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Alles klar Schiff! So ist Ankerherz mit Verlag, Onlineshop, Radiosender und Co. erfolgreich und gibt Breitseite gegen Hetze

Ahoi! In der heutigen Podcast-Folge stechen wir mit Stefan Kruecken von Ankerherz in See. Stefan und seine Frau Julia haben den Ankerherz Verlag vor 13 Jahren gegründet und damit eine einschlägige, maritime Marke ins Leben gerufen, die mittlerweile auch Mode, mehrere stationäre Geschäfte, einen Radiosender, Reisen und vieles mehr umfasst.

Warum sie mit Shopify nun fest im E-Commerce verankert sind, wie sie klare Kante gegen Rassismus zeigen und warum sie in den letzten Jahren immer wieder mit starkem Gegenwind zu kämpfen hatten, erzählt Stefan im Shopify Podcast. Mast und Schotbruch!

Die komplette Transkription dieser Folge findest du hier.

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Show Notes

Volle Kraft voraus mit Onlineshop, stationären Läden, Radiosender und Reisen

Stefan Kruecken: Moin! Mein Name ist Stefan Kruecken, ich bin Verlagsleiter bei Ankerherz. Wir sind ein Verlag im Süden von Hamburg. Ich bin gelernter Journalist und war in meinem alten Leben Reporter bei Magazinen wie Max, Stern, GQ und Tagesspiegel. Im Prinzip war ich überall dort, wo es auf der Welt geknallt hat oder wo ein großes Ereignis war, beispielsweise auch wenn es Bombenanschläge gab oder etwas Weltpolitisches passiert ist. 2007 haben wir den Ankerherz Verlag gegründet. Meine Frau und ich hatten zu dem Zeitpunkt drei Kinder und ich wollte nicht mehr so viel von zu Hause weg sein.

Wir haben neben dem Verlag noch einen Laden in Bremerhaven in den Hafenwelten und einen Laden auf Helgoland, wo auch unser Radiosender Radio Ankerherz in alle Welt streamt.

Vom Reporter zum Verlagsleiter - Stefan Kruecken

Manuel Fritsch: Verlag, Shop, Radio, das sind ja schon sehr unterschiedliche Bereiche. Wie passt das alles zusammen?

Amazon und die großen Buchhändler fressen einen auf, wenn man nicht aufpasst.

Stefan: Wir haben als reiner Buchverlag angefangen. Wir haben klassische Bücher gemacht, die auch sehr erfolgreich waren. Wir haben sechs Spiegel Bestseller im Programm. Aber es war relativ bald klar, dass wir es extrem schwer haben werden als Indie Verlag. Gerade, wenn man klein ist und am Anfang mit einem beschränkten Programm losläuft, hat man es schwer in dieser Welt, wo es sehr viel um Masse und Massenproduktion geht. Amazon und die großen Buchhändler fressen einen auf, wenn man nicht aufpasst. Also haben wir überlegt, wie wir nebenher noch Geschäftsfelder entwickeln können. Wir legen sehr viel Wert auf die Ausstattung der Bücher, auf tolles Papier, sehr schöne Fotografien und hochwertige Illustrationen. Zum Beispiel in einem Buch war eine tolle Illustration drin, ein Seemann. Den haben wir auf Kapuzenpullover und auf T-Shirts gedruckt, und siehe da, wir verkaufen fast genauso viele Kapuzenpullover wie Bücher. Und dann haben wir auch Reisen gemacht. Wir hatten zum Beispiel ein Buch „Inselstolz“. Das haben wir erlebbar gemacht, indem wir mit einem Kreuzfahrtschiff zu den Inseln gefahren sind, in denen dieses Buch spielt. Das waren Nordseeinseln, Sylt, Borkum, Helgoland. Wir hatten dann Leute von den Inseln an Bord und die Passagiere konnten die Inseln und die Insulaner live und in Farbe erleben.

Wir versuchen die Geschichten, die wir in den Büchern erzählen, auch auf anderen Ebenen und Wegen erlebbar zu machen.


