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Erfolg mit Nischenprodukten: So möbelt Gamechanger mit anpassbaren Gaming-Stühlen den Markt auf

Für die dritte Folge unseres Shopify-Podcasts verschlägt es uns in den hohen Norden nach Hamburg, wo wir uns mit der 38-jährigen Gamechanger-Gründerin Janet Carstensen treffen. Janet hängte ihren gut bezahlten Job an den Nagel und stürzte sich in die Selbstständigkeit. Mit ihren hochwertigen und individuell anpassbaren Stühlen für Gamer stellt sie jetzt den Bürostühlemarkt auf den Kopf.

Warum wir sie außerdem als Seriengründerin bezeichnen können und wie wichtig das Reisen und der Besuch in „Die Höhle der Löwen“ für sie war, erfahrt ihr in dieser Folge!

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    Show Notes

    Digitales Nomadentum - mit dem Rucksack durch Asien

    Manuel Fritsch: Kann man dich als Seriengründerin bezeichnen oder würde das zu weit gehen?

    Janet Carstensen: Das geht vielleicht ein bisschen zu weit, aber Doppelgründerin finde ich ganz gut. Ich habe zwei Unternehmen und da fokussiere ich mich drauf.

    Janet Carstensen - Gründerin von Gamechanger und Mystic Ink

    Manuel: Man wird nicht direkt Gründerin. Wie war denn dein Werdegang?

    Janet: Bis zu meinem 35. Lebensjahr war ich immer angestellt und meistens in Vertriebsjobs, viel im Außendienst und habe selbst viel dadurch im Homeoffice gearbeitet. Ich bin dann in einem Job tätig gewesen, wo ich irgendwann alles erreicht hatte. Ich hatte einen Riesenauftrag geholt, wurde top bezahlt und dachte: Was soll jetzt noch kommen? Den habe ich mit 35 gekündigt. Meine Freundin hat mich dann auf eine Reise geschickt - mit meinem Rucksack nach Asien, weil ich leider sozusagen mit 35 tatsächlich noch nie gereist bin. In Asien bin ich dann auf digitale Nomaden aufmerksam geworden und die haben mir die diversesten Geschäftsmodelle erzählt, von denen ich total begeistert war. Ich dachte: Wie? Man kann reisen und arbeiten? Das funktioniert? Ein Geschäftsmodell war Amazon FBA. Man kann Produkte auf Amazon verkaufen und die bei Amazon einlagern, sodass man die Produkte nicht sieht.

    Manuel: Was bedeutet FBA?

    Janet: FBA heißt Fulfillment by Amazon, dass Amazon das Fulfillment in dem Sinne macht. Sie machen den Versand für dich und nehmen natürlich dafür Gebühren.

    Manuel: Das heißt, man braucht kein Lager und kann mit der Idee direkt anfangen?

    Janet: Ja genau. Man sieht seine Ware selbst nicht. Wenn man seine Ware selber nicht versenden muss, kann man das natürlich super von überall auf der Welt machen.

    Manuel: Dieses Model ist dir auf der Asienreise begegnet und hat dich dann direkt gereizt? Du warst ja eigentlich zum Urlaubmachen dort, oder?

    Janet: Ja, ich bin auch wirklich drei Monate richtig intensiv gereist. Nach diesen drei Monaten bin ich über so einen kleinen Artikel online auf eine Vacation aufmerksam geworden. Diese Vacation wurde veranstaltet von Sebastian Kühn, im Citizen Circle. Das ist eine Community digitaler Nomaden, 500 Mitglieder, wo man sich wundervoll austauschen kann. Den habe ich einfach mal angeschrieben, weil das für mich zeitlich ganz gut passte. Anschließend bin ich dahin gefahren. Wir waren zwölf Deutsche, die sich zehnTage lang angehört haben, was man alles so an Online-Business machen kann.

    Manuel: Also auch mit diesem Fokus, unabhängig, egal wo man ist, die Arbeit erledigen zu können?

    Janet: Genau. Da habe ich dann das erste Mal gehört, dass man eine Webseite selber bauen kann, dass man Ads schaltet auf Facebook. Wenn man ein normaler Facebook User ist, bekommt man diese Gesponsert-Anzeigen ja fast gar nicht richtig mit. Jetzt mittlerweile, wo man im Thema ist, achtet man ganz anders drauf.

