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Zu gut für die Tonne: Wie SIRPLUS Lebensmittelrettung durch erfolgreiches Crowdfunding salonfähig macht

Für die achte Folge unseres Shopify Podcasts haben wir uns mit dem SIRPLUS-Gründer Raphael Fellmer getroffen. Das Berliner Startup rettet Lebensmittel und führt sie zurück in den Kreislauf. Mit einer klaren Mission wollen Raphael und sein Team das Lebensmittelretten salonfähig machen und die Wertschätzung für unsere Nahrung endlich wieder steigern.

Wie das Startup innerhalb von nur drei Jahren durch erfolgreiches Crowdfunding zum größten Player der Branche geworden ist und wie sie sich klar von dem negativen Ruf der Lebensmittelrettung distanzieren konnten, erfahrt ihr im Podcast oder direkt hier im Beitrag.

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    Show Notes

    Wenn das Lebensmittelretten zum Mainstream wird

    Raphael Fellmer: Mein Name ist Raphael Fellmer und ich bin ein passionierter Lebensmittelretter. 2009 habe ich angefangen Lebensmittel aus der Tonne zu retten. Ich habe dann fünf Jahre im Geldstreik gelebt und in der Zeit foodsharing.de, eine freiwillige Bewegung, die die Lebensmittel, die die Tafel nicht abholt, gestartet, wo jetzt bereits 70000 Menschen dabei sind. Vor drei Jahren habe ich SIRPLUS gegründet, wo wir mittlerweile vier Rettermärkte und einen Onlineshop haben, um das Lebensmittelretten in die Mitte der Gesellschaft zu bringen.

    Manuel Fritsch: Was ist denn ein Rettershop? Was passiert in diesen Märkten genau?

    Raphael: Wir haben derzeit in Europa 50 Prozent Lebensmittelverschwendung. Das heißt, die Hälfte der Lebensmittel, die wir hier importieren und produzieren, werden nicht gegessen, sondern landen irgendwo in der Tonne. Da die Hälfte der Lebensmittelverschwendung in den Haushalten stattfindet, können wir da nicht wirklich viel machen, außer Bewusstsein und Achtsamkeit den Menschen näher zubringen. Das versuchen wir durch unsere Märkte und unseren Onlineshop auch zu machen, indem wir sagen "abgelaufene Lebensmittel vom Mindesthaltbarkeitsdatum sind noch lange nicht schlecht", um somit den Menschen auch Mut machen da selbst auf seine Sinne zu vertrauen und das nicht einfach wegzuschmeißen.

    Wie das Ganze funktioniert: Die Tafeln retten bereits sehr viel Lebensmittel in Deutschland. Wir haben immer gesagt, wir wollen die Tafeln ergänzen und wir sind dann für fancy Produkte, abgelaufene Produkte etc. da, die die Tafeln nicht weiterverteilen. Wir beziehen unsere Produkte von 70 Partnern, darunter Produzenten, Hersteller, Großhändler und teilweise auch Bauern. Diese werden dann die auf ihre Qualität überprüft, meistens ist da nur das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen, trotzdem darf man sie aber noch verkaufen. Wir laden diese geprüften Produkte dann in unseren Onlineshop oder geben sie in die Rettermärkte, was eigentlich ganz normale Supermärkte sind. Wir bieten die im Schnitt 40 Prozent günstiger an für unsere Kunden und Kundinnen. Wir haben so eben schon drei Millionen Kilogramm vor der Lebensmittelverschwendung bewahrt. Aber auch 15 Millionen Leute wirklich über die Medien erreicht. Und das liegt uns besonders am Herzen als Impact-Start-up, da wirklich ein Umdenken in der Gesellschaft voranzutreiben.

    Einer der Rettermärkte von SirPlus in BerlinEiner der Rettermärkte von SIRPLUS in Berlin

    Von Holland nach Mexico - ohne einen Cent

    Manuel:  Wie kam es dazu, dass du zu einem Gründer wurdest, der im Endeffekt dann Supermärkte auch als Franchise-Unternehmen mit dieser Vision  öffnet?

