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In der Weihnachtsbäckerei: Wie BakeNight in Corona-Zeiten Weihnachtsfeiern und Team-Events ermöglicht

Ein kleines bisschen weihnachtlich wird es in unserer letzten Podcast-Folge dieser Staffel. BakeNight nimmt uns mit in die Weihnachtsbäckerei. Das ist nicht selbstverständlich, denn BakeNight gehört zu denjenigen Unternehmen, denen die Corona-Pandemie besonders zusetzt. In Gruppen unter Anleitung erfahrener Bäcker und Konditoren zu backen und sich auszutauschen – in Zeiten der Krise praktisch undenkbar. BakeNight ließ sich davon jedoch nicht unterkriegen und verlagerte das gesamte Geschäftsmodell kurzerhand online.

Wie das Startup, das aus der ArtNight-Familie stammt, seither die Krise meistert, wie es mit Vor-Ort-Events weitergehen wird, was das Besondere beim Backen im Team ist und wie Weihnachtsfeiern und Co. dennoch stattfinden können, erzählt Gründerin Leonie Seitz im Podcast!

Die komplette Transkription dieser Folge findest du hier.

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Show Notes

Bildung und Entertainment bei der ArtNight-Familie

Leonie Seitz: Ich bin Leonie, ich bin die Gründerin von BakeNight. Wir machen Backworkshops normalerweise in lokalen Bäckereien und Konditoreien. Durch Corona jetzt allerdings in Online-Workshops. Ich leite BakeNight seit 2019, seit wir es gegründet haben und baue mir jetzt ein kleines Team mit aktuell ungefähr zehn Leuten auf. Wir sind Teil der ganze ArtNight-Familie mit allem rund ums perfekte Erlebnis: Malen, Backen, Pflanzen und Cocktails shaken.

Manuel Fritsch: Was ist denn diese, ArtNight-Familie? Was muss man sich darunter genau vorstellen?

Wir nennen es Edutainment.

Leonie: Das Wichtigste ist bei all unseren Marken, dass wir immer einen bildenden Faktor drin haben. Am Ende nach den zwei Stunden hast du entweder etwas über das Malen, über das Backen oder übers Cocktail shaken gelernt. Und der zweite Faktor ist ein Entertainment-Faktor. Also, dass du nicht in der Volkshochschule ganz normal lernst, sondern wirklich in einer Bar und du einen Drink dabeihast. Genauso beim Backen: es ist nicht einfach dieses vor sich hin backen, sondern du gehst wirklich in eine Bäckerei, du lernst von einem Bäckermeister persönlich, du kannst deine Fragen stellen. Wir nennen es immer Edutainment - eine Mischung aus Entertainment und Education.

Die BakeNight-Gründer Leonie, David und Aimie


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Manuel: Wie seid ihr auf die Idee gekommen? Wie hat sich das alles entwickelt? Wo fing deine Reise an?

Leonie: Ich habe bei ArtNight ursprünglich 2018 angefangen, da waren wir noch relativ klein - so zehn, 15 Leute. Ich kannte das damals auch schon aus „Die Höhle der Löwen“: ArtNight war in der Show, dadurch ist es relativ jung bekannt geworden. David, der Gründer von ArtNight hat das in den USA kennengelernt, da heißt es aber anders, dass du in Bars zu „Painting Partys“ gehst und malst. Und hat das dann mit Aimie zusammen in Deutschland aufgezogen. Gestartet haben sie in Berlin und mittlerweile gibt’s das in fünf Ländern. Jetzt haben wir step by step die anderen Marken dazu genommen.

Manuel: Und du hast die echt auch bei „Die Höhle der Löwen“ gesehen und hast gesagt, das interessiert mich und bist dann dahin?

Leonie: Ich habe das gesehen, fand das voll spannend und ein halbes Jahr später habe ich mich dann beworben. Ich habe da Korporationen übernommen, also den ganzen Kooperationsbereich aufgebaut und PR, was natürlich superspannend war zu der Zeit, gerade wenn man „Die Höhle der Löwen“ im Background hat und dich doch einige kennen. Und jeder, der das gehört hat, war so „Malen in Bars und Restaurants? Wie genau läuft das ab?“. Also das hatte schon auf jeden Fall einen Nachrichtenwert.

Die Vision hatten wir schon immer, dass wir die Plattform für lokale Erlebnisse sein wollen.

Manuel: Ihr habt jetzt vier Marken ArtNight, ShakeNight, PlantNight und BakeNight. Wann war denn klar, dass ihr das weiter ausbauen wollt?