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Da wir dann auch ein Hörbuch-Programm mit tollen Stimmen hatten, beispielsweise mit Otto Sander, Axel Prahl, Henning Baum, oder Katharina Thalbach, kam die Überlegung, vielleicht auch einen Radiosender zu gründen. Das alles fügt sich dann wie ein Puzzle zusammen. Wir sind Geschichtenerzähler, das ist ein zutiefst journalistischer Job, den wir hier machen. Wir suchen spannende, zeitlose, romantische Geschichten, die wir in Büchern und in Hörbüchern erzählen, aber die erzählen wir den Leuten halt auch auf Reisen oder wir versuchen sie in die Modewelt zu übertragen und wir haben den Radiosender. Das ist die Idee von Ankerherz.

Manuel: Von der Idee, deinen alten Job sein zu lassen und diesen Verlag zu gründen, bis hin zu Radio - in welchem Zeitraum ist das passiert?

Stefan: Das ist ungefähr 14 Jahre her. Von der Idee bis zur Gründung verging ein knappes Jahr. Meine Frau hat ihren Job damals gekündigt, wir haben unsere Ersparnisse zusammengekratzt und dann den Verlag gegründet. Man muss dazu sagen, damals gab es die erste große Medienkrise. Viele Bekannte und Freunde haben uns angerufen und sagten, „Habt ihr sie noch alle? Ihr seid bescheuert. Wer will denn jetzt noch ein Buch kaufen?“. Aber wir haben uns Gott sei Dank davon nicht beirren lassen und haben es gemacht.

Natürlich hat uns sehr geholfen, dass die ersten Bücher erfolgreich waren und wir dann immer weitermachen konnten. Wir hatten auch die Gewissheit, wir schaffen das. Die Buchbranche ist keine wirklich leichte Branche, aber es lief ziemlich schnell ziemlich gut. Und dann kam die Mode dazu, dann kamen die Reisen und das Radio. Das hat sich dann im Laufe der Zeit entwickelt. Manchmal kamen Dinge einfach zu uns und wir haben die Chance gesehen, die richtigen Menschen im richtigen Moment getroffenen und es dann einfach gemacht.

Darum dreht sich alles: das Leben am und auf dem Meer

Manuel: Die Gründung eines Verlages hat sich dann für dich sicherer angefühlt oder war trotzdem dieses Bangen dabei, wegen der Selbstständigkeit und weil deine Frau den Job gekündigt hatte?

Dann habe ich endgültig mein altes Reporterleben hinter mir gelassen.

Stefan: Ich war eigentlich fast immer in meinem Leben selbstständig, auch als Reporter. Natürlich ist das ein Sprung, wenn man Familie hat. Wir haben am Anfang auch zwei Jahre abgewartet. Ich hatte damals noch einen Job bei GQ als Chefreporter. Ich war zwar viel weg, aber ich hatte es hinbekommen, dass wir beides zweigleisig machen konnten. Nach zwei Jahren war klar, Ankerherz schafft‘s, und dann habe ich endgültig mein altes Reporterleben hinter mir gelassen. Ich denke, dass es gar keine Sicherheiten mehr gibt wie früher. Diese Vorstellungen, die man noch in den 70ern und 80ern gerade hier in Deutschland hatte, wenn man irgendwo bei einer Firma anfängt, dann wird man da alt, das gibt’s nicht mehr. Gerade in der jetzigen Zeit mit Corona und den Nachfolgen ist es für uns ein besseres Gefühl, die Dinge selber in der Hand zu haben. Klar, macht man Fehler und zwischendurch gibt es auch Phasen, wo man denkt, was machen wir hier eigentlich? Aber insgesamt fühle ich mich wohler dabei, die Dinge selbst in der Hand zu haben. 

Segel setzen mit Shopify und starker Community

Manuel: War da überhaupt schon ein Onlinshop geplant oder war das als Verlag gar nicht nötig, weil man den lokalen Buchhandel hatte?

Der Onlineshop ist für uns ein wichtiges Standbein, weil er uns Unabhängigkeit verschafft.

