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Wie Fairjeans das dreckigste Produkt des Bekleidungsmarktes revolutioniert

Shopify Podcast Fairjeans

Shopify in Freiburg: Hier treffen wir Miriam Henninger und Walter Blauth von Fairjeans. Die beiden Gründer konzentrieren sich mit ihrem fairen und nachhaltigen Konzept komplett auf Jeans - Bio-Baumwolle, faire Arbeitsbedingungen und Produktion inklusive.

Warum Miriam - die heute zuständig ist für Produktentwicklung, Design, Schnitte und den Kontakt mit dem Produzenten - die Rettung für das Projekt Fairjeans war und warum Walter sich mehr politischen Druck beim Thema Nachhaltigkeit wünscht, erfährst du in dieser Folge des Shopify Podcasts.

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    Show Notes

      Weitere Insights zu Fairjeans und Miriams und Walters Suche nach dem perfekten Shopsystem findet ihr übrigens in diesem Blogbeitrag.

      Jeans: Das schmutzigste Produkt auf dem Bekleidungsmarkt

      Manuel Fritsch: Walter, das Projekt Fairjeans ist mehr oder weniger zu dir gekommen, richtig?

      Walter Blauth: Ich bin Grafiker und Webdesigner und einer meiner Kunden ist auf mich zugekommen, ob ich in so eine Gruppe reinkomme, wo wir über die Umstände in der Bekleidungsindustrie sprechen. Schnell war es so, dass wir nicht immer nur darüber reden wollten. Es wurde ein Konzept entwickelt und dann war sehr schnell die Idee: Was ist das dreckigste Produkt überhaupt auf dem Bekleidungsmarkt? Klar, Jeans! Ein paar Jahre hat es gedauert, bis das Konzept dann irgendwo stand. Als Miriam kam, haben wir das alles wieder umgeworfen und ein ganz neues Konzept und neue Idee entwickelt.

      Manuel: Gab es da noch andere Ideen statt den Jeansbereich?

      Walter: Nein, das war von vornherein klar, dass wir eine Jeans machen wollen. Damals in der Gruppe wussten wir noch nicht, was auf uns zukommen wird und wie komplex das Ganze ist. Als Miriam dann kam, war das für mich selbst dann auch wie: Oh je, was habe ich mir da gedacht?


      Miriam Henninger und Walter Blauth - Gründer von Fairjeans

      Manuel: Das heißt, du warst vorher auch schon in der Industrie tätig?

      Miriam Henninger: Genau, ich bin Modedesignerin und hab vorher im Strickbereich gearbeitet, bei Hugo Boss und beim Waschbär Versand und habe da auch den Einblick bekommen in diese ökologische Produktion. Mit Jeans habe ich aber vorher noch nichts zu tun gehabt. Für Jeans habt ihr euch schon entschieden, weil ihr ein Produkt gesucht habt, wo es halt auch am meisten bewirkt, wenn man die Bio- und die faire Produktion macht.

      Walter: Wir haben recherchiert, wie viel Marktanteile an Bio-Jeans möglich sind. Wir haben 2 Prozent festgestellt. Also das ist ein ziemlich großer Kuchen, wenn man bedenkt, wie viel man Hosen in Deutschland verkauft. Ein Prozent ist quasi gedeckt und das heißt, da ist noch Freiraum. Wir sind schon vier Jahre auf dem Markt, wir merken, dass wir uns sehr dynamisch entwickeln, weil einfach der Markt sehr nach diesen Produkten sucht und offen ist. Und die Idee ist, Fairjeans als wirklich gute Marke zu etablieren.

      Ökologische Produktion: Der entscheidende Faktor ist die Information

      Manuel: Die eben auch nachhaltig hergestellt ist, die nicht nur Bio-Baumwolle hat, sondern eben auch fair die Arbeitsumgebung behandelt. Richtig?

      Miriam: Genau.

      Walter: Das war ein sehr wichtiger Aspekt, dass wir die ganze Produktionskette ökologisch und nach sozialen Kriterien gestalten wollten. Es gibt keine Lücke. Von dem Anbau von Bio-Baumwolle, dem Erstellen von Denim, die Materialien werden getestet. Es gibt für alles Zertifikate. Natürlich macht das dann die Produkte teurer, aber uns war einfach wichtig, dass alles überprüfbar ist und komplett nachvollziehbar, was wir da machen.

