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Namasté, aber online: Wie Lotuscrafts die Yogabewegung im DACH-Raum pusht und jetzt den US-Markt erobert

Heute legen wir ganz besonders viel Wert auf Achtsamkeit, denn zu Gast im Shopify Podcast ist Wolfgang Fuchs, Gründer der Yogamarke Lotuscrafts. 2011 hat der Wiener das Unternehmen als One-Man-Show gegründet und im heimischen Wohnzimmer Meditationskissen selbst befüllt und verkauft. Mittlerweile ist die Marke in der Yoga-Community bekannt und deutlich gewachsen.

Mit welchen Hindernissen Lotuscrafts kämpfen musste, welche Auswirkungen Corona auf die Yogabewegung hatte und warum die Kombination aus Shopify und Amazon für Lotuscrafts so wichtig ist, verrät Wolfgang hier im Podcast. 

Die komplette Transkription dieser Folge findest du hier.

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Show Notes

Von der Kündigung zur Selbstständigkeit

Manuel Fritsch: Was zeichnet Lotuscrafts aus?

Wolfgang Fuchs: Lotuscrafts ist eine Marke im Bereich Yoga- und Meditationszubehör. Das heißt, es gibt klassische Produkte. Das fängt bei der Yogamatte an, geht über zu Yogazubehör und Sitzkissen - also alles, was man für die Yoga- und Meditationspraxis braucht.

Manuel: Ich gehe mal stark davon aus, dass du inspiriert wurdest, weil du dich selbst mit Yoga beschäftigst, oder?


Wolfgang Fuchs - Gründer und Geschäftsführer von Lotuscrafts

Wolfgang: Ja, auf jeden Fall. Es war schon relativ lang vor der Gründung von Lotuscrafts, dass ich in das Thema Yoga reingekippt bin. Ich glaube, 2007 habe ich die erste Yogastunde besucht. Das war ein ziemlicher Flash damals. Seitdem beschäftigt mich das Thema. Ich habe dann später selbst eine Yogalehrerausbildung gemacht und dann ist im nächsten Schritt Lotuscrafts entstanden.

Manuel: Was hast du gemacht, bevor du Lotuscrafts gemacht hast?

Wolfgang: Da habe ich ganz klassisch Wirtschaft in Wien studiert und habe bei einem großen Dax-Konzern angefangen und dort circa dreieinhalb Jahre gearbeitet. Am Anfang war es okay, später dann nicht mehr. Ich hatte einen Chef, der das gesehen hat und ich bin dann am Ende gefeuert worden und aus dem Konzern geflogen.

Manuel: Weil er gesehen hat, dass du da nicht mehr voll drin bist?

Ich hatte vorher schon Gedanken und Fantasien, mich selbstständig zu machen

Wolfgang: Es waren viele Sachen. Damals war das recht heftig, aber ich bin inzwischen heute sehr dankbar dafür. Ich hatte vorher schon Gedanken und Fantasien, mich selbstständig zu machen. Als ich die Kündigung bekam, war für mich klar, ich habe keine Intention, mich wieder für einen ähnlichen Job zu bewerben und möchte einfach selber was versuchen. Ich habe damals schon mit der Yogalehrer-Ausbildung geliebäugelt und das schließlich gemacht. Ich war am Anfang der Gründungsphase so halb Yogalehrer und habe dann dieses Business schrittweise aufgebaut. Das heißt, am Anfang gab es keine große Vision, was daraus werden soll. 

Manuel: Aber du hast schon gemerkt, da gibt es Bedarf, oder wie ist die Idee entstanden einen Onlineshop zu gründen?

Wolfgang: Ich habe sogar ganz im ersten Schritt noch einen kleinen Shop mit Handelsware gehabt, noch nicht direkt im Yogabereich, sondern eher im Heilpraxisbedarf. Da habe ich dann diese Yogasitzkissen im Sortiment gehabt, woraus die Idee entstand, etwas Eigenes zu machen. Ich habe schnell gesehen, dass es im Bereich Nachhaltigkeit und Biobaumwolle noch relativ wenig gibt, vor allem in unserem Preissegment. Es ging dann stark von diesem ersten Produkt aus. Mit diesen Meditationskissen habe ich einfach gestartet und erst daraus ist diese Marke entstanden.