Leonie: Die Vision hatten wir schon immer, dass wir die Plattform für lokale Erlebnisse sein wollen. Gleichzeitig ist es eines der größten Schwierigkeiten für jedes Start-up oder Gründerteam zu sagen, ich muss mir einen Fokus setzen und wir müssen irgendwas richtigmachen, bevor wir mit etwas Neuem anfangen. Deshalb haben wir gesagt, wir müssen erst mal ArtNight aufbauen. Wie kriegen wir das jetzt hin im Marketing? Kriegen wir das skalierbar? Wir haben jetzt wir über 500 Künstler, die müssen auch alle betreut, gecoacht, recruited werden. Da passiert ganz, ganz viel im Hintergrund. Genauso wie die IT-Plattform - wenn man sagt, wir müssen ArtNight erst mal so hochziehen, dass wir uns in der Lage fühlen, da wirklich noch weitere Marken aufzubauen. Das wird auch nicht bei den vier bleiben. Alles, was irgendwie trendig, spannend und spaßig ist, und wobei du was lernst, gucken wir uns schon regelmäßig an. Da sind wir gespannt, was noch kommt.

Manuel: Du warst im Marketingteam, hast den Kooperationsbereich und PR-Bereich gemacht. Jetzt bist du aber inzwischen auch Mitgründerin der BakeNight. War dir das von Anfang an klar, dass du auch so ein Gründergen in dir hast? 

Leonie: Das hat sich tatsächlich organisch entwickelt. Am Anfang dachte ich eigentlich, nein, das kann ich mir nicht vorstellen. Da waren wir aber noch so klein bei ArtNight, dass irgendwie auch jeder alles gemacht hat. Und ich glaube, das war meine dritte oder vierte Woche bei ArtNight, da wurde ich von David, vom Gründer, auf so einen Pitch geschickt. Da sollte in so einem Boxring, das war ein ganz interessanter Pitch, ArtNight vor Investoren und Kooperationspartnern pitchen. Ganz, ganz frisch im Team, also wirklich ins eiskalte Wasser geschmissen. Und so hat sich das immer weiterentwickelt und habe dann immer mehr Themen übernommen und fand das superspannend. Gerade Kooperationen ist irgendwie ein Bereich, wo du Unternehmen auch sehr, sehr gut kennenlernst. Lernst über die Marke, bist mit allen Künstlern zusammen, bist mit dem ganzen Marketing sehr eng verbunden. Da habe ich alles sehr gut kennengelernt und als das dann zur Sprache kam, wollen wir nicht BakeNight machen, habe ich gesagt: „Ja!“. Fand ich sehr spannend.

Manuel: Ja, das ist immer der Vorteil, wenn man so früh bei Start-ups dabei ist, dass man zur DNA dazugehört und Teil der Familie ist und sich dann eben auch organisch sowas entwickelt und man Teil dieses ganzen Konstruktes wird, oder?

Leonie: Total! Auf der anderen Seite, kommt das nicht von alleine, du musst dich wirklich reinhängen und informieren, wie es weitergeht. Ich habe davor im Mitteldeutschen Rundfunk gearbeitet, was glaube ich genau das Gegenteil ist von Start-up. Da wurde auch relativ deutlich gesagt, was du machen sollst. Beim Start-up ist es ja wirklich eher so, dass du dir die eigenen Bereiche setzt, die eigenen Bereiche auch weiterentwickelst, ohne dass dir die ganze Zeit jemand das vorkaut. Ich glaube, wenn man das wirklich mag und sich darin auch wiederfinden kann, ist es gerade in der Anfangszeit perfekt, in ein Start-up einzusteigen. Man kann sich einzelne Bereiche, wo man hinwachsen will, ja fast aussuchen.

Manuel: Aber es ist schon alles unter einer Flagge im Endeffekt, oder? ArtNight und Co. ist ein großes Team oder sind das komplett eigene Unternehmen sozusagen?

Leonie: Das war tatsächlich etwas, was sich auch entwickelt hat. In der Zeit am Anfang dachten wir, das Schlaueste ist, dass wir alles in Silos machen und jede Marke sich selbst erst mal aufbaut, seinen eigenen Kundenservice hat, den eigenen Service für die Workshop-Leiter hat, das eigene Marketing macht. Das hat sich jetzt sehr geändert bei uns in den letzten sechs bis 12 Monaten, dass wir gesagt haben, wir zentralisieren eigentlich alles. Das heißt, es gibt einen separaten Customer Service, es gibt einen separaten Service für alle Workshop-Leiter, es gibt ein großes Marketingteam, es gibt ein IT-Team. Also da gehen wir jetzt immer weiter hin, weil wir gemerkt haben, dass bei diesem in Silos denken doch superviel Wissen verlorengeht und im Endeffekt Kunden auch immer eine ähnliche Frage haben. Also klar, manchmal ist es sehr thematisch, aber an sich, wie ich meinen Gutschein einlösen kann, ist sowohl bei PlantNight als auch bei BakeNight als auch bei ArtNight gleich. Und dann haben wir gesagt, wir müssen es weiter zentralisieren. Wir sind alle in einem Büro, alle zusammen und haben eigentlich wirklich nur die Marken oder die Brand-Verantwortlichen, die sich jeweils um die Marke kümmern.

