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Ein Produkt, ein Baum: Wie sich ein Google- und ein Facebook-Mitarbeiter in der Schweiz für den Umweltschutz einsetzen

Kaum vorstellbar, dass Menschen mit Maschinen durch die Luft flogen, lange bevor sie aus Erdöl Kunststoff herstellten. Denn das Material – landläufig auch als Plastik bekannt – nutzen wir tatsächlich erst seit 70 Jahren.

Seitdem haben wir es laut einer Studie des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) geschafft, weltweit etwa 8,3 Milliarden Tonnen Plastikmüll anzuhäufen; jährlich kommen weitere 407 Millionen Tonnen dazu. Recycelt werden davon global nur neun Prozent, der Rest landet auf Müllkippen, irgendwo in der Landschaft und vor allem im Meer, wo es knapp 450 Jahre braucht, um sich vollständig zu zersetzen. In der Zwischenzeit sorgen Tüten und Plastikringe dafür, dass jedes Jahr Seevögel und  Meeressäuger verenden.

Erschreckende Zahlen, die Marc Seidel und Josef Springl so nicht stehen lassen konnten. Auf ihren Reisen durch die ganze Welt mussten der Schweizer und der Bayer immer wieder feststellen, welches Ausmaß das Problem Plastikmüll inzwischen angenommen hat. 

Eigentlich arbeiten die beiden hauptberuflich für die Weltkonzerne Google und Facebook. Dennoch nahmen sie sich die Zeit, neben ihrer eigentlichen Arbeit einen Beitrag für den Umweltschutz und weniger Plastikmüll zu leisten: In ihrem Webshop Napanion bieten Marc und Josef nachhaltige Alternativen zu Alltagsprodukten an, die sonst meist aus Kunststoff hergestellt werden.Die Napanion Gründer Marc und JosefTeam Napanion: Marc und Josef

Im Interview mit Shopify berichtet Gründer Marc, wie die Idee zu Napanion entstanden ist und worauf die Unternehmer achten, um sicherzustellen, dass jeder von ihnen angebotene Artikel tatsächlich nachhaltig ist und nicht zuletzt, warum ökologisch“ auch wirtschaftlich“ sein kann.


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Wie kamt ihr trotz Traumarbeitgebern wie Google dazu, Napanion zu gründen?

Die Idee zu Napanion kam uns – ob man es glaubt oder nicht – in der Kaffeepause, als Josef und ich noch zusammen für Facebook gearbeitet haben. Naturschutz war bei unseren Gesprächen schon immer ein Thema. Beruflich sind wir viel unterwegs und sehen eine Menge von der Welt. Auf Müllberge stießen wir dabei fast überall. Als Menschen, die in der idyllischen Schweiz beziehungsweise in Bayern aufgewachsen sind, war uns das ein besonderer Dorn im Auge.

Irgendwann hatte Josef einen konkreten Einfall: Hotels bieten ihren Gästen oft Plastikzahnbürsten an, die nach ein- bis zweimaliger Verwendung im Abfall landen. Kunststoff impliziert für den Verbraucher ein Wegwerfprodukt. Was wäre also, wenn es hier eine Alternative gäbe? Zahnbürsten aus einem Material, das nicht nur nachhaltig, sondern auch so schön ist, dass ein Gast die Bürste gerne mit nach Hause nimmt?

Dieser Weg der kleinen Schritte hat es uns erlaubt, das ganze Projekt selbst zu finanzieren.

Nachforschungen in diese Richtung ergaben, dass sich Bambus als Material zur Umsetzung der Idee anbietet. Er wächst nicht nur schnell nach und verbraucht bei der Aufzucht vergleichsweise wenig Wasser. Bambus ist außerdem haltbar und stabil genug, um als Zahnbürste Verwendung zu finden. Und das Beste an diesem Werkstoff ist, dass er eine wundervolle Optik und eine angenehme Haptik besitzt. Damit strahlt das Produkt eine Wertigkeit aus, die einer Plastikbürste abgeht.