Manuel: Ich hätte jetzt erwartet, dass in der Yogaszene Gedanken wie Nachhaltigkeit Standard sind. Aber du sagst jetzt, da gab es solche Produkte wenig oder nicht erschwinglich?

Lotuscrafts ist mittlerweile eine etablierte Marke in der Yogaszene

Amazon als Umsatztreiber

Ich habe von Anfang an sehr stark begonnen, das Produkt auf dem Amazon Marktplatz zu verkaufen. Das war der erste Kick.

Wolfgang: Da gab es auf jeden Fall noch Spielraum für uns, gerade im Onlinehandel. Was auch ein Faktor war, ich habe von Anfang an sehr stark begonnen, das Produkt auf dem Amazon Marktplatz zu verkaufen. Das war der erste Kick und das erste Mal, wo ich richtig gesehen habe, dass es für das Produkt eine gute Nachfrage gibt.

Manuel: Das heißt, du hast an den Zahlen gemerkt, da ist eine Nische, da könnte ich weiter reinsteigen?

Wolfgang: Ja, auf jeden Fall. Ich bin damals schon relativ groß mit dem Produkt gestartet. Beim Hersteller habe ich per Seefracht relativ viele Kissenbezüge geordert und die damals noch eigenhändig mit dem Füllstoff, das ist bis heute Dinkelspelz, gestopft. Das war damals eine kleine Wette, dass das funktioniert. Da war schon Glück und Zufall dabei, dass das dann so eingeschlagen hat.

Manuel: Du hast mit Amazon angefangen. Das heißt, du hattest dann auch gar kein Fulfillment-Lager?

Wolfgang: Ich habe eigentlich von Tag eins einen Onlineshop gehabt, damals einen selbstgebauten Magento-Shop. Ich hatte viel Energie und Arbeit in den eigenen Kanal gesteckt. 2010 gab es diesen riesengroßen Amazon FBA Hype noch überhaupt nicht. Bis dato war das ein ziemlich neues Thema und als eigener Vertriebskanal oder Geschäftsmodell war das nicht wirklich bekannt. Das Thema kam dann glaube ich so 2013 in den USA hoch und ein, zwei Jahre später dann in Europa auch richtig an. Das war damals normal, dass man einen Onlineshop hat und dann den Marktplatz hinzufügt. Für uns war das von Anfang an eher umgekehrt, dass der Marktplatz in dieses Volumen geht und der Shop nebenbei lief, um die Marke aufzubauen. Das ging dann Schritt für Schritt. Da kamen dann auch weitere Produkte hinzu. Ein höheres Kissen, ein niedrigeres Kissen, eine Yogatasche oder einen Yogagurt. Da gab es dann schnell Synergien.

Wenn man an Amazon denkt, muss man nicht gleich ein großes Sortiment anbieten, man kann auch mit zwei, drei, vier Produkten einfach schrittweise starten.

So ging das relativ organisch, dass das Produktsortiment gewachsen ist. Der erste große Schritt zum Vollsortiment war dann 2013 die erste Yogamatte.

Damit begann alles: das Meditationskissen - handgefüllt mit Dinkelspelz

Shopify als Lösung für alle Pain-Points

Manuel: Wie bist du zu Shopify gelangt und was waren die Beweggründe?

Wolfgang: Da gab’s noch einen Zwischenschritt. Magento war die erste Station, dann waren wir ziemlich lang bei Shopware. Unser ERP war das Argument zu wechseln. Zu Shopify sind wir letzten Juni gekommen. Das war etwas, das ich lang vorbereitet habe.


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Ich habe Shopify schon länger beobachtet und war mit der vorherigen Lösung einfach nicht happy. Es ist einfach dieser Faktor Cloud, der in vielen Bereichen reinspielt. Wir hatten sehr hohe Wartungs- und Entwicklungskosten - gerade mit Updates. Irgendwie hat es sich potenziert, weil wir einen Shop hatten, dann noch eine Schnittstelle zum ERP und bei jedem Update musste man nicht nur den Shop aktualisieren, sondern auch die ganzen Schnittstellen. Wir haben wirklich gefühlt die Hälfte unserer Ressourcen in Shop-Entwicklung mit Agenturen verbraucht, um dieses Ding irgendwie am Laufen zu halten, uns upzudaten und die Versionen aktuell zu halten. Auch das Thema Payment war ein riesiger Pain-Point, das ist so komplex. Da eine Zahlart zu implementieren, war einfach ein Riesending.

