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Digitales Nomadentum: Arbeiten von überall aus (und wie man das erreichen kann)

Digital Nomad, also "Digitaler Nomade", klingt wie der absolute Traumjob: Die Welt bereisen, nur mit einem Laptop und dem Wenigen bepackt, was man sonst zum Leben braucht, in irgendeinem Café im Ausland oder mit einem Cocktail in der Hand am Strand das tägliche Arbeitspensum bewältigen.

Doch ganz so traumhaft, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag, ist dieses Dasein nun auch wieder nicht.

Digitaler Nomade ist keine Berufsbezeichnung, sondern ein Lebensstil, den immer mehr Leute wählen, dank eines neuen Trends, durch den sich unsere Möglichkeiten Karriere und Privatleben miteinander zu vereinbaren, ändert:

Fernarbeit (oder etwas internationaler: remote work).

Die Entwicklungen im Bereich der Technologie und was die Einstellung zu Arbeit und Privatleben angeht, erlauben es Angestellten und Unternehmen mittlerweile in vielen Fällen von zu Hause aus zu arbeiten. Und was heißt das für eine neue Generation, die das Reisefieber gepackt hat? Arbeiten von überall aus – solange eine Wi-Fi-Verbindung besteht.

Was ist ein digitaler Nomade?

Ein digitaler Nomade entscheidet sich als Lebensstil für die Arbeit aus der Ferne und verdient mithilfe von Technologie seinen Lebensunterhalt, was ihm ermöglich, so mobil zu sein, wie er möchte.

Digitale Nomaden arbeiten in der Ferne, um ihre Reisen zu finanzieren und ihr Fernweh zu stillen.

Es gibt keine Voraussetzungen, wo und wie lange sie sich irgendwo aufhalten müssen, um sich als digitaler Nomade zu qualifizieren. Es ist lediglich eine Möglichkeit, die Ihnen als mobiler Arbeitnehmer oder Unternehmer offensteht, wenn Sie Ihren Lebensunterhalt verdienen können, ohne unbedingt an ein und demselben Ort bleiben zu müssen.

Mittlerweile ist es auch für viele Menschen einfacher, sich für diese Möglichkeit zu entscheiden, einfach weil sich unsere Arbeitsweise verändert hat.

Arbeitgeber überdenken den Achtstundentag

Der Achtstundentag ist ein Überbleibsel aus einer Zeit, als Leistungsoptimierung noch hieß, körperliche Arbeit und Privatleben ins Gleichgewicht zu bringen, indem man bei Arbeitsantritt und zum Feierabend ein- bzw. ausstempelt.

Doch durch den Anstieg sogenannter "Wissensarbeits"-Jobs, in denen Arbeitnehmer Denken und Wissen beitragen, machen geregelte Arbeitszeiten oft wenig Sinn, wenn man E-Mails am Wochenende zu Hause beantwortet oder man abends oder nachts kreativer ist.

Eine Studie in einem Call-Center ergab, dass sich, wenn man Angestellten die Möglichkeit gibt, extern zu arbeiten, nicht nur ihre Arbeitszufriedenheit verbessert, sondern auch ihre Produktivität um 13,5 Prozent steigert.

Technologie hat die Arbeit grundlegend verändert 

Dank der technologischen Innovationen der letzten 20 Jahre bieten uns ein Laptop und die Cloud alles, was wir brauchen, um sowohl eigenverantwortlich als auch im Team besser zu arbeiten.

Die Entwicklung von Technologie, die Fernarbeit ermöglicht.

 

Technologie erlaubt es uns, dass Arbeit über große Entfernungen hinweg erledigt werden kann, und genau das ist es, was ein digitales Nomadenleben überhaupt möglich macht. Der Rest liegt an Ihnen und daran, wie Sie Ihren Lebensunterhalt verdienen wollen.

Wie wird man zum digitalen Nomaden – Tipps von einer, die so lebt

Laut Martina Russo, einer reisebegeisterten Übersetzerin, mit der ich über ihren Lebensstil als digitale Nomadin sprach, sollte man sich selbst nicht so sehr fragen "Wie werde ich ein digitaler Nomade?", sondern vielmehr:

"Was kann ich gut? Was mache ich gern? Was brauchen die Leute? Und kann ich das online machen, um meinen Lebensstil zu finanziere?"

