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Krise Coronavirus: Ein Risiko für den Onlinehandel? Das kannst du jetzt tun!

Ein Thema dominiert die öffentliche Wahrnehmung derzeit wie kein anderes: der Coronavirus. Auch wir bei Shopify haben wegen dieser neuartigen Krankheit bereits einige Konsequenzen ziehen müssen, wie du in unserem März-Update nachlesen kannst.

Im Dezember 2019 entdeckte Dr. Li Wenliang im Zentralkrankenhaus von Wuhan eine Viruserkrankung, die in ihren Symptomen dem Sars-Erreger ähnelt. Heute kennt die ganze Welt den Erreger als Coronavirus, wegen dem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) einen internationalen Notstand ausrief. 

Die Angst vor einer möglichen Pandemie führt auch in der Weltwirtschaft zu Unsicherheiten und zu bereits deutlich spürbaren Folgen. In diesem Beitrag erfährst du, welche Konsequenzen das Coronavirus für den Onlinehandel nach sich zieht. Außerdem beleuchten wir, warum gerade Dropshipping-Unternehmen besonders von den Folgen des Virus betroffen sind und welche Maßnahmen du als Händler nun ergreifen solltest.

Die neue Gefahr: Was ist der Coronavirus?

Der Coronavirus (medizinische Bezeichnung SARS-CoV-2) löst eine Erkrankung der Atemwege aus. Zu den Symptomen gehören Fieber, Husten, Schnupfen und Halsschmerzen, die sich im schweren Verlauf zu Atembeschwerden und einer Lungenentzündung ausweiten können. In China hat das Virus bereits über 3.000 Menschenleben gekostet.

Podcast-Sonderfolgen: So lange die Corona-Krise anhält, berichten wir in aktuellen Sonderfolgen unseres Podcasts über hilfreiche Initiativen und Projekte von Händlern und Partnern in Deutschland, Österreich und der Schweiz. In die erste Folge könnt ihr hier reinhören - viele weitere werden folgen. Abonniert den Podcast jetzt. Wir versprechen: In jeder der maximal 15-minütigen Folgen gibt es ein wichtiges Learning für Online- und Einzelhändler!  

China taumelt – Die Folgen der Epidemie auf die Weltwirtschaft

Das öffentliche Leben ist in weiten Teilen Chinas zum Erliegen gekommen. In zahlreichen Städten der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt sind die Straßen wie leer gefegt und Fabriken stehen still.

Wenn an der sogenannten Werkbank der Welt nicht mehr gearbeitet wird, hat das natürlich spürbare Konsequenzen für die globale Wirtschaft:

Die Maschinen stehen still: Produktions- und Lieferengpässe

Es existiert weltweit kaum ein größerer Konzern, der nicht zumindest einen Teil seiner Waren in China produzieren lässt. Selbst wenn die Endmontage eines Produkts nicht im Reich der Mitte erfolgt, werden dort zumindest wichtige Bauteile hergestellt. Prominentestes Opfer dieser Entwicklung ist schon jetzt das wertvollste Unternehmen der Welt. Apple sah sich gezwungen, seine Umsatzprognose für das laufende Quartal zurückzunehmen, weil es zu Lieferengpässen rund um das iPhone kommt.

Wer krank ist, geht nicht shoppen: Schwindende Nachfrage

Doch China ist nicht nur die wichtigste Produktionsstätte im globalen Warenzyklus, sondern auch der weltgrößte Absatzmarkt. Zumindest bislang. So wurden in den ersten zwei Februarwochen 2019 laut chinesischem Autoverband beispielsweise noch 59.930 Fahrzeuge verkauft. In diesem Jahr belief sich diese Zahl gerade einmal auf 4.909. Der Verband macht dafür explizit den Virus verantwortlich, denn wo Menschen sich aus Angst vor einer Infektion kaum mehr vor die Tür wagen, bricht der Konsum bald ein. 