    Manuel: War das dann für dich auf einmal so eine Schlüsselerkenntnis zu sagen, ich möchte eine digitale Nomadin werden?

    Janet: Am Anfang war das total der Reiz, das zu machen. Ich wollte das unbedingt. Das ist wieder so ein Punkt, an dem ich immer wieder anecke, dieses Machen. Man muss mal wirklich ein paar Monate weggehen, mal hier und da hinreisen und da versuchen zu arbeiten. Für mich ist es dann so gewesen, dass ich festgestellt habe: Ah, geht nicht ganz so gut. Ich bin nicht so fokussiert, nicht so motiviert. Es ist mir auch manchmal viel zu warm und so.

    Ich habe dann gesagt: Ich habe Lust dazu, dass ich sagen kann, ich brauche nur mein Notebook zum Arbeiten, allerdings würde ich es niemals so machen, dass ich jetzt drei Tage hierhin gehe, drei Tage dahin, fünf Tage hierhin. Ich habe dann irgendwann für mich beschlossen: Okay, ich gehe mal einen Monat vielleicht nach Gran Canaria oder einen Monat nach Ägypten oder vielleicht auch mal sechs Wochen nach Asien, aber immer nur begrenzt. Dauerhaft ist das keine Lösung gewesen für mich nach einer Zeit. Ich bin auch sehr verbunden mit Hamburg, ich mag Hamburg total gern. Man hat hier seinen festen Freundeskreis. Das merkt man alles erst, wenn man das gemacht hat.

    Nach der Reise: der Weg in die Selbstständigkeit

    Manuel: War es eigentlich die Idee, nach diesen drei Monaten Auszeit wieder in diesen Job zurückzukehren? Oder war zu dem Zeitpunkt deiner Reise schon klar, dass du dich danach selbstständig machst oder umorientierst?

    Janet: Das hat mein Arbeitgeber sich selbst verbaut, könnte ich sagen. Die Flexibilität bei Arbeitgebern in Deutschland ist nicht so gegeben und bei meinem war es das auch nicht. Ich habe ihm angeboten, mich vier Monate freizustellen, dann komme ich zurück und arbeite weiter. Er hat gesagt: Ich stelle dich maximal zwei Monate frei. Ich habe gesagt: Gut, wir werden uns nicht einig, dann kündige ich hiermit. Ich bin froh, das gemacht zu haben, mit so einem ganz freien Kopf losgeflogen zu sein. Ich habe Arbeitslosengeld bekommen, als ich zurückgekommen bin aus Asien. Das war das Gute daran. Ich bin also losgeflogen mit dem Gedanken, ich muss mich wieder irgendwo anstellen lassen und überhaupt nicht mit dem Gedanken, ich mache mich selbstständig.

    Manuel: Wie war es dann nach deiner Rückkehr, der Gedankenprozess, der Veränderungsprozess, zu sagen, ich wage jetzt diesen Schritt in die Selbstständigkeit? Es ist schon ein Wagnis dann auch so in unbekanntes Gründer-Terrain zu gehen.

    Janet: Das stimmt. Da haben wir auch wieder unser schönes System in Deutschland, wir kriegen einen Gründungszuschuss von der Agentur für Arbeit, wenn wir das haben möchten. Ich bin nach der Reise dahin, habe ein offenes Wort mit meinem Berater gesprochen. Der hat gesagt: Bereite dich erstmal vor, bleib zwei, drei Monate in der Arbeitslosigkeit, dann beantragst du den Gründungszuschuss. Dann kriegst du nochmal sechs Monate Geld, plus 300 Euro. Dadurch, dass ich vorher wirklich gut verdient hatte, hatte ich ein Jahr lang jeden Monat gutes Geld auf dem Konto. Das ist eine Grundlage für mich gewesen, damit ich überhaupt gründen konnte. Die Entwicklung beim ersten Unternehmen hat fast ein Jahr gedauert und da hatte ich keine Einnahmen.

    Manuel: Mit welcher Idee bist du gestartet?

    Janet: Ich habe für einen internationalen Hersteller für ergonomische Bürodrehstühle gearbeitet und habe früher viele Ergonomie-Workshops gegeben. Ich kann dir ganz genau sagen, wenn ich auf deinen Schreibtisch zulaufe, welche Schmerzen du hast. Dadurch, dass ich dieses Ergonomie-Wissen habe, dachte ich erst: Ach, ich mache so einen Online-Kurs für Ergonomie. Dann habe ich eine Webseite aufgesetzt, habe Blogartikel geschrieben, super viel Zeit investiert. Irgendwann habe ich dann gemerkt: Nee, da muss ich ja wieder in die Unternehmen fahren. Dann muss ich ja in Deutschland bleiben. Das ist nicht gut.

