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Neue EU-Umsatzsteuerregeln für den elektronischen Handel – Aktualisierungen 2021

An image showing EU VAT changes in 2021

Die Europäische Union (EU) nimmt wichtige Änderungen an ihren Umsatzsteuerregeln vor, die am 1. Juli 2021 in Kraft treten. Dies wird sich auf Unternehmen auswirken, die über EU-Ländergrenzen hinweg verkaufen (auch bekannt als Fernverkäufe) und auf Unternehmen, die Waren an Käufer in der EU exportieren.

Diese Änderungen sollen zu einfacheren Verfahren und einem geringeren Verwaltungsaufwand führen und werden möglicherweise weiterreichende Auswirkungen auf die Art und Weise haben, wie Händler in der EU-Geschäfte tätigen. Dieser Leitfaden gibt einen Überblick über die kommenden bedeutenden Änderungen und wie sie sich auf Händler auswirken werden, die an Käufer in der EU verkaufen.

Inhaltsverzeichnis


👉👉👉 Webinar am 15. Juni 2021 um 15 Uhr. Unser Partner Taxdoo bietet ein kostenloses Webinar (auf Englisch) zu folgendem Thema an:

One-Stop-Shop for Shopify Merchants

The biggest VAT reform for e-commerce and cross-border online trade comes into effect on 1 July 2021. In many cases, cross-border sales will lead to VAT liabilities in the country of destination. The so-called “One-Stop-Shop” (OSS) will be at the heart of the reform. In this webinar, we will explain the key changes the reform will bring about and discuss which processes need to be adapted in time. Hier geht's zur kostenlosen Webinar-Anmeldung.


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Was ändert sich für den innergemeinschaftlichen Warenverkauf?

Es gibt drei wichtige Änderungen, die sich auf den Schwellenwert für die Umsatzsteuer, den für grenzüberschreitende Bestellungen geltenden Satz und die Steuererklärung für EU-Unternehmen auswirken:

  • Beendigung der Regeln für Fernabsatzschwellen. Derzeit müssen sich EU-Händler:innen in anderen EU-Ländern für die Umsatzsteuer registrieren, sobald sie einen bestimmten länderspezifischen Schwellenwert erreichen. Dies sind zum Beispiel 100.000 Euro für Deutschland und 35.000 Euro für Frankreich. Am 1. Juli werden diese Schwellenwerte für den Fernabsatz zurückgezogen. Grenzüberschreitende Verkäufer müssen ab dem ersten Verkauf den Umsatzsteuersatz des Wohnsitzlandes des Käufers berechnen, es sei denn, der Schwellenwert für Kleinstunternehmen gilt.
  • Neuer EU-weiter Schwellenwert für Kleinstunternehmen. Es gibt eine neue Ausnahmeregelung für Kleinstunternehmen, die in einem EU-Land ansässig sind und in den letzten zwei Jahren jeweils nicht mehr als 10.000 Euro Umsatz erzielt haben. Händler:innen, die sich für diese Befreiung qualifizieren, können weiterhin den lokalen Umsatzsteuersatz des EU-Landes, aus dem die Lieferung stammt, für alle belieferten EU-Länder berechnen und weiterhin an ihre lokale Steuerbehörde abführen. 
  • Steuererklärung über OSS (einzige Anlaufstelle in der EU) Händler:innen können jetzt eine einzige Umsatzsteuererklärung einreichen, die als OSS-Erklärung bekannt ist und für mehrere EU-Länder funktioniert, was keine individuelle Steuerregistrierung für jedes der entsprechenden Länder erfordert. Händler:innen können das OSS-Portal nutzen, um die Umsatzsteuer für jedes EU-Land, in das sie liefern, zu erklären und abzuführen. Dies gilt unter der Voraussetzung, dass es sich nicht um ihr Heimatland oder eine inländische Lieferung in einem Land handelt, in dem sie einen physischen Standort haben oder Lagerbestände halten. Für diese genannten Länder sollten Händler:innen stattdessen weiterhin eine lokale Steuererklärung einreichen. Die OSS vereinfacht den Anmeldeprozess und erspart ihnen die Mühe, sich in mehreren Ländern zu registrieren. Der Händler bzw. die Händlerin muss eine elektronische vierteljährliche Umsatzsteuererklärung über sein inländisches OSS-Portal einreichen und sicherstellen, dass er Aufzeichnungen für alle zulässigen OSS-Verkäufe zehn Jahre lang aufbewahrt.
Ab dem 1. Juli 2021 wird Shopify die Steuereinstellungen automatisch aktualisieren, um den Mehrwertsteuersatz des Versandlandes des Käufers für Verkäufe innerhalb der EU zu berechnen. Händler mit Sitz in der EU, die sich für die Ausnahme für Kleinstunternehmen qualifizieren und weiterhin den Mehrwertsteuersatz ihres Heimatlandes berechnen möchten, müssen ihre Steuereinstellungen in Shopify aktualisieren, um dies zu berücksichtigen.

