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Backe, backe Business: Wie Kuchentratsch das Erfolgsrezept für lieferbaren Omakuchen wegen Covid-19 neu schrieb

Die heutige Podcast-Folge wird ganz nach unserem Geschmack! Dieses Mal zu Gast: Katharina Mayer, die Münchnerin gründete 2014 im Alter von 24 Jahren  das soziale Start-up Kuchentratsch. In ihrem Onlineshop verkauft sie Kuchen, der von über 50 Senioren und Seniorinnen in ihrer Großküche mit Liebe und den besten Rezepten gebacken wird. Damit schafft sie gleich zwei Dinge: Sie bietet Menschen im Rentenalter eine Aufgabe und einen Ort, um neue Kontakte zu knüpfen, und beschert ihren Kunden richtig gute Kuchen wie von Oma.

Das Besondere: Die Kuchen werden bundesweit per Post verschickt. Zumindest, bis die Corona-Pandemie kam. Da ihre fleißigen Bäcker und Bäckerinnen zur Hochrisikogruppe gehören, musste die Backstube schließen. Einen Weg aus der Krise hat Katharina dennoch gefunden. Wie sie ihr Konzept umkrempelte und mit der Situation umgeht, erzählt die Unternehmerin im Podcast! 

Die komplette Transkription dieser Folge findest du hier.

     
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    Show Notes

    Den besten Kuchen gibt's nur von Oma!

    Katharina Mayer: Hallo, ich bin Katharina und habe vor knapp fünf Jahren Kuchentratsch gegründet. Kuchentratsch ist eine Backstube, in der über 50 Omas und Opas gemeinsam Kuchen backen. Bei uns in der Backstube können sich die Omas austauschen, neue Kontakte knüpfen, haben eine Aufgabe und können sich was zur Rente dazuverdienen. Unsere Kuchen können online bestellt werden und wir verschicken die deutschlandweit mit der Post.

    Katharina gibt Senioren und Seniorinnen eine Aufgabe und sorgt für guten Kuchen im ganzen Land

    Manuel Fritsch: Ihr seid keine soziale Einrichtung, sondern wirklich ein Wirtschaftsunternehmen?

    Katharina: Genau damals im Studium habe ich mich sehr stark mit dem Thema Entwicklungszusammenarbeit auseinandergesetzt und hatte den Wunsch, ein Modell aufzubauen, bei dem Wirtschaftlichkeit und sozialer Impact Hand in Hand gehen.

    Manuel: Bist du direkt auf die Idee mit dem Kuchen gekommen, oder gab es verschiedene Konzepte?

    Katharina: Tatsächlich hat die Idee mit den Kuchen und den Omas so am schnellsten gematcht. Ich habe selbst bei meiner Oma gesehen, dass es gar nicht so leicht ist, im Alter neue Kontakte zu knüpfen. Da ich als Kind bei meiner Oma sehr viel guten Kuchen bekommen hab, kam das eine so zum anderen. Es ist häufig so, dass es den guten Kuchen gar nicht so oft gibt, vielleicht immer in dem einen Café. Auf der anderen Seite gibt es Menschen, die jahrzehntelang guten Kuchen backen und das sind genau die Menschen, die vielleicht gar nicht mehr so sozial aktiv sind und gerne noch eine Aufgabe hätten.

    Manuel: War es schwierig, dieses Konzept in die Realität umzusetzen oder ging das direkt so los?

    Katharina: Bei der Gründung oder bei der Idee von Kuchentratsch war ich gerade noch im Studium und habe meine Bachelorarbeit geschrieben und mich sehr schnell danach entschieden, einfach mal auszuprobieren und gar nicht so lange weiter darüber nachzudenken. Ich habe mich mit meiner Oma und einer Freundin von meiner Oma in einer stillgelegten Kantine eingemietet und wir haben einfach mal Kuchen gebacken und die versucht zu verkaufen. Am Anfang an Cafés in München. Und haben gemerkt, dass da ein Bedarf da ist, dass die Gastronomie teilweise auf der Suche nach Kuchen ist und dass die Omas Freude daran haben. Ich würde sagen, der schwierigere Schritt war dann die Entscheidung von "Hey, wir haben das jetzt mal ausprobiert, ein paar Mal gemacht" zu "Hey, wir machen das jetzt wirklich." Da würde ich sagen, dass auf jeden Fall super viele Herausforderungen in dieser Zeitspanne lagen.

    Manuel: Magst du ein bisschen erzählen, was waren die Schwierigkeiten?