Das war so der erste Riesen-Flash bei Shopify.

Da hatte ich Stripe damals in zehn Sekunden eingerichtet und das funktioniert einfach. Das ist vielleicht für viele, die Shopify immer schon benutzt haben, ganz selbstverständlich, aber das war lange Zeit in der E-Commerce-Welt ganz und gar nicht selbstverständlich. Wir hatten vorher im alten Shop einen Blog, als zusätzliche WordPress-Installation. Da haben wir auch den Schritt gewagt, mit Shopify den Shopify Blog zu nutzen, weil wir da erstmals das Gefühl hatten, das funktioniert auch. Es hat sich extrem bewährt. Wir haben ein System und der Wartungsaufwand ist 80, 90 % weniger. Es macht Spaß ressourcenfrei in die wirklichen Dinge zu investieren. Jetzt sind wir grad dabei, viel am E-Mail-Marketing zu machen und zu automatisieren. Da haben wir einfach die Ressourcen frei, die wir vorher weder vom Zeitlichen noch vom Finanziellen, aber auch einfach vom Mindset nicht hatten, weil wir so viel damit beschäftigt waren, das System am Laufen zu halten.

Endlich angekommen: mit Shopify konnte Lotuscrafts alle Anforderungen an einen Onlineshop erfüllen

Manuel: Man merkt manchmal erst, welche Vorteile eine Systemumstellung bringt, wenn dieser Schmerz nachlässt, oder?

Wolfgang: Ja, es ist glaube ich auch eine Einstellungssache. Ich war immer ein Shopify-Fan, mich hat das System immer angesprochen und die Firma dahinter. Wenn das dann passt, dann passt es einfach. Auch wie wir arbeiten, wie wir organisiert sind - wir sind noch sehr klein und kompakt. Da ist Shopify einfach ein System, das viel besser zu unseren Strukturen gepasst hat.

Für eine Direct-Consumer-Marke, wie wir es sind, ist das System das mit Abstand beste am Markt.

Lesetipp: Zum Thema Direct-to-Consumer haben wir kürzlich eine eigene Studie veröffentlicht! Du findest sie hier.

Es deckt die Sachen einfach schon ab. Man kann schnell in die wirklich spannenden Themen einsteigen, die wichtig für eine Marke sind und die eigene Marke auch bekannt machen und skalieren.

Manuel: Aber ich schätze dich auch noch so ein, dass dir das auch noch am Herzen liegt, selbst ins System reingehen zu können und nicht einfach zu sagen, das soll eine Agentur für mich machen.

Wolfgang: Ja und nein. Da sind wir grad am Punkt, wo sich das ein Stück ändern soll. Ich habe 2010 den ersten Onlineshop selbst gebaut, hatte vorher nicht wirklich Know-how und kam auch nicht aus der Programmierer-Ecke oder so. Aber das ist natürlich schon mein Baby gewesen und da habe ich über die Jahre auch viel Energie reingesteckt und viel Know-how gewonnen. Das war auch schön in diese Onlineshop-Welt reinzuwachsen. Einen Onlineshop zu führen, ist schon komplex, weil es so viele Themenfelder gibt, von der Kundenakquise bis zur Logistik. Von den Prozessen ist der Onlineshop, auch mit Shopify, ein Stück einfacher geworden. Es gibt noch viele Baustellen und diese richtig aufzusetzen, und dass sich alles ineinanderfügt, das ist, was mich fasziniert. Also das ist auch für uns die Sicherheit, die wir mit dem System haben. Wir haben eine Agentur, die sich eher speziell um Conversion Optimierung kümmert und dann wieder einen anderen Freelancer, der die Facebook Ads oder den Acquisition Part macht. Es sind sehr viele Spezialisten, die drumherum arbeiten. Im Kern läuft das aber bei uns.

Der Aufbau der Marke Lotuscrafts

Manuel: Du hattest dann die Yogamatten, war das dann der Startschuss, wo du gemerkt hast, ich muss mich jetzt voll darauf konzentrieren? War das dann schon Lotuscrafts?