Man braucht als digitaler Nomade keine besonderen Fähigkeiten. Man muss nur gut sein in dem, was man tut, und seine Dienste oder Produkte oder was auch immer online verkaufen können.

Um zum digitalen Nomadentum überzuwechseln, braucht man drei Dinge:

  1. Einen Einkommensstrom (oder mehrere), der online 100-prozentig gesichert ist.
  2. Einen Laptop und eine gute Internetverbindung an dem Ort, an dem man arbeiten möchte.
  3. Ein fundiertes Verständnis für persönliche Finanzplanung und Cashflow-Management, um im Rahmen seiner Mittel zu leben.

Martina lebt in Italien, genauer gesagt in Mailand und verbringt mehrere Monate im Jahr auf den Galapagos Inseln, in Kambodscha, Ecuador und allen möglichen anderen Orten auf der Welt. Aufgrund ihrer freiberuflichen Tätigkeit als Übersetzerin vom Englischen, Deutschen und Spanischen ins Italienische und Schweizer Italienisch ist es ihr möglich, ein digitales Nomadendasein zu führen.

Sie hatte anscheinend nie geplant, "digitale Nomadin" zu werden. Doch sie studierte Übersetzung und beschloss dann, sich selbstständig zu machen, um Ihrer Arbeit ausschließlich online nachgehen zu können – eine Arbeit, die sie eben gerne auch ab und zu in neuer Umgebung macht.

Nebenher betreibt sie außerdem einen E-Commerce Shop namens Freelancer at Work, wo sie Laptop-Aufkleber verkauft, mit denen andere, die mobil arbeiten, damit prahlen können, was sie tun.

Die Idee für ihr Nebengeschäft hatte sie, als sie in Kroatien in einem Café arbeitete. Dort sahen häufig Leute neugierig zu ihr hinüber, die sich vermutlich fragten, was sie da wohl so mache. Also entwarf sie einen "translator at work"-Aufkleber, klebte ihn auf ihren Laptop, damit alle sehen konnten: "Ich bin nicht nur hier, um die Internetverbindung zu nutzen und Filme zu gucken. Ich arbeite."

Ihre Produktidee fand enormen Anklang bei anderen mobil tätigen Freiberuflern in ihrem sozialen Netzwerk, die den Aufkleber sahen (Texter, Redakteure, Entwickler), und so beschloss sie daraus ein E-Commerce-Unternehmen zu machen und sich mit einem zuverlässigen Anbieter zusammenzutun, um Bestellungen aus der Ferne aufnehmen zu können. 

Freelancer at Work spiegelt für Martina ihre Überzeugung wider, dass "digitaler Nomade" weniger ein Job, als vielmehr eine Entscheidung ist, sich die Arbeit aus der Ferne auf unkonventionelle Art und Weise zu eigen zu machen.

Das wirft aber natürlich die Frage auf: Welche Berufe eignen sich für einen Lebensstil als digitaler Nomade?

Die besten Jobs für digitale Nomaden 

Die einzige Voraussetzung für ein Leben als digitaler Nomade ist, dass man 100-prozentig aus der Ferne von seinem Laptop und seinem Telefon aus seine Abenteuer finanzieren kann.

Wie sich herausgestellt hat, gibt es viel mehr Jobs, die den Anforderungen entsprechen, als Sie vielleicht erwartet haben.

Viele Shopify-Experten arbeiten auch aus der Ferne als Entwickler, Designer und Marketingexperten mit Händlern zusammen und helfen dabei, Shops aufzubauen und Unternehmen zu vergrößern. 

E-Commerce-Unternehmer

E-Commerce-Unternehmer können oftmals arbeiten, auch wenn sie auf Reisen sind, weil sie die einzigen Aufgaben, die bei einem E-Commerce-Unternehmen aus der Ferne nur schlecht möglich sind, anderen übergeben: Versand und Bestellungsabwicklung.

Manche nehmen diese Hürde, indem sie Dropshipping benutzen. Andere (wie Martina) finden einen Anbieter, auf den sie sich verlassen können und der die Produkte an die Kunden versendet. Wieder andere erfinden digitale Produkte, wodurch man überhaupt keinen realen Bestand verwalten muss.

Sobald dieses Problem gelöst ist, können Sie die anderen Aufgaben, die ein Geschäft mit sich bringt - vom Marketing bis zur Kundenbetreuung - von unterwegs aus erledigen und, wenn das Unternehmen wächst, an andere outsourcen, um sich selbst mehr Zeit zu verschaffen.