Diejenigen, die sich nicht für die Befreiung für Kleinstunternehmen qualifizieren, haben die Möglichkeit, entweder eine einzige Umsatzsteuererklärung für die gesamte EU abzugeben (One-Stop-Shop-Anmeldung) oder eine separate Umsatzsteuererklärung für jedes EU-Land einzureichen, in das sie liefern (länderspezifische Registrierung). Aktualisiere deine Steuereinstellungen in Shopify basierend auf der Wahl, die für dein Unternehmen am sinnvollsten ist.

Jetzt Steuereinstellungen in Shopify anpassen

Welche Änderungen ergeben sich für Unternehmen, die Waren an Käufer:innen in der EU exportieren?

Es gibt zwei wichtige Änderungen, die sich auf den Schwellenwert für die Mehrwertsteuer und die Steueranmeldung für Nicht-EU-Unternehmen auswirken werden:

  • Neue Umsatzsteuerschwelle von 150 Euro für Importe: Derzeit ist Kundschaft, die Sendungen im Wert von unter 22 Euro importiert, von der Umsatzsteuer befreit. Ab dem 1. Juli 2021 wird die Einfuhrumsatzsteuer auf alle Sendungen bis zu 150 Euro fällig. Oberhalb dieses Schwellenwerts werden weiterhin die Einfuhrumsatzsteuer sowie entsprechende Zölle erhoben. Onlinehändler:innen können sich dafür entscheiden, die Mehrwertsteuer auf Sendungen mit geringem Wert am Verkaufsort zu erheben, anstatt die Einfuhrumsatzsteuer zu zahlen. Wenn sie sich stattdessen für DDU/Delivered Duty Unpaid (Lieferung unverzollt) entscheiden, wird die Einfuhrumsatzsteuer vom Kaufenden getragen. Diese Mehrwertsteuer wird von den Postbetreibern/Zollbeamten im Namen des Kunden abgeführt. Außerdem können zusätzliche Vermittlungsgebühren anfallen. Im Falle von Fernverkäufen von importierten Waren mit einem Wert von 150 Euro, die durch Online-Marktplätze bzw. Plattformen vermittelt werden, wird der Marktplatz/die Plattform für diese Verkäufe mehrwertsteuerpflichtig. Bitte beachte, dass Shopify weder als vermittelnder Online-Marktplatz noch als Plattform auftritt.
  • Erklärung über die einzige Anlaufstelle für den Import (IOSS): Händler:innen, die Umsatzsteuer auf Waren mit geringem Wert erheben, können mit dem neu eingeführten Import-OSS (IOSS) eine einzige monatliche Umsatzsteuererklärung für alle Exporte in die EU einreichen, die nicht über einen vermittelnde Online-Marktplatz bzw. eine Plattform erbracht wurden. Die Verwendung von IOSS ist optional. Nicht-EU-Händler:innen, die sich für die Nutzung von IOSS entscheiden, müssen möglicherweise einen steuerlichen Vertreter benennen.
Ab dem 1. Juli 2021 wird Shopify die Steuereinstellungen automatisch aktualisieren, um den Mehrwertsteuersatz des Versandlandes des Käufers für Bestellungen innerhalb der EU zu berechnen. Dies schließt Bestellungen ein, die von einem Fulfillment Center in der EU an einen Standort in der EU versandt werden.