Wolfgang: Diese Marke Lotuscrafts habe ich schon von Anfang an kreiert. Da gab’s ein Logo, diese Lotusblüte. Wir sind nicht die erste Yogamarke, die eine Lotusblüte verwendet, aber ich habe das damals in Indien so gesehen und das hat sich so eingebrannt. Es gab die Marke und das Logo schon für das erste Produkt. Gerade mit diesen Sitzkissen, die musste ich damals alle einzeln mit dem Spelz stopfen. Das war eigentlich über Wochen ein Fulltime-Job. Also so gesehen war es schnell notwendig, Mitarbeiter zu suchen, eine richtige Firma draus zu machen und Lotuscrafts zu meinem Fulltime-Job zu machen. Ich habe dann bis heute geschaut, dass die Marke spitz bleibt von den Produkten. Das Produktsortiment hat sich erweitert, aber es ist trotzdem noch so, dass wir ein recht kompaktes Sortiment haben. Wir bleiben sehr stark auf dem Yogafokus bis heute. Das war damals auch dann Schritt für Schritt: Was ist das nächste Produkt? Was passt perfekt zu der Zielgruppe, die wir schon haben und ansprechen? Das war dann meistens ein recht logischer Schritt und damit haben wir dann schrittweise das Sortiment organisch erweitert.

Manuel: Wie hat sich denn das Online-Marketing verändert seit deinen Anfängen und zu heute?

Wolfgang: Das erste, an was ich mich erinnern kann, wir haben mit Google Ads angefangen für den Shop. Dann war der Performance-Anteil sehr stark auf Amazon, wo wir mit Abstand unsere größten Budgets mit diversen Amazon Click Ads hatten. Und jetzt, die letzten zwei Jahre was das Thema Social Media und auch Paid Traffic wichtig. Da haben wir unser Setup gefunden, wo wir richtig Vollgas geben und mit Insta und Facebook Ads viele Kunden gewinnen. Aber auch organischer Traffic ist über die Jahre für uns ein extrem wichtiges Standbein geworden. Das ist in unserem Shop ein sehr gesunder Mix aus organischem Traffic und eben Google, Facebook und Co.

Manuel: Ihr investiert viel in Instagram, oder? Ihr habt wunderschöne Fotos, die sehen nicht nach Stockimage aus.

Wolfgang: Genau. Da sind wir auch schon recht lang dabei. Ich glaube, das war 2013, 2014, wo wir das erste Mal unser eigenes Foto-Shoot organisiert haben mit recht viel Aufwand und unseren Produkten. Wir hatten jetzt auch vor ein paar Wochen noch ein Shooting in einer superspannenden Location in Österreich. Da ist dann ein ganzes Team vor Ort und wir machen meistens eine Kombination aus Fotos und Video. Seitdem wir auch Social Media Ads stärker betreiben, haben wir gemerkt, da brauchen wir noch mehr und auch verschiedene Fotos. Da versuchen wir einen Mix aus Bildern zu bekommen, aus denen wir diese Markenwelt für Kunden erlebbar machen können. Es ist ein wichtiger Punkt da zu investieren und es kostet auch wirklich Geld. So ein Fotoshooting zu organisieren, meistens dann zwei Tage, auch mit Video. Das geht dann weit über ein Budget von 10.000 Euro raus.

Manuel: Ist diese Yoga-Welt oder Menschen, die Yoga betreiben, sehr viel digitaler geworden in den letzten 10 Jahren? War es schwieriger diese Zielgruppe überhaupt online zu erreichen oder war das nie ein Problem für euch?

Wolfgang: Nicht wirklich, es war eher umgekehrt, dass die Produkte oder das Yogazubehör nie wirklich im Sporthandel angekommen ist. Das war noch immer so eine spezielle Nische. Gerade auch in der Hochblüte des stationären Handels war Yoga noch zu klein, zu nischig, und da gab’s damals schon die Onlinemarken im Yogabereich. Jetzt sind die Kunden es sehr gewöhnt, die Produkte online zu kaufen. Ich glaube, dass da der Online-Anteil von dem Yoga-Gesamtmarkt sehr, sehr groß ist. Deswegen war das am Anfang kein Problem. Da war jetzt sicher noch mal dieser Shift mit Corona, dieser Yoga-at-Home-Boom, der da ausgebrochen ist und auch einfach bei den Yogalehrern oder bei den Yogastudios dann noch mal ein Riesen-Digitalisierungsprozess ausgelöst hat. Früher gab’s auch Apps und Online-Yogastudios, aber das hat sich jetzt noch mal auf ein ganz anderes Level ausgeweitet. Und ich glaube auch, dass die Leute eben zu Hause vorm Bildschirm Yoga praktizieren. Das ist ein Thema, das jetzt mit einem Schlag irgendwie zwei bis fünf Jahre einfach nach vorne gepusht worden ist.