    Katharina: Die Hauptherausforderungen am Anfang waren, dass wir eine eigene Location suchen mussten, eine eigene Immobilie, wo wir eine Backstube einbauen können, was in München jetzt nicht gerade das leichteste Unterfangen ist und wir eigentlich null Ahnung hatten, von allen Regularien. Keiner hat irgendwie Gastronomie gelernt, hat eine Konditorausbildung gemacht, hat gewusst, was es für Hygienestandards gibt. Da haben wir uns erst mal ziemlich viel einlesen müssen. So eine Backstube mit der Grundausstattung finanziell auszustatten war auch was, was gar nicht so auf die Schnelle stemmbar ist, wenn jeder gerade aus der Uni kommt. Das Dritte, was für mich persönlich auch einfach eine Herausforderung war, dass ich damals die Idee hatte und keiner hat mich so richtig ernst genommen. Alle waren so, "Hey du hast doch jetzt studiert. Macht doch mal was Gescheites! Das funktioniert doch nicht." und "Omas backen Kuchen, das ist ja total süß. Aber...". Das war für mich persönlich eine Herausforderung trotzdem an der Idee festzuhalten und es durchzuziehen, auch wenn es sehr viele Menschen gab, die da nicht richtig dran geglaubt haben.

    Ein richtig guter Onlineshop für "Die höhle der Löwen"

    Manuel: Wie hast du die Balance gefunden zwischen dem marktfähig bleiben und die Leute angemessen bezahlen wollen? War das die Schwierigkeit dabei?

    Katharina: Bei der Herausforderung mit Angebot und Nachfrage, war bei uns am Anfang klar - auch sehr logisch gedacht - wir wollen erst mal die Gastronomie beliefern. Die können uns nämlich mit regelmäßigen Bestellungen ausstatten, sodass wir planen können und mehrere Kuchen verkaufen. In der Gastronomie ist es tatsächlich sehr stark so, dass der Preis super im Vordergrund steht und die meisten Gastronomen TK-Kuchen nehmen oder Fertigkuchen kaufen, weil das vom Preisgefüge für ihren Betrieb funktioniert. Sehr wenige, dafür ausgewählte Cafés legen wirklich Wert auf richtig guten Kuchen. Da haben wir gemerkt, es gibt die, die darauf Wert legen. Das ist aber nicht die Masse. Und auch dort können wir den Kuchen eigentlich nicht zu einem Preis verkaufen, dass es sich für uns wirklich rentiert, dass wir mit dem Geld neue Maschinen kaufen können, Investitionen tätigen können. Bei einem Unternehmensaufbau, wo ein Unternehmen noch wachsen soll, ist das eher die schlechte Strategie, denn dann ist das nicht mehr gewährleistet. Was wir uns dann überlegt haben, ist, uns den Privatkundenbereich doch noch einmal anzuschauen. Wir haben dann relativ schnell angefangen, einen Onlineshop zu erstellen. Das war vor knapp vier Jahren vor allem im Bäckereibereichen ein totales Unikat, sodass wir gedacht haben, damit können wir uns ein USP erschaffen. Darüber können wir Kunden generieren, ohne dass wir einen lokalen Standort haben, wo Leute hinkommen, die Kuchen aussuchen und mitnehmen können. Denn das hat unsere Location, die wir gesucht haben, auch nicht ermöglicht.

    Manuel: Also Business direkt an den Consumer, da bietet sich natürlich ein Onlineshop perfekt an. Fordert aber auch eine ganz andere Markenkommunikation, oder?

    Katharina: Genau. So eine Marke, die sehr emotional ist, zu kommunizieren, rein digital, ist in meinen Augen schon eine Herausforderung. Haben wir mit dem Bildmaterial, das wir haben, aber ganz gut geschafft aufzubauen. Das ist auch heute noch bei uns essenziell, dass wir immer darauf achten, die Oma auch mit zu kommunizieren. So liegt zum Beispiel bei jeder Kuchenbestellung immer die Bildkarte der Oma bei. Das ist ein total schönes Gefühl, das Paket auszupacken, wo der Kuchen drin ist. Da sind dann auch Zitate von den Omas drauf. Das hilft uns, die Marke zu transportieren und natürlich auch weiter aufzubauen.

    Manuel: Aber es erleichtert doch auch, wenn man so eine Story hat, oder? Ihr habt eine ganz klare Story. Das macht es eigentlich doch leichter, oder?

    Katharina: Würde ich auch sagen. Wenn ich nochmal gründen sollte, müsste, könnte, würde bei mir auch als Hauptausschlagkriterium stehen, dass es eine Geschichte dafür braucht. Denn das hat uns auf jeden Fall geholfen, und ich weiß nicht, wenn wir keine Geschichte gehabt hätten und einfach "nur“ einen Kuchen von jemandem hätten backen lassen und den online angeboten , dass es weitaus schwieriger gewesen wäre, da ein Unternehmen aufzubauen.

