Der Shopify Blog

B2B-Shops mit Shopify: Diese Konzepte, Lösungen und Tricks solltest du kennen

B2B Marketing, Verkauf, Shop

Wer sich Onlinemedien rund um das Thema E-Commerce ansieht, könnte meinen, der Onlinehandel bestünde nur aus Shops, die sich an Endverbraucher richten. Mit Kosmetikartikeln, Fahrrädern, handgemachten Kerzen, Kaffee (gerne auch im Abo), Wein, Handyhüllen, Mode und weiteren Artikeln aus so ziemlich jeder Produktkategorie, die man sich als Onlineshopper vorstellen kann, dominieren diese im Fachjargon "Business to Consumer" (B2C) genannten Shops scheinbar den E-Commerce.

Dabei spielt der (zusätzliche oder ausschließliche) Verkauf an Gewerbekunden ("Business to Business", kurz B2B) eine leicht zu unterschätzende Rolle im E-Commerce. Denn der Umsatz dieser B2B-Shops übersteigt den B2C-Umsatz um ein Vielfaches und wächst sogar stärker. Hier bieten sich etablierten und angehenden Onlinehändlern also enorme Chancen.

In diesem Gastbeitrag stellt E-Commerce- und Shopify-Experte Thomas Borowski verschiedene B2B-konzepte vor und wie diese in Onlineshops umgesetzt werden können.

Inhaltsverzeichnis:

  • Grundlegende Unterschiede zwischen B2C und B2B
  • Shop-Konzepte
  • Konzept 1: B2C und B2B im selben Shop
  • Konzept 2: Reiner B2B-Shop
  • Konzept 3: Wholesale Sales Channel
  • Generelle B2B-Funktionalität
  • Fazit
  • Grundlegende Unterschiede zwischen B2C und B2B

    B2B-Shops unterscheiden sich von B2C-Shops in einigen wesentlichen Punkten, die bei der Gestaltung, Strukturierung und dem gesamten Aufbau eines Shops berücksichtigt werden müssen:

    Produktsortiment

    B2B-Kunden erhalten oft Zugang zu Produkten, die für Endverbraucher nicht verfügbar sind. Diese Produkte müssen entweder nur für Gewerbekunden kaufbar oder sogar nur für diese sichtbar sein.

    Beispielsweise bietet Bosch Akkuschrauber, Bohrmaschinen, etc. in einer Endkunden- und einer Gewerbevariante an. Die Geräte für Endkunden sind grün und können in jedem Baumarkt gekauft werden, die für Gewerbe (z. B. Handwerker) sind blau und können nur im Gewerbehandel gekauft werden.

    Manch ein Händler möchte seinen gewerblichen Kunden frühzeitig Zugang zu einem Produktsortiment geben, bevor es für die Allgemeinheit verfügbar ist (z. B. für saisonale Produkte, die zeitgleich im eigenen Onlineshop und bei Einzelhändlern verfügbar sein sollen).

    Andere Händler bieten ihren Gewerbekunden generell die gleichen Produkte an wie ihren Endverbrauchern, aber in anderen Stückelungen (z. B. als 50er-Packung mit Display für Ladengeschäfte).

    Preisgestaltung

    Wer seine Artikel sowohl an Endverbraucher als auch an B2B-Kunden verkauft, muss den Gewerbekunden natürlich andere Preise bieten, da diese – genau wie der Händler selbst – eine Marge benötigen. Darüber hinaus erhalten B2B-Kunden meist auch nicht alle die gleichen Preise, sondern oft nach verschiedenen Kriterien festgelegte, individuelle Preise (z. B. Mengenrabatte, individuelle Rabatte, etc.).

    Hier gilt es also, Artikelpreise flexibel für verschiedene Kundengruppen festlegen zu können und den jeweiligen Kunden auch nur die für sie geltenden Preise zu zeigen.

    Shop-Funktionalität

    Für einen B2B-Shop werden ggf. diverse Zusatzfunktionalitäten oder von der standardmäßigen Funktionalität abweichende Features benötigt, z. B.:

    • Mindestbestellmengen
    • Zahlungsarten
    • Bestellformular für Mengenbestellungen
    • Steuerfreier Einkauf innerhalb der EU mit VAT ID
    • Nachbestellungen (erneute Bestellung bereits früher bestellter Artikel)

    Welchen Sinn diese Features haben und wie man sie in einem Shopify-Store umsetzt, klären wir im Verlauf dieses Artikels.

