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Fynn Kliemann: Wie der Seriengründer seine vielen Ideen in die Tat umsetzt

Der Name „Fynn Kliemann“ wird in Deutschland durchschnittlich 90.500-mal pro Monat gesucht – häufiger als Matthias Schweighöfer oder Caro Daur. Fynn Kliemann ist ein Internetphänomen und Alleskönner. Bei ihm fragt man sich tatsächlich: „Was macht der eigentlich nicht?“

Er ist Agentur-Inhaber, Musiker, YouTuber, Kliemannsland-Besitzer, Onlinehändler und Startup-Gründer. Fynns selbst produziertes Album ist auf Platz 1 gegangen. Er war zu Beginn der Corona-Pandemie der größte Produzent von Stoffmasken und hat mit seinem Kinofilm einen der erfolgreichsten deutschen Dokumentarfilme der letzten 50 Jahre abgeliefert.

Wie Fynn das alles unter einen Hut bekommt, woher er die Motivation nimmt, immer neue Unternehmen zu gründen, wie er seine vollgepackten Tage managt, was er zum Runterkommen macht und wie er bis heute weiterhin parallel seine Webdesign-Agentur betreibt, erzählt Fynn uns im Gespräch.

Was ich genau mache, habe ich mittlerweile auch nicht mehr so richtig im Blick

Die komplette Transkription dieser Folge findest du in Kürze hier.

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Show Notes

Der Mann, der alles macht

Fynn Kliemann: Ich bin Fynn Kliemann, was ich genau mache, habe ich mittlerweile auch nicht mehr so richtig im Blick. Angefangen habe ich eigentlich als Webdesigner und Entwickler und habe mich dann in dem Feld sehr viel rumgetrieben, in den letzten Jahren extrem viel gegründet und mich und die Welt um mich herum ausprobiert.

Manuel Fritsch: Über deine Herkunft als Webdesigner kennen dich wahrscheinlich weniger als über deine anderen Bereiche, oder?

Fynn: Kann sein, tatsächlich finde ich das aber auch ganz schön. Dass mich jemand nur über die Musik kennt, ist eigentlich die schönste Art und Weise, mich kennen zu lernen. Dann ist das so unvorbelastet von irgendwelchem Schrott oder witzigen Sachen oder irgendwelchen Schweiß-Tutorials aus dem Internet. Aber klar, es gibt viele Berührungspunkte. Ich habe schon immer viele Sachen im Internet gemacht, das ist eigentlich meine Herkunft. Ich habe seit über zehn Jahren die Agentur herrlich media. Die existiert auch nur, um Geld zu verdienen, um dann wieder eigene Sachen zu gründen. Wir haben früher schon voll viel Zeug gemacht, Gutschein-Stores und Geschenkideen und wir haben mal Steak verkauft und damals ziemlich früh angefangen mit WooCommerce so kleine Geschichten aufzusetzen und TeamUp mit irgendwelchen Menschen gemacht, die dann irgendein Produkt herstellen und verschicken können. Wir haben es immer nur gebaut und vermarktet. Dadurch habe ich extrem viel E-Commerce-Erfahrung gewonnen. Bis heute mache ich da eben viel. Immer, wenn ich Bock auf irgendwas habe, dann ziehe ich das eben hoch.

Manuel: Wie kriegst du das unter ein Dach? Wie machst du das zeitlich dann, alles unterzukriegen? Oder leidet deine Agenturarbeit auch darunter?

Fynn: Das kann man jetzt auch nicht ganz verneinen. Wenn du alles gleichzeitig machst, dann leidet immer alles ein bisschen. Ich habe ein bisschen mehr Energie, oder kann die besser kanalisieren als früher. Von daher kriege ich immer noch überall meine 100 % hin. Aber es waren halt mal 150 in jeder Baustelle. Jetzt kriege ich das so hin, dass ich die Woche sehr gut time. Wir haben jeden Morgen Meeting, die Agentur ist immer noch mein Hauptjob und ich bin jeden Morgen eine halbe Stunde mit allen Teammitgliedern im Morning Call. Wir sind jetzt 15 Leute. Es ist bis heute so, dass kein Angebot, kein Layout oder keine Finalisierung von irgendeinem Shop unser Haus verlässt, ohne dass ich das nicht abgesegnet habe. Ich bin da schon noch sehr involviert.  