    Raphael: Tatsächlich habe ich 2009 zum ersten Mal ein Video gesehen, wo Menschen aus einer Mülltonne Lebensmittel gefischt haben, die noch essbar waren. Natürlich wusste ich, dass es Lebensmittelverschwendung gibt, aber ich dachte, sowas passiert bei uns zu Hause, wenn man mal unvorsichtig war und nicht aufgegessen oder wenn man was im Kühlschrank vergessen hatte. Aber es war mir nicht klar, dass das in so einem großen Ausmaß stattfindet. Weltweit haben wir derzeit eine Lebensmittelverschwendung von eintausendsechshundert Millionen Tonnen Lebensmitteln jedes Jahr. Das würde ausreichen, um weltweit alle Hungernden viermal zu ernähren.

    2009, habe ich dann auch begonnen in Supermärkten, Bäckereien und Marktständen zu suchen und zu finden, was diese für nicht mehr verkaufbar hielten. Und ich habe die Sachen dann selbst gegessen und verteilt. Und dann habe ich eine Reise gemacht, von Holland nach Mexiko -  ohne Geld, mit einem Segelboot über den Atlantik. Und auf dieser Reise haben wir ganz bewusst kein Geld benutzt, weil wir auch gucken wollten,ob diese Lebensmittelverschwendung ein globales Thema ist, oder es eher die reicheren Ländern betrifft. Und tatsächlich ist es in den wohlhabenden Ländern ein größeres Problem. Aber auch in ärmeren Ländern werden viele Lebensmittel entsorgt, auch dort, wo wirklich Hunger existiert. Ich bin dann von dieser Reise nach Berlin zurückgekehrt und habe da meinen Geldstreik begonnen. Damit wollte ich den Menschen ein Ausrufezeichen und ein Fragezeichen vorhalten und zeigen, wie pervers wir eigentlich gerade mit unserer Erde und unseren Ressourcen. Ich habe dann angefangen, die Lebensmittelretten-Bewegung zu starten, kurze Zeit später, haben wir uns fusioniert mit foodsharing.de - eine Plattform, auf der Leute, welche in den Urlaub fahren, ihren Essens-Korb online reinstellen und andere ihn dann abholen können.Wir sind mittlerweile 70000 Menschen in der DACH-Region, die freiwillig ehrenamtlich Lebensmittel abholen bei über 6000 Betrieben, und es funktioniert auch nach wie vor. Aber es ist ein leider Nischenthema denn nicht alle Leute haben die Möglichkeit um 13 Uhr bei einem Supermarkt auf der Matte zu stehen und dann noch überschüssigen Sachen zu sortieren. Und deswegen haben wir nach einer Möglichkeit gesucht, Lebensmittelretten salonfähig zu machen und somit haben wir vor drei Jahren SIRPLUS gegründet. Unser Ziel ist es, durch einen eigenen Onlineshop und den Supermärkten, Lebensmittelretten für alle noch einfacher und zugänglich zu machen und den gesellschaftlichen Diskurs weiter anzuregen, wie wir mit Lebensmitteln achtsam umgehen.

    Manuel:  Für diese Weiterentwicklung habt ihr sicherlich Kapital benötigt, wie kam der Wandel von der ursprünglichen geldfreien Bewegung?

    Raphael: Wir haben das abgekoppelt von dieser geldfreien Bewegung gestartet. Wir haben einfach gemerkt, dass das Thema so groß ist, dass wir das auch nur mit Geld lösen können. Ich glaube, in der heutigen Zeit können wir Geld ebenso einsetzen, dass es für einen positiven, nachhaltigen Wandel in unserer Wirtschaft sorgt. Und zwar nicht nur weg von Kohle, denn wir brauchen eigentlich ein Umlenken von Kapital hin zu nachhaltigen sozialen Start-ups, aber auch bestehende Firmen, die sich umstrukturieren. Das können nicht nur Start-ups erledigen, wir brauchen dazu natürlich auch große Unternehmen. Diese wollen wir natürlich mit SIRPLUS pushen und ihnen vielleicht näherbringen, dass es in der Gesellschaft zwar nicht hundert Prozent von Menschen gibt, die Interesse haben, überschüssige Lebensmittel zu essen oder etwas, was abgelaufen ist. Es gibt aber mindestens dreißig, vierzig Prozent und wahrscheinlich werden es später noch mehr.

    Am Anfang war es so, dass wir vor 3 Jahren dann eine Crowdfunding-Kampagne gestartet haben, die dann auch sehr oft angeschaut wurde. Die Leute waren begeistert, haben uns geschrieben "endlich macht es jemand- das hätte ich mir schon länger gewünscht". Da haben uns dann auch knapp 2000 Leute unterstützt für unseren ersten Rettermarkt, welchen wir im September 2017 eröffnet haben. Und das lief dann wirklich gigantisch, die Leute standen vor der Tür und haben sich gefreut. Seit diesem Tag sind täglich mehr Kunden zu uns gekommen, die froh sind, bei uns ganz einfach, auch so Teil der Lösung sein zu können.