    Man kann einen Shopify-Store grundsätzlich so einrichten, dass er sowohl für den Verkauf an Endkunden als auch für den gewerblichen Verkauf genutzt werden kann.

    Rechtliche Aspekte

    Nicht zuletzt spielen auch rechtliche Aspekte eine Rolle. Denn während für den Verkauf an Endverbraucher u. a. die Preisangabenverordnung und die Verbraucherschutzrichtlinie gelten, finden diese Gesetze und Verordnungen auf das reine B2B-Geschäft keine Anwendung. Wer einen gemischten B2C- und B2B-Shop betreibt, muss neben der Einhaltung aller für B2C-Shops geltenden Vorschriften auch alle relevanten rechtlichen Aspekte für den B2B-Verkauf (z. B. abweichende AGB, Ausschluss des Widerrufsrechts, etc.) beachten.

    Lesetipp: Du willst tiefer ins Thema einsteigen? Hier erfährst du, was eine B2B-Marke braucht und wissen sollte. Zum Blogbeitrag.

    Shop-Konzepte

    Je nach konkreter Situation und den spezifischen Anforderungen kommen verschiedene Shop-Konzepte in Frage:

    • Konzept 1: Gemischter B2C- und B2B-Shop
    • Konzept 2: Reiner B2B-Shop
    • Konzept 3: Wholesale Sales Channel

    Jeder dieser Ansätze bringt Vor- und Nachteile mit sich und nicht jedes Konzept ist in jeder Situation sinnvoll bzw. überhaupt umsetzbar. Im Folgenden schauen wir uns die Unterschiede zwischen diesen Konzepten an und wie man sie jeweils mit Shopify umsetzen kann.

    Konzept 1: B2C und B2B im selben Shop

    Man kann einen Shopify-Store grundsätzlich so einrichten, dass er sowohl für den Verkauf an Endkunden als auch für den gewerblichen Verkauf genutzt werden kann. Hierfür müssen allerdings die verschiedenen Anforderungen beider Zielgruppen unter einen Hut gebracht werden. Das muss einerseits bei der Konfiguration des Shops berücksichtigt werden, andererseits sind individuelle Anpassungen am verwendeten Theme notwendig.

    Starte deinen eigenen B2B-Shop mit Shopify! Jetzt 14 Tage lang kostenlos testen.

    Unterschiedliche Preise und Konditionen für B2C- und B2B-Kunden

    B2B-Kunden erhalten üblicherweise andere Preise und Konditionen als Endkunden. Oft sollen B2B-Kunden auch Nettopreise anstatt Bruttopreisen angezeigt werden.

    Für die flexible Preisgestaltung gibt es diverse Apps, die Preise für bestimmte Kunden(gruppen) dynamisch anpassen und diverse Einkaufskonditionen (Mindestbestellmengen, Mengenrabatte, etc.) abbilden können. Diese Apps findest du im App Store meist unter den Stichworten "wholesale" oder "b2b".

    B2B App

    Damit B2B-Kunden Nettopreise angezeigt werden können, muss der Shop zunächst unter Einstellungen -> Steuern so konfiguriert werden, dass die hinterlegten Preise als Nettopreise zu interpretieren sind. Shopify schlägt die MwSt. dann entsprechend der Steuereinstellungen für das Lieferland des jeweiligen Kunden im Checkout auf.

    Dann muss das verwendete Theme so angepasst werden, dass die Nettopreise im Shop als Bruttopreise angezeigt werden, denn B2C-Kunden muss man ja nach wie vor Endpreise inkl. MwSt. anzeigen. Den Nettopreis kann man dann entweder neben/unter den berechneten Bruttopreisen abbilden, oder man gestaltet die Bruttopreisberechnung so, dass bei B2B-Kunden ausschließlich Nettopreise dargestellt werden. Wenn dir diese Theme-Anpassungen zu kompliziert oder aufwändig sind, gibt es dafür sogar eine entsprechende App namens Dual Price Display Pro.