    Dann habe ich gedacht: Ich versuche mal so eine Affiliate-Seite aufzusetzen, ich habe mir einen Guide geholt „Wie baue ich mir eine Affiliate-Seite“. Das sind ja diese Empfehlungsseiten, wo man auf Amazon verlinkt und dadurch Provision bekommt. Da habe ich aber gemerkt: Da musst du viel schreiben, das magst du gar nicht. Nee, machst du nicht!

    Dann kam mir die Idee, mit FBA. Ich habe in den Bestsellerlisten bei Amazon in der Nische, in der ich mich auskenne, geguckt. So habe ich es gelernt im Podcast. In den Bestsellerlisten unter Bürodrehstühle waren unter den Top 10 sechs Gaming-Stühle. Gaming-Stühle, die in China produziert werden, eine wirklich fragwürdige Qualität haben und Plastik-Bomber voller Chemie sind. So muss ich es leider sagen. In Podcasts lernst du auch, dass du dir die Negativ-Rezensionen durchlesen sollst und diese dann mit deinem Produkt besser machst. Da habe ich dann gedacht: Ich kann dir Customizing-Gaming-Stühle bauen, wo du dein Logo einsticken und die du in Farbe und Form verändern kannst. Made in Germany, hochwertige Qualität, halten 15 Jahre. Da versuche ich jetzt mal einen Ansatz zu finden.

    Gamechanger - der ergonomische Gaming-Stuhl

    Vom Nischenartikel zum Erfolgsprodukt im Gaming-Bereich

    Manuel: Du hast ganz gezielt nach einer Nische gesucht und sie dann auch gefunden?

    Janet: Genau!

    Manuel: Was ist ein Gaming Chair? Was muss man sich darunter vorstellen?

    Janet: Ich möchte, dass die Gamer gut sitzen, denn die sitzen wirklich lange und es gibt enorm viele. Die haben so viele Probleme mit kalten Händen beim Zocken, Schulter- und Nackenproblemen, alles Mögliche. Da wollte ich gern einen Ansatz finden, denn ich habe diese China-Stühle gesehen und habe nur gedacht: Nein, das kann doch nicht sein. Der Markt kann doch nicht mit sowas überschwemmt werden. Du musst irgendwas dagegen tun! Ich möchte einfach Gutes tun und Menschen helfen, ihre körperlichen Probleme loszuwerden. Ich bin wirklich die Ergonomin, die dir aber einen qualitativ hochwertigen Made in Germany Stuhl liefert.

    Manuel: Deine Firma heißt ja auch Gamechanger, das ist gleich quasi eine doppelte Bedeutung. Ist das so bewusst gewesen?

    Janet: Das ist mir am Anfang nicht bewusst gewesen. Dafür musste ich auch erstmal wieder ins Machen kommen. Ich habe immer am Anfang gedacht, meine Zielgruppe sind Kiddies, die zu Hause zocken und sich mit nichts anderem beschäftigen. Nix da! Diese Zielgruppe hat sich ganz anders entwickelt, was ich total interessant finde. Es gibt andere Marken, eher verspielte, mit diesen China-Autositz-Stühlen. Die gehen auf diese Zielgruppe. Mein Kunde ist locker 35 Jahre alt, eher noch älter, steht voll in einem guten Job. Ich habe Zahnärzte, Rechtsanwälte, ganz viele IT-Firmen, mittlerweile habe ich auch Geschäftskunden, also B2B, die dieses Customizing extrem gut finden. Das hat sich halt in eine ganz andere Richtung entwickelt. Das habe ich alles erst wieder herausgefunden dadurch, dass ich ins Machen gekommen bin.

    Manuel: Wie war denn der Weg zum fertigen Produkt?

    Janet: Das war nicht einfach. Die Büromöbelbranche in Deutschland ist, muss ich sagen, etwas veraltet. Die Chefs sind meistens so über 60. Die Verkäufer in der Branche ebenfalls. Ich war als junge Frau eine absolute Seltenheit. Ich bin erstmal zu meinem alten Chef, wir haben uns ja trotzdem weiterhin gut verstanden, und hab ihm das Konzept erklärt. Der hat dann gesagt: „Das ist kein Markt. Da werden wir niemals was verkaufen. Das mache ich nicht mit dir.“ Ich also wieder enttäuscht nach Hause. Nochmal zwei andere Manufakturen und Hersteller gesprochen, hingefahren, Konzept präsentiert. Die haben keinen Markt gesehen, also null Motivation.