Erfahren Sie in dieser Folge von Shopify Masters, wie Chris Cage, Inhaber von Greenbelly Meals, mit seinem E-Commerce-Unternehmen seine Reisen finanziert. (Die Folge ist allerdings auf Englisch.)

Schriftsteller, Journalist, Redakteur, Übersetzer

Fast jede Arbeit, die mit Wörtern zu tun hat, kann aus der Ferne getan werden. Egal ob Sie Inhalte erstellen, Bücher überarbeiten, jemanden für eine Geschichte interviewen oder eine Website texten, Sie können diese Arbeiten für einen Kunden ausführen, ohne im selben Zimmer zu sein.

Entweder Sie suchen sich einen Arbeitgeber, der akzeptiert, dass Sie aus der Ferne arbeiten, oder Sie machen sich mit Ihrem Unternehmen und Ihrer Marke als unabhängiger Freelancer oder unabhängige Agentur selbstständig.

Entwickler oder Designer

Jobangebote für Entwickler und Designer, die aus der Ferne arbeiten möchten, findet man sehr häufig in allen möglichen Stellenbörsen. Sie können sogar Ihre eigenen Produkte entwerfen und daraus ebenfalls  eine Einkommensquelle schaffen. 

Marketingexperten

Übers Laptop hat man auf fast alle Tools, die man als Marketingexperte benötigt, Zugriff. Und da digitales Marketing zum größten Teil messbar ist, ist es für Kunden und Arbeitgeber ganz einfach, Marketingexperten weiterhin in die Verantwortung zu ziehen, auch wenn diese vom anderen Ende der Welt aus arbeiten.

Kundenbetreuung

Jobs im Bereich Kundenbetreuung gehörten zu den ersten, die aus der Ferne ausgeführt werden konnten, da man mit Kunden in den meisten Fällen ausschließlich übers Telefon, via E-Mail oder Chat Kontakt hat.

Kundenbetreuung ist außerdem ein idealer Beruf, der sich gut aus der Ferne ausüben lässt, weil Unternehmen überall auf der Welt Teams brauchen, um rund um die Uhr, sieben Tage die Woche erreichbar zu sein.

Viele unserer Shopify Gurus, d.h. unser Händler-Support-Team, arbeiten auch aus der Ferne (wir suchen übrigens gerade deutschsprachige Mitarbeiter in dem Bereich!).

Und Jobs, die Sie nicht erwartet hätten

Die oben genannten sind die üblichen Verdächtigen, wenn man an Arbeit aus der Ferne denkt. Doch immer mehr Berufe machen sich Technologie zu eigen, um sich mit Kunden und Auftraggebern austauschen zu können, ohne im selben Raum zu sein. Es gibt sogar neue Berufe, die speziell dafür geschaffen werden, um aus der Ferne ausgeübt zu werden, etwa hauptberufliche virtuelle Berater.

"Es gibt Leute, die Dinge aus der Ferne machen, die ich nie für möglich gehalten hätte", erzählt Martina. "Fitnesstrainer, Psychologen – es ist unglaublich, was für verschiedene etablierte Berufe die Leute online ausüben. Auch auf Kundenseite sind die Menschen immer offener und akzeptieren diese Art von Arbeit immer mehr."

Die besten Orte zum Arbeiten für digitale Nomaden

Natürlich sind manche Länder besser für den Lebensstil und das Einkommen digitaler Nomaden geeignet als andere.

Nomad List zufolge (einer Online Community und Datenbank von Städten für digitale Nomaden) sind, basierend auf dem Feedback von Usern, folgende fünf Städte insgesamt am besten für die Arbeit aus der Ferne geeignet:

  1. Bangkok, Thailand
  2. Barcelona, Spanien
  3. Berlin, Deutschland (Hurra!! Sie müssen also gar nicht so weit reisen...)
  4. Chiang Mai, Thailand
  5. Budapest, Ungarn

Doch es gibt noch viel mehr Orte auf der Welt und jede Stadt hat ihre eigenen Nuancen über die offensichtlichen Lebenshaltungskosten hinaus.