    Mit dem Shopify-Store war das Team von Kuchentratsch bestens für den TV-Auftritt gewappnet

    Manuel: Seid ihr direkt dann bei Shopify gelandete, als ihr dann einen Onlineshop gemacht habt.

    Katharina: Nee, tatsächlich nicht, wir haben erst über WordPress selber gebastelt. Ich möchte wirklich das Wort "basteln" verwenden. Denn keiner von uns hat wirklich Erfahrung in der IT. Wir haben uns ausprobiert und sehr bald auch unsere Grenzen kennengelernt. Nichtsdestotrotz war für uns der Schritt, das mal selbst auszuprobieren und zusammen zu stückeln, ein super wichtiges Learning. Mit dem Schritt, dass wir 2018 bei „Die Höhle der Löwen“ waren, war vollkommen klar, dass wir jetzt ganz dringend unsere Seite professionalisieren und wirklich als Onlineshop aufbauen müssen. Da haben wir dann auch extern mit einer Agentur zusammengearbeitet, die uns geholfen hat, uns darauf vorzubereiten und alles fertig zu haben, damit das bei der Ausstrahlung funktioniert. Das war für uns ein großer Professionalisierungsschritt, der auch unseren Onlineshop weitergebracht hat.
    Einer der Hauptgründe, warum wir uns für Shopify entschieden haben, war, dass sichergestellt ist, dass die Seite bei erhöhtem Besucheraufkommen nicht zusammenbricht.

    Manuel: Wie lief das ab dann bei „Die Höhle der Löwen“. Wie war die Geschichte danach?

    Katharina: „Die Höhle der Löwen“ ist mit eines der bekanntesten Fernsehformate. Mit knapp drei Millionen Zuschauern war für uns natürlich ein totaler Schritt nach vorne, um die Marke nochmal mehr zu etablieren. Vor allem auch, weil wir uns davor Gedanken gemacht haben, wie wir weiter skalieren, über diesen München-Radius hinaus, und uns entschieden hatten, den Kuchen deutschlandweit zum Versand anzubieten. Wir mussten den Leuten erklären, dass wir den Kuchen auch mit der Post verschicken können. Was für uns super war - wir haben verhältnismäßig wenig Marketingkosten ausgeben müssen, um das Thema Kuchenversand auf die breite Bevölkerung zu spielen.

    Recruiting von Menschen im Rentenalter

    Manuel: Fachkräftemangel ist ja überall ein Thema. Aber ihr seid ja sehr speziell, was eure Fachkräfte betrifft. Magst du und da ein bisschen Einblick geben, wie ihr an neue Bäcker und Bäckerinnen kommt?

    Katharina: Vor „Die Höhle der Löwen“ hatten wir ungefähr 20 Omas und Opas, die für uns gearbeitet haben. Die arbeiten auf Minijob-Basis, das heißt, sie können sich eigenständig eintragen in die Schichten. Eine Schicht ist bei uns immer vier Stunden, und sie können selbst entscheiden, ob sie ein, zwei, dreimal die Woche kommen wollen oder auch mal vier Wochen im Urlaub sind oder auf die Enkelkinder aufpassen. Sie haben dadurch sehr viel Flexibilität und können steuern, wie viel Geld sie am Ende des Monats zu ihrer Rente dazuverdienen. Das ist ein Modell, das für uns super funktioniert und Flexibilität auf beiden Seiten ermöglicht. Mittlerweile sind bei uns über 50 Omas und Opas angestellt und die recruiten wir viel über Presse. Oft ist es so, dass die Kinder oder die Enkelkinder sagen "Hey Mama, Oma, ich habe das hier gelesen. Willst du da nicht mal hinschauen?". Denn älteren Menschen fällt es manchmal schwer, diesen ersten Schritt zu machen. Da sind die Kinder und Enkelkinder total hilfreich, um die Omas und Opas ein bisschen zu uns zu schieben. Ansonsten funktionieren auch so kleine Anzeigen in diesen kostenlosen Anzeigenblättern gut. Das ist was, das ältere Menschen auch gerne durchblättern und wir in dem Zuge gar nicht so viel nutzen. Weil wir so viele Omas und Opas haben, die bei uns mitarbeiten wollen, haben wir Warteliste und dann, wenn wir wieder mehr Umsatz machen, können wir wieder mehr Omas anstellen.

    Manuel: Gibt's dann irgendwelche Bedingungen, die die Omas und Opas erfüllen müssen?