Niemand braucht noch Öl: Sinkende Rohstoffpreise

Wenn die Werke in China stillstehen, schwindet damit natürlich auch die Nachfrage nach Rohstoffen. Vor allem Öl und Kupfer sind daher so billig wie seit Jahren nicht mehr. Was sich nun zunächst nach einer Konjunkturspritze für den Rest der Welt anhört, hat durchaus negative Konsequenzen: in den rohstofffördernden Ländern bricht die Wirtschaft ein. Die Nachfrage, auch nach deutschen Gütern, sinkt.Ein ContainerhafenZwanzig Prozent des globalen Handels laufen über China

Am härtesten haben die Folgen der Corona-Krise bislang die chinesische Wirtschaft getroffen. Dort brachen die Kurse diverser börsennotierter Unternehmen bereits ein.

Die Welt ist zu vernetzt und zu global geworden, als dass sich eine Krise in einem Land wie China nicht auf den Rest von ihr auswirken würde – und betroffen davon ist natürlich auch der Onlinehandel.

Das Netz bebt: direkte Konsequenzen für den E-Commerce

Apple ist natürlich nicht der einzige Weltkonzern, der sich bereits mit den Auswirkungen der Corona-Krise beschäftigen. Auch Amazon bereitet sich laut öffentlich gewordenen internen E-Mails auf einen möglichen Sturm vor, füllt seine Lager und kommt zahlreichen Zulieferern preislich entgegen.

Wenn der Branchenprimus in Sachen E-Commerce also zittert, ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass auch kleinere Marktbegleiter sich auf unsichere Zeiten im E-Business einstellen müssen.

Die zwei großen Gefahrenherde für dich als Onlinehändler sind:

1. Die Produktionskette und die Warenwege sind bedroht

Apple wird nicht der einzige Konzern bleiben, der die Auswirkungen von verwaisten Fabriken und unbesetzten Produktionsbändern spürt. Insbesondere kleinere Unternehmen sollten sich darauf einstellen, die Auswirkungen des Virus zu spüren. 

Der iPhone-Konzern besitzt Milliardenreserven und kann sich zeitnah und schnell nach neuen Produzenten umsehen. Ein mittelständisches Unternehmen dagegen ist machtlos, wenn die Sommerkollektion ausbleibt, weil in einer chinesischen Reißverschlussfabrik nicht mehr gearbeitet wird oder Lastwagen Teile nicht mehr von A nach B bringen.

Es reicht demnach, wenn es in der stark verzweigten Kette von Produzenten, Zulieferern, Speditionen und Frachtschifffahrtgesellschaften an einer einzigen Stelle hakt, um in Deutschland für ausbleibende Lieferungen zu sorgen. 

2. Die Angst vor chinesischen Produkten

Selbst wenn deine Lieferanten noch nicht unter der Virusepidemie leiden, solange sie in China sitzen, besteht das Risiko, dass Kunden deinen Waren mit großer Skepsis begegnen werden. Zwar gibt es noch keinerlei Berichte darüber, dass ein Konsument sich an einem Mixer „Made in China“ mit dem Coronavirus infiziert hat, aber Angst ist selten rational.

So wurden in den USA beispielsweise die Filialen eines Asia-Imbisses boykottiert, obwohl dort ausschließlich amerikanische Lebensmittel verarbeitet werden und Menschen arbeiten, die seit Generationen keinen chinesischen Boden mehr betreten haben.

Du kannst also damit rechnen, dass Konsumenten in den nächsten Monaten eine gewisse Vorsicht an den Tag legen werden, wenn es um importierte Artikel geht. Dieser Gedankengang mag abwegig anmuten, ändert aber nichts an den daraus resultierenden Umsatzeinbußen.

Besonderes Risiko: Dropshipping

Die Gefahr, von Lieferschwierigkeiten und ausbleibenden Bestellungen betroffen zu sein, ist dabei ungleich höher, wenn dein Geschäft vor allem auf Dropshipping beruht. Denn:

  1. Du besitzt als Dropshipper kein Warenlager, auf das du bei Produktionsengpässen zurückgreifen kannst. Fällt dein Produzent in China aus, kommt der Verkauf deiner Güter unmittelbar zum Erliegen. Weiterhin ist es dir ohne die dazugehörige Logistik nicht möglich, schnell noch Waren zu hamstern, bevor die Krise auch dich betrifft.

