Der Shopify Blog

Headless Commerce: Das Trendthema für Onlineshops genauer beleuchtet

Was ist Headless Commerce?

Im Shopify-Umfeld taucht in letzter Zeit immer öfter der Begriff “Headless Commerce” (auch “Headless eCommerce”) auf. Spätestens seit der vergangenen Shopify Unite in Toronto ist dieses Thema in der breiten Öffentlichkeit angekommen. Aber was steckt hinter dem Begriff und wie können Onlineshop-Betreiber von Headless Commerce profitieren? Das erklärt euch unser heutiger Gastautor Malte Dietrich in diesem Artikel.

Headless Commerce - Definition des technischen Hintergrunds

Ursprünglich handelt es sich bei “Headless” um einen Architekturbegriff aus der IT. Die Headless Architecture zeichnet sich dadurch aus, dass Datenhaltung und Geschäftslogik (Backend) und Außenauftritt (Frontend) technisch voneinander getrennt sind. Das Ergebnis sind viele kleine Insellösungen, die möglichst unabhängig voneinander funktionieren. Diese Insellösungen müssen natürlich trotzdem miteinander kommunizieren. Dies funktioniert über performante Schnittstellen (APIs), über die die einzelnen Komponenten verbunden werden.

Bisher sind bei vielen Software-Lösungen Frontend und Backend fest miteinander verbunden. Das bedeutet, dass im Backend beispielsweise Produktdaten gepflegt und diese im Frontend nach festen Vorgaben angezeigt werden. Dabei ist auf dem Server oft die selbe Software sowohl für das Speichern & Verarbeiten der Daten als auch für das Erzeugen des Frontends verantwortlich.

Das ist praktisch, wenn man den genauen Verwendungszweck einer Software kennt. Allerdings ist man in Sachen Funktionalität an die Vorgaben des technischen Ökosystems der Software-Hersteller gebunden.

Das kann in der komplexen E-Commerce-Welt aber schnell zu einem Problem werden. Zwar kann man mithilfe von Plugins oft Funktionsumfänge erweitern, jedoch können diese nur im Rahmen aller Feinheiten und Möglichkeiten der Software entwickelt werden. Innovative Technologien bleiben dabei oft auf der Strecke oder können nur relativ kostenintensiv nach langer Warte- und Entwicklungszeit umgesetzt werden.

Template Icon

Kostenloses Ebook: Die besten Apps für Onlineshops

In diesem Ebook stellen wir Apps und Integrationen vor, die für Online-Händler in Deutschland, Österreich und der Schweiz unerlässlich sind.

Hol dir das Ebook!

Im Bereich Content-Management ist man sich dieses Problems bereits vor einigen Jahren bewusst geworden. Es war zunehmend zum Problem geworden,  Inhalte wie Bilder und Texte so zur Verfügung zu stellen, dass sie auf allen Betrachtungsmedien (Desktop-Rechner, Smartphones, Tablets, Smart TVs, Smartwatches usw.) optimal angezeigt werden können. Um diesem Problem Herr zu werden, wurden Content-Management-Systeme entwickelt, die unabhängig vom Frontend funktionieren und passende Inhalte für jeden Kanal enthalten. Damit war Headless CMS geboren.

Wozu Headless Commerce?

Relativ schnell ist ersichtlich, dass die Herausforderungen, die zur Entwicklung von Headless CMS geführt haben, auch im E-Commerce existieren. Auch hier erfolgt der Verkauf über immer mehr Kanäle, die sich im Benutzererlebnis stark voneinander unterscheiden. Bereits heute sind beispielsweise die folgenden Kanäle extrem relevant oder zeigen sich als große Zukunftsperspektive:

Für ein so komplexes Umfeld gibt es natürlich noch keine fertige All-In-One-Lösung. Schließlich zeichnet sich eine Standardsoftware dadurch aus, dass sie für viele Szenarien gleich einsetzbar ist. Der Großteil der oben genannten Kanäle ist aber eben noch nicht standardisiert oder wird es aufgrund der individuellen Anforderungen auch niemals sein.

Headless E-Commerce ShopHinzu kommt, dass eine immer gezieltere Ansprache einzelner Kundengruppen erfolgen muss, um sich gegenüber der wachsenden Konkurrenz durchzusetzen. Somit werden einzelne Frontends nicht nur für die unterschiedlichen Kanäle, sondern sogar für einzelne Kundengruppen entwickelt.

Ein gutes Beispiel für die gezielte Kundenansprache ist Catch by eBay, das mit starkem Fokus auf mobile Endgeräte entwickelt wurde. Hier werden ausgewählte Angebote von eBay.de dargestellt, die besonders attraktiv für eine junge Zielgruppe sind. eBay versucht so seine Zielgruppe besser zu erreichen, ohne den Erfolg bei der älteren Zielgruppe zu schmälern.

Das Ziel dieser Individualisierung ist natürlich ein möglichst begeisterndes Kundenerlebnis zu schaffen, das sowohl auf das Verkaufsumfeld (z.B. mobile Commerce, Ladengeschäft o.Ä.) als auch auf den Kunden ausgerichtet ist. Durch diese Fokussierung hebt man sich schlussendlich von der Konkurrenz ab und erzielt in der Regel auch nebenbei noch höhere Conversion Rates.