      Manuel: Warum ist denn der Markt so klein?

      Miriam: Wir merken jetzt schon wie sich einiges tut durch Berichterstattung im Fernsehen, in Medien und Zeitungsberichten. Es wird immer mehr und das spüren wir, dass die Kunden sich dafür interessieren und mit uns das Gespräch suchen, wenn sie dann in den Laden kommen. Zum Beispiel bei Bio-Lebensmitteln, da hat es direkten Einfluss auf dich und deinen Körper. Die Lebensmittel werden vielleicht in deinem Umfeld angebaut. Da ist es dir dann schon wichtiger, wenn die Pestizide aufs Feld gebracht werden, ob das in deiner Umgebung stattfindet oder in einem fernen Kontinent. Baumwolle ist eine Pflanze, aus der dann letztendlich die Jeans entsteht. Da steckt viel mehr dahinter, eine längere Lieferkette, als wenn ich mir jetzt den Apfel vom nächsten Baum pflücken könnte.

      Manuel: Obwohl man ja die Kleider die ganze Zeit am Körper trägt. Pestizide oder giftige Farbstoffe sind ja da sicherlich auch nicht so ganz ohne?

      Walter: Ja, der Modebranche ist es gelungen, die Kleidung als schnelles Produkt zu etablieren. Die haben bis zehn Kollektionen im Jahr. Das ist ein Trend, gegen den wir eigentlich ankämpfen. Das heißt, nachhaltig gute Qualität und ökologisch. Man muss nicht so viele Produkte kaufen, sondern eher darauf achten, wie die produziert sind. Wir merken in diesem Bereich, der entscheidende Faktor ist die Information. Die Leute wissen einfach nicht, wie komplex das Ganze ist, an welchen Schnittstellen man die Umwelt vergiften kann und wie viele Leute in dieser ganzen Kette nicht sozial gerecht behandelt werden. Ich würde mir wünschen, dass mehr darüber berichtet wird.

      Manuel: Wie waren die ersten Schritte, nachdem die Idee klar war?

      Walter: Für mich war der entscheidende Moment, als ich eine Produktionsstätte in Polen besuchte, wo einfach ökologische Jeans produziert und genäht wurden. Das hat mich so beeindruckt, dass ich dachte: Okay, das muss man machen. Ich habe gedacht: Es ist alles da, man muss das nur machen. Wir haben dann eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, um Geld fürs Design zu sammeln. Die ist auch gut gegangen, aber dann hat sich die Gruppe auseinandergelebt und ich dachte damals schon: Okay, jetzt ist alles vorbei. Und dann ruft mich Miriam an und sagt, dass sie mitmachen will. Das war eigentlich der Beginn von Fairjeans.

      Miriam: Da kam das eine zum anderen. Es ist recht ungewöhnlich, dass sich eine Gruppe von Menschen zusammenfindet, die dann Klamotten machen wollen, wenn keiner aus dem Mode- und Designbereich kommt. Meistens tun sich zwei Designer zusammen und die wollen sich um die Mode kümmern. Um das Ganze, was noch dazugehört, wenn man so ein Label gründet, dafür muss dann in der Regel jemand gefunden werden. Ich war halt vom Fach und das hat sich ganz gut ergänzt.

      Wie Miriam zu Fairjeans fand

      Manuel: Wie hast du denn davon erfahren?

      Miriam: Ich habe aus der Sonntagszeitung davon erfahren. Da war dieses Crowdfunding beschrieben. Ich kam gerade aus der Elternzeit, habe mir überlegt, wie geht es für mich beruflich weiter? Und dann habe ich gesehen: Ja, das ist ja genau das, was ich eigentlich schon immer mal machen wollte. Das Thema nachhaltige Bekleidung hat mich schon lange interessiert. Das ist in den 90er, 2000er Jahren so Stück für Stück ganz langsam gewachsen. Da hat sich in den letzten Jahren schon sehr viel getan.