  2. Du bist auf eine viel längere Logistikkette angewiesen, als nur auf deinen Produzenten. Es reicht nicht aus, dass die Fabrik weiterarbeitet. Auch die Spedition vor Ort darf ihre Arbeit aufgrund der Corona-Krise nicht einstellen. Gleiches gilt für die Reederei. Natürlich haben auch Händler mit eigenem Lager mit diesem Problem zu kämpfen, aber dich trifft es unmittelbarer: Hakt es auch nur an einem Zahnrad in der Maschine, steht dein Geschäft unter Umständen plötzlich ohne Ware da.

  3. Allen Produkten, die du jetzt verkaufst, haftet der Ruch an, während der Epidemie produziert worden zu sein. Du kannst deine Kunden nicht mit dem Argument beruhigen, dass deine Artikel sich schon seit einem halben Jahr in einem deutschen Warenlager befinden. Angst geschürten Kaufzweifeln hast du so nur wenig entgegenzusetzen.

Betreibst du bereits ein Dropshipping-Geschäft, solltest du dir unsere Tipps im nächsten Abschnitt besonders zu Herzen nehmen. Gleiches gilt, wenn du mit dem Gedanken spielst, in dieses Business einzusteigen.

Dem Sturm entgegen – was du nun tun solltest

Schwierigkeiten im E-Commerce sind vorprogrammiert. Da es jedoch selten nützt in Panik zu geraten, solltest du dich nun für das Schlimmste wappnen. Bleiben die Folgen des Virus am Ende doch aus oder sind nur mäßig stark, hast du einige Vorkehrungen im ungünstigsten Fall umsonst getroffen. 

Dies sind die Stellschrauben, an denen du drehen kannst:

1. Kontaktiere deine Hersteller

Kommunikation ist gerade in Krisenzeiten von entscheidender Bedeutung. Kontaktiere daher umgehend deine wichtigsten Lieferanten und informiere dich direkt über ihre Lage. Wir empfehlen dir dabei möglichst das persönliche Gespräch zu suchen. Natürlich ist es einfacher, eine E-Mail zu versenden, als ein Videotelefonat zu führen. Aber Papier ist geduldig; im Gespräch lassen sich Probleme dagegen nur schlecht vertuschen. Nimm die Mühe den passenden Ansprechpartner zu erreichen in Kauf und vertraue nicht auf noble Absichtserklärungen in einer Mail.

2. Fahre deine Verkäufe zurück

Es mag für dich als Händler zunächst widersinnig klingen, aber wenn die Situation weiter eskaliert, hast du es bald mit einem Sellers-Market zu tun. Das bedeutet, es gibt eine größere Nachfrage, als vom Warenangebot abgedeckt werden kann. Deine Konsequenz daraus ist, deine Werbemaßnahmen zurückzufahren und deine Preise anzuheben – immer vorausgesetzt natürlich, das Angebot verknappt sich tatsächlich. Es ist besser, weniger Artikel zu einem höheren Preis zu verkaufen, als Kunden zu verlieren, weil du ihre Bestellung nicht bedienen kannst.

3. Suche nach alternativen Anbietern

China ist als Hersteller attraktiv, weil Waren dort günstig produziert werden. Das bedeutet im Umkehrschluss allerdings nicht, dass du deine Artikel nicht auch woanders beziehen kannst. Vielleicht ist ein europäischer Anbieter teurer, dafür hat er andere Vorteile: Die Lieferwege sind kürzer, deine Ansprechpartner sitzen nicht am anderen Ende der Welt und vor allem ist der Rest des Globus noch nicht so stark vom Coronavirus befallen wie China. Schau dich also rechtzeitig nach neuen Lieferkanälen um und nimm dabei gegebenenfalls kleinere Margen in Kauf, denn ein schmalerer Gewinn ist gar keinem Umsatz in jedem Fall vorzuziehen.