Du hast die Möglichkeit, entweder eine einzige Umsatzsteuererklärung für die gesamte EU abzugeben (One-Stop-Shop-Anmeldung) oder für jedes EU-Land, in das du lieferst, eine separate Umsatzsteuererklärung abzugeben (länderspezifische Anmeldung). Aktualisieren deine Steuereinstellungen in Shopify basierend auf der Wahl, die für dein Unternehmen am sinnvollsten ist.

Wenn du Produkte aus Ländern außerhalb der EU in die EU lieferst und die Mehrwertsteuer auf Bestellungen bis zu 150 € berechnen möchtest, musst du deine Steuereinstellungen mit deiner Import-One-Stop-Shop-Mehrwertsteuernummer aktualisieren, damit du eine einzige Mehrwertsteuererklärung für die gesamte EU einreichen kannst.

Jetzt Steuereinstellungen in Shopify anpassen

Shopify wird die Händler während dieser Änderung fortlaufend unterstützen. Halte dich darüber auf dem Laufenden, wie du deine EU-Steuerangelegenheiten vereinfachen und die neuen gesetzlichen Anforderungen erfüllen kannst.

Wie du deinen Onlineshop ganz allgemein rechtssicher machen kannst, lernst du in diesem kostenlosen Webinar und E-Book.

Elektronische Schnittstellen

Elektronische Schnittstellen, die den Verkauf von Waren an Verbraucher in der EU „vermitteln“, können zusätzliche Verpflichtungen zur Erhebung und Meldung der Umsatzsteuer haben, da davon ausgegangen wird, dass sie diese Waren kaufen und weiterverkaufen, wenn: 

  • Die Waren von außerhalb der EU an einen Verbraucher in der EU in einer Sendung mit einem inneren Wert von nicht mehr als 150 € versandt werden; oder,
  • die Waren innerhalb der EU an einen Verbraucher versandt werden und der Verkäufer der Waren ein nicht in der EU ansässiges Unternehmen ist.

    Häufig gestellte Fragen (FAQ)

    1. Wie registriere ich mich auf OSS?

    Jeder EU-Mitgliedsstaat wird ein Online-OSS-Portal haben, auf dem man sich registrieren kann. Diese einmalige Registrierung gilt für alle Verkäufe an Verbraucher:innen in anderen EU-Mitgliedstaaten, in denen dein Unternehmen keine physische Präsenz hat.

    2. In welchem EU-Land soll ich mich für OSS registrieren?

      EU-Händler:innen müssen sich in ihrem Niederlassungsland registrieren. Nicht-EU-Händler:innen sollten sich grundsätzlich in dem Land registrieren lassen, in dem der Transport beginnt. Wenn Waren aus mehreren EU-Ländern versendet werden, können die Nicht-EU-Händler:innen das EU-Land wählen, in dem sie sich registrieren möchten.

      3. Was muss ich beachten, wenn ich die OSS verwende?

      Wenn du die OSS verwendest, musst du: 

      • den Mehrwertsteuersatz des Mitgliedstaates anwenden, in den die Waren versandt werden oder in dem die Dienstleistungen steuerpflichtig sind
      • die Umsatzsteuer vom Käufer bei innergemeinschaftlichen Fernverkäufen von Waren oder bei der Erbringung von Dienstleistungen erheben 
      • eine elektronische vierteljährliche Umsatzsteuererklärung über das OSS-Portal des Mitgliedstaates einreichen, in dem du für OSS registriert bist
      • Vierteljährlich die in der Umsatzsteuererklärung angegebene Umsatzsteuer an den Mitgliedsstaat abführen, in dem du für OSS registriert bist
      • Aufzeichnungen über alle zulässigen OSS-Verkaufseinnahmen erfassen

      Lesetipp: Lerne alles über Shopify und die Mehrwertsteuer in der EU in diesem Beitrag.