      Manuel: War dir da schon klar, dass da jemand gesucht wird, dass da Leute auseinandergehen?

      Miriam: Nee, das wusste ich nicht. Ich habe mir da nicht viele Chancen eigentlich erhofft, aber ich dachte: Ich rufe an, weil wer nicht anruft, der gewinnt auf keinen Fall.

      Walter: Das war der Zeitpunkt, wo ich eigentlich dachte: Das ist vorbei.

      Manuel: Also kam sie genau im richtigen Moment?

      Walter: Sie kam da glaube ich eine Woche danach, wo ich eine Woche so dachte: Okay, schade. Man muss das Geld jetzt wieder zurückzahlen. Dann kam Miriam. Und ich dachte: Wow!

      Warum Konzepte sich schnell ändern können

      Manuel: Bei dem Crowdfunding, wie ist das abgelaufen?

      Walter: Also am Anfang war noch die Idee, dass wir eine Genossenschaft gründen. Es gab viele Überlegungen, wie man das Ganze breiter machen kann. Aber von vornherein wussten wir, wir wollen Jeans machen und es sollen bestimmte Schnitte gemacht werden. Das Konzept war da noch ein bisschen anders. Wir wollten mehr in diese Richtung, dass wir viele bestimmte Schnitte haben in verschiedenen Farben und dann sollen Scouts die Jeans irgendwo präsentieren und erst, wenn die bestellt werden, dann sollten die Jeans produziert und verkauft werden. Aber als Miriam dann kam, war mir schnell klar, dass es einfach nicht machbar ist in diesem Rahmen.

      Manuel: Erzähl mal vom diesem Moment, wo du gemerkt hast, das ist noch gar nicht so eine fertige Firma, sondern das erfordert, dass ich zur Gründerin werde. War dir das in dem Moment schon bewusst?

      Miriam: Ich bin da recht offen an die Sache herangegangen. Ich war froh, dass wir uns erstmal treffen konnten. Dann hieß es: Eine steigt auch noch aus, wir wären dann nur zu zweit. Dann haben wir uns ein paar Wochen mal einfach immer wieder lose getroffen und es gab noch ein paar andere Pläne. Es gab dann mal noch über einen längeren Zeitraum einen möglichen Investor, mit dem wir uns lang beschäftigt haben. Und was macht man dann? Man schreibt Businesspläne und überlegt sich die Finanzierung. Wir haben das am Anfang eher nebenberuflich betrieben, Walter hat noch seine Webdesign-Firma gehabt und ich war auch nur stundenweise einsetzbar. Von dem her hat das alles ein bisschen gedauert. Aber im Nachhinein ist das auch als gut zu bewerten, weil wir dann einfach so mit der Zeit, mit den Herausforderungen, die auf uns zukamen, wachsen konnten und uns nicht nach Businessplan innerhalb von ein, zwei Jahren mit einer Rieseninvestition Tausende von Hosen ins Lager gelegt haben und hinterher ist dann irgendwas an der Hose doch nicht so, wie wir es gerne gehabt hätten.

      Walter: Wir haben dann einfach so ein minimalistisches Konzept gemacht, das heißt eine Hose, ein Schnitt in verschiedenen Farben. Erstmal auf den Markt werfen, gucken, lernen, ist der Schnitt gut, was für Schnitte braucht man und so weiter. Und das war wirklich das absolut perfekte Konzept, was wir gemacht haben. Weil dadurch, dass wir auch hier den Laden haben, konnten wir lernen, welche Schnitte wir dann weiter brauchen, durch die Kommunikation mit den Kunden. Wir haben jetzt keine Produkte, die wir nicht brauchen. Wenn Männer kommen, gehen 90 Prozent mit einer Hose raus.

      Die Verknüpfung von Online-Business und Ladengeschäft

      Manuel: Ab wann hattet ihr denn den Laden? War die Grundidee anfangs ein reines E-Commerce Business?

      Miriam: Wir wollten eigentlich übers Internet gehen, aber Walter hatte eh hier sein Büro. Dann haben wir eine kleine Ecke erstmal für einen Laden umgeräumt. Ich glaube, erst war hier der Laden, oder?