Wie sich Corona auf die Yogabewegung ausgewirkt hat

Manuel: Das heißt, ihr seid aber ganz gut durch die bisherige Corona-Zeit gekommen?

Wolfgang: Die Yogastudios sind eigentlich seit Ende Mai wieder offen, natürlich mit Einschränkungen. Für uns war die Nachfrage extrem. Das war eher das Problem - fast zu viel Nachfrage. Wir haben physische Produkte und kommen dann ziemlich schnell an die Limits, so eine extrem schnell steigende Nachfrage zu bedienen. Wir haben einen Fulfillment-Partner, wo in den ersten Wochen, der akuten Phase, nicht klar war, ob die vielleicht von einem auf den anderen Tag zusperren müssen. Amazon, was immer ein starker Kanal für uns ist, war auch ungewiss, wie es weitergeht. Jetzt ist es eher so, dass uns die Supply Chain beschäftigt. Wir sind immer noch so, dass wir bei vielen Produkten einfach nicht genug Ware haben, auch wenn die Nachfrage sich jetzt wieder normalisiert. Die Wellen, die durch die Supply Chain gehen, dauern noch bis Jahresende, bis wirklich alles ausgeglichen ist.

Manuel: Also Lieferengpässe durch Produktion in Indien und so?

Wolfgang: Genau, in Indien hatten wir einen wichtigen Hersteller, der hatte neun Wochen Lockdown. Das holen wir auch noch immer auf. Andererseits ist es auch bei den Yogamatten so, dass die Hersteller dann teilweise ihre Kapazitäten bis Februar nächsten Jahres ausgebucht haben. Wenn man jetzt Yogamatten bestellen will, gibt’s Hersteller, die einfach nichts liefern können, weil die Nachfrage kurze Zeit so extrem hoch war.

Manuel: Da ihr ja nicht selber produziert, war wahrscheinlich auch Homeoffice nicht so das große Problem?

Wolfgang: Ja, das war auch für uns ziemlich easy, weil wir auch so eine Organisationsmethode haben, die OKRs, Objectives and Key Results. Das ist einfach eine Methode, wie wir uns organisieren, unsere Ziele setzen und abstimmen. Da ist der Schritt ins Remote für uns sehr natürlich verlaufen.

Manuel: Gab es denn in deiner Historie Phasen, wo es Schwierigkeiten oder Probleme gab?

Je mehr Möglichkeiten es finanziell gibt, desto mehr wächst die Firma letztendlich auch.

Wolfgang: Ich muss sagen, es gab nie wirklich so diesen Dip, eher so ein recht konstantes, durchgehendes Wachstum. Im Nachhinein hätten wir viele Dinge viel schneller und größer aufziehen können, auch mit mehr Kapital. Dadurch, dass wir bis heute oder immer irgendwie eigenkapitalfinanziert waren, war halt gewisses Wachstum dann auch die Schwelle nach oben. Die haben wir dann meistens erreicht. Das ist auch spannend fürs Mindset. Ich war am Anfang so eingestellt, alles eigenfinanziert, auf keinen Fall Fremdkapital, auf keinen Fall zur Bank gehen und Schulden machen. Da bin ich dann ein Stück drüber hinweggekommen. Das hat dem Business einfach sehr gutgetan, Reserven zu schaffen, z.B. mit einem klassischen Kontokorrentkredit und für die Zukunft gerüstet zu sein. Ich habe dann gesehen, je mehr Möglichkeiten es finanziell gibt, desto mehr wächst die Firma letztendlich auch. Wir haben uns da sicher jahrelang ein bisschen eingebremst. Aber die wirklichen Dips, wo man jetzt groß in eine falsche Richtung gelaufen ist, gab’s nicht. Das war der Vorteil, wenn man so organisch und langsam wächst: wir haben immer Schritt für Schritt geschaut, was kommt als nächstes, was ist der nächste logische Schritt, wo sind unsere begrenzten Ressourcen?

Manuel: Aber gerade mit der Fremdfinanzierung, das ist ja auch ein Schritt, den man schwer geht, das ist halt eine Riesenverantwortung.