Also haben wir im Dezember 2018 klein angefangen und mit Napanion erst mal nur in der Schweiz Bambuszahnbürsten angeboten. So konnten wir überprüfen, ob eine Nachfrage für unsere Produktidee vorhanden ist und ob es sich lohnt, das Geschäft zu expandieren. Dieser Weg der kleinen Schritte hat es uns erlaubt, das ganze Projekt selbst zu finanzieren.

Wie bewertest du den aktuellen Markt für nachhaltige Produkte?

Ein Markt für nachhaltige Produkte ist nicht nur vorhanden, er wird sogar zusehends größer. Immer mehr Menschen entwickeln ein Bewusstsein für Ökologie und Naturschutz. Daher konnten wir unser Unternehmen im vergangenen Jahr sukzessive vergrößern.

Statt nur in die Schweiz liefern wir inzwischen an Kunden in ganz Europa, weshalb wir unseren EU-Shop derzeit nur in englischer Sprache anbieten. Zudem listet seit ein paar Wochen die erste Boutique in der Schweiz unsere Waren und verkauft diese direkt vor Ort. Weitere Geschäfte sollen in Zukunft hinzukommen.

Das Lager und die Versandabteilung im schweizerischen Zumikon sind inzwischen so groß, dass wir zwei neue Partner mit an Board geholt haben, die sich um die komplette Warenwirtschaft kümmern.

Lesetipp: Viele Unternehmen haben verstanden, wie wichtig Umweltbewusstsein ist. So auch the nu company. Wie sie den Schokoriegel neu erfanden, liest du hier.

Überzeugen durch Nachhaltigkeit und Eleganz

Zusätzlich haben wir unser Angebot in den letzten Monaten iterativ erweitert. Bei Napanion gibt es nicht mehr nur Zahnbürsten aus Bambus, sondern auch Trinkflaschen und Strohhalme. Außerdem bietet unser Sortiment auch Schalen, Löffel oder Essstäbchen aus Kokosnuss.

All diejenigen, die wir dabei nicht mit dem Argument der Nachhaltigkeit überzeugen können, begeistern wir mit der Eleganz unserer Produkte. Eine Bambuszahnbürste fasst sich einfach angenehmer an als ein Stück Plastik und macht auch optisch viel mehr her. Wir machen Naturschutz salonfähig.

Wie hebt ihr euch dabei von Marktbegleitern ab?

Natürlich ist Napanion nicht der einzige Anbieter von Bambuszahnbürsten und ähnlichen Naturprodukten. Um unseren Kunden mehr zu bieten, als die Konkurrenz, legen wir großen Wert auf ihre Zufriedenheit und unseren Service. E-Mails beantworten wir umgehend und persönlich. Außerdem haben wir auf unserer Homepage einen WhatsApp-Chat eingerichtet. Wer darüber mit uns in Kontakt tritt, wird direkt mit Josef oder mir verbunden.Die Produktpalette von NapanionHochwertig und nachhaltig – die Produktpalette von Napanion

Ein ganzheitliches Konzept, das Alltagsräume bedient

Zusätzlich möchten wir unseren Besuchern ein ganzheitliches Angebot bieten, ihnen also nicht einfach unzusammenhängend ökologische Produkte präsentieren, sondern alles liefern, was sie zu Hause in einem ganz bestimmten Raum benötigen. 

Wir versetzen uns in die Lage unserer Kunden und ergründen, was sie gut gebrauchen könnten. 

Konkret bedeutet das: Wir versetzen uns in die Lage unserer Kunden und ergründen, was sie beispielsweise in der Küche gut gebrauchen könnten. Etwa eine Schale und einen Löffel für das Frühstücksmüsli, Schüsseln zum Kochen, Teller und Gläser für das Abendbrot. 

Momentan bieten wir fast alles fürs Badezimmer an. Auch Alltagsgegenstände, die üblicherweise in der Küche verwendet werden, haben wir bereits in Grundzügen in unserem Repertoire. 2020 werden schließlich zahlreiche weitere Räume folgen.

Wie garantiert ihr, dass eure Produkte tatsächlich nachhaltig produziert werden?