    Das SIRPLUS-Team bei der Eröffnung eines neuen Rettermarktes

    Ohne Kapital keine Transformation?

    Manuel: Das heißt ihr habt auch gar nicht diesen Weg über Unterstützung durch Banken oder so etwas versucht, sondern euch direkt für Crowdfunding entschieden?

    Raphael: Ja, dieser Weg über die Banken. Da hätten wir vielleicht auch machen können und das kann ich eigentlich auch jedem empfehlen. Ich glaube, dass es gerade am Anfang sehr gut ist, da auch ein finanzielles Polster zu haben. Und manchmal läuft es auch nicht so, wie man es plant. Und da ist man durch einen Kredit, glaube ich, sicherer dargestellt, dass das Unternehmen ein paar Jahre existiert. Viele Start-ups gehen am Anfang, in den ersten Jahren bereits bankrott. Wir haben das nicht gemacht, weil wir einfach ziemlich überzeugt waren, dass wir ein stark crowd-basiertes Start-up sind, was einfach durch die Unterstützung der Kunden funktioniert. Wir hätten auch nie Lebensmittel retten können, hätten wir nicht die Kunden gehabt, die einfach gesagt haben "Ich kaufe euch die Sachen auch wieder ab, obwohl die abgelaufen sind".

    Wir sind dann auch relativ schnell in ein Accelerator-Programm gekommen. Das ist ein Unterstützungsprogramm Seitens der Europäischen Union, wobei sie jungen, nachhaltigen Start-ups unter die Arme greifen mit Räumlichkeiten, Workshops, Seminaren, Mentoren. Im Allgemeinen kann ich die Idee einer Crowdfunding-Kampagne eigentlich auch nur empfehlen. Das ist ein richtig guter Test um zu sehen, ob das, was man im Kopf hat überhaupt ankommt. Es ist so eine Art Gradmesser. Zudem hast du dann letztendlich schon Kunden, bevor dein Onlineshop aufmacht, die nur darauf warten, dass du endlich deine Pforten öffnest. Und das heißt, es macht irgendwie auch noch mehr Freude, von Tag eins zu wissen, das sind Leute, die freuen sich, was man da gerade realisiert.

    Wir haben auch später noch einmal eine weitere Kampagne gemacht. Und das heißt, die ganze Finanzierung war bei uns so, dass wir dann auch einfach Glück hatten, über einen Kontakt jemand zu finden. Erst letztes Jahr haben wir dann wirkliche Impact-Investoren gefunden, die das auch strategisch betreiben und schon sehr viel investiert haben. Ich sehe es mittlerweile aber tatsächlich so, dass wir das Geld wirklich nutzen müssen, anders schaffen wir die Transformation hier nicht. Man sollte Geld nicht als irgendwas Böses betrachten, sondern wirklich als eine Möglichkeit, um den Wandel voranzutreiben.

    Manuel: Gab es bürokratische Widerstände, als die Menschen gemerkt haben, dass ihr jetzt quasi Konkurrenz-Märkt eröffnet, oder gab es da eher weitergehend Unterstützung?

    Raphael: Jeder Supermarkt darf auch abgelaufene Lebensmittel verkaufen, man muss die halt speziell kennzeichnenden, sonst wäre das Verbrauchertäuschung. Ein Supermarkt, der abgelaufene Lebensmittel vom Mindesthaltbarkeitsdatum verkauft ist dann natürlich der in den Verkehr-Bringer,  dafür verantwortlich und muss dafür gerade stehen , dass die Lebensmittel noch genießbar sind. Das heißt, es birgt natürlich auch ein bisschen zusätzlichen Aufwand, weil man nicht nur irgendwo Ware bestellt und sie dann verschickt. Es müssen Rückstellproben und sie müssen eben kontrolliert werden und in regelmäßigen Abständen wieder kontrolliert werden, bevor sie überhaupt in einen Onlineshop oder in die Märkte kommen. Das heißt, es ist auf jeden Fall ein Mehraufwand, den sich nicht alle Leute anziehen wollen. Aber wir haben gesagt, wir machen das Thema für die Leute sexy, greifbar und nah, sodass sie sich positiv und stolz über ihren Kauf freuen. Das heißt, wir haben das positiv beladen und es nicht es nicht irgendwie einfach so aufgesetzt. Und das hat sehr gut funktioniert, wodurch wir auch schon mittlerweile 200 000 Kunden begeistern konnten, allein davon 20 000 online. Weil das Thema eben nicht mehr so "schmuddelig und abgelaufen, will ich nicht, kann ich mir normal leisten", sondern "Hey, wir haben Millionen Tonnen, wir haben ein Problem, und gemeinsam können wir das lösen", herangehen.