      4. Warum sollte ich mich als EU-Händler für OSS registrieren?

      Die Registrierung für OSS vereinfacht den Prozess der Steuererklärung und erspart die Registrierung in mehreren Ländern.

      5. Gilt die Umsatzsteuer für Bestellungen mit oder ohne Steuer?

      Der Schwellenwert von 150 Euro versteht sich exklusive Steuern und bezieht sich nur auf den Warenwert (ohne Transport- und Versicherungskosten, es sei denn, diese sind im Preis inbegriffen und nicht gesondert auf der Rechnung ausgewiesen). 

      6. Warum sollte ich mich als Nicht-EU-Händler:in mit Verkauf innerhalb der EU für IOSS registrieren?

      Für Händler:innen, die sich dafür entscheiden, die Umsatzsteuer beim Checkout auf Waren mit geringem Wert von der Kundschaft in der gesamten EU zu erheben, wird IOSS die Einreichung einer einzigen Steuererklärung ermöglichen. Außerdem werden importierte Waren wahrscheinlich schneller von den Zollbehörden abgefertigt (oder vielleicht sogar ohne Prüfung „durchgewunken“). Ohne IOSS könnten Sendungen an der Grenze für Bewertungskontrollen zurückgehalten werden, was zu Lieferverzögerungen und/oder zusätzlichen Umsatzsteuerveranlagungen führen kann.

      7. Ich bin mir nicht sicher, wie sich die jüngsten Änderungen der EU-Umsatzsteuer auf mein Unternehmen auswirken. Was sollte ich tun?

      Wenn du unsicher bist, wie sich diese Änderungen auf dein Unternehmen auswirken, solltest du dich an die Europäische Union oder eine Steuerberatung wenden. Du kannst auch eine Vertretung benennen, z. B. für Buchhaltung oder rechtliche Belange, die sich um deine Steuererklärung und -zahlungen kümmert. 

      8. Wie bekomme ich Hilfe bei der Registrierung und Einreichung meiner Umsatzsteuer?

      Nachfolgend findest du einige Dienstleister, die dir helfen können, dich für die Umsatzsteuer zu registrieren und deine Umsatzsteuererklärung abzugeben. 

      9. Ist Shopify ein Marktplatz oder ein Vermittler?

      Shopify ist weder ein Marktplatz noch ein Vermittler. 

      Wo kann ich mehr erfahren?

      Noch mehr Antworten zu OSS für Shopify-Händlerinnen liefert Dr. Roger Gothmann, Geschäftsführer von Taxdoo, im nachfolgenden Exkurs.

      Warum kommt es zum 1. Juli zu einer großen Umsatzsteuer-Reform, die (fast) alle Shopify-Händler:innen betrifft?

      Das Umsatzsteuerrecht der Europäischen Union (EU) ist noch immer auf dem Stand von vor fast 30 Jahren. Um diese für den Onlinehandel so wichtige Steuerart mit unserem digitalen Zeitalter kompatibel zu machen, einigten sich alle Mitgliedstaaten der EU bereits Ende 2017 auf eine umfassende Reform – mit dem sogenannten One-Stop-Shop (OSS) als zentrales Element.

      Die Umsetzung sollte eigentlich zum 1.1.2021 erfolgen. Da viele Mitgliedstaaten jedoch Probleme hatten, die Technologie des OSS bereitzustellen, wurde der Stichtag vom 1.1.2021 auf den 1.7.2021 verschoben.