    Template Icon

    Kostenloses Ebook: Die besten Apps für Onlineshops

    In diesem Ebook stellen wir Apps und Integrationen vor, die für Online-Händler und -Händlerinnen in Deutschland, Österreich und der Schweiz unerlässlich sind.

    Hol dir das Ebook!

    Die Preisumstellung auf Nettopreise hat allerdings ggf. zur Folge, dass bei der Anbindung externer Verkaufskanäle wie Facebook oder Google Shopping in diesen ebenfalls Nettopreise angezeigt werden. Diese Kanäle fordern aber meist die Angabe von Endpreisen, also inkl. MwSt. Je nach Verkaufskanal und Art der Anbindung ist dies nicht möglich bzw. würde ggf. Individualentwicklung erfordern.

    Spezielles B2B-Sortiment

    Wie schon oben unter Produktsortiment angedeutet erhalten B2B-Kunden oft Zugang zu anderen Produkten als Endkunden. In einem reinen B2B-Shop ist das natürlich kein Problem, da man diesen relativ einfach nach außen hin abschotten kann, sodass nur angemeldete und verifizierte B2B-Kunden im Shop Produkte, Preise, etc. sehen (siehe weiter unten beim Thema Reiner B2B-Shop). Aber in einem gemischten B2C/B2B-Shop sollen B2C-Kunden ein Produktsortiment sehen, während B2B-Kunden entweder zusätzlich oder ausschließlich ein anderes Sortiment zu sehen bekommen sollen.

    Um solch ein Szenario umzusetzen, kannst du entweder das Theme des Shops entsprechend anpassen, was allerdings einiges an Aufwand bedeutet und entsprechende Webdesign- und Programmierkenntnisse erfordert. Wenn dir das zuviel Aufwand ist oder du die entsprechenden Skills nicht hast bzw. keinen Shopify-Experten beauftragen willst oder kannst, dann helfen dir Apps wie Locksmith, MagicPass Wholesale oder Wholesale Lock Manager weiter. Mit diesen Apps kannst du Shop-Inhalte für bestimmte Kunden sperren bzw. nur für bestimmte Kunden zugänglich machen. Manche dieser Apps bieten darüber hinaus noch weitere B2B-Features wie Preisanpassungen etc. So kannst du je nach deinen spezifischen Anforderungen mit einer dieser Apps ggf. zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.

    Wie finde ich einen seriösen Shopify Experten in Deutschland, Österreich oder der Schweiz?

    Gib in dieser Suchmaske deine Stadt oder dein Land ein und schau dir die Profile und Referenzen der Experten an. (Hier sind die Ergebnisse für Deutschland, Österreich und die Schweiz.) Du findest garantiert einen passenden!

    Hinweis: Es ist möglich, dass nicht jeder Experte für alle drei Länder (bzw. für jede Stadt) gelistet ist. Es kann sich also durchaus lohnen, einen Experten aus Deutschland anzuschreiben, auch wenn du in Österreich oder der Schweiz angesiedelt bist. Umgekehrt gilt dies natürlich auch.

    Zahlung auf Rechnung nur für B2B-Kunden

    Die Zahlung auf Rechnung ist bei Kunden in Deutschland seit Jahren eine der beliebtesten Zahlungsarten. Für Händler bedeutet sie aber je nach Art der Abwicklung ein erhöhtes Zahlungsausfallrisiko oder relativ hohe Kosten. Daher beschränken sich viele B2C-Shops auf Zahlungsarten wie PayPal und Kreditkarte.

    Im B2B-Bereich wird die Zahlung auf Rechnung mit einem entsprechenden Zahlungsziel und ggf. Skonto mehr oder weniger erwartet. Wie bringt man in einem gemischten B2C/B2B-Shop diese beiden Kundengruppen in der Hinsicht unter einen Hut?

    Generell ist es so, dass alle in einem Shop eingerichteten Zahlungsarten im Checkout allen Kunden gleichermaßen zur Verfügung stehen. In den Standardtarifen von Shopify lässt sich daran auch nichts ändern. Mit Shopify Plus kann man dagegen mit Hilfe von Shopify Scripts Zahlungsarten im Checkout dynamisch – z. B. nur für bestimmte Kunden – ausblenden. So kann man in einem gemischten B2C/B2B-Shop die Zahlungsart Rechnung für B2C-Kunden ausblenden und nur für B2B-Kunden anbieten.