      Walter: Wir haben das Büro auf diesen kleinen Raum hier reduziert und dann vorne Verkauf gemacht.

      Manuel: Meint ihr, es war nötig, dieses Ladengeschäft zu haben? Oder wäre das auch rein online gegangen?

      Miriam: Im Nachhinein, zu der Zeit, als wir gestartet haben, glaube ich, war es schon nötig. Also es hat uns viel geholfen, dass wir den Laden hier hatten. Weil wir so im direkten Kontakt mit den Kunden waren. Es hat von uns noch keiner einen Laden vorher betrieben, dann macht man da schon seine Erfahrungen und weiß, was den Kunden bei der Hose wichtig ist. Man lernt vielleicht auch jemand kennen, der sich bereiterklärt, Fotos zu machen, denn das braucht man dann auch wieder für den Onlineshop.

      Manuel: Ist das Online-Business mittlerweile das Hauptgeschäft oder wirklich auch über den Laden?

      Walter: Online ist das Hauptgeschäft. Wir wollten von vornherein schon online verkaufen. Wir wussten, dass wir keine B2B-Produkte verkaufen werden. Ich bin Webdesigner, ich habe erstmal Magento installiert und verschiedenen Plattformen überprüft. Das dauert, bis man im Internet Fuß fassen kann. Man baut eine Webseite auf und ist auf Platz x. Jetzt muss man erstmal im Ranking ein bisschen nach oben kommen. Dadurch, dass wir hier den Laden hatten, war das so ein gutes Gefühl. Wir haben hier Hosen verkauft und im Internet sind langsam die Umsätze immer gestiegen. Wir haben uns einfach konzentriert, was muss man da optimieren? Einer der Punkte war dann, wo wir auf Shopify umgestiegen sind. Wir suchten eine schnelle, einfache Plattform mit vielen Apps. Shopify hat einfach Tools, für die Marketingmaßnahmen, die heutzutage in sind oder sehr vorne liegen. Da gibt es sofort entsprechende Apps und das geht einfach zeitmäßig sehr schnell mit Shopify.

      Bio-Baumwolle und GOTS-Standard

      Manuel: Wie kam es jetzt dann wirklich bis zu diesem ersten, eigenen Produkt, wo ihr mit allem zufrieden wart? Gab es irgendwelche großen Stolpersteine?

      Miriam: Wir haben da die GOTS-Zertifizierung. Das heißt, dass jeder Schritt in der Produktionskette geprüft wird nach den Kriterien, die GOTS vorgibt. Jede Firma, die daran beteiligt ist, muss sich eben selbst dieser Prüfung unterziehen und zertifizieren lassen. Dann kriegt man ein Zertifikat oder wie so einen Stempel, und wenn die nächste Firma dann bei der vorhergehenden einkauft, dann wird das Zertifikat quasi wieder weitergegeben.

      Walter: Wenn man Denim braucht, geht man auf eine Messe, und da gibt es einfach Firmen, die GOTS-zertifizierten Denim produzieren. Dann nimmt man Muster, Proben und guckt, mit welchen machen wir das? Das heißt, da muss man nicht so tiefgehen. Wir sind zu zweit, wir haben einfach zu wenig Zeit, um sowas zu realisieren. Aber wir denken, dass wir irgendwann auch an die Orte gehen und den Leuten zeigen wollen, wie die Bio-Baumwolle angebaut wird, dass wir die Produktionskette auch zeigen können.

      Miriam: Das ist Zukunftsmusik.

      Manuel: Aber das kommt euch ja dann ganz gut entgegen, oder? Dass solche Sachen dann schon etabliert sind in der Branche. Es ist kein Problem an Biobaumwolle zu kommen.

      Miriam: Genau. Also das GOTS-Zertifikat, das ist auch eines der Besten, die es gibt, es gibt ja unzählige Textilsiegel. Es war dann klar für uns, dass wir uns nach dem richten, dass wir dann nicht eins nehmen, was vielleicht noch Kriterien nicht mit drin hat, was ein anderes Zertifikat hätte.