Wolfgang: Genau. Wobei das mit Investoren oder Anteilhabern sicher noch mal was anderes ist. Was mir am Anfang auch wichtig war, vielleicht auch unbewusst, war sehr eigenständig zu sein. Das ist auch das Schöne als Teil der Consumer-Marke, wir haben ein auch einen Handelspartner, aber es geht doch viel direkt an den Kunden, und da sind wir auch unabhängig. Wenn wir jetzt sagen, ein Produkt ist irgendwie nichts geworden, jetzt machen wir nochmal eine Sampling-Runde, das dauert dann drei Monate länger bis das rauskommt. Es wartet niemand drauf. Da können wir unser eigenes Tempo gehen und einfach sehr unabhängig in den Entscheidungen sein, wann wir welche Schritte setzen.

Ich bin niemandem Rechenschaft schuldig, das ist für mich auch als Unternehmer spannend.

Expansion in verschiedene Märkte

Manuel: Wo geht denn die Reise hin? Was sind so eure nächsten Schritte und Visionen?

Wolfgang: Um die Marke voranzutreiben, gibt es verschiedene Kategorien. Beim Sitzkissen, da haben wir sehr viel Kontrolle über die Supply Chain und können an allen Stellschrauben drehen. Wenn man jetzt die Yogamatten anschaut, ist es wesentlich schwieriger. Das ist oft von Herstellern und Produzenten abhängig, da dauert es sehr lange, um Innovationen voranzubringen. Was wir jetzt grad neu machen, wir haben schon länger eine kleine Yogakleidungs-Kollektion im Shop, aber jetzt gehen wir den nächsten Schritt, das Thema Yoga-Fashion wirklich ernsthaft anzugehen. Das passt einfach wieder super zur Zielgruppe und ergänzt die Marke. 

Beim Thema Märkte: was den Amazon-Kanal betrifft, da sind wir gerade sehr international unterwegs. USA ist aktuell unser Fokus. Hier findet das größte Wachstum statt. Mit unserem eigenen Shopify-Store sind wir doch noch sehr stark auf die DACH-Region fokussiert und wollen das auch zumindest so im nächsten halben Jahr belassen, weil da noch genug Potential drin ist, tolle Sachen auf die Straße zu bringen. Dann wird es spannend. Der nächste große Schritt wäre, den Shopify-Kanal ein Stück zu globalisieren, in den amerikanischen Markt zu gehen und natürlich in Europa, wo wir auf Amazon schon lang präsent sind.

Der amerikanische Markt macht einem schon Angst.

Manuel: Warum machst du zwischen Amazon und Shop so einen Unterschied? 

Wolfgang: Hier gibt es einen Riesenunterschied zwischen globalem Skalieren von einem Onlineshop, einer Marke, und Amazon – wo das einfach unfassbar einfach ist. Der größte Punkt ist eigentlich der Logistikfaktor und gar nicht so stark der Marketingfaktor. Mit dem FBA-Thema ist es irre einfach, wie wir auch in Amerika gesehen haben. Das ist auch so ein Mindset-Ding, der amerikanische Markt macht einem schon Angst, weil das halt so groß ist. Die Einstiegshürden in den einzelnen Bereichen sind auch höher, aber wenn man es schafft, ist es halt wirklich ein Riesenmarkt. Viele Sachen sind in Amerika einfach simpler, wie zum Beispiel das Buchhaltungsthema.

Zum Beispiel den französischen Markt über Shopify zu bespielen, ist ein riesenkomplexes Thema. Da brauche ich das ganze Set-up an Puzzlesteinen, das ich für den deutschen Markt aufgebaut habe. Bei uns ist es recht pragmatisch, wir schauen, wo der größte Hebel ist. Jetzt stecken wir die Energie in den DACH-Shop, denn da kann man noch sehr viel rausholen mit den Mitteln, Partnern und Ressourcen, die wir schon haben.

Manuel: Ist deine Hauptzielgruppe dann in Deutschland oder tatsächlich auch in Österreich, weil du da angefangen hast?

Wolfgang: Auf jeden Fall Deutschland, einfach von der Marktgröße. Den Marktanteil sehen wir natürlich in Österreich ein Stück höher, weil wir hier auch einfach schon mehr Bekanntheit haben. In den Yogastudios in Wien gibt’s immer sehr oft unsere Produkte. Aber ganz klar ist der deutsche Markt von der Größe der wichtigste Markt.

Produkte von Lotuscrafts finden sich in einigen Yogastudios wieder

Manuel: Hast du denn auch schon mal drüber nachgedacht, so eigene Offline-Stores aufzumachen? 