    B2B erhöht die Komplexität eines E-Commerce-Vorhabens generell

    Zusammenfassung

    Ein gemischter B2C/B2B-Shop hat Vorteile, aber auch einige entscheidende Nachteile. B2B erhöht die Komplexität eines E-Commerce-Vorhabens generell, egal welches Konzept man mit einem Shop verfolgt. Aber die Abwicklung von B2C- und B2B-Kunden in ein und dem selben Shop bringt einige besondere Herausforderungen und Rahmenbedingungen mit sich, über die du dir im Klaren sein solltest, bevor du die Entscheidung für dieses Modell triffst.

    Vorteile eines gemischten B2C/B2B-Shops

    • Nur ein Shop für alle Kunden
    • Ein einheitlicher Lagerbestand aller Artikel
    • Einheitliches Shop-Design / nur ein Theme

    Nachteile dieses Konzepts

    • Teilweise umfangreiche Anpassung des Themes notwendig, die insbesondere bei der Verwendung mehrerer MwSt.-Sätze komplex werden kann
    • Je nach Anforderungen diverse Apps notwendig
    • Unterschiedliche Ansprache der Kundengruppen (z. B. für Sonderaktionen) aufwändiger
    • Unterschiedliche Behandlung von B2C- und B2B-Kunden im Checkout (z. B. bei Versand und Zahlung) nur mit Shopify Plus möglich
    • Wenn an gewerbliche EU-Kunden zu Nettopreisen verkauft werden soll, können für den B2C-Verkauf nicht ohne Weiteres externe Verkaufskanäle (z. B. Facebook, Instagram) verwendet werden
    • Rechtstexte (AGB etc.) müssen sowohl B2C- als auch B2B-Kunden berücksichtigen

    Lesetipp: Wie das Unternehmen TAKE A SHOT Abou You als B2B-Kunden gewann, liest du hier.

    Konzept 2: Reiner B2B-Shop

    Für einen reinen B2B-Shop gelten die grundlegenden Anforderungen an die Preisgestaltung genau wie beim gemischten B2C/B2B-Shop. Zwar muss man in diesem Fall keine B2C-Kunden berücksichtigen, aber i. d. R. wirst du deinen B2B-Kunden nicht allen die gleichen Konditionen bieten, sondern je nach Einkaufsvolumen, Wichtigkeit des Handelspartners, etc. wirst du deine B2B-Kunden vermutlich in verschiedene Gruppen aufteilen und diesen eigene Preise und Konditionen zuordnen wollen.

    Ebenso wird man bei einem reinen B2B-Shop die Artikelpreise und ggf. auch das gesamte Produktsortiment vor nicht angemeldeten und verifizierten Besuchern des Shops verbergen wollen. Auch hierfür können die zuvor schon unter Spezielles B2B-Sortiment genannten Apps bzw. Lösungen zum Einsatz kommen, wobei die Implementierung in einem reinen B2B-Shop je nach deinen konkreten Bedürfnissen sich weniger komplex gestalten kann. Im einfachsten Fall kann es ausreichen, den gesamten Shop nur für registrierte und eingeloggte Kunden zugänglich zu machen, was mit den genannten Apps oder auch als individuelle Theme-Anpassung mit überschaubarem Aufwand zu bewerkstelligen ist.

    Davon abgesehen bringt ein reiner B2B-Shop, der zusätzlich zu einem existierenden B2C-Shop betrieben wird, aber einige zusätzliche Komplexitäten und Herausforderungen mit sich.

    B2B-Shop BabbelAuch Babbel betreibt neben dem B2C-Shop einen reinen B2B-Shop mit Shopify

    Lagerbestandsverwaltung

    Wenn ein reiner B2B-Shop zusätzlich zu einem bestehenden B2C-Shop betrieben wird, werden die Artikel in beiden Shops i. d. R. zumindest zu einem Teil in beiden Shops identisch sein und aus dem selben Lager heraus verkauft werden. Finden nun in beiden Shops Verkäufe statt, müssen die Verkäufe im jeweils anderen Shop bei der Berechnung des verbleibenden Lagerbestands berücksichtigt werden, um Überverkäufe zu vermeiden.