Stefan: Ja und nein. Wir mögen den Onlineshop, weil wir direkt Kontakt zu den Kunden haben, was uns wichtig ist. Wir wollen Ankerherz als Marke etablieren und sind da auf einem sehr, sehr guten Weg. Der Onlineshop in der jetzigen Form bei Shopify haben wir seit drei Jahren. Das ist auch für technisch nicht so superversierte Leute wie mich geeignet. Ich habe eine gute tägliche Übersicht, auch über die App, es ist vom Support her sehr gut organisiert, die sind immer schnell, wenn es mal ein Problem gibt oder eine Frage. Wir fühlen uns sehr gut aufgehoben. Der Onlineshop ist für uns ein wichtiges Standbein, weil er uns Unabhängigkeit verschafft. Wir haben natürlich das Hauptstandbein noch immer im klassischen Buchhandel, aber wir verkaufen auch immer mehr Bücher direkt über den Shop. Die Mode sowieso, die gibt es ja sonst nur bei uns in den Läden hier im Süden von Hamburg, in Hollenstedt, in Bremerhaven und in unserem Shop auf Helgoland.

Der Ankerherz-Onlineshop - gemacht mit Shopify

Manuel: Wart ihr erst online, bevor ihr dann die Offline-Stores hattet?

Stefan: Ja, wir hatten den Shop hier in Hollenstedt, den haben wir schon länger. Dann kam der Onlineshop, dann kamen Bremerhaven und Helgoland dazu.

Manuel: Wann war der Moment, als du gemerkt hast, Ankerherz ist eine Marke, die sich ausformen kann, da ist mehr als nur ein Verlag und ein Logo?

Es ist wie eine große Ankerherz Familie, die da gewachsen ist.

Stefan: Wir kriegen eigentlich seit Tag eins an große Resonanz von den Lesern. Wir haben bei Facebook eine Community, die auf allen Seiten zusammen ungefähr 350.000 Follower umfasst. Wir haben eine durchschnittliche Wochenreichweite zwischen 1,5 und 2 Millionen. Die Leute lieben die Geschichten der See und haben eine starke emotionale Bindung. Als wir in Bremerhaven den Shop eröffnet haben, hatten wir so eine Art Soft-Opening. Wir haben einfach ein Wochenende die Tür aufgeschlossen, um zu gucken: Wie läuft das mit dem Kassensystem? Wer kommt eigentlich? Da waren nur Julia und ich, ohne Mitarbeiter. Wir beide wollten das selbst am Anfang sehen. Den ganzen Tag über kamen viele Dutzende Leute vorbei, brachten Brot und Salz, waren teilweise 150 Kilometer mit dem Auto gefahren, brachten Geschenke, brachten Bier, und kamen einfach, um Hallo zu sagen. Die Leute verfolgen sehr eng, was wir machen und sind emotional sehr nah dran. Das sieht man auch, wenn wir eine Live-Lesung machen. Wir machen jetzt seit 120 Abenden eine Live-Lesung in der Corona-Zeit. Das schauen sich so zwischen 20.000 und 40.000 Leute an und es gibt Riesen-Feedback. Wenn ich zum Beispiel bei der Lesung ein Bier trinke, stehen am nächsten Tag hier kartonweise Biersorten von Sylt bis Garmisch.

Es gab keinen Moment, wo das klar war, aber es gab und gibt viele, viele schöne Erinnerungen und tolle Momente. Wir machen einmal im Jahr eine Reise mit 60, 70 Leuten nach Island im Januar mit einer Fähre über den Nordatlantik. Das sind Erinnerungen, die vergisst man nicht und das bindet die Leute auch an einen. Da sind auch Freundschaften unter der Community entstanden. Wir wissen von mehreren Ehen, die dadurch gestiftet wurden. Es ist wie eine große Ankerherz Familie, die da gewachsen ist.

Ankerherz gegen Hetze – Schweigen war nie eine Option

Manuel: Das klingt ein bisschen so, als sei euch das zugeflogen und dann habt ihr das weiter ausgeweitet. Woran machst du das fest, warum das so gut funktioniert hat bei euch?