Manuel: Das Konzept ist ja schon ähnlich, die Ansprache und die Marketingmaßnahmen. Da gibt’s wahrscheinlich auch viele Überschneidungen, dass wenn ich die BakeNight bei euch gemacht habe, dass ich mich dann vielleicht potenziell auch für die Cocktail-Nacht anmelden würde, oder?

Leonie: Ja, das haben wir tatsächlich relativ stark, dass wir ein großes Cross-Selling sehen. Bei BakeNight war es am Anfang ein bisschen unterschiedlich, denn BakeNight ist doch noch mal ein bisschen teurer, dadurch dass Bäckereien und Konditoreien involviert sind, wo das Material ein bisschen teurer ist. Aber an sich von dem, was die Kunden erwarten, ist es schon sehr, sehr ähnlich. Auch die Messages, die wir jetzt im Marketing rausspielen, sind sehr, sehr ähnlich. Da gibt es definitiv Überschneidungen.

Normalerweise finden die BakeNights in Bäckereien und Konditoreien statt

10.000 Event-Absagen dank Corona und das neue Online-Backen

Manuel: Wenn du jetzt grad schon Corona angesprochen hast, eure Marken basieren alle auf Vor-Ort-Events und direkte Kontakten, oder? Wie seid ihr denn mit der Situation umgegangen?

Das tut richtig weh.

Leonie: Ja, das ist in der Tat richtig. Also wir mussten heute noch mal den ganzen Dezember absagen mit allen Events. Tatsächlich haben wir seit März diesen Jahres 10.000 Events abgesagt.

Manuel: 10.000 Events?

Leonie: 10.000 Events. Mit ArtNight haben wir über 2.500 allein im Monat gemacht. Und jetzt sind wir langsam bei 10.000er-Marke. Das tut schon weh, das kann ich dir aus eigener Erfahrung sagen, das tut richtig weh. Wir haben dann ganz schnell Online-Events hochgezogen bei allen Marken, aber unser Kern ist natürlich offline.

Was sehr gut funktioniert in der Weihnachtszeit, sind digitale Weihnachtsfeiern, da machen wir unglaublich viel. Also digitales Backen - du kriegst den Bäcker direkt in deine Küche nach Hause gestreamt. Das machen wir auch schon seit April. Das funktioniert fast sogar noch ein bisschen besser bei BakeNight als bei ArtNight, weil eigentlich jeder so einen Supermarkt um die Ecke hat, wo er seine Sachen einkaufen kann. Um so eine Leinwand zu kriegen, musst du schon mal überlegen, wo da der nächste Laden ist. Aber gerade für so einfachere Rezepte kriegst du wirklich alles in deinem Supermarkt. Wir machen ganz viele digitale Weihnachtsfeiern und haben jetzt auch durchgängig ganz viele Online-Events gemacht. Interaktiv, das ist uns immer wichtig, mit den Workshop-Leitern und den Bäckern. Ich meine, wann hat man schon mal die Chance, wirklich einen Bäcker in seiner eigenen Küche zu haben, alle Fragen zu stellen, sich mal an Macarons ranzutrauen. Wir hatten Konditoren-Weltmeister, die die Kurse gegeben haben. Das ist natürlich cool für alle, die auch in den kleineren Städten sind, jetzt nicht immer in Hamburg, Berlin, München, die sowieso ein Riesen-Freizeitangebot haben. Auch wenn das natürlich eine superbeschissene Zeit ist, wir haben da ganz gut reagiert und freuen uns eigentlich über jeden Teilnehmer, der aus seiner eigenen Küche oder seinem eigenen Wohnzimmer an den Events teilnimmt.

Wann hat man schon mal die Chance, einen Bäcker in seiner eigenen Küche zu haben?

Manuel: Das betrifft wahrscheinlich auch die ShakeNight, oder? Da ist zumindest der Vorteil, dass man danach nicht mehr nach Hause fahren muss.

