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High Five für Naturkosmetik: So schuf FIVE Skincare vegane Kosmetik, die jeder versteht, und überzeugte bei DHDL

Passend zur heutigen fünften Folge unseres Shopify Podcasts haben wir einen besonderen Stunt hingelegt und uns die Züricherin Anna Pfeiffer von FIVE Skincare zum Interview eingeladen. Fünf ist die Zahl des Tages, denn Anna hat mit ihrer veganen Naturkosmetikmarke kosmetische Produkte geschaffen, die aus maximal fünf Inhaltsstoffen bestehen. So soll den Kunden gewährleistet werden, dass sie verstehen, was sie sich auf die Haut auftragen.

Im Podcast verrät Anna, wie sie dabei vorgegangen ist, warum das  alles länger dauerte, als man glaubt, wie ihr Auftritt bei „Die Höhle der Löwen“ den Startschuss gegeben hat und welche Tipps sie für andere Gründer*innen hat.

Die komplette Transkription dieser Folge findest du hier.

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Show Notes

Volles Risiko bei der Namenswahl 

Manuel Fritsch: Der Name ist bei euch Programm. War von Anfang an deine Idee zu sagen, ich will maximal fünf Inhaltsstoffe?

Ein Anwalt meinte noch, es ist Kamikaze den Namen zu nehmen. Ich habe es trotzdem gemacht.

Anna Pfeiffer: Das war tatsächlich so die Idee, denn normalerweise haben Kosmetikprodukte locker 20, 30, 50 Inhaltsstoffe. Meine Idee war, das herunterzubrechen, da ich selbst auch Laie war und ich das nicht verstanden habe. Deswegen ist das der Kern von uns. Den Namen hatte ich sehr früh, da auf der Hand liegt. Ich habe dann nach Alternativnamen gesucht, weil Five vom Klang Chanel Nº 5, dem berühmten Parfüm, ein bisschen nahekommt. Ich habe mit einigen Anwälten gesprochen. Ein Anwalt meinte noch, es ist Kamikaze den Namen zu nehmen. Ich habe es trotzdem gemacht, weil ich nichts Passenderes gefunden habe. Ich fand es so klar und gut, dass ich das machen musste.

Manuel: Und die Zahl 5 war schon relativ früh klar?

Anna: Ja, genau. Ich wusste, dass es sehr wenige sein mussten und ich wollte vor allem, dass es merkbar ist. Fünf deswegen, da du es an einer Hand abzählen kannst. Man sagt auch aus der Lerntheorie, fünf Sachen kann man sich noch so merken. Fünf ist tatsächlich auch so eine Grenze, wo es überhaupt noch möglich ist, gute Produkte herzustellen. Deswegen Five.

Dieser Werdegang war für mich schon immer klar.

Anna Pfeiffer - Gründerin von Five

Manuel: Was hast du denn vor der Gründung gemacht und wie kam dann die Idee, ein Produkt zu entwickeln?

Anna: Ich bin eigentlich Grafikdesignerin und war schon sehr, sehr lange selbstständig. Ich habe nach der Ausbildung so zwei, drei Jahre gearbeitet und mich danach sofort selbstständig gemacht. Dieser Werdegang war für mich schon immer klar. Das lief sehr gut. Dann habe ich eine Agentur gegründet, allerdings da schon gemerkt, irgendwie reicht mir das nicht mehr. Ich wollte richtig ein Unternehmen gründen. Wir hatten bei der Agentur nie wirklich eine Vision - wir haben einfach unser Ding gemacht. Mich hat es total interessiert, etwas allumfassend zu machen. Ich habe mir dann ein Jahr eine Auszeit genommen und mir so überlegt, was ich denn überhaupt machen könnte. Zuerst hatte ich andere Ideen. Da ich Kräuter liebe, wollte ich was mit Kräutern, habe dann aber kein passendes Geschäftsmodell dafür gefunden. Weil ich selbst megaempfindliche Haut habe und dafür eine Lösung gesucht habe, bin ich dann darauf gekommen, etwas mit Kosmetik zu machen.

Ich habe dann gemerkt, dass die meisten Inhaltsstoffe in Kosmetikprodukten nicht wirklich einen Nutzen haben für die Haut und dass man es reduzieren könnte und dass das auch Sinn machen würde, gerade wenn man so empfindliche Haut hat. Insgesamt habe ich schon ungefähr ein Jahr gebraucht, bis ich die Idee hatte.

