Wie eine junge Berlinerin ihr eigenes Modelabel gründen und in Polen Kleidung produzieren lassen konnte

Wie eine junge Berlinerin ihr eigenes Modelabel gründen und in Polen Kleidung produzieren lassen konnte

Shopify Store schnell bauen

"Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren." - Karl Lagerfeld

Karl is wrong! Das dachte sich die Modedesignerin Leoni Lencinas, die das gleichnamige Modelabel Karlswrong ins Leben rief, um ausschließlich edle Jogginghosen für Männer zu verkaufen.

Jogginghosen haben einen schlechten Ruf. Sie gelten als Modesünde und werden mit Couchpotatos oder Fitnessfanatikern verbunden. Leoni Lencinas wollte das revolutionieren und gewohnten Tragekomfort mit modernem Design und hervorragenden Stoffen kombinieren.

Das Ziel: die perfekte Jogginghose, die auch im Job oder beim Ausgehen einen guten Eindruck hinterlässt.

Wie ihr die Konstruktion vom ersten Schnittmuster, über die Produktion in Polen bis zum eigenen Shopify Shop gelang und wie sie Jürgen Vogel als Model gewinnen konnte, hat sie uns im Interview verraten.

Ehrlich gesagt hätte ich nie gedacht, dass ich mal Männermode mache!

Wie sind Sie auf die Idee gekommen und wofür steht Karlswrong?

Auf die Idee kam ich durch meinen Freund, den ich nach meinem Umzug von Heidelberg nach Berlin kennenlernte. Er führt mehrere erfolgreiche Szenecafés in Berlin und trägt seitdem ich ihn kenne nur bequeme Jogginghosen. Selbst beim ersten Date hatte er seine H&M Basic Jogginghose an. Die sieht natürlich eher unschön aus. (lacht)

Andere Jogginghosen haben ihm nie gefallen und alternative Produkte großer Markenlabels wie Philipp Plein oder Dolce & Gabbana kosten oft direkt 800 Euro oder 1.000 Euro. Dazwischen gibt es eine riesige Lücke. Das hat mich dazu bewegt, ein eigenes Modelabel zu gründen, das genau diese Lücke füllt und ausschließlich Jogginghosen für Männer macht. Ich habe mich komplett auf die Sweatpants fokussiert und darauf geachtet, dass diese perfekt auf den Mann zugeschnitten sind. Das fängt schon bei Kleinigkeiten im Schnitt an, zum Beispiel ob die Hosentaschen groß genug sind, um alles darin zu verstauen. Diese kleinen Details machen Karlswrong aus.

Leoni Lencinas auf der Fashion Week in Berlin - da müssen alle Details stimmen.

Ihr Name ist eine Hommage an das berühmte Zitat von Karl Lagerfeld. Ist er dadurch auf Sie aufmerksam geworden?

Wegen dieser Anspielung im Namen hatten wir tatsächlich ein paar Problemchen. (lacht) Relativ am Anfang haben wir von der Firma Karl Lagerfeld ein Anwaltsschreiben bekommen. Als wir den Namen ins Patentamt eingetragen haben – was übrigens ein wichtiger Schritt ist - und die Marke anmeldeten, wurde die Firma aufmerksam. Aber die Kommunikation war sehr nett und sie waren interessiert daran, was wir vorhaben. Wir haben uns auf einige Punkte geeinigt, die ich beachten muss, wenn ich den Namen weiterhin verwenden möchte. Das sind Dinge, die man natürlich nicht erwartet, wenn man ein Modelabel gründet.

Wie lief die Phase von der ersten Idee bis zur fertigen Hose ab?