    Dann habe ich bei mir hier um die Ecke so einen schönen Edeka, da gehe ich immer einkaufen. Und man kennt das, wenn du einen VW-Bus fährst, siehst du nur noch VW-Busse auf der Straße. Wenn du Stühle verkaufst, dann achtest du einfach drauf. Dann haben die da plötzlich neue Kassenstühle gehabt. Auch wenn der nur im Mini-Format war, kam er dem, was ich gerne machen würde, ganz nahe. Dann habe ich zur Kassiererin gesagt: Darf ich mal unter Ihren Stuhl gucken? Ich würde gerne wissen, von welchem Hersteller die sind. Dann habe ich drunter geguckt und Westaro gelesen. Westaro kannte ich nicht. Es gibt in Deutschland 80 Hersteller für Bürodrehstühle, dann kann man nicht alle kennen. Die meisten sitzen in Bayern oder richtig weit im Süden. Ich Westaro gegoogelt: Bielefeld. Ich dachte, lieber Engel, danke. Von Hamburg ist das ja keine Entfernung. Also direkt angerufen. Eine ganz junge Stimme am Telefon, Christian Wählen, der hat gerade vor zwei Jahren das Unternehmen übernommen. Die bauen seit 1966 Stühle. Dem habe ich das erzählt und er sagte: Komm vorbei!

    Die Erstellung von Prototypen

    Manuel: Das heißt, du bist dann da einfach mal hin und bist mit denen die Idee durchgegangen?

    Janet: Genau, ich habe gesagt, was ich gerne möchte. Ich möchte, dass man den in der Farbe verändern kann und dass ich am liebsten ein Kunstleder hätte, das atmet. Es gibt Continental, Continental kennt jeder für Reifen, und die machen auch Kunstleder. Continental war gerade dabei, ein Patent einzutragen für ein atmungsaktives Kunstleder. Und ich so: Dann nehmen wir das doch mal mit! So kam das dann, dass wir angefangen haben, Prototypen zu bauen. Das Ganze hat ein Jahr lang gedauert. Wir haben einen Prototypen gebaut, ich bin hingefahren, hab den Schaum genommen, wir haben das draufgeklebt, wir haben geguckt, wie das aussieht. Dann haben wir Bezüge genäht. Anschließend war das ganze Ding fertig. Wir haben ihn anguckt und gesagt: Oh Gott, ist der hässlich! So ging das dann immer weiter. Ich glaube, wir haben fünf oder sechs Prototypen gebaut. Nach dem dritten Prototypen hab ich ihn auch mal an Gamer gegeben. Über Bekannte habe ich herausgefunden, dass es Twitch gibt. Twitch ist die Streaming-Plattform für Gamer. Darüber habe ich Hamburger Gamer angeschrieben, die richtig Lust darauf hatten. Die sagten mir, was ich verbessern kann. Dann haben wir den nächsten gebaut, bis der Gamechanger, so wie er jetzt ist, fertig war.

    Manuel: Waren die Hersteller auch direkt Feuer und Flamme? 

    Janet: Der Stuhlhersteller ist richtig mit Feuer und Flamme da rein, weil der Büromarkt echt veraltet ist. Die bauen schwarze Bürodrehstühle, langweilig also. Jetzt gehen täglich Gamechanger raus und die sehen alle immer anders aus, weil die Leute sich die customizen. Die Hersteller schicken mir auch ständig Fotos! Es gibt wirklich keinen Stuhl, der identisch ist.

    Individuell anpassbar - der Gamechanger lässt sich per Onlinekonfigurator nach Wunsch zusammenstellen 

    Manuel: Ich stelle mir das sehr schwierig vor, Prototypen zu machen. Gibt es da spezielle Techniken, wie man Prototypen macht?