    Genau für solche Szenarien gibt es Apps wie z. B. Syncio oder SyncLogic. Diese Apps halten die Lagerbestände in mehreren Shops automatisch auf dem selben Stand und verhindern so, dass du in einem Shop Artikel verkaufst, die du wegen Verkäufen im anderen Shop gar nicht mehr auf Lager hast. ERP-Systeme bieten üblicherweise eine ähnliche Funktionalität, indem sie die Lagerbestandsverwaltung außerhalb von Shopify zentralisieren.

    Zwei Shops = zwei Themes

    Ein eigener B2B-Shop parallel zum B2C-Shop bedeutet, dass du für den B2B-Shop ein eigenes Theme brauchst. Du kannst dafür entweder ein komplett anderes Theme verwenden, was je nach Anforderungen an den B2B-Shop durchaus sinnvoll sein kann. Oder du erzeugst einfach vom Theme des B2C-Shops ein Duplikat und verwendest dieses dann (ggf. mit notwendigen Anpassungen) für den B2B-Shop (wobei du bei Verwendung eines Premium-Themes daran denken solltest, eine eigene Theme-Lizenz für den zweiten Shop zu kaufen).

    In beiden Fällen bedeutet das, dass du nun zwei Shops hast, deren Design du pflegen musst. Selbst wenn du in beiden Shops das gleiche Theme verwendest, wirst du Design-Anpassungen im einen Shop nicht ohne Weiteres automatisch in den anderen Shop übernehmen können. Dies wird in aller Regel mit manueller Arbeit verbunden sein.

    Kosten für die Shops und Apps

    Ein zweiter Shop bedeutet, dass du alle benötigten Apps für diesen zweiten Shop zusätzlich zu den Apps für den ersten Shop installieren und bezahlen musst. Die Kosten für den zweiten Shop, die Shopify berechnet, fallen ebenfalls zusätzlich an, es sei denn, du nutzt Shopify Plus.

    Neben den doppelten Kosten für deinen Shopify-Tarif können die addierten Transaktionskosten beider Shops je nach Tarif höher ausfallen als in einem gemeinsamen Shop. Bei zwei separaten Shops verteilen sich die Verkäufe ja auf diese beiden Shops, während sie ansonsten in einem einzigen Shop anfallen würden. Ab gewisser monatlicher Umsätze lohnt es sich, wegen der geringeren Transaktionskosten in einen höheren Tarif zu wechseln. Bei zwei Onlineshops ist diese Schwelle aber natürlich schwieriger zu erreichen als bei einem einzigen.

    Doppelte Administration

    Wenn du zwei parallele Stores betreibst, musst du auch beide separat administrieren. Du hast zwei Kundenlisten, musst für jeden Shop Rechnungen schreiben, die Daten aus beiden Shops deinem Buchhalter oder Steuerberater zur Verfügung stellen und einiges mehr. Je nach deiner konkreten Situation kann das einen nicht unwesentlichen Mehraufwand mit sich bringen. So kann es zum Beispiel sinnvoll oder sogar notwendig werden, ein ERP-System einzusetzen. Hier gilt es abzuwägen, ob die Ersparnisse beim Aufbau separater B2C- und B2B-Shops die Nachteile beim Betrieb rechtfertigen.

    Lesetipp: Auch das Unternehmen 3Bears setzt ein ERP-System bei der Arbeit mit ihrem Shopify-Store ein. Wie das gelingt, liest du hier.

    Zusammenfassung

    B2B-Kunden über einen dedizierten B2B-Shop abzuwickeln bringt einige entscheidende Vorteile mit sich, hat aber vor allem im laufenden Betrieb je nach konkreter Situation und den bestehenden Anforderungen auch Nachteile.