Manuel: Aber ist nicht so, dass du jetzt jeden Tag zehn Stunden damit verbringst, sondern halt in knapperen Dosen sozusagen?

Wir haben in den letzten Jahren bestimmt zehn Start-ups gegründet

Fynn: Ja, genau. Ich bin Montag und Dienstag immer voll da, Mittwoch halb und Donnerstag, Freitag mache ich andere Sachen, da bin ich dann nur morgens dabei. Ich habe mittlerweile glücklicherweise eine Assistentin, die Antje, die mir in allem hilft, vor allem in der Terminierung und Strukturierung meines Tages. Denn das ist schon sehr viel Springen zwischen verschiedenen Sachen. Wir haben in den letzten Jahren bestimmt zehn Start-ups gegründet, wovon jetzt auch immer noch ein Großteil lebt und fluktuiert und wächst. Und um alle kümmere ich mich auch noch aktiv. Die Woche ist auf jeden Fall voll.

Von der Bratwurstbude ins Agenturleben

Manuel: Hattest du auch überlegt, dich mal anstellen zu lassen? So wie ich das jetzt mitgekriegt habe, hattest du nie eine Festanstellung in der Form?

Fynn: Nein, also na ja, so halb. Ich habe eine Ausbildung gemacht und in der Zeit war ich natürlich fest da. Dann habe ich die aber verkürzt und mich direkt danach selbstständig gemacht. Wir waren in England nach dem Abi und ich habe da in einer Bratwurstbude gearbeitet und dann wollten wir ein Franchise-Unternehmen aufmachen. Dann sind wir zurück nach Deutschland geflogen, um die Pläne auszuarbeiten. Das war das erste Mal, dass ich in meinem Leben Berührungspunkte zu einem Business hatte. Da hab ich gesehen, krass okay, da verdient man richtig Asche. Irgendwie für fünf, sechs Pfund haben die da eine Bratwurst verkauft. Da habe ich schon gerochen, alles klar, das mache ich ein, zwei Jahre und danach kann ich nur noch skaten. Das war damals immer mein großer Plan. Hat dann alles nicht so richtig hingehauen. Ich war in Deutschland und dann hat der Typ, mit dem ich das zusammen machen wollte, unseren ersten Stellplatz nicht gekriegt. Dann habe ich da auch, ich bin ein bisschen sprunghaft, relativ flott die Lust daran verloren und habe hier in Deutschland eine Skatehalle gegründet und da meinen alten Chef kennengelernt, der auch eine Agentur hatte. Der hat mir dann gesagt: „Ey! Mach doch eine Ausbildung“. Ich wollte eigentlich irgendwas studieren wie alle. Dann habe ich gesagt: „Ach komm, scheiß drauf. Bevor ich jetzt hier rumsitze, mache ich mal kurz die Ausbildung“. Dann fing es an. Als ich in England war, habe ich Facebook kennengelernt durch die ganzen Backpacker und so. Da war das neu. In Deutschland war das noch gar nicht angesagt.

Als ich zurück in Deutschland war und diese Ausbildung gemacht habe, war ich auf einmal Social-Media-Experte.

Manuel: Ja, das war man schnell in der Zeit.

Fynn: Da war ich dann ein halbes Jahr angestellt. Dann habe ich in der letzten Reihe meiner Ausbildung, Christian kennengelernt. Der hat mir alles übers Programmieren und überhaupt übers Internet beigebracht. Wir saßen zweieinhalb Jahre in der letzten Reihe in jeder Unterrichtsstunde und ich habe von morgens bis abends jeden Tag acht Stunden während der Schulzeit meine erste Webseite gebaut. Das war damals auf WordPress-Basis. Da habe ich alles gelernt, was ich dann direkt postwendend an Kunden verkauft habe. Das war die goldene Zeit, Suchmaschinenoptimierung war megabillig. AdWords stand in den Kinderschuhen, du konntest für 8 Cent ein Lead kaufen und jemanden zurück auf Firefox leiten, wo du ein Euro für bekommen hast. Also das war wirklich so eine irre Zeit. Das war Geld drucken. Da bin ich so reingeboren ins Internet-Business.

Manuel: Und dann zack, auf einmal hattest du eine Agentur oder wie muss man sich das vorstellen?