    Dem schlechten Mülltaucher-Image entgegen

    Manuel: Dieses Containern ist schon etwas, was viele falsch verstehen, denn es hat noch immer dieses "Man fischt etwas aus dem Mülleimer"- Image, was ihr jedoch komplett entfernt habt.

    Raphael: Genau das war uns total wichtig" So lange das ein Thema ist, wo sich die Leute dafür schämen oder solange es noch illegal ist, etwas aus der Tonne zu holen, kriegen wir das nicht in Griff. Und mittlerweile gibt es auch große Supermarktketten, die dieses Thema aufgegriffen haben und auch Informationskampagnen fahren und selbst ihre Produkte, die nur noch kurz vom MHD sind, attraktiver anbieten. Und das finden wir gigantisch und das ist auch der einzige Weg, um eine nachhaltige Lösung für 50 Prozent Lebensmittelverschwendung in Deutschland zu schaffen. Das geht nur durch einen wirklichen gemeinsamen Kraftakt. Und da braucht es auch jeden Verbraucher und jede Verbraucherin, aber natürlich auch die Industrie, den Handel und die Politik.

    Manuel: Was ist denn der nächste Schritt für SIRPLUS? Ihr habt auch wieder eine Investment-Kampagne laufen um ein Franchise-Unternehmen draus zu machen?

    Raphael: Wir hatten dann letzten Sommer eine zweite Crowdfunding-Kampagne gemacht, weil wir einfach so viele Anfragen aus ganz Deutschland hatten "Hey, kann ich so ein netter Markt selber eröffnen bzw. wann kommt ihr endlich in meine Stadt?". Und deswegen haben wir uns da dann für ein Franchise-Konzept entschlossen. Wir haben jetzt auch eine Mitarbeiterin eingestellt, welche das auch studiert hat und uns das gerade aufbaut, sodass wir dann gegen Ende des Jahres mit dem ersten Franchise-Pilot an den Start gehen können. Als Franchiser hat man natürlich auch selbst die Verantwortung und ist Kaufmann oder Kauffrau, was man natürlich auch spielen muss. Ich glaube, dass es auch eine unglaubliche Chance ist, hier zu lernen. Ich bin dankbar denn ich habe in den letzten drei Jahren unglaubliches gelernt und auch zusammen mit unserem starken Team viel geleistet. Wir sind da auf einem guten Weg, dass wir das Ganze dann auch wirklich skalieren können.

    In Deutschland, im Franchise-System läuft bei uns die Crowdinvesting-Kampagne. Weil wir über verschiedene Alternativen schon Geld bekommen haben, liegt Crowdinvesting da relativ nah. Man kann mit einer kleineren Summe ein Unternehmen unterstützen und bekommt Zinsen, über vier Jahre. Das heißt, man gibt eine Summe zwischen 100 und maximal 25 000 Euro in den Pott, und nach vier Jahren wird es dann alles zurückgezahlt. Natürlich mit dem Risiko wie bei jedem Start-up, dass das Ganze auch in die Hose gehen kann.

    Bei uns ist Franchise eben eine Sache, aber auch die weitere Expansion von unseren eigenen Rettermärkten. In Deutschland haben wir für Franchise das Geld über die Crowdfunding-Kampagne genommen und der Ausbau unserer Eigenmarke und dem Einzelhandel. 

    Leckere Produkte der Eigenmarke 

    Die Vision: 5 Millionen Tonnen Lebensmittel retten

    Manuel: Innerhalb von drei Jahren hat sich so wahnsinnig viel bei dir getan. Realisierst du das selbst überhaupt und was macht das alles mit dir? 