Leonie: Ja, das stimmt. Also ShakeNight haben wir leider komplett pausiert. Gerade bei den Bars ist es problematisch, weil viele Bars gerade sehr am Existenzminimum sind oder um ihre Existenz fürchten. Die haben keinen Kopf dafür, gerade Events zu machen. Gleichzeitig haben wir auch gesagt, wir müssen uns fokussieren und ein ganz neues Produkt hochzuziehen mit vier Marken gleichzeitig. Das ist relativ unmöglich und das schaffen wir nicht mit dem aktuellen Team. Deswegen machen wir die BakeNight erst mal, pausieren ShakeNight, pausieren PlantNight, und starten dann hoffentlich nächstes Jahr wieder mit Offline-Events.

Manuel: Meinst du, ihr werdet die Online-Workshops beibehalten?

Leonie: Wir wollen es auf jeden Fall beibehalten. Wir bekommen auch viel Feedback von Kunden, die uns sagen, „Wenn es wieder offline losgeht, behaltet es bitte bei. Ich freu mich da jetzt immer drauf, aus meiner eigenen Küche mit meinem eigenen Equipment zu backen“.

Kein fremder Anblick mehr: die BakeNight-Workshops finden jetzt vollkommen digital statt

Bei ArtNight ist es noch nicht 100 % sicher, aber wahrscheinlich schon auf einem eher geringeren Niveau. Bei BakeNight werden wir sie auch auf jeden Fall beibehalten. Gerade für Leute, die nicht in Großstädten sind. Wir haben auch sowas wie Kinderbacken, für Leuten, die nicht so mobil sind. Wir haben alleinerziehende Mütter, die teilnehmen und sagen, „Ich habe eigentlich sonst nie Zeit rauszugehen und so kann ich das frei einteilen, wenn ich da teilnehmen kann“. So hast du die Chance deutschlandweit mit den Leuten in Kontakt zu kommen.

Wie E-Commerce und Event-Business zusammenpassen

Manuel: Gehen wir mal davon aus, der Impfstoff kommt und ihr könnt wieder Events vor Ort planen - wie muss man sich das vorstellen? Welche Rolle spielt denn E-Commerce bei euch? Seid ihr trotzdem ein klassisches E-Commerce-Unternehmen?

Leonie: Also klassisch in dem Sinne nicht, aber definitiv sind wir eins. Was die meisten unterschätzen, wir haben hinter unseren Mal-Workshops ein Riesen-Team für Operations, um das skalierbar zu machen. Was problematisch bei Events ist, ist, dass du eigentlich immer ein Team vor Ort haben musst, um das alles zu lösen. Wir haben es geschafft, dass wir nur in Berlin sitzen und aus Berlin alle Workshops stattfinden lassen. Natürlich sind die Künstler vor Ort und die Bartender und die Floristen und die Bäcker, die alle als Freelancer angestellt sind. Wir steuern alles von Berlin, den ganzen Kundenservice, die Hosts, das Material. Die 2.500 Workshops, die wir allein mit ArtNight machen, musst du standardisiert haben.

Das ist alles standardisiert.

Manuel: Das würde gar nicht funktionieren, dass du zu jeder BakeNight hinfährst.

Leonie: Oder jeden Workshop-Leiter persönlich rekrutierst. Das geht alles online. Wir haben einen klaren Online-Bewerbungsprozess, wenn du Workshop-Leiter werden willst. Dann geht’s in ein Recruiting-Team, dann geht’s ins Onboarding, dann geht’s ins Coaching, dann kriegst du dein Material zugeschickt, dann musst du an der ArtNight teilnehmen, um zu sehen, wie es abläuft, und erst dann darfst du eine machen. Aber das ist alles standardisiert. Um deine Frage zu beantworten, klar wir sind schon ein E-Commerce-Unternehmen.

Manuel: Wenn ich jetzt eine kleine Bäckerei bin und da bei euch mitmachen möchte, wie läuft das genau ab?

Leonie: Wenn du eine Bäckerei bist, die mitmachen möchte, dann gehst du bestenfalls schon mal auf unsere Webseite, kannst dich bewerben, hast eigentlich ein sehr kurzes Formular, wo du nur die gröbsten Daten eingibst. Du musst eingeben, ob du Bäcker oder Hobbybäcker bist, ob du eine eigene Backstube hast oder das in einer Miet-Location machen würdest, und ob du Online- oder Offline-Workshops geben willst. Dann wirst du automatisch an unser Recruiting-Team weitergegeben, die sich bei dir melden. Auf unserer Seite wird gecheckt, was du kannst, dann CV einmal durch beziehungsweise deine Webseite oder deine Bäckerei einmal angeschaut. Und dann wirst du zum Video-Interview eingeladen. Da musst du auch noch ein Video von dir machen, wie du eine BakeNight zum Beispiel eröffnen würdest. Wir wollen damit abklappern, welche Entertainer-Qualitäten du hast, weil das neben dem Fachlichen sehr wichtig ist. Wenn das alles soweit klappt und das Interview gut war, kriegst du einen Vertrag und bist BakeNight-Coach oder BakeNight-Workshop-Leiter. Danach geht’s ins Onboarding und ins Coaching, wo dir alles beigebracht wird: wie eröffne ich, wie verabschiede ich, was mache ich, wenn jemand nicht mitkommt? Du bist dann quasi ein Teil des BakeNight-Teams.