    Vorteile eines reinen B2B-Shops

    • Komplett separate Behandlung von B2B-Kunden
    • Keine Anpassung des Themes bzgl. der Netto-/Brutto-Preisdarstellung wie beim gemischten B2C/B2B-Shop
    • Shop kann wenn nötig komplett nach außen "abgeschottet" werden
    • Keine Apps notwendig, um B2C und B2B unterschiedlich zu behandeln
    • Checkout (z. B. bei Versand und Zahlung) und Rechtstexte (AGB etc.) können rein auf B2B ausgerichtet werden

    Nachteile dieses Konzepts

    • Produkte und Lagerbestände müssen zwischen B2C- und B2B-Shop synchronisiert werden (z. B. über Apps oder über ein ERP-System)
    • Designanpassungen, die beide Shops betreffen, müssen individuell an den Themes in beiden Shops vorgenommen werden
    • Für den Betrieb von zwei Shops fallen ggf. doppelte Aufwände und Kosten an, bzw. kann der Einsatz eines ERP-Systems notwendig werden

    Konzept 3: Wholesale Sales Channel

    Wenn du Shopify Plus nutzt, steht dir der Großhandelskanal zur Verfügung. Hiermit kannst du für B2B-Kunden einen eigenen Shop erstellen, der aus deinem bestehenden B2C-Shop heraus, aber dennoch komplett separat betrieben wird.

    Ich werde den Großhandelskanal in diesem Beitrag nur kurz anreißen, da er unter dem o. a. Link umfangreich dokumentiert ist. Einen guten Überblick bietet außerdem das nachfolgend eingebettete (englischsprachige) Video.

    Schauen wir uns also die Features dieses Verkaufskanals im Überblick an und betrachten wir danach die Vor- und Nachteile dieses Shop-Konzepts.

    Kundenspezifische Preisgestaltung

    Im Großhandelskanal kannst du die Preise deiner Artikel mit individuellen Rabatten versehen oder die Preise explizit festlegen. Dabei können unterschiedlichen Kunden unterschiedliche Preise zugeordnet werden, auch Mengenrabatte und Mindestbestellmengen sind möglich.

    Bestellabwicklung

    Anders als in normalen Endkundenshops landen Bestellungen aus dem Großhandelskanal nicht als "fertige" Bestellung im Admin sondern als Bestellentwürfe. Hierdurch kannst du die Bestellung zum einen nachträglich bearbeiten und du kannst dem Kunden für die Bestellung dann eine Rechnung schicken, die er über die im Checkout angebotenen Zahlungsarten bezahlen kann.

    Zusammenfassung

    Vorteile des Großhandelskanals

    • Eigener Verkaufskanal im bestehenden B2C-Shop
    • Kundenspezifische Preisgestaltung
    • Flexible Registrierung von B2B-Kunden mit Anfrage, Einladung, Ablehnung, etc.
    • Shop ist nur für registrierte Kunden verfügbar
    • B2B-typische Bestellabwicklung

    Nachteile dieses Konzepts

    • Shop-Design nur eingeschränkt anpassbar, es können keine Themes verwendet werden
    • Keine Berücksichtigung von USt.-IDs für EU-B2B-Kunden; die zuvor bei den anderen Shop-Konzepten genannten Apps sind für den Großhandelskanal nicht nutzbar
    • Nur für Shopify Plus verfügbar; Shopify Scripts werden nicht unterstützt

    Generelle B2B-Funktionalität

    Über die zuvor beschriebenen Lösungen für die verschiedenen Shopkonzepte hinaus gibt es einige zusätzliche Funktionalitäten, die fast jeder B2B-Shop benötigt oder die zumindest sinnvolle Ergänzungen darstellen. Diese schauen wir uns nachfolgend an.

    Nettoeinkauf innerhalb der EU

    Wenn du auch an B2B-Kunden innerhalb der EU verkaufen willst, erwarten diese Kunden üblicherweise, dass sie unter Angabe ihrer EU Umsatzsteuer-ID zu Nettopreisen einkaufen können. Diese Kunden müssen ihre USt.-ID also irgendwo erfassen können und du musst die so hinterlegte USt.-ID dann auf den Rechnungen an diese Kunden ausweisen.