      Walter: Und wir hatten auch eine Näherei gefunden, die schon sehr, sehr lange produziert hat, eben nach GOTS-Standard, die viel Erfahrung hatte und auch eine Wäscherei. Wenn man dann mit den Leuten, die schon viel Erfahrung haben, in Kontakt kommt, ist der Austausch der Informationen sehr intensiv. Jeder will, dass das Produkt gut wird, weil man dann wieder bei denen nähen wird. Das hat uns auch sehr viel geholfen.

      Manuel: Du meintest eingangs, dass es mitunter das dreckigste Produkt ist, die Jeans. Woher kommt denn dieser Zustand?

      Walter: Ja schon von dem Anbau von Baumwolle, Pestizide. Dann Denim, man muss das färben, das heißt die Farbstoffe müssen geprüft werden, dass es keine giftigen, schädlichen Stoffe sind. Nur dann kriegt man die Zertifizierung. Dann vor allem die Wäscherei, alle Prozesse, die den Look der Jeans ausmachen, sind eigentlich so dermaßen giftig und schädlich, dass man da eigentlich den Fokus legen muss. Also eine Wäscherei finden, die nach den neuesten Standards arbeitet. Wir arbeiten zum Beispiel mit Lasertechnik.

      Manuel: Und das ist umweltschonender als mit Chemikalien, kann ich mir vorstellen.

       Miriam: Ja, auf jeden Fall. Man muss natürlich auch wissen, die Bekleidungsproduktion wandert ja immer in die Länder, wo es am günstigsten ist. Da gibt es dann oft nicht diese Standards wie bei uns, da gibt es dann einfach keine Kläranlage. Wenn bei uns mit diesen Chemikalien gehandhabt wird, dann wird das Wasser halt geklärt kann im Idealfall wieder in den Kreislauf eingeführt werden. Und das ist ja in vielen Ländern leider nicht so. Wir haben da einen relativ hohen Standard bei uns in Europa.

      Wir zahlen gern mal ein bisschen mehr, wenn wir dann wissen, dass die Sachen dafür in Ordnung hergestellt werden. So ist ja unser ganzes Konzept. Aber ich denke für große Ketten oder so sind es die 3 Cent, die es dann ausmachen.

      Warum der Verkauf über Zwischenhändler so schwer ist

      Manuel: Ich finde das so absurd, wenn man jetzt das alles so hört, dann würde man ja denken, eure Jeans sind um ein Vielfaches teurer als Markenjeans. Aber gerade im Vergleich zu großen Marken ist dieser Preisunterschied ja gar nicht so spürbar.

      Walter: Wir verkaufen die Jeans nicht bei Händlern, die verlangen einfach einen bestimmten Faktor. Da können wir nicht mithalten. Aber wir wollten einfach den Preis so platzieren, dass so eine Markenjeans auch ähnlich kostet. Dann war schon von vornherein klar, dass wir einfach Direktverkauf online machen.

      Miriam: Das hat von Anfang an zu unserem Konzept gehört. Also einfach direkt zu verkaufen, egal ob im Laden oder online. Über online erreicht man natürlich viel mehr Kunden. Von dem her fallen die Händler halt einfach raus. Also es gibt manche, die unsere Hose kaufen, die verzichten halt selber auf einen kleinen Teil vom Gewinn wie wir dann auch. Das ist für uns in Ordnung und damit kann man auch die Kunden zufriedenstellen. Aber so wie das ganze Klamottenkauf- und Verkaufsbusiness einfach sich über die Jahre entwickelt hat, da fallen wir aus der Rolle.

      Manuel: Da wärt ihr mit den Mengen, die ihr jetzt produziert, auch nicht fähig jetzt so eine ganze Ladenkette in Deutschland zu bedienen zu dem Preis, den sie wollten?

      Walter: Also möglich wäre es, aber wir wollen den Preis nicht da platzieren.

      Miriam: Ja. Dann geht es halt wieder los, dann soll der Preis dann doch wieder ein bisschen runter, dann musst du das weitergeben an deinen Hersteller und der gibt es dann natürlich in so weiter, dass er die Lohnkosten seiner Mitarbeiter senkt oder sonst guckt, wo er sparen kann. Das sind dann oft die Umweltauflagen. Das ist ja genau das, was wir eigentlich nicht wollten.