Nach den Workshops gibt jeder Teilnehmer Feedback ab, dann wird von jedem Workshop-Leiter der Happening-Score berechnet - also wie zufrieden die Kunden sind. Sobald der unter ein gewisses Level rutscht, gehst du sofort ins Coaching oder schlimmstenfalls musst du dich auch wieder von dem Workshop-Leiter trennen.

Wie BakeNight von ArtNight lernen konnte

Manuel: Wie hat sich denn deine Arbeitsweise geändert nach der BakeNight Mitgründung? Ist das anders, als vorher bei ArtNight?

Leonie: Total. Am Anfang ist man angestellt und es gibt immer jemanden, der irgendwas genehmigen und Budget freigeben muss oder ein Problem lösen kann. Also wo du hingehst, wenn du nicht weiterkommst. Das hat sich geändert. Das letzte Problem liegt jetzt immer bei mir, was aber auch vollkommen fein ist. Ich finde es sehr spannend, über alles einen Überblick zu haben. Ich glaube, das ist das, was ich am meisten in den anderthalb Jahren gelernt habe. Egal ob es Finance,Marketing, Host-Akquise, Operations ist – ich bin in alles involviert und mache am Anfang auch den Customer Service.

Ich glaube dieses Rundumpaket kriegst du echt selten, und wenn, nur im Start-up.

Auf der anderen Seite auch die Verantwortung, die du für die ganzen Workshop-Leiter hast. Wir haben jetzt bei BakeNight allein fast 200 Workshop-Leiter. Wenn du neue Formate hast, wie unsere digitalen Weihnachtsfeiern, muss ich mich kümmern, dass alles klappt und die Prozesse funktionieren. Das ist eine Verantwortung, die da wächst und die auch nicht weniger wird, je größer du wirst.

Was ich für mich persönlich am meisten gelernt habe, ist definitiv Teamaufbau. Sich so ein Team zusammenzustellen, wo alle gleichzeitig gute Aufgaben haben, die einen herausfordern. Da alle immer motiviert zu halten, gerade wenn man mal wieder 1000 Workshops abgesagt hat. Das war jetzt so persönlich die größte Herausforderung.

Manuel: Du konntest zumindest auf die Erfahrungswerte deiner Kollegen aufbauen, die ArtNight schon bei „Die Höhle der Löwen“ gepitcht hatten, oder?

Leonie: Definitiv. Es gibt viel, was wir übernommen haben. Also Marketingautomatisierungen oder Gutscheinboxen, die schon fertig sind oder die Marketing-Message, die Black-Friday super funktioniert hat vor zwei Jahren. Da gibt’s ganz viel, worauf man zurückgreifen kann. Auch, allein, was Tools betrifft und beim Thema Private Events, also Teamevents, Weihnachtsfeiern, da konnte man schon viel abgucken. Auf der anderen Seite sind wir nicht ArtNight, sondern doch auch anders.

Nicht alles, was bei ArtNight funktioniert, hat auch bei BakeNight funktioniert. Das mussten wir lernen.

So wurde es groß: ArtNight bei "Die Höhle der Löwen"

BakeNight emanzipiert sich von ArtNight – und nutzt Shopify

Manuel: Wie ist BakeNight bei Shopify gelandet?

Leonie: Der Hintergrund war tatsächlich, dass wir gerade am Anfang nicht wollten, dass ein riesen IT-Team involviert ist bei BakeNight. Da das eine Marke war, die ganz anders war als beim Malen oder Pflanzen und wir mit Partnern zusammenarbeiten, die teilweise eigene Locations haben, gab es ein paar mehr Herausforderungen bei BakeNight. Deswegen haben wir gesagt, wir testen das mal auf Shopify, wo ich quasi alles selbst ändern kann. Ich habe angefangen mit einer Praktikantin im Juli letzten Jahres, und wir haben gemeinsam Shopify aufgesetzt und uns alles selbst erarbeitet.

Wir wollten die Verantwortung haben und Bilder direkt austauschen, ohne, dass da die IT oder ein Entwickler involviert sein muss.

Deswegen haben wir gesagt, wir versuchen das mit Shopify, bis es eine gewisse Größe erreicht hat und dann gucken wir, wie wir weitermachen. Aktuell laufen wir immer noch auf Shopify und sind super happy damit - PlantNight ebenfalls.