Manuel: Hast du direkt gemerkt, dass du das weiterentwickeln willst und eine Produktreihe anvisierst?

Anna: Ich wusste dann, ich habe dieses Problem und es nervt mich, dass ich nicht selber in der Lage bin - aufgrund der Inhaltsstoffe - für mich ein Produkt auszusuchen, sondern dass ich auf diese ganzen Marketingversprechen gehen muss. Ich habe dann zuerst am Produktkonfigurator herumgebastelt und war dann schon im rechten Tal. Als die Idee kam, war ich relativ verzweifelt, habe zwei Tage an einer Idee rumgewerkelt und merken müssen, dass ich die finanziell nicht stemmen konnte. Es war auch nicht Endloskapital vorhanden bei mir. Da war ich recht deprimiert und ich wusste eigentlich, ich will dieses Problem lösen. Und dann kam die Idee. Es war krass, als die kam, wusste ich, das ist es jetzt!

Der Blickwinkel einer Konsumentin

Manuel: Dann hast du bei der Recherche gemerkt, es gibt wenig Produkte, die so wenig Inhaltsstoffe haben und eine Marktlücke entdeckt?

Anna: Ja schon. Dieser ganze Cosmetic-, Beauty-Bereich, ist super übersättigt, aber es gibt einen mega Shift zur Naturkosmetik. Ich habe festgestellt, da bewegt sich was im Markt, das habe ich festgestellt. Mir war auch klar, wenn ich da eine Chance haben will, muss ich mich dogmatisch positionieren. Ich habe dann am Anfang schnell mit Herstellern gesprochen. Die Formulierungen sind Jahrzehnte ziemlich gleich. Aber das Marketing hat sich immer den Kundenwünschen angepasst. Das war genau das, was mich so geärgert hatte.

Mich hat es irgendwie bestärkt, dass ich, selbst eine Konsumentin bin und ein Problem habe und mir niemand eine Lösung anbieten konnte. Das hat mir schon gezeigt, dass es einen Markt gibt. Ich habe dann ungefähr ein halbes, dreiviertel Jahr, nachdem ich die Idee hatte, einen Test gemacht. Auf einem Popup Markt hier in Zürich habe ich die ersten Produkte verkauft, die ich zuhause in der Küche hergestellt habe. Mit meinem Background als Grafikerin war es mir möglich, das so aussehen zu lassen, als wäre die Brand schon auf dem Markt. Ich habe einen Stand gebaut, der supercool aussieht, hatte schon einen Namen, das Logo und das Packaging mehr oder weniger. Da habe ich einfach Produkte verkauft, um zu gucken, ob das irgendjemand haben möchte oder ob es einfach ein Hirngespinst ist. Das Feedback war megapositiv und das war für mich der Proof, um weiterzumachen.


Manuel: Das ist, auch eine Stärke von Start-ups, dass man aus der Consumer-Ecke einen anderen Blick auf eine Branche hat, oder?

Es ist gut beim Gründen eine gewisse Naivität zu haben, sonst machst du es nicht.

Anna: Definitiv. Ich hab's als Riesenvorteil gesehen, branchenfremd zu sein. Ich glaube, das lässt sich auch auf andere Branchen übertragen. Ich merke jetzt schon nach ein paar Jahren, dass ich einen Tunnelblick habe und wünsche mir diesen frischen Blick zurück. Für mich war es aus dieser Konsumentinnen-Sicht klar, wo es in der Branche hakt. Ich glaube, das war vielleicht auch naiv ein Stück weit. Aber ich finde, es ist gut beim Gründen eine gewisse Naivität zu haben, denn sonst machst du es nicht.

Die Herstellung – ein langwieriger Prozess

Manuel: Wie geht man denn dann an Produzenten ran? 