    Janet: In den Stühlen sind Holzplatten, ein Formholz. Die laufen durch Pressen und dann wird dieses Holz vorgeformt, sodass dieser untere Rückenbereich, wo die meisten Bandscheibenvorfälle haben, eine Innenwölbung bekommt. Dann nimmst du diese Holzplatte, die diese Wölbung hat, und klebst Schaum auf. Du musst natürlich den richtigen Härtegrad finden, den richtigen Schaum. Wir haben eine sehr, sehr ausgeprägte Rückenlehne mit Vorwölbung, die umschließt dich richtig. Jeder sagt immer: Wow! In sowas habe ich noch nie gesessen. Das war nicht einfach. Da haben wir lang dran gearbeitet. Den Stoffbezug, den machen dann die Näherinnen anschließend, wir geben denen nur die fertiggeklebte Rückenlehne. Die wissen ganz genau, wie sie die Stücke schneiden müssen. Dann setzen sie da einen Stoff drüber oder halt das schöne atmungsaktive Kunstleder. 

    Manuel: Du hattest schon angesprochen, du konntest alles vorfinanzieren. Wäre Crowdfunding auch eine Möglichkeit für dich gewesen?

    Janet: Ich finde, man kann Crowdfunding machen, wenn man schon ein bestehendes Produkt hat, das funktioniert. Ich überlege tatsächlich gerade, eine Kampagne zu machen, weil ich ein neues Modell machen möchte. Da muss ich aber noch intensiver in die Entwicklung gehen und das wird teuer. Dür dieses Modell überlege ich, ob ich ins Crowdfunding gehe, denn wir haben Zeichnungen gemacht und man kann schon sehen, was der alles kann. Das ist eine super Finanzierungsmethode viel besser als sich Geld bei der Bank zu holen oder irgendwas. 

    Der Aufbau eines eigenen Shops mit Shopify

    Manuel: Du bist aus dem Vertrieb, das heißt, auch die Aspekte wie man sowas an den Mann und an die Frau kriegt, war dir nicht fremd. Wusstest du sofort, was du machen musst? Oder war das doch noch mal eine Umstellung für dich?  

    Janet: Total. Zwei Welten treffen aufeinander. Ich bin mit meinem Auto damals losgefahren, habe die Person getroffen und konnte mit der reden. Aber dann habe ich ja immer nur eine Person erreicht. Jetzt musst du einen Shop haben. Oh Gott! Welches System nimmst du denn? Dann musst du eine Facebook-Seite bauen. Wie macht man das? Das ist echte Fleißarbeit. Da habe ich diesen Biss. Also habe ich mir Shopsysteme angeguckt und bin ganz, ganz schnell immer wieder bei Shopify gelandet. Dann habe ich mir ein Tutorial runtergeladen und habe mit diesem Tutorial Schritt für Schritt meinen eigenen Shop gebaut. Da war ich so stolz. Ich könnte mal einen Screenshot zeigen vom allerersten Gamechanger Shop. Der jetzige Shop ist nicht von mir gebaut, sondern das haben ein paar Profis gemacht. Aber der erste war damals von mir und der hat konvertiert, da liefen Verkäufe drüber. Dieses ganze Online-Marketing, also Facebook Ads, da habe ich jetzt mit einigen Agenturen gearbeitet, bin ziemlich oft enttäuscht worden und habe mir über die letzten anderthalb Jahre das ganze Thema extrem selbst angeeignet. Meine Ads, die ich selber schalte, laufen relativ gut.

    Manuel: Das ist schon viel Arbeit sich da rein zu denken. Würdest du sagen, es gibt auch andere Mittel und Wege? 

    Janet: Also ich persönlich würde sagen, das geht nicht. Wenn du keine Ahnung hast davon, wie man Content erstellt, was SEO bedeutet oder was es heißt, Google Analytics oder einen Facebook Pixel bei dir einzubinden, kann ich nur empfehlen: Hört Podcasts! In Podcasts lernst du richtig, richtig viel. Dann gibt es halt ein paar Marketingexperten, da kann man sich auch mal einen Kurs gönnen für 100, 200 Euro, denn diese Kurse sind sinnvoll

    Manuel: Hattest du überlegt, wie du diesen Stuhl in die klassischen Bürogeschäfte bekommst? Oder konzentrierst du dich rein aufs Online-Business?

    Janet: Tatsächlich habe ich das am Anfang sofort gemacht. Ich habe ein super Händlernetzwerk von Büromöbelhändlern gehabt. Die habe ich direkt angeschrieben, und den Stuhl an ein paar Bürohändler geschickt. Die haben nicht dieses Verständnis. Die gucken nicht in die Preislisten, die verstehen nicht, was dieses Customizing bedeutet und die verstehen den Gamer nicht, der zu denen ins Möbelgeschäft kommt, um sich einen Stuhl anzugucken. Also hat das nicht funktioniert.