Bambus ist ein sehr umweltverträglicher Rohstoff. Da es sich bei der Pflanze um ein Gras handelt, wird sie einfach abgemäht und muss nicht jedes Mal neu angepflanzt werden. Allerdings ist Bambus nicht gleich Bambus. Wir achten darauf, dass er ökologisch verträglich produziert und für seinen Anbau kein Quadratmeter Regenwald abgeholzt wird. Dabei helfen uns insbesondere die Kontakte, die wir dank unserer Arbeit auf der ganzen Welt knüpfen konnten. So haben wir immer Ansprechpartner, die sich direkt vor Ort auskennen und die Produktionsbedingungen überprüfen.

Der Rohstoff für unsere Kokosnuss-Produkte wiederum ist eigentlich ein Abfallprodukt. Denn bei der Ernte wird die Nuss geschält, um an Milch und Fruchtfleisch zu gelangen. Unsere Produzenten sammeln die Schalen ein, schleifen sie ab und verschicken sie an uns. So erhalten wir wundervolle und stabile Gefäße, ohne die Umwelt zu belasten.

Podcast: Wie das Unternehmen Fairjeans eines der schmutzigsten Produkte nachhaltig, umweltschonend und fair produzieren lässt, hörst du in dieser Podcast-Folge.

Neben nachhaltigen Materialien für die Produkte spielt auch eine umweltfreundliche Verpackung eine Rolle

Weiterhin spielen Verpackung und Versand eine große Rolle. Wir verwenden ausschließlich recycelte Kartons und benutzen als Füllmaterial Holzwolle.

Plastik kommt bei uns nicht in die Kiste.

Zudem versuchen wir die Umwelt so wenig wie möglich zu belasten, indem wir unseren Kunden, die in einem Bestellvorgang mehr als einen Artikel ordern, Rabatte zu gewähren. Dadurch soll die Zahl der versandten Päckchen minimiert werden, aus mehreren Einzelbestellungen wird eine. 

Und zu guter Letzt tragen wir ganz persönlich unseren Teil zu einer gesünderen Natur bei: Mit jeder Bestellung spenden wir an eine Organisation, die sich für die Wiederaufforstung einsetzt. Für jedes verkaufte Produkt kommt so dank unserer Partner EdenProjects und OneTreePlanted ein neuer Baum auf der Welt hinzu.

Das Geschäftsmodell: nachhaltig und wirtschaftlich

Dennoch verdienen wir mit Napanion Geld, wir sind ja keine Non-Profit-Organisation. Wir möchten das Business expandieren, mehr Leute einstellen und am Ende soll auch für uns ein bisschen was übrig bleiben. Natürlich könnten wir kurzfristig mehr einnehmen, wenn wir Billig-Bambus aus überdüngten Plantagen beziehen würden, unsere Artikel in günstiges Plastik einschlagen und keine Bäume pflanzen. 

Wir denken nicht von Fiskaljahr zu Fiskaljahr, sondern in Dekaden.

Wir möchten mit Napanion betonen, dass dieser Weg nicht der ist, den die Menschheit als Ganzes langfristig einschlagen kann. Jeder soll die Möglichkeit haben von seiner Arbeit zu leben, und zwar gut. Wenn das auf Kosten der Natur oder unserer Mitmenschen passiert, dann haben wir bald keine Erde mehr, auf der wir angenehm leben und produzieren können.

Wir denken nicht von Fiskaljahr zu Fiskaljahr, sondern in Dekaden und möchten der nächsten Generation eine Welt hinterlassen, die ihnen die gleichen Möglichkeiten bietet, die wir auch haben. Und unsere Kunden geben uns recht: Sie wollen ihren Teil zu mehr Umweltschutz beitragen und sind gerne bereit, etwas tiefer in die Tasche zu greifen, wenn sie nur sicher sein können, dass ihr Geld dort ankommt, wo es wirklich hilft.Ein junger WaldMit jedem Einkauf ein neuer Baum

Warum habt ihr euch mit eurem Business für Shopify entschieden?