Anna: Ich hatte von Anfang an ziemlich klar das Bild, dass ich nicht selbst produzieren will. Ich hätte auch eine Produktion aufbauen können, aber ich wusste, das wird teuer, ich habe nicht das Know-how, ich bräuchte Chemiker und ein Labor. Da habe ich keine Ahnung von gehabt. Ich wusste, dass ich das herstellen lassen will, und ich wusste auch, dass ich möglichst viel outsourcen will. Ich wusste, dass es Lohnhersteller alle möglichen Sachen gibt. Das sind Firmen, die im Auftrag von Kunden Produkte herstellen. Ich habe tatsächlich einfach im Web gesucht und mit vielen dann gesprochen und mir Offerten eingeholt. Ich hatte keine Ahnung, was mich da erwartet. Habe aber auch die Kosmetikverordnung durchgeackert. Das Gute ist heutzutage, dass die Informationen alle frei verfügbar sind. Es war nie schwierig, an Infos zu kommen. Ich habe dann einen Produzenten gefunden und dann hat es echt 18 Monate gedauert bis wir die ersten vier Produkte auf Markt hatten. Das war mega lang, obwohl ich sogar selbst die Rezepturen geliefert hatte. 

Manuel: Was hat denn da 18 Monate gedauert? 

Anna: Was halt echt lange dauert, sind diverse Tests, die man machen muss. Du musst zum Beispiel die Produkte für drei Monate bei 45 Grad in einem Wärmeschrank lagern und gucken, wie sich da das Produkt verändert. Das ist einer von diesen Tests. Und die bauen alle aufeinander auf. Dann mit den Bemusterungen - das war dann nicht in der Schweiz, wir haben dann in Deutschland produziert. Ein Riesenproblem war ganze Packaging, die Behältnisse, die Tiegel und die Flaschen und da geeignete Verpackung zu finden. Wir hatten dann auch das Problem, dass zum Beispiel Öl die Pipette aufgelöst hat, die dann so schwammig und groß wurde. Viele Probleme, die es zu eliminieren galt.

Die Kosmetik von Five besteht aus maximal 5 Inhaltsstoffen und bietet so volle Transparenz

Manuel: Das muss dann wahrscheinlich auch alles nochmal ins Labor geschickt werden, Hautverträglichkeitstests, Allergietests und solche Sachen?

Anna: Genau. Am Schluss hast du so einen Sicherheitsbericht, der von einer externen Expertin erstellt wird. Das ist ziemlich reguliert. Ich denke schon, dass es viele Firmen gibt, die schneller sind, als wir jetzt gebraucht haben. Wir sind mittlerweile schneller geworden, brauchen aber für eine Produktion noch einige Monate bis wirklich alles erledigt ist.

Manuel: War das auch ein Problem, dass du so wenig Inhaltsstoffe hast? In Standardcremes sind Konservierungsstoffe drin, die verhindern, dass Keime entstehen.

Man kann Produkte auch anders anwenden und neu denken.

Anna: Wir können definitiv nicht alles produzieren, aber wir können viel mehr machen, als ich zu Beginn gedacht habe. Unser Bestseller ist eine Sheabutter-Creme. Die kannst du dir vorstellen wie dicker Honig, so ein Balsam. Wir haben einfach gesagt, wir machen kein Wasser rein, denn Wasser muss in einem Produkt immer konserviert werden. Das ist sonst innerhalb von einer Woche schlecht. Wir haben gedacht, man kann Produkte auch anders anwenden und neu denken. Und bei der ist es jetzt einfach so, dass man die Haut vorher mit Wasser befeuchtet und dann das Produkt aufträgt. Ich war mir nicht sicher, ob das ankommt, weil wir Convenience-Produkte gewöhnt sind, aber das war überhaupt kein Problem. Das ist ein Weg, Produkte anders zu denken.

Eine Teilnahme bei Die Höhle der Löwen? „Auf keinen Fall!“

Manuel: Hast du dann direkt einen Shopify-Store eröffnet oder noch andere Dinge ausprobiert?

Anna: Nein, ich bin tatsächlich direkt bei Shopify gelandet. Ich hatte früher schon, 2011, 2012, mit meinem Lebenspartner kurz einen Shopify-Store gehabt. Er hat biologische Proteinpulver auf den Markt gebracht. Er hat damals ein Research gemacht und kam auf Shopify, zu einer Zeit, in der Shopify in Deutschland und der Schweiz noch überhaupt kein Thema war. Ich habe aber damals für ihn ein bisschen den Shop betreut und für mich war es dann relativ klar, Shopify zu nehmen, weil es einfach supereasy ist. Ich konnte mit meinem Background als Grafikdesignerin bis heute praktisch alles selbst machen. Die Alternative wäre ein Magento-Shop gewesen. Ich weiß nicht, wie viel tausende oder hunderttausende Franken wir bis jetzt ausgegeben hätten, wäre die Entscheidung darauf gefallen.