Fynn: Ja, genau. Ich bin immer nach Bremen gefahren während der Ausbildungszeit und da habe ich auf der Fahrt hin immer mit meinem jetzigen Partner Florian Sachen aufgeschrieben, von denen wir dachten, dass sie die Welt ein bisschen besser machen. Dann haben wir gesagt: Komm, wir nehmen die Liste jetzt einfach mit, hauen die in den Sack und machen uns selbstständig. Damals hatte ich eine Webseite, „10 most important“ hieß die. Da konntest du die 10 besten Online-Browsergames ansehen. Da habe ich dann überall Affiliate draufgeknallt und da hätte ich theoretisch von leben können. Dann ist mir auf einmal bewusst geworden: Wenn man sich da jetzt mal wirklich mit beschäftigt, dann geht da auf jeden Fall was! Und dann fand ich die ganzen SEOs cool. Ich war bei so SEO-Stammtischen, zu denen mich Christian öfter mal mitgenommen hat. Das war eine wilde Zeit, von Leuten wie mir, Freaks, die zu Hause saßen und eine gute Idee hatten.

Der einzige Unterschied zwischen einem kreativen Spinner aus meinem Freundeskreis und mir war, dass ich PHP, HTML und CSS konnte.

Und damit hattest du auf einmal alle Waffen in der Hand. Das war wie Harry Potter mit einem guten Zauberstab, konntest du einfach dir deine Welt erschaffen. Da ging’s halt los, dann haben wir Stück für Stück Sachen gebaut. Das war superspannend.

Herrlich media: Die jungen Wilden

Manuel: Gerade so im Kundenbereich, war das damals doch noch sehr konservativ. So mittelständische Unternehmen ins Internet zu hieven, war dann auch richtig Überzeugungsarbeit.

Fynn: Ja. Florian, der hat immer nur Jogginghosen getragen und ich sah sowieso aus wie ein komplett verlotterter Hippie. Das waren wir beide, Florian und Fynn, das ist herrlich media. Ab Tag eins haben wir nie Akquise gemacht, sondern die Leute sind immer zu uns gekommen, weil es damals eben niemanden gab, der dir eine vernünftige Facebook App bauen konnte. Dann gab‘s noch zwei, drei andere große Agenturen, die waren aber auch irgendwie viel zu langsam und auch gar nicht riesig im Game und natürlich viel zu teuer. Das heißt, wenn du wirklich in diesem Bereich vorstoßen wolltest, dann brauchtest du junge Wilde. Die haben uns angerufen und die haben uns dann so akzeptiert, obwohl wir 18 Jahre alt waren und dann irgendwann auch angefangen haben, größere Budgets aufzurufen.  Die konnten gar nicht anders, die brauchten jemanden wie uns. Dazu gehörte aber auch, dass wir 20 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche gearbeitet, gelesen und ausprobiert, neue Technologien ausgecheckt und für uns selbst total viel Scheiß gebastelt haben. Das ist der Preis, den du dafür bezahlst. Das hat mich dann irgendwann auch ein bisschen fertiggemacht, weil es extrem monothematisch war. Über drei, vier Jahre habe ich wirklich nichts anderes gemacht.

Ich habe meine Familie nicht mehr gesehen, meine Kumpels nicht, ich habe nichts unternommen.

Und dann habe ich mit ganz vielen anderen Sachen angefangen.

Manuel: Aber du hast dir ja auch oft Sachen selbst beigebracht, oder?

Fynn: Ja, auf jeden Fall. Also da bin ich echt Autodidakt. Wo kannst du die Technologien des Internets am besten lernen als im Internet? Ich bin ein Riesen-Open-Source-Fan, ich finde dieses Sharing is Caring auch einfach geil. Wir haben so viel Zeug gebaut, was wir danach wieder releast haben oder WordPress Plugins entwickelt, die wir dann verschenkt haben und so. Darum geht’s ja, sich gegenseitig zu helfen.

Ich habe alles, was ich kann und weiß, aus dem Internet.

Der YouTube-Erfolg als Heimwerkerking

Manuel: Jetzt bist du auch durch die YouTube Kanäle bekannt geworden. Hattest du konkret wieder eine Art Geschäftsidee, so einen YouTube Kanal zu machen?