Der ganze Vorlauf hat etwa anderthalb Jahre gedauert, was viel länger ist, als man es sich vorstellt. Ich habe damit angefangen, den Schnitt mit Hilfe meiner Unterlagen aus der Ausbildung zur Modedesignerin zu konzipieren. Zusätzlich habe ich mir Hosen gekauft und diese einfach aufgeschnitten, um zu sehen, wie der Schnitt gemacht wurde. Dann begann die Produktion der Prototypen bis der Schnitt wirklich saß. Ein langer Prozess, der noch nicht mit dem originalen Stoff, sondern mit günstigem Jersey Stoff aus dem Stoffladen umgesetzt wurde.

Ich habe schätzungsweise 50 Prototypen gemacht, bis alles gepasst hat!

Ich konnte viel aus meiner Ausbildung anwenden, weshalb ich die ersten Sachen auch komplett allein geschneidert habe. Das erste halbe Jahr hockte ich nur allein an meiner Nähmaschine. Parallel habe ich dann schon geschaut, wo ich den finalen Stoff kaufen könnte. Im Stoffladen ist das natürlich wahnsinnig teuer. Weshalb ich ein Gewerbe angemeldet habe, damit ich zum günstigeren Großhandel gehen kann. Auch ein Besuch auf Messen oder ein Treffen mit Stoffvertretern kann helfen, um dann den richtigen Stoff, Bündchen, Schnürsenkel, Labels, Waschetiketten und all die kleinen Dinge rauszusuchen.

An einem gewissen Punkt habe ich das Erstellen der Prototypen an einen professionellen Schneider gegeben, damit alles perfekt wird. Bei meinem Schneider handelte es sich um eine Änderungsschneiderei, die normalerweise nur Säume kürzen. Ich habe erfahren, dass sie auch für andere Modelabels die Prototypen nähen. Das viele Suchen, Nachfragen und Herumtelefonieren hat sich gelohnt, um etwas Passendes zu finden.

Kurz vor der Store-Eröffnung lief dann vieles parallel. Während es noch mit der finalen Produktionsstätte hin und her ging, hatte ich schon fertige Prototypen da, mit denen ich Fotos machen konnte. Diese waren zwar noch nicht, wie sie am Ende sein sollten, aber fürs Foto reichte es. Ich habe den Onlineshop also komplett aufgebaut und als die fertigen Hosen ankamen, hatte ich alles fertig. Im Mai 2017 konnte ich dann endlich meinen Onlinestore eröffnen.

Man muss immer schauen, welche Prozesse man parallel überlappen kann, um Zeit zu sparen. Aufgaben, die bereits erledigt werden könnten, sollten auch bearbeitet werden – auch wenn es eventuell noch zu früh erscheint.

Könnten auch Leute ohne eine derartige Ausbildung in der Modewelt Fuß fassen?

Ja, das ist absolut möglich, aber schwieriger. Man würde damit anfangen, seine Idee auf Papier zu bringen oder jemanden finden, der das realisiert. Das Design muss irgendwo sein, wo es andere Leute verstehen können, sei es auf dem Papier oder dem Computer. Dem Zeichner kann man anhand von Schneiderpuppen, Bildern oder anderen Kleidungsstücken erklären, was man sich vorstellt.

Dann sucht man sich eine Schneiderei oder eine Schnittdirektrice in der Umgebung und fragt, ob sie daraus einen Schnitt und Prototypen erstellen können.

Ich habe damals auch überlegt an Mode-Unis zu gehen. In meiner Ausbildung kamen Modedesigner zu uns und wollten ein Studentenprojekt für die Fashion Week machen. Für uns war das cool. Wir haben die Schnitte gemacht, Kleider genäht, teilweise Designs erstellt und eine Menge gelernt. Daher kann es durchaus eine gute Idee sein, Unis das Projekt vorzustellen.

Mit welchen Herausforderungen wurden Sie bisher konfrontiert?

Man muss Geld in die Hand nehmen. Selbst wenn man wie ich vieles selbst kann, geht das alles nicht für lau. Gerade die Kleinigkeiten wie Stoffe und Zubehör kosten sehr viel Geld. Allein eine Nähmaschine kann schon bis zu 1.000 Euro kosten.