Ein Gabelstapler mit PaketenDie Ware muss kommen, egal woher

4. Konzentriere dich auf das Kerngeschäft

Wenn es hart auf hart kommt und deine Lieferanten ihre Produktion einstellen, dann setze deine Hebel zunächst da an, wo es sich am meisten lohnt: bei den Artikeln, mit denen du das meiste Geld verdienst. Denn auch du wirst in deinem Shop wahrscheinlich einige Ladenhüter führen, die es einfach nicht wert sind, die Zeit aufzuwenden, um nach neuen Produktionsstätten zu fahnden oder kleinere Margen hinzunehmen. Wirf dieses tote Kapital im Zweifel aus deinem Angebot und kümmere dich um deine Topseller – denn Krisen sind bekanntlich immer auch Gelegenheiten, an denen du wachsen kannst.

5. Kommuniziere direkt mit deiner Kundschaft

Ehrlichkeit ist im Handel ein hohes Gut, vor allem dann, wenn es Schwierigkeiten gibt. Ist für dich abzusehen, dass es in deinem Shop in Zukunft zu Lieferschwierigkeiten kommen kann, dann informiere deine Kundschaft rechtzeitig darüber. Dafür nutzt du am besten alle dir zur Verfügung stehenden Kanäle, sprich deine Webseite, E-Mails und deine Social Media-Auftritte. 

Kommt es bei einer Bestellung dann doch zu Lieferproblemen, empfehlen wir großzügig zu sein: Entschuldige dich bei deinem Kunden für die Schwierigkeiten und biete ihm vielleicht sogar eine Entschädigung wie einen Warengutschein an, anstatt ihn wochenlang auf seine Waren warten zu lassen. So hinterlässt du einen positiven Eindruck und einen Konsumenten, der deinen Shop gerne wieder besucht.

6. Ordere Waren auf Vorrat

Dieser Tipp gilt leider nicht für Dropshipper. Für alle Händler mit eigenem Lager ist er dafür umso wichtiger: bestelle schon jetzt genug neue Waren. Schließlich weißt du nicht, ob und wann die Corona-Krise auch bei deinen Zulieferern an die Tür klopft. Daher ist es sinnvoll, dich auf etwaige Engpässe einzustellen und Besitzer eines gut gefüllten Lagers zu sein. Nutze dabei auch alternative Kanäle wie zum Beispiel Marktplätze für Restposten. Der kluge Händler rüstet sich für den Sturm, bevor dieser überhaupt hereinbricht.

Das Risiko ist real, aber zu bewältigen

Seit Dr. Wenliang erstmals vor der Gefahr durch einen neuen Virus warnte, hat sich der Coronavirus zu einer veritablen weltweiten Krise gemausert. In Zeiten globaler Märkte und Warenwirtschaftssysteme, die sich über Kontinente erstrecken, bekommt auch der Onlinehandel die Folgen der Epidemie selbst auf der anderen Seite des Planeten deutlich zu spüren.

Zeit, den Kopf in den Sand zu stecken und zu lamentieren, bleibt angesichts des Ausmaßes der Bedrohung für die gesamte Wirtschaft allerdings nicht. Vielmehr gilt es, sich auf das zu besinnen, was gute Händler schon seit Generationen auszeichnet: Einfallsreichtum, Flexibilität und Verhandlungsgeschick. Wenn du unsere Ratschläge beherzigst, bist du gut für die kommende Zeit gerüstet. Bis dahin heißt es, einen kühlen Kopf bewahren und dich der Herausforderung mutig stellen.


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Which method is right for you?Über die Autorin: Inara Muradowa ist SEO & Content Beraterin. Ihr Schwerpunkt ist der Bereich E-Commerce. Im Shopify-Blog porträtiert sie am liebsten erfolgreiche Gründer*innen und gibt Insider-Tipps zu aktuellen Trends.