Gerade am Anfang, wenn du irgendwie nicht 100 % sicher bist, was funktioniert, wie dein Produkt aussehen soll, und das auch immer wieder mal umschmeißt, ist das schon deutlich besser. Da hatten wir jetzt auch in der Corona-Zeit einen Vorteil gegenüber ArtNight, die nicht auf Shopify sind. Wir konnten superschnell alles ändern zu online, weil wir selbst die Möglichkeit hatten, alle Produkte und alle Prozesse selber anzupassen.

Manuel: Habt ihr auch mit den Shopify-Apps gute Erfahrungen gemacht?

Leonie: Ja total. Wir nutzen sehr viele Apps, die im Hintergrund laufen. Ob jetzt die Announcement-Bar oben, ein Inventory Tool oder ein Rechnungstool - alles, was wir brauchen, haben wir uns da zusammengesucht. Wir haben jetzt auch zur Weihnachtszeit noch mal Boxen hinzugefügt, also ein physisches Shipping, was eigentlich noch mal komplett ein anderes Geschäftsmodell ist. Wir haben aber gemerkt, dass das sehr, sehr gut funktioniert im Zusammenspiel mit unseren Kursen. Wenn du einen Macaron-Kurs buchst, kriegst du eine Macaron-Box dazu. Da war Shopify natürlich perfekt, weil gleichzeitig alles da war, um ein Shipping aufzubauen.

Der Shopify-Store von BakeNight

Die Zielgruppe von BakeNight – Einzeltäter oder Wiederholungsbäcker?

Manuel: Kann man damit auch wiederkehrende Kunden erzeugen oder habt ihr eher Onetime-Kunden?

Leonie: Wir versuchen jeden Kunden so happy zu machen, dass er auf jeden Fall wiederkommt.

Teilweise haben wir Kunden, die schon 30 Online-BakeNights gebucht haben.

Manuel: Serientäter oder Serienbäcker.

Leonie: Wirklich Serientäter. Wir haben auch eine Facebook-Gruppe, eine BakeNight Facebook-Gruppe, wo man quasi danach seine Kreation auch rein posten kann, wo dann auch ganz viel interagiert und kommentiert wird. Damit wollen wir schon fördern, dass sie auf jeden Fall wiederkommen. Was wir auch machen, wir planen viel mehr Themen. Am Anfang hatten wir so zehn, 15 Online-Themen. Jetzt sind‘s allein an Weihnachtsthemen 20 neue Variationen. Jetzt wir ganz stark Q1 mit Valentinstag, dann kommt Ostern relativ zeitnah in Q2. Dass da wirklich auch immer wieder neue Leute buchen können. Gleichzeitig haben wir eine Back-Challenge gemacht, wo du gegeneinander antrittst und dann kriegst du das Thema erst in der BakeNight gesagt. Das war alles online. Mit 200 Leuten haben wir online eine Biskuitrolle gebacken und alle haben das dann gepostet und für den Gewinner gab’s einen Preis. Es gibt ein paar Möglichkeiten, die Leute zu Wiederbuchern zu machen und immer wieder neues Incentive zu bieten.

Manuel: Buchen das eher feste Gruppen, Freundesgruppen, wie muss man sich das vorstellen?

Es ist schön, wenn man damit eine Verbindung schafft zwischen den Leuten, gerade wenn alle im Homeoffice sind und viel allein.

Leonie Seitz: Bei Offline-Events haben wir die Erfahrung gemacht, dass die meisten es zu zweit buchen, bzw. es geschenkt bekommen. Das ist auch ein sehr großes Schenkthema. Bei den Online-Events buchen es die meisten allein. Wir haben auch die Regel aufgesetzt, ein Haushalt ein Ticket. Wenn du zu zweit aus dem gleichen Haushalt teilnehmen möchtest, brauchst du nur ein Ticket. Deswegen haben wir die meisten, die da wirklich einfach allein buchen, aber umso schöner, dass sich auch Leute dadurch kennenlernen. Neulich wollten die Leute sich dann auch offline treffen. Es ist schön, wenn man damit eine Verbindung schafft zwischen den Leuten, gerade wenn alle im Homeoffice sind und viel allein.

Weihnachtsfeiern in der eigenen Küche unter professioneller Anleitung von Bäckern und Konditoren

Manuel: Die Weihnachtsfeiern sind dann aber klassisch so unter Firmen, die das dann für ihr Unternehmen buchen und aus dem Homeoffice heraus eine virtuelle Weihnachtsfeier machen?