Auf meinem Stand beim Gentleman‘s Corner hielten mich die Leute für die Hostess, weil ich so jung bin.

Ich war 20 als ich mit meinem Label angefangen habe und hier und da hat man das gemerkt. Auf meinem Stand beim Gentleman‘s Corner hielten mich die Leute für die Hostess, weil ich so jung bin. (Lacht) Das Alter hat Vor- und Nachteile. Du merkst, dass du wahnsinnig wenig Erfahrung hast - auf psychischer und auf geschäftlicher Ebene. Man hat noch keinen direkten Plan und muss sich komplett neu reindenken. Dabei macht man Fehler beim eigenen Unternehmen. Aber bisher hatten alle, mit denen ich zusammengearbeitet habe, sehr großes Verständnis dafür - gerade, wenn man noch so jung ist.

Nach drei fertigen Prototypen haben Sie sich entschieden die Kleidung in Polen produzieren zu lassen. Wie lief dieser Prozess ab?

Da hatte ich relativ viel Glück, denn durch eine Dozentin bin ich darauf aufmerksam geworden. Sie hat früher selbst in der Modebranche gearbeitet und mir eine Liste mit Produzenten gegeben.

Außerdem gibt es einige Portale, wie zum Beispiel Foursource.com, die Händler mit Produktionsstätten zusammenbringen. Auf Google sind die Produktionsstätten eher schwierig zu finden, weil sie ziemlich schlechte Webseiten haben und nicht in der Suche auftauchen. Wenn man bereits einen Stofflieferanten hat, kann man auch hier nachfragen, ob er jemanden kennt.

Mindestmengen sind ein Problem. Oft hilft es allerdings, nett zu fragen, ob auch geringere Mengen okay wären, weil man sich in der ersten Produktionsrunde befindet.

Ein weiterer Punkt, der bei der Suche alles durchkreuzen kann, sind die Mindestmengen, die bei den meisten Produktionsstätte hoch sind. Aber Polen ist da zum Glück ganz kulant. Oft hilft es einfach nett zu fragen, ob auch geringere Mengen okay wären, weil man sich in der ersten Produktionsrunde befindet.

Hat man dann eine passende Produktionsstätte gefunden, schickt man den fertigen Prototyp, den Schnitt und den Stoff zu. Viele Produktionsstätten arbeiten nicht mit Handschnitten, sondern nur mit Computerschnitten. Wenn man nur ein manuell erstelltes Schnittmuster hat, muss man noch einmal Geld in die Hand nehmen und das bei einer Schnittdirektrice digitalisieren lassen.
Anschließend wird das erste Sample genäht und wenn man Glück hat, passt es direkt und man kann sein Go für die Produktion geben. Klappt es nicht auf Anhieb, schickt man seine Änderungswünsche und erhält neue Prototypen. Das kann sehr zeitaufwendig sein und für die neuen Samples muss man natürlich bezahlen – meist sogar das Vierfache des Produktionspreises.

Ihren Shop haben Sie mit Shopify erstellt. Wie haben Sie die Handhabung empfunden?

Ich war extrem positiv überrascht. Ich bin Modedesignerin und hab mit Technik wenig am Hut. Ich habe vorher nie ein Backend gesehen und konnte mit Begriffen wie „Template“ nichts anfangen. Mir kam es anfangs kompliziert vor, als ich mit meiner Webdesignerin darüber sprach. Aber im Endeffekt war es wirklich einfach. Das Shopify Backend ist für Anfänger sehr leicht gemacht. Mir hat es richtig Spaß gemacht, selber die Bilder einzufügen und damit zu spielen.

Das kleinste Problem des ganzen Prozesses war es den Shopify Shop aufzubauen!

Gesicht Ihrer Marke ist momentan Jürgen Vogel. Wie kam es dazu?