    Raphael:  Am Anfang war es natürlich krass. Zum Beispiel die erste Million Euro Umsatz, letztes Jahr haben wir dann sogar knapp zweieinhalb Millionen gemacht und mittlerweile sind wir auch 130 Menschen. Das war natürlich vor ein paar Jahren irgendwie undenkbar. Und auf der anderen Seite ist es aber irgendwie so ein großes Lernen, so eine große Erfahrung. Ich bin jeden Tag dankbar und einfach nur unglaublich stolz, zusammen mit so viel anderen passionierten Lebensmittelrettern und Retterinnen zusammenarbeiten zu können. Dabei stehen wir wirklich noch ganz am Anfang. Es sind noch Millionen Tonnen, die zu retten sind. Das ist unsere Vision der nächsten zehn Jahre - fünf Millionen Tonnen zu retten und das in 15 Ländern. Und da müssen wir noch richtig Gas geben, aber ich freue mich darauf.

    Manuel: Hattest du das schon von Anfang an gespürt, dass du so etwas wie ein Gründer-Gen in dir hast? 

    Raphael: Also ich bin tendenziell schon eher der Gründer-Typ, hab auch schon vor der Lebensmittelretten-Bewegung, viele Sachen gegründet und auf den Weg gebracht. Und ich glaube, was da vor allem wichtig ist, dass man auf sein Herz hört und irgendwie wirklich spürt. "Ok, die Welt hat so viele Möglichkeiten, aber wo ist mein Platz? Wo spüre ich, dass ich meine Energie und meine Zeit so einbringe in der Gesellschaft, dass das einen Mehrwert hat?" und nicht zu gucken wo es den größten Return of Investment gibt. Das war bei mir halt das Thema Lebensmittelretten, was ich auch lange ohne Geld gemacht habe und trotzdem auch schon immer Workaholic-Mäßig gearbeitet habe. Wir haben 30 Kilogramm freiwillig zusammen gerettet und drei Millionen mit dem Start-up.

    Das alles bedeutet natürlich auch Mut zu haben, weil letztendlich immer, wenn man irgendwas anfängt,kann das auch scheitern. Und ich glaube, davor haben viele Leute Angst. Denn hätte ich auf die Menschen gehört, die mir keinen Mut machen hätte ich weder foodsharing noch SIRPLUS gegründet. Hört wirklich mehr auf die Leute, die einem da zur Seite stehen. Und SIRPLUS ist auch nur dank hunderttausender Kunden möglich gewesen. Aber natürlich auch durch ganz viele Menschen, die uns von Anfang an nicht nur Mut, sondern auch Geld und Beratung zur Verfügung gestellt haben. Das heißt, wenn ihr da draußen irgendwie einen Traum habt, sprecht mit euren Bekannten, Freunden oder auch auf irgendwelchen Gründertreffen und teilt diese Vision. Und dann gibt's andere Leute, die die gleiche Vision haben, mit denen ihr gemeinsam die  Welt retten könnt.

    Jeder kann zum Retter werden - online und offline

    Manuel: Bei euch war der Onlineshop erst der zweite Weg. Ist der dieser dennoch ein wichtiges Standbein für euch?

    Raphael: Wir wollten das Thema auf jeden Fall so platzieren, dass die Medien da Bock drauf haben, drüber zu berichten. Deswegen haben wir mit den Rettermärkten angefangen. Mittlerweile haben wir online jedoch ein knappes Drittel vom Umsatz, und das steigt auch nach wie vor. Und das war uns auch super wichtig, dass dieses Thema Lebensmittelretten nicht wieder so ein „cooles“ Thema für Berlin ist, sondern dass da alle Menschen in ganz Deutschland mitmachen können. Wir haben auch kaum Werbegelder in die Hand genommen, sondern das Ganze organisch innerhalb der letzten 2 Jahre so aufgebaut und sind damit sehr gut gefahren. Jetzt schauen wir, wie wir das Ganze quasi auf die nächste Ebene heben können. Derzeit haben wir schon 1400 Abo-Kunden, was total cool ist, weil es dann verlässliche Menschen sind, die jeden Monat ein Paket bekommen. Wir haben da auch mittlerweile viel mehr Fokus darauf gelegt und Menschen eingestellt, die sich explizit um den Onlineshop kümmern.  

    Manuel: Seid ihr da direkt bei Shopify gelandet?