    Mittlerweile arbeite ich an einer Offline-Kooperation, da geht es aber eher darum, dass ich ein Geschäft ausgesucht habe, wo Gamer eh schon immer hingehen, um sich zum Beispiel Elektroartikel anzugucken oder zu kaufen. Da bin ich in den letzten Vertragszügen.

    Mit Mystic Ink zum zweiten Standbein

    Der zweite Shopify-Store: Mystic Ink

    Manuel: Wir haben eingangs gesagt, dass du Seriengründerin bist. Wie kam das, dass du nochmal eine Firma gegründet hast?

    Janet: Wenn wir den Stuhl entwickelt haben, hatte ich meistens dazwischen so sechs Wochen nichts zu tun. Dann gab es immer so Langeweile, die nicht gut für mich ist. Dann kam ein Zufall, der irgendwie auch ganz interessant war. Ich hatte meine Wohnung untervermietet, und der Mieter hatte eine Farbe dabei, die ein temporäres Tattoo auf deine Haut zaubert. Das wird angewendet wie Henna, hat aber nichts damit zu tun, sondern kommt aus dem Regenwald, wird aus einer Frucht gewonnen und die Ureinwohner nutzen das schon seit Jahrhunderten von Jahren. Ich habe angefangen danach zu googeln und festgestellt, dass es das noch nicht gibt. Dann habe ich mir gedacht: Okay, das ist mein zweites Amazon-Produkt. Da bestelle ich mir mal einen Liter, den habe ich dann in meiner Küche in Flaschen abgefüllt und auf Amazon eingestellt. Das war in der Entwicklungszeit von Gamechanger und da ist dir jedes Geld recht. Ich war ganz froh, denn die Tattoo-Farbe lief wirklich gut über den ganzen Sommer und hat mir gute Einnahmen gebracht. Ich musste es abfüllen und verschicken. Für das Verschicken habe ich später jemanden engagiert, der täglich kam und den Versand gemacht hat, somit hatte ich damit auch nicht unbedingt was zu tun. So liefen diese beiden Produkte immer parallel.

    Manuel: Das war dann einfach ein zweites Standbein?

    Janet: Tatsächlich war das so ein bisschen der Gedanke dabei. Denn was ist, wenn alles schiefgeht? Zwei Sachen zu machen ist heftig. Am Anfang denkst du: Klar, schaffe ich alles, kein Problem. Aber wenn das beides größer wird, dann musst du auch ganz schnell dafür sorgen, dass du Aufgaben outsourct und dir Freelancer oder Mitarbeiter reinholst.

    Der Weg in "Die Höhle der Löwen"

    Manuel: Das wurde dann auch ein bisschen größer mit der Tinte? 

    Janet: Ja. Da habe ich dann so eine tolle Kooperationsidee gehabt. Es gibt ArtNight. Das ist ein Start-up aus Berlin. Die laden Menschen offline in Restaurants ein und du lernst ein Bild zu malen. Die habe ich dann angerufen und gesagt: Sagt mal, habt ihr nicht auch Lust Tattoo ArtNights zu machen, wo man sich selbst ein Tattoo malt? Die haben dann gesagt: Ach komm doch mal nach Berlin, das gucken wir uns an. Die waren bei „Die Höhle der Löwen“ und der eine Gründer sagte zu mir: ‚Mit diesem Produkt musst du unbedingt in „Die Höhle der Löwen!‘". Dann habe ich das immer mal wieder von den Leuten gehört, auf Festivals und Tattoo-Veranstaltungen. Ich hab dann einfach mal eine Bewerbung geschrieben und mich online beworben. Die haben dann tatsächlich angerufen.

    Und dann ging das auch alles echt schnell. Es wurde dann im Februar letzten Jahres aufgezeichnet und im September ausgestrahlt. Ich hatte dann dieses halbe Jahr Zeit dazwischen noch ein bisschen was zu machen. Ich habe einen Deal mit Judith Williams und Nils Glagau. Judith ist dann noch ausgestiegen in der Vertragsverhandlung. Der Nils Glagau brennt für diese Idee und da haben wir das zu zweit gemacht. So ist Mystic Ink entstanden. Zu Mystic Ink gibt es auch einen Shopify-Store, denn ich bin absoluter Fan, da geht kein Weg dran vorbei! Ich sehe einfach, egal ob Black Friday oder „Die Höhle der Löwen“ - die Shops haben super standgehalten. Und daher: Shopify.