Fynn: Nein, gar nicht. Man muss bei meinem Leben trennen, Business und Pleasure. Also sich selbst Dinge beibringen, vorankommen, Sachen lernen und so, das ist alles Pleasure. Dann gibt’s so einen total kleinen Fokuspunkt und das ist nur die Agentur, wo man so konkret auch Geld für sich und sein Team verdienen muss. Ich habe nie eine Idee, wo ich einen ganz konkreten Businessplan dahinter sehe oder so. Das ist total selten. Meistens ist es irgendwas, was mich interessiert und ich Bock draufhabe. YouTube fand ich natürlich cool. Als User ist es die visuellste Wissensplattform der Welt. Das fand ich cool. Es gab für den Heimwerkerking, so habe ich das genannt, keinen konkreten Plan. Das erste Video, was ich mal gemacht habe, war so eine Halterung für eine Kamera. Ich hatte damals auf Facebook so ein paar Freunde, die alle schon relativ professionelle Fotografen waren. Die hatten eine Steadicam, die 10.000 Euro kostet. Ich habe eine für 3 Euro Warenwert gebaut.

Das Video habe ich eigentlich nur gemacht, um meinen Freunden zu zeigen, dass sie Idioten sind und dass ich klüger bin.

Ich brauchte das damals für so ein Musikvideo, was ich drehen wollte. Und für meine Verhältnisse ging das dann viral. Das hatte nach einem Tag 10.000 Views. Das war damals unvorstellbar. Da gab‘s keine YouTube-Kanäle, die Millionen Abonnenten in Deutschland hatten Dann habe ich gesagt, das mache ich weiter. Und dann habe ich alle zwei Wochen ein Heimwerker-Video hochgeladen. Das dritte war schon gleich voll der Erfolg, Millionen Views.

Heutzutage hat es sich der Anspruch an Qualität krass geändert und mein Anspruch an diese Videos hat sich erhöht. Am Anfang habe ich gebaut und währenddessen einfach nur eine GoPro aufgestellt, am Anfang auf Record gedrückt und am Schluss auf Stopp. Dann habe ich das auf den Computer gezogen und in Premiere abgeschnitten. Das war’s. Keine Blenden, kein Intro, kein richtiges Thumbnail, keinen Text. Als Thumbnail hab ich das erste Bild des Videos genommen und Feuer und eine Explosion dazugemacht.

Aus diesen 30 Minuten Arbeit ist alles geworden, wovon ich heute ein so ein bisschen lebe.

Die Thumbnails sind immer noch genau die Gleichen. Diese Explosionen sind zu dem größten Trend in Europa geworden. Das hat wirklich einfach jeder danach gemacht. Aus diesem Abspann dieses „oder so“, was ich da gesagt habe, ist eine Klamotten-Brand geworden, wofür ich jetzt auch den Shop habe. Ich habe einen Fulfiller, also einen Fulfillment-Dienstleister in Köln mitgegründet, da arbeiten 45 Leute. Wir verpacken und produzieren Klamotten fair in Europa für extrem viele. Das alles kommt aus diesem einen Satz. Wie willst du sowas planen? Das habe ich einfach gemacht und dann ist das daraus entstanden.

Der erste T-Shirt-Drop und 3000 € Miese

Manuel: Wie analysierst du dich da selbst? Was ist das in dir, das dir dann sofort sagt, ich gründe jetzt einfach hier auch ein Label und mache da meine eigenen Klamotten draus? Das muss man ja dann auch machen und die Zeit vor allem investieren.

Fynn: Ja, voll. Aber das sind immer so notwendige Übel. Am Anfang wollte ich Sticker machen. Ich hatte so „Bauabnahme von Fynn Kliemann“, das habe ich mir direkt am Anfang überlegt. Denn ich habe nie TÜV-Stempel für irgendwas bekommen. Alles, was ich so machen wollte, hat mir keiner abgenommen. Die haben immer alle gesagt, das geht so nicht. Dann habe ich gesagt, ich mache mir einfach einen scheiß eigenen Sticker, du kannst mich mal. Und das war der Grundstein für meinen Shop. Das hatte ich damals mit WooCommerce einfach gebaut. Da kannst du halt dann einen Sticker ordern. ur einen Sticker ist halt auch dumm. Da bin ich dann schon ein bisschen grüner. Dann schiffen die Leute hier den ganzen Kram durch die Gegend für einen Sticker? Dann lass uns lieber was nehmen, was die Leute auch wirklich brauchen können. Deswegen wollte ich ein T-Shirt machen. Und so hat das angefangen. Dann habe ich geguckt, wo man T-Shirts machen kann. Am Anfang habe ich die ersten dann so fertig gekauft, wie jeder. Da hast du so einen Rohling gekauft, die habe ich dann bei mir in der Garage bemalt per Hand mit meiner ganzen Familie. Das war richtig irre.