    Katharina: Die Omas und Opas rufen normalerweise erst mal an, fragen ihre Fragen. Dann werden die eingeladen zum Führungstermin. Das heißt, sie kommen in die Backstube, meine Konditormeisterin macht die Führung für die Omas, beantwortet die ersten Fragen und wenn das dann ein Match ist, kommen die Omas und Opas mit einem Rezept zu einem Backtag dazu, backen einfach mit, können so alle Omas kennenlernen, die an dem Tag da sind, die Atmosphäre aufschnappen und bekommen mit, wie es bei uns abläuft. Neben dem Faktor, dass wir dann natürlich den Kuchen, den die Oma oder der Opa gebacken hat, auch probieren, gibt es zusätzlich Kriterien: Wie kommunikativ ist die Oma? Wie sauber arbeitet sie? Wie sie strukturiert arbeitet sie? Im Anschluss wird dann entschieden, ob wir die Oma bei uns anstellen oder nicht.

    Der Kuchentratsch-Bestseller: Karottenkuchen vom Oma Irmgard

    Manuel: Das heißt jeder oder jede bringt wirklich ihr eigenes Rezept mit und backt dann immer nur ihren eigenen Kuchen? Es gibt dann wahrscheinlich nicht jeden Kuchen immer zu jeder Zeit im Shop, oder?

    Katharina: Ja, das war bei uns ein Thema, womit wir uns am Anfang schon auseinandergesetzt haben, wie wir denn garantieren können, dass es die Kuchen bei uns jederzeit gibt. Wir haben uns dazu entschieden, dass grundsätzlich die Omas und Opas die Rezepte mitbringen und wir schauen, welche Kuchen gut ankommen. Dann gibt es Rezepte, die sich einfach etablieren. Zum Beispiel der Karottenkuchen von Oma Irmgard ist unser Bestseller. Wenn sich so ein Kuchen etabliert, dann machen die Omas und Opas untereinander eine Schulung und bringen sich bei, wie der Kuchen funktioniert. Somit kann eigentlich jeder den Kuchen backen. Am Anfang der Backschicht können sich die Omas aber auch aussuchen, was sie an dem Tag backen möchten. Das heißt, es gibt Omas, die haben Lust auf Karotte und dann gibt es Omas, die machen lieber Käse oder Schoko und können sich so ihren Backtag zusammenstellen.

    Manuel: Ich habe auf eurer Website ein Zitat gesehen, dass da richtige Freundschaften entstanden sind?

    Katharina: Es ist total schön zu sehen, was das über die Backstube hinaus bewirkt. Nicht nur, dass die Omas einen festen Tagesordnungspunkt in ihrer Woche haben und zu uns kommen, dann nett quatschen, backen und nach Hause gehen, sondern dass sich darüber hinaus eben auch Freundschaften entwickeln und die sich darüber hinaus sehen. Oder wenn jemand krank ist, dass die sich unterstützen, dass sie sich austauschen. Auf der anderen Seite habe ich auch schon oft mitbekommen, dass auch Familienangehörige deutlich interessierter sind, an dem, was die Oma zu erzählen hat, weil eben was passiert bei uns in der Backstube. Das finde ich total schön, dass wir auch innerhalb der Familie eine Wirkung und das zu positiven Beziehungen beifügt.

    Manuel: Ist das ein Problem aus rein wirtschaftlicher Sicht mit so vielen verschiedenen Menschen gleichzeitig zu arbeiten? Es gibt eine ziemliche Fluktuation bei euch, durch die hohe Anzahl der Menschen und die Begrenzung durch die Minijob-Geschichte.

    Katharina: Eine Zusammenarbeit mit über 50 Minijob-Angestellten plus die Vollzeitmitarbeiter erfordert tatsächlich ein ganz anderes Management und Leadership-Verständnis und hat total viele Vorteile, aber auch viele Herausforderungen. Die größte Herausforderung, die ich immer bei den Omas und Opas sehe, die alle auf Minijob-Basis angestellt sind, ist die Kommunikation. Wie kriegen wir neue Themen, die sich in der Firma etablieren, bei allen Omas und Opas unter? Wie können wir die Omas und Opas führen, wenn die nur einmal die Woche für vier Stunden da sind? Welche Themen sind für die relevant? Welche sind eher nicht relevant? Wie schaffen wir ein Teamgefüge von Omas und Opas, die immer montags kommen und Omas und Opas, die immer mittwochs kommen und sich eigentlich nie überschneiden, außer jemand springt mal für eine andere Person ein? Das ist auf jeden Fall so eine ganz andere Herausforderung und bietet aber auch viele Möglichkeiten.