      Um zu verstehen, was sich grundlegend ändert, sollten wir mit der Rechtslage beginnen, die für alle Verkäufe gilt, die bis zum 30.06.2021 ausgeführt wurden.

      Was gilt für alle grenzüberschreitenden Verkäufe bis zum 30.06.2021?

      Grundsätzlich gilt bereits seit 1993, dass jeder grenzüberschreitende Verkauf an Endverbraucher innerhalb der EU im Bestimmungsland – dort wo der Verbraucher die Ware empfängt – zu versteuern ist.

      Damit sich kleine und mittlere Unternehmen (KMU) nicht in jedem EU-Staat, in den sie Ware senden, ab dem ersten Euro umsatzsteuerlich registrieren und auf die Suche nach einem lokalen und möglicherweise kostenintensiven Steuerberater machen müssen, wurden die Lieferschwellen eingeführt. Bis zu dieser Grenze dürfen Onlinehändler ihre grenzüberschreitenden Lieferungen innerhalb der EU weiterhin im Sitzstaat versteuern.

      Bei Lieferungen in die meisten EU-Staaten gilt eine Grenze von 35.000 Euro netto pro Kalenderjahr. Nur drei EU-Staaten haben eine Grenzen von 100.000 Euro netto:

      • Deutschland,
      • Niederlande und
      • Luxemburg.

      Wird dieser Schwellenwert überschritten müssen Onlinehändler:innen bzw. ihre Steuerberatenden Folgendes im Blick behalten:

      • Es muss zwingend eine steuerliche Registrierung im Bestimmungsland erfolgen.
      • Nachdem das Finanzamt im Ausland eine Steuernummer erteilt hat, müsse für alle Monate nach dem Überschreiten der Lieferschwelle Umsatzsteuererklärungen in diesem Staat abgegeben werden.
      • Da ab diesem Zeitpunkt auch der Steuersatz des Bestimmungslandes gilt, muss auch darauf geachtet werden, dass dieser auf den Rechnungen steht.

      Neuer Schwellenwert ab dem 1. Juli 2021

      Ab dem 1. Juli 2021 fallen die Lieferschwellen aller EU-Staaten weg. Ab diesem Zeitpunkt ist dann grundsätzlich jede grenzüberschreitende Lieferungen an Endverbrauchende innerhalb der EU im Bestimmungsland steuerpflichtig.

      Dabei ist es völlig egal, wo die Lieferung beginnt oder endet.

      Beispiele: Eine Lieferungen aus den Niederlanden nach Deutschland ist dann immer in Deutschland steuerpflichtig. Eine Lieferung aus Spanien nach Frankreich, immer in Frankreich. Eine Lieferung aus Polen nach Tschechien, in Tschechien, …

      Es wird ab dem 1. Juli lediglich eine kleine EU-weite Schwelle in Höhe von 10.000 Euro geben.

      Das bedeutet, solange ihr mit euren grenzüberschreitenden Lieferungen (und digitalen Dienstleistungen) an Endverbrauchende in alle EU-Staaten unter 10.000 Euro netto bleibt, könnt ihr diese Umsätze weiterhin bei euch zu Hause versteuern. Sobald ihr aber über die 10.000 Euro netto kommt, sind alle Lieferungen (und digitalen Dienstleistungen) immer im Bestimmungsland steuerpflichtig.

      Beispiel: Ihr verkauft Waren im Wert von 9.950 Euro an Endverbrauchende nach Frankreich. Solange ihr keine weiteren grenzüberschreitenden Umsätze an Endverbrauchende in der EU habt, könnt ihr diese Umsätze weiterhin bei eurem Finanzamt versteuern.
      Kurze Zeit später schickt ihr jeweils ein Paket nach Rumänien und eines nach Luxemburg. Diese beiden Pakete müsst ihr dann jeweils in Rumänien und in Luxemburg versteuern, da ihr die 10.000-Euro-Grenze überschritten habt.