Immernoch heiße Ware - die Shirts von ODERSO

Ich habe eine eigene Versandstraße gebaut und dann mit einer Rolle alle T-Shirts individuell bemalt. Dann bin ich in den Keller von so einem Typen, der nur so 1,60m hoch war. Meine beiden Brüder und ich, die sind auch beide so groß, hatten massive Rückenprobleme, weil wir zwei Wochen gebückt in diesem Keller standen und diese T-Shirts fixiert haben. Dann ging’s halt los. Dann habe ich das über so ein Shopsystem gemacht, selbst gebaut. Ich hatte, ich weiß nicht, 400 oder 500 Shirts und die waren innerhalb von drei oder vier Minuten weg. Ich hatte die aber alle noch gar nicht gemacht, weil ich dachte: Naja, ich produziere die dann, wenn jemand was bestellt, so on-demand-mäßig. Aber die waren sofort ausverkauft. Dann mussten wir wirklich Wochen durchproduzieren. Dann habe ich die mit Hermes damals verschickt, und eine Woche später schreiben mir die ersten Kunden, wo denn ihr Paket bleibt. Und dann hat Hermes die komplett verloren.

Die ganze Bestellung war weg.

Ich habe damals unversichert verschickt, also hatte auch natürlich keine Shipping Labels und ich wusste gar nichts. Dann habe ich allen Leuten das Geld zurückerstatten müssen oder halt ein zweites Shirt kaufen.

Bei meinem ersten Drop habe ich also mit zehn Leuten einen Monat gearbeitet und am Schluss so 3.000 Euro draufgezahlt.

Ich hatte das Gefühl, die Nachfrage ist da und ich muss den ganzen Scheiß ein bisschen professionalisieren, damit das nie wieder passiert. Dann habe ich angefangen, intensiver ein sauberes Shopsystem, DHL und eben TeamUp damals mit Global Tactics zu nutzen und habe gesagt: Ihr müsst das verschicken, machen wir einen Fulfillment-Dienstleister. Dann haben wir den zusammen gegründet.

Als in China die Masken knapp wurden

Manuel: Der Shop ist ja auch noch aktiv. Shopify ist ja auch auf dich aufmerksam geworden, als diese Maskenaktion war. Magst du mal beschreiben, was da los war?

Fynn: Das war jetzt direkt Januar 2020. Also, als es so losging, dass in Wuhan Corona ausgebrochen ist. Da haben wir schon einen Bericht gelesen, dass in China die Masken knapp werden. Da saß ich mit Tom Illbruck, mein Partner bei Global Tactics, und wir haben gesprochen und waren so: Wie, die sind da knapp? Da kommen die doch her? Die werden da doch produziert.

Wenn die die produzieren und selbst keine mehr haben, was passiert, wenn das hier rüber schwappt?

Und dann haben wir gesagt: Lass mal so ein bisschen prophylaktisch gucken, ob wir so ein Ding produzieren können. Dann haben wir da recherchiert und da war der Markt noch frei. Es gab niemanden, der sich darum gekümmert hat. Also voll krass. Also, dass wir vor der Bundesregierung ein Auge auf die Materialien hatten, das ist krass. Dann haben wir angefangen, diese Maske zu entwickeln und einen Testpiloten gebaut. Dann ging das alles total schnell. Dann war das so ein, zwei Wochen, dann gab es die ersten Fälle in Europa. Dann wurde es immer mehr. In der Zwischenzeit haben wir alle Stoffe gekauft, die wir in die Finger kriegen konnten, und haben in Serbien und Portugal unsere komplette Produktion von Klamotten eingestellt und auf Maskenproduktion umgestellt.

In Hochzeiten haben wir über eine Million Masken pro Woche produziert.

Manuel: Ihr wart, mal kurz der größte Maskenproduzent Europas.

Fynn: Ja, kompletter Irrsinn. Du musst bloß schnell sein. Mit Umstellungen und über den Haufen werfen von Dingen, das können nicht so viele. Wir waren halt bereit dafür. Es ging gar nicht darum, damit Geld zu verdienen. Wir haben Masken nach Moria und in weitere Flüchtlingscamps und auch nach Afrika geschickt überall da, wo Leute die brauchten. In Deutschland gab’s selbst in Krankenhäusern, Pflegeheimen und Altersheimen totale Unterdeckung. Die haben wir alle bevorzugt beliefert. Dann irgendwann kam der B2C-Sektor dazu. Damit wir die schneller delivern können, haben wir das über About You gemacht. Dann waren wir der größte Lieferant für About You kurze Zeit. Dann war das Spielchen auch schnell wieder vorbei.