Durch Crowdsourcing bekommt Nomad List auch Feedback von ihrem Netzwerk digitaler Nomaden, die anhand einer ausführlichen Liste mit Überlegungen, an die man so gar nicht unbedingt denkt, Städte begutachten. Von kulturellen Unterschieden, was z.B. die Meinungsfreiheit angeht, über wie freundlich die Einheimischen Fremden gegenüber sind, bis hin zur Verfügbarkeit von Fahrgemeinschaftsdiensten. Man kann dort sogar sehen, was eine Tasse Kaffee kostet und wo die besten Coworking-Räumlichkeiten sind.

Hier sieht man den Nomad Score von Bangkok.

 

Gehen Sie mal auf Nomad List, wenn Sie mit dem Gedanken spielen, im Ausland zu arbeiten. Mobile Arbeitnehmer und Unternehmer erhalten dort nützliche Informationen, damit sie wissen, auf was sie sich einlassen, ehe sie sich für einen neuen Arbeitsort in der Ferne entscheiden.

Was sind die Schattenseiten des digitalen Nomadentums?

Das Leben als digitaler Nomade besteht nicht nur aus Abenteuern - insbesondere, wenn man die Annehmlichkeiten eines Achtstundentages im Büro oder die Arbeit von zu Hause aus gewöhnt ist.

"Am Anfang ist es sehr schwierig", erklärt Martina. "Man muss schlau sein und Möglichkeiten finden, damit man auch sicher jeden Monat ein gewisses Einkommen zur Verfügung hat. Am besten und effizientesten schafft man das, wenn man sich Quellen für passives Einkommen schafft."

Martina unterstreicht, wie wichtig es ist, sich als unabhängiger Unternehmer oder Freelancer Einkommen zu erwirtschaften, auf das man sich monatelang im Voraus verlassen kann, und dieses diversifiziert, damit man nicht auf eine einzige Quelle angewiesen ist. Manchmal passiert etwas Unvorhergesehenes und man kann längere Zeit nicht arbeiten, was hart sein kann, wenn man keinen Notgroschen zur Seite gelegt hat.

"Setzen Sie nicht alles auf eine Karte. Ich hatte mal eine holprige Zeit, während der ich sechs Monate nicht arbeiten konnte. Als Freelancer braucht man immer einen Plan B. Man muss sparen (Geld) – das ist unheimlich wichtig. Ich habe noch nie in meinem ganzen Leben gespart und jetzt habe ich gelernt, wie entscheidend das ist."

Außerdem sollte man auf die verschiedenen Zeitzonen achten, weil man sonst unter Umständen zu ungewöhnlichen Zeiten arbeiten muss, um Kundenbedürfnissen gerecht zu werden und Fristen einzuhalten. Das sollten Sie unbedingt miteinkalkulieren, wenn Sie sich entscheiden, wo Sie die nächsten paar Monate verbringen wollen.

Aber diesen Kompromiss muss man eben eingehen, wenn man sich statt für ein strukturiertes Arbeitsleben für Freiheit entscheidet.

Von der Couch oder einem anderen Land aus arbeiten

Digitales Nomadentum ist eine großartige Möglichkeit, die immer mehr Menschen wahrnehmen werden, je weiter sich die Technologie, die für einen solchen Lebensstil notwendig ist, entwickelt und je mehr sich die Leute an den Gedanken gewöhnen, dass Arbeit nicht unbedingt von einem Büro aus erledigt werden muss.

Derselbe Wandel in unserer Arbeitswelt, der es uns ermöglicht von zu Hause aus zu arbeiten,  bietet begeisterten Reisenden auch die Chance dies von anderen Schauplätzen aus zu tun, ohne dass sie sich für einen von beiden Arbeitsplätzen entscheiden müssen.

Wenn Sie gerne reisen und es satthaben, auf den nächsten Urlaub zu warten, um die Welt zu erkunden, sollten Sie sich vielleicht mal schlaumachen, wie Sie aus der Ferne arbeiten können, damit Reisen für Sie weniger Entrinnen bedeutet, sondern vielmehr zu einem Lebensstil wird.


Which method is right for you?Geposted von Hendrik Breuer: Hendrik ist Redakteur des deutschen Shopify-Blogs. Möchten Sie einen Gastbeitrag veröffentlichen? Dann lesen Sie bitte zuerst diesen Leitfaden. Hendrik erreichen Sie übrigens auch auf Twitter.

Dieser Artikel von Braveen Kumar erschien ursprünglich auf Englisch im Shopify.com-Blog und wurde übersetzt von Freddie Debachy.

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