    Hierfür gibt es diverse Apps mit unterschiedlichen Lösungsansätzen: Exemptify lässt Kunden beispielsweise im Kundenkonto oder aber auch ohne Anmeldung im Warenkorb ihre USt.-ID eintragen und so zu Nettopreisen einkaufen. B2B Handsfree und Advanced Registration installieren dagegen jeweils ein eigenes, erweitertes Registrierungsformular für B2B-Kunden mit der Möglichkeit, die USt.-ID anzugeben, und bieten darüber hinaus verschiedene Zusatzfunktionalitäten. Alle Apps validieren die USt.-IDs über das offizielle VIES-System der EU.

    B2B-Registrierung am Beispiel der App Handsfree

    Mengenbestellungen + Wiederbestellungen

    B2B-Kunden kaufen selten nur ein oder zwei Artikel und bestellen auch selten nur einmal. In auf Endkunden ausgerichteten Shops bzw. Themes ist es i. d. R. eher mühsam, eine größere Anzahl verschiedener Artikel zu bestellen, da man hierfür jedes Produkt einzeln entweder über die jeweilige Produktdetailseite oder die ggf. vorhandene QuickShop-Funktion des Themes in den Warenkorb legen muss.

    Gleiches gilt für Wieder- oder Nachbestellungen, also die erneute Bestellung der gleichen Artikel wie bei einer früheren Bestellung. Hier wäre es ungemein praktisch, einfach alle Artikel einer alten Bestellung mit einem Klick in den Warenkorb legen zu können.

    Beides lässt sich über Apps oder individuelle Theme-Anpassungen nachrüsten. Für die bequeme Bestellung mehrerer Artikel kannst du diesen Kunden z. B. ein Bestellformular anbieten, über das sie mehrere Artikel auf einmal in den Warenkorb legen können. Und über eine Nachbestellmöglichkeit im Kundenkonto kannst du es Kunden leicht machen, alte Bestellungen mit einem Klick erneut in den Warenkorb zu legen.

    Beide Funktionalitäten können entweder mit der Wholesale Order Form & ReOrder App oder über eine individuelle Theme-Anpassung nachgerüstet werden. Für die Implementierung eines Bestellformular gibt es z. B. ein Tutorial.

    Bestellformular B2B

    Beispiel eines B2B-Bestellformulars

    Anzeige des UVP

    Wiederverkäufer interessieren neben dem Einkaufspreis eines Artikels vor allem für die UVP, also die unverbindliche Preisempfehlung, denn daraus ergibt sich ihre (potenzielle) Marge. Shopify bietet für den UVP kein eigenes Feld, man kann ein solches Feld aber über Metafelder nachrüsten. Die Pflege der Metafelder erfolgt dabei über eine der vielen angebotenen Apps und über eine relativ einfach Anpassung des verwendeten Themes wird der Inhalt der Metafelder im Shop z. B. auf der Produktdetailseite angezeigt,

    Die Wachstumschancen beim Verkauf eigener Produkte an Einzelhändler und andere Wiederverkäufer kann deinem B2C-Shop einen Boost verschaffen.

    Fazit

    Der B2B-Verkauf, egal ob exklusiv oder zusätzlich zum B2C-Verkauf, erhöht definitiv die Komplexität eines Shops sowohl in technischer als auch in organisatorischer Hinsicht. Die Wachstumschancen, u. a. beim Verkauf eigener Produkte an Einzelhändler und andere Wiederverkäufer, kann aber neben der damit verbundenen Umsatzsteigerung auch eine nicht zu unterschätzende Marketing-Wirkung haben und deinem bestehenden B2C-Shop auf lange Sicht einen Boost verschaffen.

    Je nach deiner konkreten Situation, deinem Produktsortiment, Skills oder Budget, bieten sich verschiedene Konzepte und dazu passende Lösungsansätze an, über die dieser Artikel dir hoffentlich einen Überblick verschafft hat. Wenn du Fragen zu spezifischen Punkten des Artikels hast oder wie du sie in deinem Shop umsetzen kannst, hinterlasse uns unten einen Kommentar.


    Starte deinen eigenen Onlineshop mit Shopify!

    14 Tage lang kostenlos testen—keine Kreditkarte erforderlich.


    Which method is right for you?Über den Autor: Thomas Borowski ist Shopify Experte und hat seit 2013 für weit über einhundert Kunden in Deutschland, Österreich und der Schweiz Shopify Stores eingerichtet.