verfahren doch komplexer ist, als angenommen, kann ein persönliches Treffen von Vorteil sein.

Es kann sehr nützlich sein eine unabhängige Person in China vor Ort zu haben, die die Abläufe kontrolliert.

Durch meine vorherige Firma hatten wir noch alte Kontakte in Shenzhen zu einer Vertrauensperson, die wir mit verschiedenen Aufgaben beauftragen konnten. Mittlerweile gibt es aber auch Agenturen und unabhängige Büros in China, die solche Services anbieten.

So eine Person muss 100 Prozent perfekt instruiert werden und am Ende die gleichen Anforderungen haben wie die Gründer selbst.  Diese Vertrauenspersonen gehen in die Fabriken und kontrollieren die Produkte auf Funktionalität oder Aussehen. Es ist super praktisch, wenn der Arbeitsaufwand nicht in Deutschland stattfindet, sondern alles kontrolliert ist, bevor die Produkte den Hersteller verlassen. So konnten wir die Zahl der Ausfallprodukte deutlich verringern und Kosten sparen.

Es ist super praktisch, wenn der Arbeitsaufwand nicht in Deutschland stattfindet, sondern alles kontrolliert ist, bevor die Produkte den Hersteller verlassen.

Wie findet man eigentlich heraus, wie das eigene Produkt in China hergestellt werden muss?

Der erste Bezugspunkt und die beste Quelle war tatsächlich YouTube. Da gibt es zum einen Videos von chinesischen Firmen, die ihre Produkte vorstellen und ihre Fabriken zeigen. Und dann gibt es viele Videos, die einfach den Ablauf fast eins zu eins widerspiegeln. Nicht sehr detailliert, aber so, dass man auf jeden Fall eine Idee von den Produktionsabläufen bekommt. Auf dieser Basis kann man dann bessere Fragen stellen und einschätzen, was für einen Mehraufwand es bedeutet, ein Produkt fünf Millimeter größer zu machen oder eine spezielle Farbe zu nutzen.

YouTube ist der erste Bezugspunkt und die beste Quelle, um Fabriken kennenzulernen.

Die Kabel und die Verpackung kommen von unterschiedlichen chinesischen Herstellern. Wie wird das koordiniert?

Bei der Suche nach den verschiedenen Herstellern haben wir nicht nur darauf geachtet, dass diese seriös sind und mit anderen europäischen Unternehmen zusammenarbeiten, sondern wir haben auch geschaut, wie weit die Fabriken auseinanderliegen.

Wir dachten uns, je näher die beiden Firmen, mit denen wir arbeiten werden, räumlich beieinander sind, umso einfacher macht es die Kommunikation und die Abläufe.

Und genau so war es dann auch. Die beiden Hersteller haben sich dann tatsächlich auch einige Male miteinander getroffen, um Prozesse zu besprechen.

Leider hat am Anfang trotzdem nicht alles funktioniert, wie erhofft, was für uns auch eine steile Lernkurve bedeutete. Unsere Verpackung gehört zum Eyecatcher des Produktes und ist sensibler, als es scheint. Wir mussten lernen, dass es sinnvoller ist, wenn der Verpackungshersteller die Kabel bezieht und alles fertig verpackt. Anfangs hatten wir es andersrum gehandhabt und da sich der Kabelhersteller nicht mit der Verpackung auskannte, mussten wir einige Verpackungen aussortieren. So ein Problem hatten wir anfangs überhaupt nicht auf dem Radar und haben uns wirklich erst Gedanken dazu gemacht, als es kurz vor zwölf war. Das können wir jetzt als eins der wichtigsten Learnings bezeichnen.

Talmo Verpackungen bunt Smartphone

Welchen unerlässlichen Tipp haben Sie noch, wenn es um die Zusammenarbeit mit chinesischen Herstellern geht?

Die Kommunikation ist das A und O und kann zur Herausforderung werden. Dinge, die wir für selbstverständlich gehalten haben, werden von den chinesischen Herstellern nicht gesehen. Man nimmt dann Produkte in Deutschland in Empfang und merkt, dass der Deckel überall um 180 Grad versetzt ist und es nicht gut aussieht. Für uns bedeutete das, dass wir bei 6.000 Produkte alle Verpackungen nochmal überprüfen und korrekt ausrichten mussten.

Man kann sich viel Arbeit ersparen, wenn man von Anfang an ein perfektes Briefing erstellt.

Am besten wirklich per Foto und so detailliert und "kindisch" wie möglich erklären.

Welche Kanäle haben Sie seit dem Launch genutzt, um Ihr Lightning-Kabel zu vermarkten?

Momentan sind Design Shops oder Concept Stores die vielversprechendste Richtung für unsere Produkte, weil die Akquise hier schnell funktioniert. In Paris sind wir zum Beispiel in einem der wichtigsten europäischen Concept Stores namens FLEUX.

Auch Instagram und Kooperationen sind aussichtsreich und werden gerade von uns angegangen. Der meiste Traffic, der momentan auf dem Shop läuft, kommt vor allem über Social Media und Facebook Advertising. Hier müssen wir allerdings noch herausfinden, welche Zielgruppe am besten funktioniert.

Außerdem waren wir schon im Couch Magazin und im Designteil der Welt am Sonntag. Weitere Kanäle wie Pinterest oder die Arbeit mit Bloggern werden wir in nächster Zeit ansteuern.

Sind bereits neue Produkte in Planung?

Wir wissen natürlich, dass wir noch weitere Produkte veröffentlichen müssen, wenn wir dauerhaft als Marke wahrgenommen werden wollen. Die erste Initiative wird sicherlich ein Android-Kabel mit USB-C-Konnektor sein. Und dann schweben uns noch Ideen wie Handyschutzhüllen, Kopfhörer oder Powerbanks vor.

Das sind auf jeden Fall Sachen, die wir jetzt in den nächsten Wochen vorbereiten werden. Da geht dann schlussendlich der gleiche Prozess los, den wir vor einem Jahr angetreten haben. Durch unsere Erfahrung sind wir jetzt auf jeden Fall gut gewappnet!


Which method is right for you?Geposted von Hendrik Breuer: Hendrik ist Redakteur des deutschen Shopify-Blogs. Möchten Sie einen Gastbeitrag veröffentlichen? Dann lesen Sie bitte zuerst diesen Leitfaden.

Die Autorin dieses Artikels ist Alice Viete.

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