Ich hatte also den Test in der Schweiz mit dem Shopify-Store und irgendwann im November 2016 habe ich einen Anruf von „Die Höhle der Löwen“ in Deutschland bekommen, die TV-Gründershow von Vox. Die meinten, ob ich nicht mitmachen will. Und ich dachte zuerst, „auf keinen Fall“.

Manuel: Warum hast du das gedacht?

Anna: Mir haben das schon viele Leute gesagt, dass das mega passen würde. Aber ich hätte mich nicht von mir aus getraut, mich zu melden, vor allem nicht zu dem Zeitpunkt. Ich war nicht ready. Ich hatte schon ein, zwei Presseberichte und da hat ein Redakteur was von mir gelesen. Ich habe dann gedacht, okay, du kannst nicht gründen und dir so eine Chance entgehen lassen. Ich habe dann halt diesen ganzen Bewerbungsprozess durchgemacht, den man da machen muss, und bin immer weitergekommen. Dann hieß es irgendwann Anfang Januar 2017, du bist dabei, in zwei Wochen drehen wir.

Five Skincare bei Die Höhle der Löwen 2017

Manuel: Und in welchem Zustand war da gerade deine Firma?

Ich habe mich zwei Wochen eingesperrt und alle Zahlen gelernt.

Anna: Das war alles noch auf Papier und am Aufgleisen. Zum Glück habe ich groß gedacht. Das hat mich dann gerettet. Ich habe diesen Shopify-Store in der Schweiz gehabt. Aber da habe ich zwei, drei Produkte pro Woche verkauft, den auch noch nicht beworben. Und dann habe ich gedacht, gut, mache ich mit und habe mich zwei Wochen eingesperrt und komplett alle Zahlen gelernt, nochmal sauber versucht alles aufzugleisen. Dann wurde es aufgezeichnet im Januar und im September 2017 ausgestrahlt, also genau vor drei Jahren. Wir sind zeitgleich an den Markt gegangen, in Deutschland, Österreich und dann wirklich auch Schweiz offiziell. Das war mit der Ausstrahlung auch der Launch.

Manuel: Konntest du das dann steuern. War das dann in deiner Macht?

Anna: Nein, da ist gar nichts mehr in deiner Macht. Du weißt nicht mal, ob du wirklich ausgestrahlt wirst. Die Chancen sind sehr, sehr hoch, aber es gibt immer ein, zwei Start-ups, die nicht ausgestrahlt werden wegen dem Schnitt, weil es einfach nicht passt. Das ist halt auch ein bisschen schwierig dann zu planen, aber du musst halt voll damit rechnen, dass das kommt.

Manuel: Du hast dann auch einen Löwen für dich finden können, wenn ich mich recht erinnere?

Das war der Startschuss für mich.

Anna: Ja, ich habe in der Show einen Löwen finden können, das war Judith Williams. Zuerst wollten zwei investieren, dann in der Show ist die andere dann wieder abgesprungen, weil ich nicht so viele Anteile abgeben wollte. Wir sind dann direkt danach richtig intensiv in die Verhandlung gestartet, aber wir konnten uns nicht einigen. Wir hatten uns gut verstanden, aber strategisch war meine Idee oder mein Gefühl ein anderes als das, was sie wollte. Dann haben wir schnell gemerkt, dass das nicht passt. Also für mich war das super, so wie es war, weil ich konnte bis heute alles so entwickeln, wie ich will. Wir sind nach wie vor ohne Investoren. Ich bin über einen Bankkredit finanziert, das heißt, dass ich totale Freiheit habe, was ich extrem toll finde. Deswegen war es auch nicht ganz klar, ob wir ausgestrahlt werden. Ich denke, wenn du wirklich einen Deal machst und es auch dabeibleibt, dann kannst du davon ausgehen, dass das kommt. Dann hast du den ganzen Support von deinem Investor im Hintergrund. Das war bei mir nicht der Fall, aber trotzdem konnte ich super viel mitnehmen. Ich habe noch fünf Minuten vor der Ausstrahlung an der Navigation rumgebastelt. Dann ging’s los und es ging voll ab, wie es halt so ist bei „Die Höhle der Löwen“. Das kennen alle, die da mitgemacht haben. Das war der Startschuss für mich.