Stefan: Das ist eine Mischung aus verschiedenen Faktoren. Ich denke, wichtig ist a) die Qualität der Geschichten. Die sind nachvollziehbar und nachprüfbar sowie journalistisch hochwertig. Das ist schon mal wichtig. Wir machen das journalistisch sehr sauber. Dann ist da ganz sicher ein großer Faktor die Social-Media-Arbeit, die seit Jahren täglich passiert. Das ist nichts, was vom Himmel fällt. 350.000 Facebook Freunde, da muss man was für tun. Wir sind nahbar, wir haben große Veranstaltungen mit 1.500 Leuten, wir haben Literaturfestivals eröffnet, wir waren in großen Hallen, wir waren auf der Queen Mary, wir sind aber auch in der kleinen Haifischbar oder wir haben bei Friseuren gelesen, wir haben auf kleinen Kuttern gelesen. Wir sind sehr nahbar für die Leute. Ich glaube, das ist wichtig. Wir sind offen und ehrlich. Man kriegt, was man sieht. Was wir auch machen, ist, wir mischen uns auch ein, wenn wir denken, dass das nötig und wichtig ist. Das kommt auch aus den Büchern, besonders aus dem Buch „Sturmwarnung“ von Kapitän Schwandt. Das Eintreten gegen Rechtsextremismus, für Toleranz, für ein Miteinander, ist auch ein wichtiges Element der Marke Ankerherz.

Manuel: Ich find das ganz großartig, wie ihr euch und du dich öffentlich positionierst und auch für demokratische Werte einsteht. In eurem Fall hilft es auch der Marke, oder?

Der ganze Hass, die Häme und die Wut übertrug sich auf Ankerherz und auf mich. Aber es hat uns nicht davon abgehalten.

Manuel: Ich habe das nie so kalkuliert gesehen. Ich finde es eine Verpflichtung. Wir haben ein Buch namens Sturmwarnung. Darin geht es um Kapitän Schwandt. Diese Sturmwarnung bezieht sich auf die Zeit auf See mit schweren Stürmen auf dem Nordatlantik, aber ist auch eine Warnung an die jetzige Zeit. Das Buch kam raus, als die AfD sich in einem starken Aufwind befand. Schwandts‘ Vater war ein ranghoher Nazi. Schwandt hatte sich geschworen, sein Leben lang gegen Rechtsextreme einzutreten. Das ist ein ganz starkes Motiv - auch in diesem Buch. Das Buch war 42 Wochen lang Spiegel Bestseller, wir haben über 100.000 Bücher davon verkauft. Schwandt wurde für die einen eine Identifikationsfigur, und für andere eine Hassfigur. Als er mit 80 sehr schnell sehr schlimm erkrankte, musste er sich aus der Öffentlichkeit zurückziehen und der ganze Hass, die Häme und die Wut der Rechtsextremen übertrug sich auf Ankerherz und auf mich. Aber es hat uns nicht davon abgehalten.

Wir machen das nicht kalkuliert. Das muss man so empfinden, das muss man so denken und auch so leben, sonst darf man das nicht tun. Ich kann verstehen, dass andere Marken damit ein Problem haben - für uns war das nie ein Thema. Wir sind publizistisch tätig, wir sind Journalisten. Wenn Figuren wie Höcke bei uns auf den Marktplätzen stehen, wenn Figuren wie Kalbitz fast 30 % in Bundesländern bekommen, wenn ein Gauland davon redet, dass das dritte Reich ein Vogelschiss ist und eine von Storch gegen Flüchtlinge hetzt und diese völkische Bewegung im Bundestag, das ist eine Schande für unser Land. Das muss man, wenn man publizistisch tätig ist, einfach auch so adressieren. Ich finde, das ist fast Pflicht, man kann da nicht weggucken. Man macht sich mitschuldig, wenn man schweigt.

Deswegen war das für uns nie eine Option, den Mund zu halten.

Auch, wenn Leute uns bedroht haben, was teilweise sehr massiv war, egal, das muss man dann aushalten. Aber es wäre gefährlich, dazu zu schweigen.