Vorteile und Aufwand

Der große Vorteil von Headless Commerce ist die Flexibilität, die man als Anbieter erhält. Gerade heute verändert sich die Welt in rasanter Geschwindigkeit. Nur die Firmen, die sich am schnellsten und besten auf die immer neuen Gegebenheiten einstellen können, werden langfristig Erfolg haben.

Mit Headless Commerce kann man in Form von Microservices schnell neue Vertriebskanäle aufsetzen und testen. In Kombination mit leanen und agilen Prinzipien schafft man in hohem Tempo hochmoderne Absatzkanäle. Bei Erfolg kann man diese Kanäle optimieren und perfekt auf die jeweilige Zielkundschaft zuschneiden. Im Ergebnis steigert man die Conversion Rates und damit den Firmenerfolg.

Zusammengefasst ergibt sich durch Headless Commerce ein klarer Wettbewerbsvorteil, da man schneller und effizienter sein kann als die Konkurrenz und bei neuen Entwicklungen immer als einer der Ersten von deren Vorteilen profitiert.

Lesetipp: Du willst wissen, was die Konkurrenz treibt und wie du daraus lernen kannst? In diesem Beitrag erfährst du mehr dazu.

Der Nachteil von Headless Commerce ist direkt mit den Vorteilen verbunden. Um einzigartige und individuelle Kundenerlebnisse zu schaffen, muss natürlich viel Zeit und Energie in die einzelnen Kanäle gesteckt werden. Das erfordert viel technische Kompetenz und kostet natürlich auch Geld. Jedoch lässt sich eine eigenständige Headless-Commerce-Lösung auch oft erheblich günstiger umsetzen als einem komplexen System neue Funktionen hinzuzufügen.

Natürlich muss man nicht jede einzelne Funktion einer Headless-Commerce-Lösung komplett individuell entwickeln. Bei vielen Features ist es bereits heute möglich, sie zu standardisieren, sodass sie nicht in jedem Projekt neu erstellt werden müssen.

Wenn beispielsweise ein Kauf ermöglicht werden soll, dann steht am Ende in der Regel ein immer sehr ähnlich ablaufender Checkout-Prozess, der mit dem Abfragen der Kundenadresse und Zahlung einhergeht. Solche standardisierten Funktionen können gut durch fertige Headless-Commerce-Tools bereitgestellt werden, was den individuellen Erstellungsaufwand reduziert.

Shopify als Headless-Commerce-Tool

Shopify hat sich bereits heute als starkes Headless-Commerce-Tool aufgestellt. Mit den performanten GraphQL APIs (insbesondere die Storefront API) sind sämtliche Optionen für Custom Frontends oder Integrationen in andere Softwarelösungen gegeben.

Das Kern-Feature, dass Shopify für Headless-Commerce-Lösungen bereitstellt, ist die Bestell- & Zahlungsabwicklung sowie Kunden- & Produktmanagement. Eigens entwickelte Verkaufskanäle können durch diese Integration ganz einfach Transaktionen inklusive Checkout und Bezahlung abwickeln. Der simpelste Weg dafür sind die bereits durch Shopify bereitgestellten Buy Buttons, die kinderleicht in andere Frontends integriert werden können.

Auch die Produktverwaltung ist ein sinnvolles Feature, das Shopify in Headless-Commerce-Projekte einbringen kann. Dank Custom Products muss man allerdings nicht zwingend auf die Shopify-Produkte zurückgreifen, was wiederum genau die Freiheit in der Umsetzung bietet, die für Headless-Projekte notwendig ist.

Lesetipp: Shopify bietet Unternehmern und Unternehmerinnen viele Vorteile. Welche das genau sind, findest du hier.

Headless Commerce Beispiele

Zum Schluss noch ein paar Headless-Commerce-Stores, die mit Shopify umgesetzt wurden:

Rachio verkauft smarte WLAN-Bewässerungssysteme. Die Website ist dank einem Headless Frontend rasend schnell. Im Hintergrund laden die Produkte aus einem Shopify-Store. Auch die Kaufabwicklung erfolgt auf diese Art und Weise.

Clare ist ein Headless Webshop für Farbe. Besonders beachtenswert ist die Funktion Clare Color Genius, die den Kunden dabei hilft, die passende Farbe für das jeweilige Projekt zu finden. Im Hintergrund werden Shopify für den Shop und Contentful als CMS eingesetzt.

PGM Art World ist ein Kunstverlag, der hochwertige Kunstdrucke anbietet. Für seine Vertriebspartner bietet PGM einen Headless-B2B-Katalog an, der von den Partnern als Whitelabel-Lösung verwendet werden kann. Die Produktdaten im Katalog kommen aus dem Shopify-Store von PGM.

Aufbau des B2B-Katalogs von PGM

Viele weitere Headless-E-Commerce-Beispiele und Inspiration findet ihr unter http://headless.page/.

Habt ihr bereits Erfahrungen mit Headless Commerce gesammelt? Wir freuen uns auf eure Kommentare!


Starten deinen eigenen Onlineshop mit Shopify!

14 Tage lang kostenlos testen—keine Kreditkarte erforderlich.


Which method is right for you?Über den Autor: Malte Dietrich ist Mitinhaber der Headless Commerce Agentur Especial.digital, Shopify Partner und seit einigen Jahren in der E-Commerce Branche aktiv.