    Raphael: Tatsächlich habe ich davon von Milena von Original Unverpackt gehört. Sie hatte eben schon einen Shopify-Shop und hat Shopify eben auch sehr empfohlen. Ich kann es ebenso nur jedem empfehlen. Shopify ist eine tolle Lösungen. Vor allem, wenn du dir nicht eine eigene IT-Abteilung ans Bein binden möchtest und gerade für "einfach starten" ist Shopify eine super pragmatische Lösung, die auch noch ständig weiterentwickelt wird. Wir sind da sehr glücklich damit, und so wie es im Moment aussieht, werden wir auch die nächsten Jahre noch mit Shopify arbeiten, weil da einfach nichts stehenbleibt.

    Manuel: Aus komplettem Eigeninteresse. Wann eröffnet der erste Shop in Freiburg? Und wenn jetzt jemand zuhört und gerne einen Shop aufmachen würde, wie läuft es dann ab?

    Raphael: Der erste Franchise-Markt außerhalb von Berlin wird dann gegen Ende des Jahres eröffnen. 2021 werden wir das dann ausrollen. Auch in Freiburg gibt es mehrere - wo der erste sein wird, können wir noch nicht genau sagen. Es wird aber wahrscheinlich in der Nähe von Berlin sein, Hamburg, Dresden oder Leipzig. Mehr dazu kann man einfach auf unserer Webseite unter dem Reiter "Franchise" finden. Dort kann man sich eintragen, und dann melden wir uns da bei dir. Ansonsten kann ich nur einmal an der Stelle sagen, vertraut eurem Sinn. Wir alle sind Teil der Lebensmittelverschwendung und wir alle können einen Beitrag dazu leisten. Ihr müsst nicht nur alle bei uns online oder offline mitretten, sondern auch die Lebensmittel noch einmal ganzheitlicher wertschätzend betrachten. Und natürlich können wir es uns ökonomisch leisten, weil wir sind ein sehr reiches Land sind. Aber ethisch-ökologisch ist es einfach nicht mehr drin. Und genau deswegen freue ich mich, wenn wir da auch ein bisschen Impact schaffen können, bei allen Menschen da draußen.

    Manuel: Und eine Frage, die mich noch interessiert hat. Als du über die Auslandsreise gesprochen hast - Was ist denn der Grund, warum in den ärmeren Nationen auch Lebensmittel weggeschmissen werden, trotz des Hungers? 

    Raphael: Da gibt auch noch einmal andere Probleme als hier in den reicheren Ländern der Welt. Dort hängt vieles damit zusammen, dass da wenig Kapital dafür da ist eine richtig gute Lagerung oder guten Transport bereitzustellen. Das heißt, da verkommen einfach viele Lebensmittel, weil dann kleine Viecher reinkommen oder es irgendwo reinregnet. Transport und Logistikprobleme gibt es natürlich auch da. Und da muss man aber auch einfach dazu sagen, dass auch in den ärmeren Ländern wohlhabende Menschen leben und auch dort eine Gastronomie und Tourismus stattfindet. Überall da, wo wir reichen Europäer hinfliegen gibt es ein Hotel und da muss dann das Essen immer über ein Buffet verfügbar sein. Immer mehr als man braucht, somit wird da auch leider einfach viel verschwendet. Leider gibt es an solchen Orten eben niemanden, der sich darum kümmert dass das auch hygienisch so abwickelt wird, wie das für die Behörden in Ordnung ist und deshalb ist es dann oft einfach der einfachere, schnellere Weg es in die Mülltonne zu kloppen. 

    Manuel: Also werdet selbst zu Rettern, schaut öfter mal auf das auf die Speise selbst, auf das Lebensmittel und nicht nur zu sehr auf das MHD. Und wenn ihr selbst mit Gründen wollt oder euch dieser Bewegung anschließen wollt, dann meldet euch bei Raphael und SIRPLUS. Vielen Dank für deine Zeit!


    Die im Podcast vorgestellten Marken vertrauen auf Shopify, weil der Einstieg in dieses Shopsystem denkbar einfach ist, es auf jede beliebige Größe skaliert werden kann und auch bei heftigstem Traffic nicht in die Knie geht.

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    Which method is right for you?Manuel Fritsch ist der Moderator des Shopify Podcasts. 2000 gründete Manu sein erstes Unternehmen und arbeitete 15 Jahre in der Agenturwelt. Seit 2015 ist er als freiberuflicher Spielejournalist für Fachmagazine, Zeitungen und seinen eigenen Podcast mit inzwischen über 2.500 Folgen tätig.

     

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