    Zwischen 20 und 88 - bei Kuchentratsch treffen mehrere Generationen aufeinander

    Manuel: Siehst du da auch so etwas wie ein Generationskonflikt? Ihr habt ja sehr viele Generationen in dem Betrieb.

    Katharina: Bei Kuchentratsch ist meine jüngste Mitarbeiterin, das sind meistens Praktikanten, Praktikantinnen und Werkstudenten und Werkstudentinnen, die sind so 20, 21 und mein ältester Mitarbeiter ist 88 Jahre alt. Das ist ja nicht nur eine Generation inzwischen, sondern da sind richtig viele Generationen dazwischen. Es führt natürlich dazu, dass sich Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebensinhalten und auch Geschichten auseinandersetzen und jeder so seine eigenen Erwartungen mitbringt, was doch auch immer wieder zu mehr Kommunikation führt. Dadurch, dass da Welten aufeinandertreffen, die davor gar nicht so oft aufeinandergetroffen sind.

    Corona-Krise: Von heute auf morgen 0 Euro Umsatz

    Manuel: Die Sache mit der modernen Arbeitswelt. Viele junge Start-ups konnten sich relativ einfach auf die Corona-Krise umstellen, indem sie gesagt haben, wie arbeiten halt von zuhause. Da seid ihr jetzt besonders von betroffen. Erzähl mal, wie das angefangen hat bei euch, als ihr das festgestellt habt, dass da jetzt irgendwie ein großer Einschnitt kommt und wie ihr mit der Situation klarkommt.

    Katharina: Mit Corona ist eine ganz große Herausforderung auf uns zugekommen. Im Januar und Februar, als ich von dem Virus gehört habe, war ich noch so, "Ahja wie gut, wir produzieren alle in München. Wir haben keine Lieferketten bis nach China" und hab mich da erst mal in Sicherheit gewogen, bis dann eben das Thema kam, das ist ein Virus, das ist eine Hochrisikogruppe, die davon betroffen ist. Das sind meine Omas und Opas, die bei mir backen. Somit habe ich mich superschnell dazu entschieden, die Backstube zu schließen. Das Risiko, dass sich die Omas und Opas auf dem Weg in die Backstube oder in der Backstube anstecken, ist natürlich deutlich höher. Das war mit die schwierigste unternehmerische Entscheidung, die ich getroffen habe. Denn daraus, dass wir ein Produktionsbetrieb sind, hieß es natürlich, dass wir von heute auf morgen null Euro Umsatz machen und uns erstmal neu finden müssen, um zu schauen, wie wir so eine Zeit überstehen. Die Omas Opas können auf keinen Fall von daheim backen. Das ist gesetzlich schon nicht erlaubt und fördert auch nicht den Gedanken, den wir haben, die Leute zusammenzubringen. Dementsprechend sind die Omas und Opas jetzt seit sechs, sieben, acht Wochen daheim und werden immer ungeduldiger.

    Was ich nochmal gemerkt habe, bei diesem Thema Kurzarbeit oder wie der Staat darauf reagiert, ist, dass das mal wieder bei Rentnern und Rentnerinnen total runterfällt, denn Minijobber oder 450-Euro-Kräfte bekommen kein Kurzarbeitergeld. So haben die Omas auch einfach von heute auf morgen keinen Zuverdienst zur Rente und das ist natürlich auch für die gar nicht so einfach. Für uns im Büro haben wir sehr schnell umdenken müssen. Was ist denn jetzt ein Businessmodell oder was ist eine Möglichkeit, wie wir wieder an Umsatz kommen? Ich persönlich glaube, dass wir nicht so schnell die Omas wieder zurück in die Backstube holen können.

    Manuel: Was habt ihr denn für Lösungen gefunden, oder was ist denn eure Strategie momentan?

    Katharina: Wir haben uns letztes Jahr mit dem Thema auseinandergesetzt, was gibt es noch, was wir anbieten können als Produkt? Da ist bei uns das Thema mit den Backmischungen aufgekommen. Wir haben super viele Leute, die bei uns Kuchen kaufen, die auch unser Rezeptbücher kaufen und wir genau diese Mitte an Menschen, die vielleicht ganz gerne mal selber backen, keine Lust und auch keine Zeit haben, sich so intensiv mit Rezepten auseinandersetzen und den fertigen Kuchen aber auch nicht unbedingt kaufen wollen - dass da doch eine tolle Möglichkeit wäre, aus den Rezepten von den Omas und Opas eine Backmischungen zu machen. Wir hatten glücklicherweise letztes Jahr damit schon angefangen, das zu testen, die ersten Backmischungen abzufüllen, Feedback einzuholen und im Februar und März dann gesagt, „Ok, das könnte das sein, was uns rettet und die Omas zurück in die Backstube bringt, wenn wir das so schnell wie möglich auf den Markt und in den Supermarkt reinbringen“. Das ist gerade unser Fokusthema, an dem wir mit Vollgas arbeiten, damit wir den Umsatz irgendwie wieder ausgleichen können, der uns jetzt sehr, sehr verlorengegangen ist.