Im Sporthandel ist das Thema Yoga nie wirklich angekommen.

Wolfgang: Die Gedanken sind mir schon immer wieder gekommen. Mich persönlich reizt es nicht so, das war nie mein Traum, aber inzwischen wäre es extrem spannend. Wir haben jetzt überlegt, auch weil diese Bekleidungslinie kommt, dass wir da in Wien einen Pop-up-Store eröffnen. Da wäre es noch mal spannender für den Kunden sowas auch anzufassen und natürlich auszuprobieren.

Wenn die Marke weiterwächst, dann sehe ich es auch im stationären Handel. Im Sporthandel ist das Thema Yoga nie wirklich angekommen und deswegen ist da Platz. Aber das ist halt das nächste Level und da sind wir wieder ein Stück beim Thema Ressourcen. Man kann das kreativ nutzen und mehr daraus machen als nur einfach einen Absatzkanal, sondern das wirklich als Marketingkanal sehen und präsent sein. Es gibt auch sehr wenige Yogashops. Ich wüsste jetzt allein von Wien, dass es auf jeden Fall ein Potential gäbe und in Berlin ist das sicher ähnlich. Also ja, das Thema wird uns in den nächsten Jahren beschäftigen und ich finde es spannend, auch die Prozesse dahinter, wenn man das dann auch technisch verknüpft, Stichwort POS.

Die Vermischung von Yoga und klassischem Fitnesstraining

Manuel: Yoga ist eine jahrtausendalte Tradition. Gibt’s denn sowas wie Trends oder ist das relativ statisch? 

Wolfgang: Der Yoga-Boom, läuft eigentlich schon ununterbrochen seit den 70er, 80er, 90er und dann den 00er Jahren, wo es richtig in den Mainstream gegangen ist. Da hat sich Yoga ein Stück verändert. Früher war es schon traditioneller und jetzt ist es einfach viel vielschichtiger geworden. Es gibt die verschiedensten Yogastile und Yogaschulen und auch verschiedenste Interpretationen, wie man Yoga praktiziert. Und ja, es gibt dann immer wieder neue Trends, z.B. Hot Yoga.

Jetzt gerade mit Corona gab es wirklich noch mal einen Push an Leuten, die zum Yoga gefunden haben.

Ich sehe viel, dass sich das klassische Fitness-, Kraft- und Ausdauertraining mit Elementen des Yogas immer mehr vermischt und viele Trainer beides machen. Ich bin auch jemand, der das sehr gerne kombiniert. Yoga hat einfach viele Ideen und Innovationen in den Fitnessbereich gebracht und das vermischt sich sehr schön.

Von der One-Man-Show zum starken Team

Gleichzeitig ist das Thema Meditation für mich immer ein Megatrend. Das Thema ist noch nicht so lang im Aufschwung. Ich bin auch in diesem Unternehmer- und Gründerbereich, wo Leute noch nie in einem Yogastudio waren, dann aber erzählen, dass sie jeden Tag meditieren und dafür irgendwelche Apps benutzen. Das ist ein Thema, bei dem ich mir vorstellen kann, dass er lang anhalten wird. Wenn die Welt noch digitaler wird, dass man da mehr im inneren Geist arbeitet. Das ist ein Trend, der jetzt noch richtig explodieren könnte.

Manuel: Diese Randgebiete, die dann da auch dazugehören, Achtsamkeit, Self Care, psychische Gesundheit, das fließt da ja alles mit rein.

Wolfgang: Gerade in der Arbeitswelt willst du dann auf diese Themen schauen, auf diese mentale Stärke oder psychische Gesundheit. Weil einfach viel Arbeit, die man macht, kreativ ist, geistig ist, da wird es einfach voll spannend, wie sich die Leute auch in den Bereich rein spüren. Ich bin dann immer wieder erstaunt, welche spirituellen Sachen dann in den Mainstream reinkommen. Da tut sich glaube ich in den nächsten Jahren noch einiges.


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Which method is right for you?Manuel Fritsch ist der Moderator des Shopify Podcasts. 2000 gründete Manu sein erstes Unternehmen und arbeitete 15 Jahre in der Agenturwelt. Seit 2015 ist er als freiberuflicher Spielejournalist für Fachmagazine, Zeitungen und seinen eigenen Podcast mit inzwischen über 2.500 Folgen tätig.

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