      Wichtig: Auch wenn diese Regelung erst ab dem 1. Juli 2021 gilt, wird die Frage, ob ihr die 10.000-Euro-Grenze zum 1. Juli 2021 überschritten habt, bereits aufgrund eurer Umsätze des 1. Halbjahres 2021 und sogar des Jahres 2020 bemessen.

      Wer also bereits in 2021 oder in den ersten sechs Monaten des Jahres 2021 über die 10.000 Euro gekommen ist, ist unmittelbar ab dem 1. Juli mit allen grenzüberschreitenden Lieferungen in der EU immer im Bestimmungsland steuerpflichtig.

      Muss man sich dann in allen EU-Staaten lokal registrieren, so wie es bis zum 30.06.2021 der Fall war? Nein!

      Der One-Stop-Shop ersetzt lokale Registrierungen

      Müsste man sich ab dem 1. Juli weiterhin lokal im Ausland steuerlich registrieren, würde diese Gesetzreform alles noch komplexer machen, als es vorher der Fall war. Aus diesem Grund implementieren alle EU-Staaten für ihre Unternehmen jeweils einen sogenannten One-Stop-Shop.

      Onlinehändler:innen, die aufgrund ihrer grenzüberschreitenden Verkäufe an Endverbrauchende zukünftig in anderen EU-Staaten steuerpflichtig werden, können ihre Umsätze über den One-Stop-Stop melden und dort ebenfalls die Begleichung ihrer Umsatzsteuerschuld vornehmen.

      Der Vorteil ist, dass die Rahmenbedingungen für die OSS-Erklärungen in allen EU-Staaten identisch sind.

      • Es wird zukünftig immer quartalsweise gemeldet – also erstmalig der Zeitraum von Juli bis September
      • Die Frist dafür ist immer einen Monat nach dem zu meldenden Quartal – also erstmalig Ende Oktober 2021
      • Für Umsätze, die über den OSS gemeldet werden, entfällt die gesetzliche Pflicht, Rechnungen auszustellen.
      • Die Umsatzsteuerschuld wird immer zentral über den OSS beglichen, egal in wie vielen EU-Staaten man steuerpflichtig ist.

      Die Nutzung des OSS ist freiwillig. Verwendet man ihn allerdings, müssen zwingend alle grenzüberschreitenden Lieferungen an Endverbrauchende für alle EU-Staaten darüber gemeldet werden.

      Onlinehändler:innen können sich stattdessen auch weiterhin lokal registrieren, sollten aber beachten, dass sie sich in diesem Fall aufgrund des niedrigen Schwellenwertes von 10.000 Euro z.B. selbst bei nur einem Paket nach Malta auch dort registrieren müssten.

      Auch können nicht alle Transaktionen im E-Commerce über den OSS gemeldet werden.

      OSS nicht für alle Transaktionen im E-Commerce möglich

      Verwendet ihr Warenlager im EU-Ausland oder habt dort eine eigene Betriebsstätte, benötigt ihr in diesen EU-Staaten zwingend eine lokale Registrierung, da viele der damit zusammenhängenden Transaktionen nicht über den OSS gemeldet werden können.

      So müssen z.B. weiterhin lokal gemeldet werden:

      • Verkäufe aus einem ausländische Warenlager an dort ansässige Endverbrauchende
      • Die Einlagerung der Wort dort (als sogenannten innergemeinschaftliche Verbringungen & Erwerbe)
      • lokale Vorsteuern,

      In diesem Fall sollten zwei Compliance-Stränge etabliert werden.

      • Ein OSS-Strang für alle grenzüberschreitenden Fernverkäufe an Endverbrauchende
      • Ein Strang mit lokalen Registrierungen und lokalen Melden mit allen Transaktionen, welche Warenlager und Betriebsstätten im EU-Ausland betreffen.