So war die Geschichte. Das war ja so ein „Über Nacht“-Ding und weil die Nachfrage so groß war, konnte ich das halt in dem WooCommerce-Shop nicht abdecken. So bin ich das erste Mal auf Shopify aufmerksam geworden.

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Warum Shopify für Fynn Kliemann so wichtig geworden ist

Fynn: Es musste einfach nur schnell gehen. Mittlerweile bin ich wirklich riesengroßer Shopify-Fan geworden. Ich ziehe extrem viele Kundenprojekte darauf um, aber eben auch alle unsere eigenen. Das ganze Kliemannsland ist auf Shopify umgebaut. Da läuft jetzt die jetzige Website drüber, also kliemannsland.de. Wir werden jetzt 60.000 User-Accounts migrieren aus dem Altsystem. Du kannst Bürger vom Kliemannsland werden, und da gibt’s dann quasi so Abo-Supporter. Wir verkaufen darüber Kurse und Tickets und demnächst wird da ein Buchungsportal auf Laravel-Basis im Hintergrund drangebaut. Das wird aber alles in Shopify mit den User-Accounts synchronisiert in einem externen System. Also wir bohren das jetzt auch auf, weil ich die API geil finde und ich mag das System, ich mag die Schnelligkeit und vor allem mag ich die Skalierungsmöglichkeiten. Also große Lobhudelei. Vor allen Dingen geht einfach, das, was sonst keiner kann. Ich habe mich Jahre mit Serverinfrastruktur rumgeärgert, gerade in der Zeit, als mein eigener Account größer wurde. Und wenn ich dann irgendwas bei Instagram poste, habe ich innerhalb von ein paar Sekunden irgendwie 10.000, 20.000, manchmal 30.000 User auf der Seite, die alle simultan irgendwas tun wollen. Das ist schon richtig stressig und da zahlst du dann auch Unsummen für zwei Amazon-Instanzen.

Das ist bei Shopify cool, dass du dir um diesen ganzen Hosting-Kladderadatsch keine Gedanken machen musst.

Der Shopify-Store ODERSO von Fynn Kliemann

Manuel: Was ich jetzt so raus höre oder rauskristallisiere bei dir, dass du immer wahnsinnig früh dabei bist bei solchen Sachen. Ist das ein Talent oder was, das man lernen kann?

Fynn: Es ist nicht so, dass ich einen besonderen Riecher habe. Aber ich probiere alles aus. Ich glaube, das ist es. Also ich möchte überall mitsprechen können und gerade so, was Digital-Zeug angeht und Technologien, finde ich einfach spannend. Also jedes Social Network, alles, was es neu gibt, ich bin immer sofort da und probiere es aus und interessiere mich einfach für alles. Alles, was es so Neues gibt, da sind manche abgeschreckt. Aber ich finde es generell immer erst mal alles spannend und wenn ich es einmal ausprobiert habe, dann habe ich schnell eine Meinung dazu. Oder manchmal fällt mir innerhalb von Millisekunden was ein, was man da dringend tun müsste, und frage mich immer, warum es noch keiner macht.


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Fear Of Missing Out als ultimative Motivation

Manuel: Woher nimmst du diese Ausdauer, trotz deiner Sprunghaftigkeit, trotzdem die Sachen so konstant weiter zu führen und sie nicht dann irgendwann einfach so abzuschließen?