Leonie: Genau. Wir haben jetzt verschiedene Varianten gehabt, wir hatten zum Beispiel sowas wie Gin Macarons, wo du halt noch einen Gin mit nach Hause kriegst. Ein Workshop war ein bisschen BakeNight trifft ShakeNight. Backen ist ja manchmal immer noch ein bisschen uncool, auch wenn es gerade wieder mehr trendy wird, aber manche finden es ja doch nicht so cool. Deswegen haben wir gesagt, wir müssen ein Teamevent machen, was auch Leute anspricht, die nicht so mit dem Backen verbunden sind. Dann haben wir so eine Art Tipsy Baking draus gemacht und BakeNight und ShakeNight zusammengebracht. Das gibt eben Gin Macarons und einen Gin-Cocktail dazu, den der Workshop dann auch mixt. Viele Events haben jetzt auch schon stattgefunden Mitte November und das ist schon eigentlich ein relativ interessanter Einblick, den du in die Küchen deiner Kollegen hast und siehst, wer mitmacht.

Wir machen Teamevents, aber auch Geburtstage, Weihnachtsfeiern und den Basketballverein - also verschiedenste Möglichkeiten, wo Gruppen zusammenkommen, die gerade nicht offline zusammenkommen können.

Die Eventbranche in der Corona-Krise

Manuel: Es klingt, als kommt ihr gut über die Runden. Konntet ihr einigermaßen unbeschadet da durchkommen oder hat das auch Narben hinterlassen?

Leonie: Ja, das hat ehrlichgesagt schon Narben hinterlassen. Wir haben schon gut reagiert, aber trotzdem machen wir natürlich nicht den Umsatz, den wir mit Offline-Events gemacht hätten. Wir können das ganz gut abfedern, aber es ist jetzt nicht so, dass wir groß wachsen können in der Zeit - gerade jetzt in der Winterzeit, unsere stärkste Zeit, was das ganze Geschenkthema betrifft. Auf der anderen Seite gibt’s Unternehmen, die es noch schlimmer getroffen hat, Tourismusbranche, die ganze Gastronomie. Wir sehen es an unseren Locations von den ArtNights und BakeNights, die teilweise wirklich jetzt für immer geschlossen haben. Damit wirst du halt schon viel konfrontiert. Solange wir mit den Events einen Beitrag leisten können, wo die Leute Lust draufhaben, versuchen wir das weiter zu machen. Gleichzeitig bereiten wir natürlich alles für den Start vor, wenn es wieder losgehen kann. Das hängt von vielen Faktoren ab: Was passiert mit dem Impfstoff?

Wird es der Februar, wird es der März, wird es der April? Wann können wir wieder wirklich starten?

Manuel: Ich habe das Gefühl, dass es dann auch richtig losgeht, dass die Menschen schon ausgehungert sind nach solchen Events. Ich glaube schon, dass wir da auch wieder einen Aufholprozess sehen werden, was Restaurants, Kinos und Events wie eure betrifft.

Leonie: Total! Also wir glauben auch stark daran, dass, sobald es wieder offen ist, auch wirklich losgeht. Wir haben das schon auch gemerkt, im August war es ja wieder offen, wir konnten mit zehn Leuten Events machen, und die Events waren wirklich schnell fast ausverkauft. Alle BakeNights haben mit Maske stattgefunden. Das nimmt ja noch mal so ein bisschen den Reiz teilweise. Aber sobald das wieder wirklich losgehen kann, wir glauben, auf jeden Fall wird das wieder auf großes Interesse stoßen. Das Wichtigste ist nur, dass wir vorbereitet sind, dass wir jetzt schon genug Workshop-Leiter rekrutieren, dass wir gucken, welche Locations es dann vielleicht nicht mehr gibt. Es geht also darum, wann wir damit anfangen, uns so vorzubereiten, dass wir dafür gewappnet sind.

Manuel: Aber da lässt sich euer Geschäftsmodell ja recht gut skalieren, oder?

Leonie: An sich haben wir ein sehr, sehr gutes Geschäftsmodell. Das merke ich gerade wieder, wenn wir Boxen machen. Du musst halt eigentlich nicht in diese Vorleistung gehen, sondern kannst relativ schnell wieder hochskalieren. Die ganzen Workshop-Leiter arbeiten auf der Freelance-Basis. Es ist halt nur die Frage, inwiefern wirklich auch jeder dann wieder Events machen will, inwiefern die Locations mitspielen, wo die Leute wieder buchen wollen. Da kommen so ein paar Faktoren zusammen, aber wenn das alles passt, dann können wir da relativ schnell wieder hochfahren. Genauso schnell, wie wir es eben einfach runterfahren mussten.