      Manuel: Habt ihr viele Mitbewerber, ist das schon ein Markt, der jetzt enorm wächst?

      Walter: Also es gibt so sechs, sieben Mitbewerber. Einige sind schon groß, aber wir sind noch, das ist so meine Abschätzung, wir sind noch reingekommen. Also seit uns hat sich keine Marke etabliert.

      Miriam: Fairjeans kennt man.

      Manuel: Jetzt aus Baumwolle kann man ja viel machen, nicht nur Jeans. T-Shirts habt ihr schon angesprochen. Wollt ihr euch auf diesen Bereich jetzt konzentrieren, wollt ihr da noch deutlich wachsen, oder wollt ihr auf euerm Kerngebiet Jeans und Baumwoll-T-Shirts bleiben?

      Walter: Jeans ist auf jeden Fall die Hauptsache, bei der wir bleiben möchten. Natürlich, wenn man merkt, der Kunde sucht etwas… Wir haben ja im Laden auch ein paar Gürtel hängen, dann ist es natürlich schön, wenn er bei uns dann die bio-faire Variante gleich dazu findet. So werden wir das vielleicht noch ein bisschen ausbauen. Aber es gibt jetzt keine Pläne, dass es nächstes Jahr das Fairjeans-Hemd und die Fairjeans-Jacke und die Fairjeans-Stiefel geben wird. Die Damenkollektion ist noch nicht abgeschlossen. Es kommen noch Damenjeans nächstes Jahr, zwei Schnitte wollen wir noch machen. Aber wir wollen schon bei Jeans bleiben, das ist unsere Leidenschaft, da haben wir schon viel Erfahrung. Eher langsam die Produkte optimieren, als sich breit aufzustellen und da und da probieren. Wir haben festgestellt, dass das für uns das bessere Konzept ist.

      Stückzahlen, BWL und Marketing als Challenge

      Manuel: Was würdet ihr denn sagen, war eure größte Herausforderung?

      Walter: Wenn man klein ist, ist es schwierig einen Produzenten zu finden, der sagt: Okay, 300 oder 200 Hosen von einer Waschung. Dann kriegt man das Produkt teurer. Das ist das Thema, was eine Firma, die von null anfängt, begleiten wird, bis man da eine bestimmte Größe erreicht, wo man auch verhandeln kann. Das können wir noch nicht. Dann die Lagerhaltung. Je mehr Produkte man hat, desto mehr Kapital bindet man, und dann die Produkte immer wieder bestellen und so weiter, das ist schon eine Herausforderung. Das hat uns zum Beispiel bei Shopify gut geholfen, das System hat eine Lagerhaltung, wir konnten das mit Kasse und anderen Marktplätzen verbinden. Wenn man klein ist, wenn man zu zweit arbeitet, sind diese Sachen plötzlich wahnsinnig wichtig, weil das so viel Zeit spart.

      Miriam: Ich empfinde immer diese Dinge als Herausforderung, die nicht zu meinem Metier gehören. Wie jetzt zum Beispiel auch das Marketing, dass einfach die Kunden von uns erfahren. Wenn ich jemand davon erzähle, sagt niemand: „Das finde ich ja doof, dass du das machst.“ Die finden das alle toll und sagen: „Ah, wo kann ich denn die Hose kaufen?“ Insofern, wenn die Leute von einem erfahren, dann kommen sie auch. Wenn sie die nächste Jeans dann brauchen, die kommen nicht sofort, die merken sich das zeitweise mal zwei Jahre. Das merken wir an Flyern, die wir 2016 mal verteilt haben und die immer noch ab und zu mit in den Laden gebracht werden von Leuten, die jetzt erst eine Hose brauchen.

      Manuel: Du kommst ja aus dem Online-Bereich, das heißt, du hast einen kleinen Startvorteil, dass du schon ungefähr weißt, wie SEO und so funktioniert. Was ist so das Wichtigste, der wichtigste Aspekt, den du mitgeben kannst?