    Omas und Opas helfen - mit Backmischungen

    Fokusprodukt nachdem der Businessplan umgestellt werden musste: die neuen Backmischungen von Kuchentratsch

    Manuel: Wie werden denn diese Backmischungen hergestellt? Werden die auch bei euch in München abgefüllt und produziert?

    Katharina: Ja, die allerersten Backmischungen haben wir im letzten Jahr im Sommer tatsächlich bei uns in der Backstube von Omas abfüllen lassen und sind relativ schnell darauf gekommen, dass erstens keine Oma Lust hat, 100 Gramm Mehl, 100 Gramm Zucker, 100 Gramm irgendwas in eine Tüte zu schütten, plus das ganze Aufwirbeln vom Mehl für die Omas und Opas mit Lunge, Asthma etc. gar nicht gut ist, für deren Gesundheit. Wir haben uns sehr schnell entschieden, um auch überhaupt eine größere Menge produzieren zu können, einen externen Produzenten zu engagieren. Der sitzt in Mitteldeutschland und füllt gerade auch in dieser Woche die Backmischungen ab. Wir sind schon gespannt, denn nächste Woche sollen die ersten Backmischungen bei uns eintrudeln. Jeder hat auf dem Projekt jetzt viel gearbeitet. Das wird ein totales Highlight sein, diese fertige Verpackung mit der Backmischungen in der Hand zu halten.

    Manuel: Sehr schön. Da muss man halt immer was in der Hinterhand haben. Wie sieht es denn aus mit Franchise? Gibt's auch den Ansatz, dieses Konzept auszubauen, dass es in ganz Deutschland überall Kuchentratsch-Studios gibt?

    Katharina: Unser Fokus ist jetzt gerade, dass wir den Kuchen deutschlandweit mit der Post verschicken und somit vermeiden, noch mehr Logistik aufzubauen. Denn in München gibt's genügend Omas und Opas, die auch jetzt immer noch gern für uns arbeiten wollen. Wir haben somit entschieden, dass es sinnvoller ist, alles an einem Ort zu haben, anstatt an verschiedenen Standorten. Den Kuchen können wir mit der Post verschicken. Das heißt, er muss nicht unbedingt woanders gebacken werden, um in einer bestimmten Stadt angeboten zu werden.
    Manuel: Aber können alle Kuchen per Post verschickt werden? Habt ihr da spezielle Techniken entwickelt?

    Katharina: Wir haben, glaube ich, ein Jahr getüftelt, bis wir herausgefunden haben, dass das funktioniert. Da gibt es natürlich Sorten, die sich mehr eignen, mit der Post zu verschicken. Zum Beispiel der Karottenkuchen von Oma Irmgard, der Käsekuchen oder so. Streuselkuchen ist jetzt zum Beispiel nicht die beste Option, außer jemand mag die Streusel im ganzen Karton verteilt.
    Was wir festgestellt haben, ist, dass unsere Kuchen sehr häufig bestellt werden, wenn jemand Geburtstag hat, um ihnen Aufmerksamkeit zu schenken, ein Danke zu schicken. Da ist es super, dass der Kuchen verschickt werden kann. Wir arbeiten sehr stark im Firmenkundenbereich, wo wir die Kuchen individualisieren können. Das heißt, da kommt ein Logo auf den Kuchen, auf den Holzrahmen, in dem der Kuchen ist. Eine Grußkarte wird beigelegt. Firmenkunden verschicken das häufig an Kunden zu Marketing-, zu Akquise-Zwecke und wir damit auch eine Möglichkeit gefunden haben, Kundengeschenke nochmal neu zu denken und eine Alternative zum Kugelschreiber oder USB-Stick zu bieten.

    Manuel: Ich sehe auf eurer Seite auch Kurse, Workshops, Backbücher, Rezeptebücher. Das sind auch Sachen, die wahrscheinlich ausgebaut werden könnten?