Natürlich war Shopify uns schon ein Begriff, bevor wir überhaupt die Idee zu Napanion hatten. Als Mitarbeiter von Google und Facebook wussten wir, was die Onlinewelt gerade bewegt.

Überzeugt hat uns aber letztlich, dass wir unseren kompletten Shop im Alleingang erstellen konnten.

Weder Josef noch ich sind Programmierer, trotzdem ließ sich ein Großteil der Arbeit mit ein paar Mausklicks erledigen. Falls wir dann doch mal an unsere Grenzen stießen, gab es im Shopify App Store immer eine App, die wir in den Shop integrieren konnten, um Anpassungen vorzunehmen. Die WhatsApp-Anbindung unserer Homepage ging so zum Beispiel komplett automatisiert vonstatten.

Lesetipp: Eine Liste der Apps, die du für den Anfang deines Onlineshops gut gebrauchen könntest, findest du hier.

Außerdem ist Shopify inzwischen so stark verbreitet, dass es kein Problem gibt, das noch nicht dokumentiert worden ist. Sollte es tatsächlich mal haken, dann findet sich online immer die passende Lösung, und zwar so einfach erklärt, dass auch Laien damit zurechtkommen.

Wie lässt sich der Versand mit ökologischen Grundsätzen vereinbaren?

Wir denken mit unserem Angebot immer in Räumen und möchten zunächst unsere Produktpalette weiter ausbauen. Für uns stellt sich also die Frage, was wir unseren Kunden für Wohnzimmer, Schlafzimmer oder auch den Garten anbieten können. Nach diesem Prinzip werden wir nach und nach neue Artikel ins Programm aufnehmen. Allerdings immer behutsam, um sicherzustellen, dass unser ökologisches Ideal auch gewahrt bleibt.

Darüber hinaus möchten wir den Aspekt Umweltschutz zukünftig noch größer denken. Ein Onlineshop ist zwar die ideale Basis, um an Bekanntheit zu gewinnen und in den Markt vorzustoßen, aber umwelttechnisch nicht immer optimal. Deshalb werden wir verstärkt Zeit ins B2B-Segment investieren.

Wenn noch mehr Läden in ganz Europa Napanion-Produkte anbieten, spart das viele der Emissionen, die beim Warentransport entstehen. Das Interesse ist bereits vorhanden, allerdings sind wir in der Wahl unserer Partner umsichtig. Wir möchten kleinere Läden unterstützen, die sich ähnlichen Idealen verschrieben haben, wie wir.

In diesem Sinne stehen auch Hotels und Restaurants weit oben auf unserer Liste möglicher neuer Vertriebswege. Denn gerade dort wird mit vielen Artikeln, die wir bereits anbieten – etwa Zahnseide, Strohhalme, Wattestäbchen – eine Menge Müll produziert. Gelingt es uns, dort unsere Hebel anzusetzen, ist für die Natur viel gewonnen.

Eine Welt mit weniger Plastik ist logisch und wirtschaftlich

Marc und Josef zeigen nicht nur, dass zu zahlreichen Gebrauchsartikeln bereits nachhaltige Alternativen existieren, sondern auch, dass immer mehr Menschen gerne darauf umsteigen. Naturprodukte, wie die Napanion-Gründer sie nun schon seit über einem Jahr anbieten, tragen einen Teil dazu bei, dass die Müllberge auf unserem Planeten nicht weiter wachsen. 

Gleichzeitig müssen sie sich vor ihren Konkurrenten aus Kunststoff in Sachen Haltbarkeit und Funktionalität nicht verstecken und schlagen diese sogar in Bezug auf Design und Haptik. Es ist also keine große Überraschung, dass die beiden jungen Männer mit ihrem Geschäft weiter expandieren werden. Denn am Ende liefern sie genau das, was im Handel zählt: hochwertige Produkte und einen umfassenden Service. 


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Which method is right for you?Über die Autorin: Inara Muradowa ist SEO & Content Beraterin. Ihr Schwerpunkt ist der Bereich E-Commerce. Im Shopify-Blog porträtiert sie am liebsten erfolgreiche Gründer*innen und gibt Insider-Tipps zu aktuellen Trends.