      Walter: Die generische Optimierung. Also wenn man eine Webseite macht, bevor man in die bezahlte Werbung geht, die Webseite richtig gut machen, auf die Keywords optimieren, Texte schreiben zu den bestimmten Themen und da stark werden. Also das ist quasi die Grundlage, sonst zahlt man sich dämlich, wenn man das nur über bezahlte Werbung macht. Wir haben Glück, dass wir hier jemanden kennengelernt haben, der mit Shopify Marketing macht, hier aus Freiburg. Der hat uns sehr viel geholfen, auch die Tools, von denen ich gar nicht wusste, dass es die gibt, hat er uns gezeigt. Also ich denke schon, man braucht auch jemanden, der ein bisschen in diesem Fall für uns mit Shopify Erfahrung hat, der weiß, wie die Sachen funktionieren. Das ist alles sehr komplex, dieser Bereich Marketing. Es wichtig, dass man bestimmte Sachen so einrichtet, dass die von alleine funktionieren. Das heißt, so wie wir jetzt ein Bewertungssystem eingebaut haben, das läuft, wir kümmern uns um die Sachen nicht mehr. Das wird auch dann entsprechend bei Google angezeigt. Oder wenn jemand eine bestimmte Größe bei uns nicht findet, der kann eine E-Mail hinterlassen und so weiter.

      Wenn man viel Geld hat, kann man auf einmal irgendeine Marketingfirma beauftragen. Aber wir haben alles aus dem, was wir verkauft haben, finanziert.

      Manuel: Mit dem Wissen, was du jetzt hast, gibt es irgendwas, wo du sagst, das hätte ich gerne vorher gewusst?

      Miriam: Ja, da gibt es einige Dinge. Das ist schon auch die Sache mit Marketing und Vertrieb, weil ich davon halt vorher keine Ahnung hatte. Dass man sich da vielleicht mal einen Workshop gönnt, wo man 3 Monate an irgendwas teilnimmt und sich intensiv mit den Dingen auseinandersetzt. Wir haben auch vieles sehr gut gemacht. Dass wir erstmal mit einem Modell gestartet sind und dann geguckt haben, wie kommt das an und was muss man noch ändern, um ein anderes Modell daraus zu bauen. So wie wir es bei der Herrenkollektion gemacht haben. Das war schon eigentlich sehr gut. Dann ist natürlich noch, dieses Thema mit den BWL-Geschichten. Wie mache ich es mit der Buchhaltung? Da gibt es mittlerweile auch viele Lösungen. Wenn man sich da von vornherein schon besser damit auskennt, hätte es schon seine Vorteile gehabt.

      Manuel: Man muss so viel an der Firma arbeiten und nicht an den Produkten selber. Das unterschätzt man, glaube ich, oft einfach.

      Miriam: Genau. Dann ist schon dieses Thema Komponentengründung, sehr wichtig. Dass man sich in Bereichen, in denen man nicht Spezialist ist, einen Experten dazu holt. Dafür braucht man dann natürlich auch ein gewisses Kapital.

      Walter: Ich glaube, wir hatten echt Glück, dass wir keinen Investor gefunden haben. Wir mussten das Konzept minimieren und haben die Möglichkeit bekommen, wirklich klein, mit einer Hose die Erfahrung zu sammeln und da drauf aufzubauen. Dadurch ist eine Herrenkollektion mit drei Jeans, die komplementär sind, entstanden. Bei Damen machen wir das genauso. Was könnten wir anders machen? Eigentlich würde ich es genauso machen!

      Manuel Fritsch: Du hast gesagt: Es war fast Glück, dass ihr keinen Investor gefunden habt. Aus dem Grund heraus, dass es euch befreit hat, dass ihr euer eigener Chef, eure eigene Chefin wart?

      Walter: Vor allem für mich war es auch wichtig, dass ich Erfahrung sammeln konnte. Man hat eine Hose, jetzt hat man das hier im Regal, dann hat man es im Internet und was nun? Jetzt muss man die verkaufen. Also was ist der nächste Schritt? Wie verkauft man diese eine Hose? Und dann überlegt man. So haben wir es gelernt.

      Manuel: Wie habt ihr das denn dann finanziert ohne Investor? Über das Crowdfunding allein hat es wahrscheinlich nicht funktioniert, oder?

      Walter: Jeder von uns hat Startkapital reingesteckt und wir haben so angefangen.