    Katharina: Damit haben wir uns tatsächlich beschäftigt, weil verschiedene Verlage auf uns zugekommen sind und gesagt haben, "Hey wir würden gern dies und das mit euch machen." Da wir immer experimentierfreudig sind und auch viele Leute unser Konzept gut finden, die aber die Kuchen jetzt z.B. nicht kaufen würden, haben wir gedacht, mit so einem coolen Rezeptbuch oder mit einem Adventskalender können wir auch da noch mal Leute mit abholen und ihnen die Möglichkeit geben, daheim Kuchen zu backen. Und jetzt eben mit der Backmischungen ist es noch einfacher, leckere Kuchen daheim zu backen.

    Manuel: Die Corona-Krise wird uns wahrscheinlich noch ein bisschen beschäftigen. Was ist denn so deine längerfristige Einschätzung der Situation?

    Katharina: Wir werden dieses Jahr sehr deutlich unter der Umsatzplanung abschließen. Unser Hopp oder Top ist gerade die Backmischung. Wir müssen es schaffen die, so gut wie möglich, so schnell wie möglich in die Supermärkte zu bringen, auch nationale Listungen zu bekommen, damit wir den Umsatzverlust ausgleichen können und die Omas damit auch zurück in die Backstube holen können. Das glaube ich, ist auch gerade so mein Gefühl, dass mein Team einfach super stark daran arbeitet, dass wir das ermöglichen können, weil wir mit dem klassischen Geschäft, was wir sonst gemacht haben - an Gastro, an Firmenkunden, an Privatpersonen - einfach länger noch nicht zurück auf das Niveau gehen können, was wir letztes Jahr geleistet haben.

    Manuel: Fühlst du dich da von der Politik im Stich gelassen. Oder findest du, dass da gut gehandelt wird aktuell?

    Katharina: In meiner Wahrnehmung zu dem Thema Corona und den Handlungsmöglichkeiten der Politik hat die Politik in meinen Augen versucht, recht schnell Möglichkeiten zu finden, um Unternehmen und auch die Gesellschaft irgendwie am Leben zu erhalten. Ich glaube die größte Herausforderung für eine Regierung ist, in dieser breiten Palette, in der es Unternehmen, Ideen und auch Menschen, Arbeitnehmer, Arbeitgeber gibt, irgendwie für alle was zu finden, was passt. Mit unserer Sonderstellung von, wir beschäftigen Rentner, wir sind ein Social Start-up, das sehr viel Wert auf Impact legt, habe ich das Gefühl, dass wir durch viele Raster einfach durchfallen. Da habe ich nicht das Gefühl, dass für uns da so viel dabei ist und hoffe einfach, dass wir selbst mit unserer Backmischung es irgendwie in den Griff kriegen und das Jahr einfach überleben und dann nächstes Jahr hoffentlich wieder besser wird.

    Manuel: Wenn wir noch mal zurückblicken auf die Gründung: Gibt es sowas wie ein Gründergen? Muss man das im Blut haben, und dann kann man gar nicht anders?

    Katharina: Ich hätte nie gedacht, dass ich mal ein Unternehmen gründe. Also jetzt von meiner Sichtweise ist es nicht dieses „mit der Geburt weiß ich, dass ich Pilotin werden möchte und dann werde ich auch Pilotin“. Das war bei mir nicht der Fall. Für mich ist es eher aus dem Ganzen, was ich so in meiner Ausbildung beim Arbeiten, im Studium erlebt habe, dass ich danach gesagt habe, "Das ist irgendwas, was ich total sinnvoll und richtig finde, es anzugehen". Ich hatte auch nicht das Gefühl, dass ich in so ein klassisches Unternehmen reinpasse. Ich war schon immer jemand, der zu viele Ideen hatte, zu viel mitreden und zu viel mitgestalten wollte. Vielleicht ist das so ein unternehmerisches Gen, das jetzt in der klassischen Arbeitswelt gar nicht so befriedigt werden konnte. Der einfachste Weg dann letzten Endes war, es einfach mal selbst auszuprobieren. Natürlich habe ich an meine Idee geglaubt, als ich damit angefangen habe. Trotzdem gibt es auch immer wieder Zeiten, in denen ich mir gedacht habe, geht das überhaupt? Klappt es? Wenn dann auch von der Außenwelt gar nicht so viel gefühlte Unterstützung da ist, dann braucht es manchmal nochmal ein bisschen mehr Motivation und Durchhaltevermögen.

    Manuel: Vor dieser ganzen Corona-Krise gab es da schon Momente, wo du dachtest, das war echt schwierig?