Fynn: Mir fällt das immer ganz schwer, rauszugehen und dann macht jemand anderes das weiter. Das ist auch so ein bisschen FOMO. Nimm dir das Hausboot: ich habe mit Olli Schulz dieses Hausboot von Gunter Gabriel gekauft und wir haben das zwei Jahre fertig gemacht. Das war ein Höllenritt. Darüber kommt jetzt eine vierteilige Netflix-Dokumentation raus. Das haben wir von Anfang an gefilmt. Das zum Beispiel war ein Projekt, da wäre ich zehnmal gerne ausgestiegen und Olli auch. Keiner von uns hat das gemacht, weil wir beide das Gefühl hatten, wenn ich jetzt aussteige und der Arsch macht das ohne mich und das ist dann erfolgreich. Das ist wirklich eine treibende Kraft bei vielen Sachen. Bei ein paar Sachen denke ich immer, ich habe da jetzt Jahre an Arbeit und Zeit reingesteckt. Das ist wie, wenn du 30-mal dein Auto reparierst und dann geht’s wieder kaputt, dann denkst du: Jetzt habe ich schon so viel Geld da reingesteckt, jetzt mache ich es noch einmal. So ist es bei vielen Sachen, dass ich wirklich auch dranbleibe, weil ich mich so ärgern würde, wenn ich jetzt raus bin und dann macht das irgendwer ohne mich und dann ist es super-super-erfolgreich. Das sind die einen 50 % und die anderen 50 % sind, dass ich die Sachen, die ich mache, auch wirklich liebe.

Oli Schulz und Fynn Kliemann und das Hausboot-Projekt auf Netflix

Manuel: Die Motivation, ein Album zu machen, die hattest du ja ganz stark, weil du ja schon immer Musik gemacht hast. Dann hast du dein Album „Nie“ gemacht, bist wahnsinnig erfolgreich damit gewesen, und dann hast du direkt ein zweites Album hinterher produziert. Da hätte ich jetzt zum Beispiel gedacht, dass das für dich so ein Check gewesen wäre.  

Fynn: Ja, aber Musik ist noch mal ein separates Thema und vor allen Dingen ist es ein allgegenwärtigeres Thema. Also es ist immer da und auch jetzt hier im Studio. Das ist mein Lieblingsraum nach der Garage. Dann sitzt man hier und hat so viel Zeug, auf dem man rumdrücken kann, und dann kommt irgendwo ein guter Ton raus. Ich drücke dann irgendwo drauf und denke so, boah, das muss ich jetzt fertig machen. Angefangen habe ich nie, um eine Platte zu machen, sondern angefangen habe ich einfach als Beruhigungstherapie. Ich sitze dann hier und daddele irgendwelche Sachen rum. Auch einfach zum Runterkommen. Wenn du 16 Stunden nur Action hast und alle reißen an dir, dann brauchte ich das immer, mich hinzusetzen, einfach mal kurz Tür zu, Handy aus, ich habe hier kein Internet, sodass du auch nicht irgendwelche WhatsApp Notifications bekommst. Ich sitze hier und dann ist wirklich einmal alles aus, und dann kann ich kurz rumdrücken. Dann bleibt manchmal was hängen und ganz oft auch nicht. Aber wenn dann was da ist und ich habe dann so 20, 30 Skizzen, die ich so gut finde, dass ich denke, daraus muss was werden, dann muss ich die auch richtig releasen.

Ich habe das Gefühl, die Produktion einer Vinyl ist die Finalisierung der Reise von Musik. Sonst kriegst du nie Ruhe.

Mit Gummibällen gegen Probleme

Manuel: Gibt’s denn auch so Phasen, wo du so sagst, ist mir alles zu blöd?

Fynn: Klar. Man hat regelmäßig so eine Sinuskurve der Freude. Die ist auch manchmal im negativen Bereich. Dass man denkt so, das ist mir alles zu viel. Man schwankt zwischen, alles ist richtig geil und am nächsten Tag ist wieder alles total scheiße. Aber das ist ein bisschen auch Gründertum, glaube ich. Also frag irgendeine Gründerin, irgendeinen Gründer, das erzählt dir jeder. Es gibt das nicht, dass dein Leben richtig gut oder nur richtig schlecht ist. Ich glaube, das ist aber auch das, was Leute wie uns antreibt.

Ich finde Probleme cool und ich mag auch gern, wenn es scheiße läuft. Das sind die Zeiten, in denen ich am kreativsten bin und ich am schnellsten eine Lösung finde.

Wir haben einen Kinofilm gemacht und dann kam Corona. Was machen wir damit jetzt? Dann haben wir uns halt einen eigenen Streaming-Dienstleister gebaut und Tickets online verkauft. Das war dann der erfolgreichste Dokumentarfilm in Deutschland der letzten 50 Jahre oder so. Das sind immer so Fälle, der Film ist fertig, keiner will ihn kaufen, alle Streaming-Dienstleister sagen ab und so, das sind schon Katastrophen. Du hast ein Team im Hintergrund, die wollen bezahlt werden, du hast denen viel versprochen und dann kannst du‘s nicht halten. Das sind so Phasen, in denen funktioniere ich am besten. Wenn alles richtig schlecht ist, dann laufe ich hier mit meinen Gummibällchen durch die Bude und schmeiße die gegen Wände und dann kommt innerhalb von ein paar Minuten irgendeine Idee, und die ist es meistens und die funktioniert dann am Ende auch irgendwie komischerweise.