      Miriam: Vor allem, wir haben ja nicht nur 10 Größen pro Modell, wie man es vielleicht bei einem T-Shirt hat. Wir haben auch noch die verschiedenen Längen. Wir haben teilweise pro Modell 38 Varianten, und dann haben wir das Modell in zwei Waschungen und alle solltest du dahaben.

      Walter: Vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum wir bei der Jeansproduktion seit vier Jahren keine neue Marke auf den Markt in diesem Bereich bekommen haben, weil der Start richtig hart ist. Ich glaube, weil wir nur mit einem Schnitt angefangen haben, konnten wir das finanzieren und konnten dann einfach das Ganze erweitern. Sonst braucht man wirklich ein gutes Kapital und man muss sich dann absolut sicher sein, dass auch der Verkauf dann auch funktionieren wird.

      Freiburg Vauban – der perfekte grüne Standort?

      Manuel: Würdest du sagen, dass Freiburg ein ideales Startfeld ist für so ein Unternehmen?

      Miriam: Ja und Nein. Das ist glaube ich viel Klischee. Klar, wir sind jetzt hier relativ zufällig in Vauban. Oder wer weiß, vielleicht war es auch kein Zufall.

      Manuel: Also der grünste Stadtteil Deutschlands.

      Miriam: Genau. Aber natürlich, dass wir hier das Büro hatten, was jetzt ein Laden ist mit ebenerdigem Eingang, das ist durchweg als positiv zu bewerten. Wenn wir jetzt kein Laden gehabt hätten, weiß ich nicht, ob wir das Konzept so umgesetzt hätten oder ob wir uns dann einfach ein anderes Konzept gebaut hätten, nach dem wir uns dann gerichtet hätten.

      Walter: Die Freiburger kommen hier in den Laden. Wir haben noch eine zweite Seite nur für den Laden für Freiburg gemacht, dass die Leute „Jeansladen“ suchen und dann finden die uns auch, auch wenn sie nicht nur nach Bio-Jeans suchen. Aber wir wollen deutschlandweit verkaufen, erstmal in Deutschland. Ja.

      Manuel: Was möchtet ihr dringend noch einmal gesagt haben?

      Walter: Was ich mir wünschen würde, dass in der Politik mehr Fokus daraufgelegt wird, dass die Länder oder die Firmen, die irgendwo produzieren, die Verantwortung übernehmen über die sozialen und ökologischen Standards. Wenn man den Firmen nicht diese Vorgaben macht, werden sie das nicht machen oder nur sehr langsam. Ich glaube, wir sind an so einem Punkt gekommen, dass wir diesen ökologischen Aspekt in der Produktion von allen möglichen Sachen sehr stark in den Fokus stellen müssen. Das muss sich einfach ändern. Und ich würde mir wünschen, dass da in der Politik ein bisschen mehr Druck gemacht wird.

      Miriam: Und dann liegt es natürlich noch an den Konsumenten. Also Leute, kauft weniger, dafür bessere Qualität! Guckt, wo und wie es produziert wird! Beim Klamottenkauf sind es oft irrationale Entscheidungen. Gerade, wenn du da als Teenager anfängst, dir deine Klamotten selbst zu kaufen, machst du dir keine Gedanken drüber wie Primark produziert. Das zählt in dem Moment nicht. Du willst so und so aussehen, bei deinen Kumpels gut ankommen oder dich von ihnen abgrenzen. Für mich war das früher auch kein Thema. Ich merke schon, wenn man da an irgendwelchen tollen Schaufenstern vorbeiläuft, das Hirn schaltet manchmal um. Also sich ab und zu mal wieder runterholen, nicht gleich jedem Reflex nachgehen und einfach drüber nachdenken, was dahintersteckt!


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      Which method is right for you?Manuel Fritsch ist der Moderator des Shopify Podcasts. 2000 gründete Manu sein erstes Unternehmen und arbeitete 15 Jahre in der Agenturwelt. Seit 2015 ist er als freiberuflicher Spielejournalist für Fachmagazine, Zeitungen und seinen eigenen Podcast mit inzwischen über 2.500 Folgen tätig.

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