Lesetipp: Viele Händler*innen treten mit einem Shopify-Store bei DHDL an. Noch mehr Erfolgsbeispiele findest du hier.

Manuel: Was ich jetzt auch oft gehört habe, die, die bei Shopify waren, haben den „Höhle der Löwen“-Auftritt immer gut überstanden, bei anderen ist immer der Shop zusammengebrochen.

Anna: Ja, das ist echt so. Ich habe auch alle alten Shows durchgeguckt und da waren, viele Magento-Shops oder, Shops, die mit anderen Systemen gelaufen sind und da sind die Server zusammengebrochen. Ich habe da mehrmals mit Shopify gesprochen. Ich konnte es fast nicht glauben, das ist Peanuts für euch. Das lief, ohne mit der Wimper zu zucken.

Wir hatten allerdings Probleme mit dem Fulfillment-Center für Deutschland. Ich habe angekündigt, dass wir da mitmachen und dass es eine große Kiste wird. Da war das aber gerade erst aufgesetzt und vielleicht 50 Orders darüber rausgegangen. Die haben mich einfach nicht ernstgenommen. Als es dann von einer Minute auf die andere kam, waren die recht überfordert und dann hatten wir echt Probleme. Wir waren nach 24 Stunden Out of Stock und es wurde trotzdem weiterverkauft.

Ich habe nicht damit gerechnet, dass wir gleich ausverkauft sind.

Manuel: Wie hast du dann diese ganzen Bestellungen denn abwickeln können? Habt ihr vorproduziert?

Anna: Naja, das war schwierig zu kalkulieren und super knapp. Das war dann eigentlich die erste Lieferung, die wir überhaupt von unserem Produzenten bekommen haben. Würde ich heute auch nicht mehr so machen, denn es kann auch schiefgehen. Wir hatten die Produkte in stock, aber ich konnte jetzt auch nicht übermäßig viel produzieren, weil ich ja bis drei Wochen vor Ausstrahlung nicht wusste, kommen wir tatsächlich? Wenn nicht, hätte ich die Produkte niemals verkaufen können. Deswegen hatten wir nicht so viel produziert, wie wir hätten können. Ich habe auch nicht damit gerechnet, dass wir gleich ausverkauft sind.

Bei so einer Show gucken sich die Leute nicht lang die Website an, die klicken einfach - zack, boom, kaufen!

Das Witzige war, ich habe damals schon ein Produkt als Bestseller hervorgehoben, und das ist bis heute wirklich so geblieben. Das macht mega Sinn, das auf der Webseite so zu lenken. Bei so einer Show gucken sich die Leute nicht lang die Website an, die klicken einfach - zack, boom, kaufen!

Bankkredite statt Finanzierung über Investoren

Manuel: Wie hat sich die Firma seit der Show entwickelt?

Anna: Das ist jetzt ziemlich genau drei Jahre her, da waren wir dann ein paar Wochen ausverkauft. Dann haben wir versucht, schon möglichst viele Vorbestellungen zu machen. Das Ganze hat insgesamt so ein halbes Jahr angehalten, dann ist es abgeflacht. Dann war es so ein bisschen eine schwierige Zeit, weil ich wusste, jetzt fängst du eigentlich erst richtig an. Ich hatte keine Finanzierung. Das was wir privat reingesteckt hatten, hat sich langsam dem Ende geneigt. Ich habe lang gebraucht, um für mich selbst rauszufinden, ob ich das mit Investoren aufziehen will oder ob’s ein organisch wachsendes Unternehmen bleibt.

Es gab ein paar Wochen, wo ich dachte, uns geht das Geld aus.

Ich habe ein dreiviertel Jahr mit vielen Investoren gesprochen, aber immer gemerkt, das passt mir nicht so ganz. Ich habe mich dann schlussendlich dagegen entschieden und es dann geschafft, das über einen Bankkredit zu machen. Das war aber auch schon relativ knapp. Es gab ein paar Wochen, wo ich dachte, uns geht das Geld aus. Ich habe diese Phase genutzt, ich sage immer, den Laden aufzuräumen. Wir hatten auch eine PR-Agentur von Anfang an, die uns natürlich eine Stange Geld gekostet hat jeden Monat, wo ich dann auch nach einem Jahr gemerkt habe, das können wir uns nicht leisten und steht nicht im Verhältnis. Also Zusammenarbeiten wieder zu beenden.