    Katharina: Für mich ein ganz großes Learning ist auf jeden Fall, dass es doch länger dauert, ein Unternehmen aufzubauen wie gedacht. Egal, wie gut die Story ist, es dauert einfach Zeit, eine Marke aufzubauen, und das ist etwas, was ich damals unterschätzt habe. Die zweite Sache, die ich mitgenommen habe aus der Gründungszeit, ist, dass es eigentlich immer um die Menschen geht. So sehr ich auch irgendwie Excel Sheets mag und Businesspläne gestalte, im Vordergrund stehen immer die Menschen und vor allem auch die Menschen, mit denen ich jetzt auch zusammenarbeite. Dass ist sehr viel People Management braucht, um die ganzen Menschen erstens zu bekommen, zu halten und auch happy zu machen im Arbeitsleben.

    Arbeiten im Alter - ein Modell für die Zukunft

    Alter spielt keine Rolle: Die Backstube bringt für die Bäcker*innen eine Aufgabe und einen Ort für neue Kontakte

    Manuel: Denkst du denn, dass deine Art, dieses Geschäft zu führen, euer Grundkonzept auch übertragbar ist auf viele andere Businessmodelle?

    Katharina: Ich bin der festen Überzeugung, dass wir uns im Unternehmerischen noch mehr Gedanken darüber machen werden müssen, wie wir in Zukunft zusammenarbeiten. Keiner aus unserer Generation wird mit 60, 65 Jahren sagen, "Ach ja, jetzt chill ich noch eine Runde". Das ist eher so, sich vielleicht mal ein Jahr ein Sabbatical znachdem Renteneintritt zu nehmen. Wir sind alle so jung und fit im Kopf und wollen was machen und nicht einfach nur im Liegestuhl auf dem Balkon liegen. Dementsprechend glaube ich, dass es hoffentlich noch sehr viele Unternehmen gibt, die sich Gedanken machen, wie sie auch mit Menschen, die offiziell in die Rente eingetreten sind, noch weiterarbeiten. Denn da liegt so viel Potenzial, so viel Motivation und auch so viel Engagement.

    Und ich hoffe auch, dass wir damit einfach vielleicht das eine oder andere Unternehmen motivieren können, sich darüber Gedanken zu machen und zu überlegen, was sie vielleicht noch machen können und zu überlegen, wie man ältere Menschen noch mehr einbeziehen kann.

    Manuel: Was würdest du dir denn selbst sagen wollen, wenn du jetzt an deine Gründerzeit zurückdenkst?

    Katharina: Ein ganz großes Learning, das ich jetzt mit Corona noch einmal gemacht habe und was sich auf viele andere Lebensbereiche übertragen lässt, ist das Thema an den Dingen zu arbeiten, die ich auch beeinflussen kann. Jetzt gerade bei Corona gibt es so viel Parameter, auf die ich keinen Einfluss habe und es mir bewusst zu machen und wirklich nur auf die zu schauen, ich auch beeinflussen kann.

    Wir haben eine mega coole Jahresplanung gemacht, super viele Projekte schon angeschoben. Es geht nicht mehr so und wir müssen diesen coolen Plan, egal wie gut er ist, einfach komplett umschmeißen und nochmal neu denken. Das ist etwas, was wichtig ist in solchen Zeiten, sehr schnell zu erkennen und auch umzusetzen und nicht zu lange am Alten festzuhalten.

    Manuel: Dann gibts ab nächster Woche die Backmischungen, die man wahrscheinlich jetzt auch schon vorbestellen kann, oder?

    Katharina: Ja genau, unsere Backmischungen sind jetzt schon vorbestellbar. Das ist unser Case, der uns helfen soll, die Omas zurück in die Backstube zu bringen. Und wer Lust hat, kann auch gerne in jeden Supermarkt laufen und fragen, ob es denn schon die Backmischungen von Kuchentratsch gelistet gibt, denn das hilft uns vielleicht bei der Akquise.

    Manuel: Wunderbar. Wenn man sich bei euch bewerben will, ist natürlich momentan ein bisschen schwierig, aber tendenziell natürlich schon, oder?

    Katharina: Ja gerne. Immer eine E-Mail an hallo@kuchentratsch.com schicken und dann macht Antonia oder Julia einen Termin aus. Wir suchen neben Backomas auch immer noch Lieferopas, Lieferomas und auch Einpackomas und -opas, die dann die fertigen Kuchen in die Kartons einpacken!


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    Which method is right for you?Manuel Fritsch ist der Moderator des Shopify Podcasts. 2000 gründete Manu sein erstes Unternehmen und arbeitete 15 Jahre in der Agenturwelt. Seit 2015 ist er als freiberuflicher Spielejournalist für Fachmagazine, Zeitungen und seinen eigenen Podcast mit inzwischen über 2.500 Folgen tätig.

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