Ein Rundum-Erlebnis im Kliemannsland

Manuel: Wie geht’s denn weiter mit dem Kliemannsland? Lebst du da jetzt richtig oder ist das ein anderes Haus?

Fynn: Das haben viele nicht verstanden. Es ist ein anderes Haus. Also das ist so zehn, 15 Minuten von mir weg. Das ist ein großer Hof in Niedersachsen, so fast vier Hektar, wo ein paar Leute wohnen. Wir sind ein Team von zehn, zwölf Leuten.

Ich möchte viel mehr zurückgeben von dem, was uns eigentlich die ganze Zeit zuteilwird.

Wir waren vier Jahre bei den Öffentlich-Rechtlichen unter Vertrag. Wir haben mit Funk und dem NDR zusammen diese Sendung produziert. Dem sind wir so ein bisschen entwachsen, weil das für uns nicht nur eine Show ist. Ich möchte viel mehr zurückgeben von dem, was uns eigentlich die ganze Zeit zuteilwird, nämlich gute Ideen, krasse Leute und so. Diese untereinander zu vernetzen, ist so ein bisschen meine Vision für die Zukunft.

Wir haben große Scheunen zu Werkstätten umgebaut, haben ein paar Partner gesucht, mit denen wir durchstarten wollen und geben Kurse auf dem Hof. Jemand kann zum Beispiel kommen, der sagt, „Ich bin der T2-Experte, ich mache Bus-Ausbauten. Ich kann zehn Leuten in einem Vier-Stunden-Set beibringen, wie das geht. Ich brauche eine Hebebühne und einen Schlagschrauber“. Und dann sagen wir: „Yo! Stellen wir dir alles bereit“. In unserem Shop haben wir so ein großes Kalender-Feature, was wir gerade entwickeln, wo du jeden Tag reingucken kannst, was angeboten wird. Auch, um dich selbst fortzubilden in allen möglichen Bereichen. Dann kannst du im besten Fall nachher auch im Kliemannsland pennen. Wir bauen parallel so eine Art Übernachtungsmöglichkeit und Campingplatz hinten, auch auf dem Nachbargrundstück mit Tiny Häusern. Dann kannst du mit deiner Family rüberkommen, die Kiddies gehen reiten auf dem Nachbarhof, Papa schraubt am Auto, Mama braut Bier - es gibt ja bei uns alle möglichen Kurse. Und abends können alle schön in unserem Restaurant zusammen essen.

Das bauen wir alles gerade und da ist zum Beispiel auch die Shop-Komponente total wichtig. Ich möchte so eine Art Kundenkonto einrichten, wo du, wenn du mit deinem Smartphone in bestimmte Ecken auf dem Kliemannsland kommst, Punkte sammeln kannst. Das ist das, woran ich gerade viel baue mit dem Team und das wird so im Laufe des Jahres irgendwann gelauncht, sodass wir hoffentlich zum Sommer einsatzbereit sind.

Funk war eine super Starthilfe, beste Truppe überhaupt, um sowas zu starten. Wir haben da einen sehr speziellen Vertrag gehabt, dass wir unsere Rechte behalten. Das habe ich am Anfang mit denen alles ausgearbeitet. Das war mir superwichtig.

Aber am Ende des Tages, glaube ich, ist es super gelaufen, wie es gelaufen ist. Und hat voll Spaß gemacht. Das war eine super Zeit und wird es jetzt noch mal. Der Spirit ist gerade richtig krass. Wir haben ein paar neue Leute dazu geholt und wir sind ein Mega-Team.

Alle sind super hyped und haben richtig Bock.


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Manuel Fritsch ist der Moderator des Shopify Podcasts. 2000 gründete Manu sein erstes Unternehmen und arbeitete 15 Jahre in der Agenturwelt. Seit 2015 ist er als freiberuflicher Spielejournalist für Fachmagazine, Zeitungen und seinen eigenen Podcast mit inzwischen über 2.500 Folgen tätig.
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