Besonders beliebt in der Weihnachtszeit (und deswegen oft ausverkauft): der  Baumkuchenspitzen-Workshop

Manuel: Ist noch Zeit, Weihnachtsfeiern zu buchen bei euch oder seid ihr da schon komplett ausgebucht?

Der 17.12. ist der meistgebuchte Weihnachtsfeiertermin dieses Jahr.

Leonie: Nein, kriegen wir hin. Also an manchen Tagen sind wir an der Belastungsgrenze. Der 17.12. ist der meistgebuchte Weihnachtsfeiertermin dieses Jahr. Der Donnerstag vor Weihnachten. Aber da das einige auch das lieber vormittags machen wollen, haben wir noch so ein paar Spots frei. Wir haben auch Workshop-Leiter, die englische Kurse geben. Das ist auch toll, du kannst mit deinem Team, was vielleicht nicht in Deutschland sitzt, mitmachen. Wir kriegen da sehr spontan grad noch Buchungen hin. Man merkt aber auch, dass die Leute superspontan anfragen.

Manuel: Aber es ist ein bisschen leichter, kurzfristig zu hantieren, als vor Ort noch mit Locations und Co?

Leonie: Total! Das war schon sehr gut, dass wir da so vorbereitet waren, dass wir ein paar Produkte standardisiert hatten, die wir für Weihnachtsfeiern anbieten können. Wir merken auch, dass es sehr gut ankommt.

Wir freuen uns über jeden, der uns mit Gutscheinen unterstützt. Das ist auch ein schönes Geschenk.

Manuel: Und wer noch keine Geschenke besorgt hat, der kann natürlich auch auf Gutscheine bei euch ausweichen.

Leonie: Sowieso. Wir freuen uns über jeden, der uns mit Gutscheinen unterstützt. Das ist auch wirklich ein schönes Geschenk, weil es nicht einfach nur ein Gutschein ist, um das Materielle, sondern du machst was zusammen. Eigentlich kennt auch jeder jemanden, der gerne backt oder gerne malt oder Cocktails shaket.

Die Zukunft von BakeNight

Manuel: Wie sieht es denn bei dir aus jetzt in Zukunft? Kannst du dir vorstellen, da jetzt noch selbst weiter zu gründen?

Leonie: BakeNight bleibt bei mir. Ich möchte das auf jeden Fall weitermachen. Ich bin da schon sehr tief in allen Themen eingestiegen. Ich möchte schon im Backbereich bleiben mit BakeNight. Natürlich gibt’s auch viele, die uns immer anfragen. Neulich hatte ich eine Anfrage, ob man nicht was mit Sushi machen kann oder mit Pizza oder weiß ich was.

Manuel: Eben, so CookNight wäre ja eigentlich auch das Naheliegendste.

Leonie Seitz: Genau, so CookNights, aber dann finden wir jemand anderen, der dafür dann brennt. Aber ich bleibe bei BakeNight und das werden wir erst mal großmachen. Wo es danach hingeht, ist noch offen.

Manuel: Ist euer Geschäftsmodell arg von Nachahmern betroffen?

Leonie: Gibt’s immer wieder. Es gibt auch immer wieder Leute, die unsere Motive kopieren oder teilweise Workshop-Formate davon. Wir sind da relativ zuversichtlich, dass uns das nicht groß tangieren wird in den nächsten Monaten und hoffentlich Jahren. Das, was wir aufgebaut haben in Operations, im IT-Bereich, mit den ganzen Workshop-Leitern, war schon sehr viel Arbeit und sehr viel Wissen, was wir uns angeeignet haben.

Viele trauen sich an die Umsetzung solcher Events nicht heran, gerade wenn das in diesem Umfang ist.

Manuel: Dann drücke ich euch auf jeden Fall die Daumen, dass es da erfolgreich weitergeht. Jetzt sieht’s ja ganz gut aus, dass wir nächstes Jahr 2021 wieder Events machen können und dass es dann bei euch auch wieder bergauf geht.

Leonie: Das hoffe ich auch sehr. Aktuell gehe ich hoffentlich davon aus, dass wir vielleicht im Februar wieder starten können. Bis dahin überbrücken wir online und hoffen auf eine gute Weihnachtszeit mit ganz vielen Weihnachtsfeiern.

Wir freuen uns über jeden, der seinen Weg in die Art-, Bake-, Plant- oder ShakeNight findet.


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Manuel Fritsch ist der Moderator des Shopify Podcasts. 2000 gründete Manu sein erstes Unternehmen und arbeitete 15 Jahre in der Agenturwelt. Seit 2015 ist er als freiberuflicher Spielejournalist für Fachmagazine, Zeitungen und seinen eigenen Podcast mit inzwischen über 2.500 Folgen tätig.
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