Jürgen kenne ich aus dem Bekanntenkreis. Wir haben ihm die Hosen geschickt und - ohne dass wir fragen mussten - hat er sie freiwillig getragen. Wir haben uns da komplett rausgehalten. Ich dachte mir, wenn er die Hosen mag, wird er sie schon tragen. Er hat sie freiwillig auf dem roten Teppich und auch privat oft angezogen.

Dann hatte ich durch Kontakte junge Videoleute kennengelernt, die gern etwas zusammen machen wollten und ein cooles Konzept aufgestellt hatten. Wir haben darin die Modeindustrie ein bisschen auf die Schippe genommen. Wir stellten Jürgen das Konzept vor und er fand das cool und hat sich gefreut, junge Leute zu unterstützen.

Cool: Für ein Promo-Video stand Jürgen Vogel vor der Kamera 

Natürlich ist Jürgen nicht der klassische Online Influencer, der etwas postet und dann eine Million Likes hat. Aber er ist natürlich ein Gesicht und eine Marke. Jeder kennt ihn, auch in unserer Generation. Das gibt auch unserer Marke ein Image.

Welche Vertriebskanäle nutzen Sie momentan für Karlswrong?

Der Spot mit Jürgen sorgte natürlich für viel Presseaufmerksamkeit. Das war ein wichtiger Kanal für uns. Und auch im W&V, eines der größten Onlinemarketingmagazine in Deutschland, erschien ein Artikel über uns. Dadurch haben wir gemerkt, wie der Traffic auf unserer Webseite und im Verkauf anstieg. Für diese PR mussten wir kein Budget in die Hand nehmen und haben trotzdem hohe Conversions erzielt. Wir haben auch Facebook Anzeigen ausgetestet, aber gemerkt, dass sich zumindest bisher die Investitionen nicht lohnen. Momentan müssen wir noch stark aufs Budget achten, weshalb 2018 PR, Social Media und Influencer Marketing in unseren Fokus rücken.

Auch unser Instagram Account, der momentan etwa 6.000 Follower hat, ist im Aufbau. Hier gestaltet es sich aber momentan noch schwierig. Ich bin mit Instagram aufgewachsen, aber finde es kompliziert, alle bekannten Tipps umzusetzen. Wenn man jeden Tag zweimal etwas posten möchte, muss man immer Material zur Verfügung haben. Allein die Pflege meines Social Media Accounts könnte mein Vollzeitjob sein!

Welche Tipps haben Sie für andere, die den Traum eines eigenen Modelabels verfolgen?  

Ich glaube, der wichtigste Punkt ist nicht zwischendrin aufzugeben, sich selbst zu motivieren und dran zu bleiben.

Man darf sich nicht den Kopf darüber zerbrechen, was alles schiefgehen kann. Es läuft eh anders als geplant!

Man sollte mental darauf vorbereitet sein, dass die Selbstständigkeit auch bedeutet, von einem Problem zum nächsten zu laufen. Sobald ein Problem gelöst ist, steht das nächste an. Darin muss man Spaß finden.Als wichtigen Tipp kann ich außerdem mitgeben, sich nicht zu sehr auf Presse, Aufmerksamkeit oder Instagram Follower zu fokussieren. Das Wichtigste ist, dass das Produkt perfekt ist und weiterhin perfektioniert wird, um so die Verkäufe anzukurbeln.  Was nützt viel Aufmerksamkeit, wenn die Verkäufe ausbleiben? Also sollte man sich nicht auf Dinge versteifen, die momentan vielleicht zweitrangig sind!

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Alle Fotos: Susanne Lencinas für Karlswrong


Which method is right for you?Geposted von Hendrik Breuer: Hendrik ist Redakteur des deutschen Shopify-Blogs. Möchten Sie einen Gastbeitrag veröffentlichen? Dann lesen Sie bitte zuerst diesen Leitfaden.

Die Autorin dieses Artikels ist Alice Viete.

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