      Eine Herausforderung, die ab dem 1. Juli immer gelten wird, ist die Frage, wie bestimme ich die Steuersätze für alle EU-Staaten?

      Steuersätze in der EU

      Führt man sich vor Augen, dass durch den Wegfall der Lieferschwellen grenzüberschreitende Lieferungen an Endverbraucher in nahezu jedem EU-Staat steuerpflichtig sein werden, kann man sich zu Recht fragen: Woher weiß man, welcher Steuersatz für welches Produkte in welchem EU-Staat gilt?

      Das Thema Steuersätze und Umsatzsteuer innerhalb der EU ist recht kompliziert. Das EU-Recht erlaubt die folgende Bandbreite und bietet daher viel Spielraum.

      • Standardsteuersatz: Hier liegt die Bandbreite in der EU zwischen 17 und 27 Prozent. Der gesetzliche Mindestbetrag ist 15, eine obere Grenze gibt es seit einigen Jahren nicht mehr.
      • Ermäßigter Steuersatz I: Dieser muss mindestens 5 Prozent und weniger als 15 Prozent betragen – die Anwendung beschränkt sich auf im Anhang III der Mehrwertsteuersystemrichtlinie genannte Produkte.
      • Ermäßigter Steuersatz II: Es gelten dieselben Voraussetzungen wie für den ermäßigten Steuersatz I.
      • Nullsteuersätze: Wie der Name es sagt, beträgt der Steuersatz hier null Prozent. Das Ganze ist nicht zu verwechseln mit einer Steuerbefreiung.
      • Sondersätze: Diese können fast beliebig gewählt werden – aber immer nur nach Genehmigung (und häufig Befristung) durch die EU-Kommission.

      Das Beispiel Kaffee verdeutlicht das Problem recht gut. In Deutschland z.B. wird Kaffee wie viele andere Lebensmittel ermäßigt besteuert: mit 7 Prozent. In Frankreich gilt ebenfalls eine ermäßigte Besteuerung. Allerdings gibt es dort drei Möglichkeiten: 2,1 Prozent, 5,5 Prozent und 10 Prozent. Die Wahrheit liegt in diesem Beispiel in der Mitte: bei 5,5 Prozent.

      Wie kann nun ein Onlinehändler oder eine Onlinehändlerin mit einem Sortiment von 1.000 Produkten und Steuerpflichten in allen EU-Staaten ab dem 1.7.2021 für alle 1.000 Produkte und alle EU-Staaten rechtssicher die Steuersätze bestimmen?

      Das wird letztlich nur automatisiert möglich sein – z.B. über ein eindeutiges Produktmerkmal wie z.B. die sogenannte Zolltarifnummer. Mithilfe der Zolltarifnummer kann jedes Produkt weltweit klassifiziert werden, sodass auch eine automatisierte Bestimmung der Steuersätze – dann über entsprechende Datenbanken – möglich ist.

      Fazit: OSS macht einiges einfacher, aber nicht alles

      Der OSS wird vieles einfacher und effizienter machen. Allerdings wird er auch dazu führen, dass man sich intensiv Gedanken über die Bestimmung von Steuersätzen machen muss. Auch die Verwendung von Warenlagern oder Betriebsstätten im EU-Ausland wird lokale Registrierungen nicht überflüssig machen und dazu führen, dass zwingend jede einzelne Transaktion von euch automatisiert umsatzsteuerlich bewertet werden sollte.

      Wer das über eine Plattform wie Taxdoo abwickeln will, auf die z.B. Shopify-Händler:innen wie Snocks oder Purelei vertrauen, kann hierfür eine Demo-Version buchen. 


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      Which method is right for you?Geposted von Hendrik Breuer: Hendrik ist Redakteur des deutschen Shopify-Blogs. Möchtest du einen Gastbeitrag veröffentlichen? Dann lies bitte zuerst diesen Leitfaden.

      Dieser Beitrag erschien ursprünglich auf Englisch und wurde übersetzt.

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