Ich habe auch das Fulfillment-Center in Deutschland ziemlich schnell wieder gewechselt. Wir hatten dann noch neue Produkte. Da haben wir dann nicht mehr ganz so lang gebraucht und haben jetzt einen Hersteller in der Schweiz. Als die dann auf den Markt kamen, waren wir mit einem Schlag dann am Breakeven, weil das jetzt viel besser passt.

Jetzt ist so die dritte Phase, jetzt müssen wir wieder Gas geben und den nächsten Step im Wachstum erreichen.

Manuel: Wie groß ist denn die Firma inzwischen? Hast du in den letzten Jahren auch Leute eingestellt, die dir Dinge abnehmen können?

Anna: Nein, tatsächlich nicht. Es war auch immer eine Riesengeschichte, soll ich Leute einstellen oder nicht. Ich habe schon oft das Gefühl gehabt, ich bin an dem Punkt, wo ich es einfach nicht mehr allein machen kann. Ich bin ein bisschen vorsichtig diesbezüglich, weil ich weiß, dass das Team entscheidend ist. Wenn das mit den ersten Mitarbeitern nicht richtig funktioniert, dann macht es keinen Spaß und ist auch ein ziemlich großes Risiko.

Ich schätze es sehr, das Ganze agil zu halten

Bis heute habe ich es nicht umgesetzt. Ich versuche viel mit Freelancern zu machen. Zum Beispiel jetzt grad für meine Blogartikel arbeite ich mit einer Frau in München zusammen, die das schon fast seit dem Anfang mit mir macht. Das war wirklich ein Glück, dass wir uns über eine Plattform gefunden haben. Aber ich schätze es sehr, das Ganze agil zu halten. Ich brauche einfach eine Freiheit in meinem Berufsleben und auch in meinem privaten Leben und muss das irgendwie gut miteinander verbinden können. Was ich daraus dann geschlossen habe, ist, dass es möglichst automatisiert sein muss, dass ich nicht jeden Tag in ein Büro fahren muss und da zehn Leute sitzen habe, die ich betreuen muss. Das versuche ich mit allen Mitteln zu vermeiden. Ich war Anfang dieses Jahrs in Südamerika für zwei Monate und habe das alles remote gemacht und das hat geklappt. Diese Freiheiten möchte ich mir so lange wie es geht erhalten.

Das Bestseller-Produkt von Five - die Shea Cream mit 5 Inhaltsstoffen

Das Ziel: mehr Nachhaltigkeit, mehr Wachstum mehr Reduziertheit

Manuel: Wie willst du die Firma weiterführen in Zukunft? Wo siehst du dich in den nächsten Jahren?

Anna: Gewisse Umsatzziele, die wir erreichen wollen. Ich denke, es ist noch einiges möglich mit Automation, noch ein Stück weiter zu kommen. Das ist mir wichtig. Es ist wichtig, dass wir noch nachhaltiger werden. Wir sind schon sehr nachhaltig, wir kompensieren zum Beispiel 100 % unserer CO2-Emissionen. Wir haben eine Mehrwert-Versandverpackung in der Schweiz, wir haben keine Umverpackungen, nur vegane Inhaltsstoffe, nur natürliche. Es ist schon sehr viel passiert, aber ich will das noch viel mehr machen.

Manuel: Passt ja auch gut zu der Vision vom Produkt selbst, wenn die Firma dann auch so einen Nachhaltigkeitsaspekt hat.

Reduzieren, wo es nur geht.

Anna: Ja. Einfach reduzieren, wo es nur geht. Das zieht sich durch alles. Bezüglich der Vertriebsstrategie war es immer die Frage für uns, bleiben wir bei online-only? Ich verkaufe tatsächlich nur online außer als Test in einer Apotheke hier in Zürich. Das ist eine Frage, die sich immer wieder stellt, wollen wir die Verkaufskanäle öffnen? Ich hatte schon an die hundert Gespräche mit Leuten, die es gerne verkaufen würden, auch große Shops. Ich habe immer zurückgehalten, weil damit unsere Struktur nicht mehr so schlank bleiben könnte.  