    Manuel: Würdest du denn empfehlen mehrere Firmen zu gründen? Was hast du daraus mitgenommen?

    Janet: Ich habe enorm viel gelernt. Ich habe mit einem Investor zu tun gehabt, es ging plötzlich um Anteile, GmbH gründen und so etwas. Ich war vorher angestellt, ich habe damit vorher nie etwas zu tun gehabt. Wenn dir plötzlich selber mal so ein Vertrag vorgelegt wird, der 50 Seiten hat und wo alles in Anwaltsdeutsch steht, denkst du: Aha. Wie soll ich das denn jetzt verstehen? Dann musste man sich erst einmal selbst einen Anwalt nehmen, der das vorliest und erklärt. Das hat alles viel Geld gekostet. Also absolutes Learning ist für mich: Machen! Du musst die Sachen machen, damit du weißt, was du willst. Und dann rechtzeitig den Absprung finden und sich fokussieren.

    Manuel: Ist es schwerer als Frau zu gründen? Bist du da auf bestimmte Hindernisse gestoßen, wo du denkst, das wäre Männern vielleicht nicht so passiert?

    Janet: Also es gab mal eine Kooperation, die wollte ich machen im Gaming-Bereich und da habe ich richtig gemerkt, wie die nicht mit mir reden wollen. Das fand ich schon sehr traurig. Da kam dann so eine Frage: Wer ist denn der Ansprechpartner bei euch? Und ich: Ihr sprecht gerade mit der Ansprechpartnerin. Wir Frauen haben es definitiv nicht einfach. Ich habe richtig viel Motivation und bin da echt bissig, daher geht mir das vielleicht ein bisschen einfacher von der Hand. 

    Das Wichtigste: einfach machen!

    Manuel: Was würdest du denn angehenden Gründern und Gründerinnen raten?

    Janet: Machen! Man hat mehrere Ideen, die man umsetzen muss, damit man merkt: Oh nee, das ist ja doch gar nicht so richtig meins. Man muss ins Co-Working gehen, um zu gucken, ob das Spaß bringt, da zu arbeiten oder will ich lieber alleine arbeiten? Möchte ich in der Sonne arbeiten oder ist vielleicht doch die Kälte gut für mich? Das weiß ich nicht, wenn ich das nicht gemacht habe. Ich gebe das wirklich jedem mit auf den Weg: Macht das, hört euch viel online an, lest viel. Glaubt bitte nicht alles, was im Internet steht. Und macht!

    Manuel: Das ist das Wichtigste - sich trauen. Aber dieser Schritt in die Selbständigkeit ist die größte Hürde.

    Janet: Das kriege ich von vielen meiner Freunde, die sagen: "Wir haben den höchsten Respekt vor dir." Und ich denke immer: Wieso denn? Ich bin seit drei Jahren selbstständig und ich fühle mich seitdem nicht einmal wie im Hamsterrad. Damals in diesem Angestellten-Verhältnis, was man manchmal für einen Druck im Kopf hatte, ganz schrecklich für die Psyche. Das habe ich nicht einmal seitdem gehabt. Ich liebe es zu arbeiten. Ich mache sogar manchmal nachts um zehn den Rechner an, weil ich einfach gerade Lust habe zu arbeiten. Wenn du angestellt bist, arbeitest oder sitzt du deine Zeit ab und machst definitiv nur das, was du machen musst, eher noch weniger. Die Motivation in einer Selbstständigkeit ist wirklich anders. 


    Die im Podcast vorgestellten Marken vertrauen auf Shopify, weil der Einstieg in dieses Shopsystem denkbar einfach ist, es auf jede beliebige Größe skaliert werden kann und auch bei heftigstem Traffic nicht in die Knie geht.

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    Which method is right for you?Manuel Fritsch ist der Moderator des Shopify Podcasts. 2000 gründete Manu sein erstes Unternehmen und arbeitete 15 Jahre in der Agenturwelt. Seit 2015 ist er als freiberuflicher Spielejournalist für Fachmagazine, Zeitungen und seinen eigenen Podcast mit inzwischen über 2.500 Folgen tätig.

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