Manuel: In Sachen Marketing - musst du da viel machen?

Anna: Wir machen nicht sehr viel, muss ich tatsächlich sagen. Das ist aber etwas, was ich ändern will. Ich will viel mehr machen. Mir war es wichtig, dass ich die ganze Systematik hinter einem Kanal verstehe. Wir haben tatsächlich mit Google Ads begonnen, für uns funktioniert es ziemlich gut. Das Erste, was man denken würde, Five wäre super für Influencer und Instagram. Das ist so das, was wir am Allerwenigsten machen. Das ist ausbaufähig. Markenaufbau ist extrem wichtig. Das versuche ich aber so zu lenken, indem ich einfach eine superklare Linie fahre und mich nicht verzettele und einen super Kundensupport biete. Dieses ganze Andere, was über Social geschieht, hat für uns bisher nicht so richtig funktioniert. Das könnte man aber wahrscheinlich auch einfach viel professioneller machen. Ich persönlich muss auch sagen, ich mag die Plattform einfach überhaupt nicht. Die letzten ein, zwei Wochen, habe ich angefangen Pinterest mehr zu nutzen, weil Pinterest im deutschsprachigen Raum echt ein Potenzial hat. Mal gucken, was wir damit erreichen. Und sonst machen wir relativ viel Suchmaschinenoptimierung, wir schreiben Blogartikel. Das hat sich auch extrem ausgezahlt, weil das ein langfristiges Investment ist.

Five Skincare bei Pinterest

Manuel: Wie siehts mit Internationalisierung aus? Internationale Märkte wären sicher auch bereit für schlanke Naturkosmetik, oder?

Anna: Definitiv. Aber Internationalisierung aktuell: nein. Wir müssen uns einfach auf andere Sachen fokussieren. In, Österreich verkaufen wir nach wie vor sehr wenig, den Markt haben wir noch fast gar nicht beackert. Da gibt es noch viel zu holen. Wir sind auch in der Schweiz mega gewachsen jetzt im letzten Jahr. Vorher war immer Deutschland das Steckenpferd, und das hat sich jetzt recht verschoben. Schweiz ist ein viel kleinerer Markt, da siehst du auch mal, was eigentlich noch möglich ist in Deutschland. Wir wollen einfach da erst noch bekannter werden. Da ist noch viel Luft nach oben. Wenn du Kosmetik in anderen Ländern verkaufen willst, dann hast du auch bestimmte Anforderungen an das Packaging, das muss dann in der Landessprache zum Teil sein. Da will ich auch einfach safe sein, wenn wir das machen.

Manuel: Wenn du dir so den Tipp geben könntest, was du anders machen würdest, was würdest du deinem Ich beim Gründen sagen?

Anna: Ich würde, nicht so viel anders machen, muss ich sagen. Bis jetzt sind wir verschont geblieben von ganz großen Katastrophen. Also wir hatten mal eine, wo die Produktion irgendwie schieflief und wir alles wegschmeißen mussten.

KPIs finden, die wirklich relevant für ein E-Commerce-Business sind

Wenn ich das jetzt eher jemandem anderen sagen müsste: sich eine gewisse Gelassenheit zu bewahren, ist sicher gut. Und das, wo ich sehr, sehr viel Zeit verbraten habe zu Beginn, war mein ganzes Finanzkonstrukt, das Zahlenwerk dahinter, das war viel zu komplex. Da hatte ich echt jeden Monat drei Tage mit Reporting zu tun, obwohl wir fast keinen Umsatz gemacht haben. Da die KPIs zu finden, die wirklich relevant für ein E-Commerce-Business sind, hat ein bisschen gedauert. Ich glaube, mittlerweile haben wir die ganz gut.

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Which method is right for you?Manuel Fritsch ist der Moderator des Shopify Podcasts. 2000 gründete Manu sein erstes Unternehmen und arbeitete 15 Jahre in der Agenturwelt. Seit 2015 ist er als freiberuflicher Spielejournalist für Fachmagazine, Zeitungen und seinen eigenen Podcast mit inzwischen über 2.500 Folgen tätig.

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