Manuel: Ich meinte eher, dass es bei manchen Firmen kalkuliert ist, es bewusst nicht zu tun, weil sie Angst vor dem Gegenwind haben.

Stefan: Du sprichst da einen wichtigen Punkt an. Natürlich sagt sich das so leicht, dass man sich positioniert. Es gibt natürlich auch Leute, die uns schreiben, „Ich kaufe nie wieder ein Buch von euch, ich werde nie wieder einen Ankerherz Pullover anziehen“. Dann denke ich immer, alles klar, wenn das so ein Horst ist, dann finde ich das super. Das ist meine Horrorvorstellung, dass jemand mit so einem Weltbild und mit Ausländerhass im Herzen mit einem Ankerherz rumrennt. Das will ich nicht.

Wir hatten auch schon Boykottaufrufe von Linksaußen. Da hatte ich bei G20 angemerkt, dass die Polizistinnen und Polizisten, die in Uniform da im Einsatz sind, Menschen sind: Väter, Mütter, Töchter und Söhne, dass Gewalt gegen Polizistinnen und Polizisten inakzeptabel ist. Dann gab‘s auch einen Shitstorm. Auch das muss man aushalten. Ich finde das eine Haltungsfrage. Mir ist Parteipolitik völlig egal, mir ist egal, ob jemand CDU, SPD, Grüne, FDP wählt. Aber ich finde, die AfD fällt als völkische Bewegung raus. Das geht nicht. Wenn man sagt, Ankerherz ist links - nee, wir sind da, wo Maß und Mitte ist.

Es ist wichtig, für Toleranz einzustehen, für Meinungsfreiheit, für Miteinander und für Schwache in einer Gesellschaft.

Aber wichtig ist, sich den neuen Rechten in den Weg zu stellen.

Ankerherz setzt auch mit seinen Produkten klare Statements

Qualität geht über alles

Manuel: Bei der Gründung von Ankerherz, habt ihr relativ schnell Erfolg gehabt. Gab’s denn trotzdem Momente, wo du gesagt hast, wenn ich das vorher gewusst hätte, hätte ich einige Entscheidungen anders getroffen.

Stefan: Natürlich macht man auch Dinge falsch. Es ist ja nicht so, dass man die Weisheit mit Löffeln gefressen hat und immer alles richtig macht im Leben. Man setzt auf die falschen Themen, stellt die falschen Leute ein oder vertraut den falschen Leuten. Viele Dinge lernt man. Wir sind Quereinsteiger - sowohl in der Buchbranche als auch in der Modebranche. Natürlich passieren auf dem Weg auch Dinge, die man im Rückblick anders machen würde. Ich denke aber, das gehört dazu. Wichtig ist daraus zu lernen und die Fehler nicht zu wiederholen. Aber es gibt jetzt nichts, was ich zutiefst bereue.

Ich finde es wichtig, das Richtige zu tun.

Manuel: Es gehört auch zum Gründen dazu, dass man jeden Tag Entscheidungen trifft und dann immer wieder flexibel sein muss.

Stefan: Genau. Wenn jetzt zum Beispiel die Buchhandelskonditionen noch mieser für einen Indie-Verlag werden, welchen Weg geht man? Wo kann man sich unabhängig machen? Das ist ein permanentes Austarieren von Dingen. Ich finde es wichtig, das Richtige zu tun. Man kann natürlich auch Mode machen, indem man in Billiglohnländern zu beknackten Bedingungen herstellen lässt. Das ist nicht unser Weg. Fast alle Produkte von uns sind GOTS-zertifiziert, das ist das höchste Siegel, was man bekommen kann. Diese Sachen sind nachhaltig. Wir achten auf solche Details total und dass hinter allem, was wir machen, eine Philosophie ist. Meine Frau hat sich, weiß ich nicht, wie viel 100 Sorten Papier angeschaut, bevor wir das erste Buch gedruckt haben. Bis wir wussten, das ist nicht nur das beste Papier für die Fotografie, sondern das ist wahrscheinlich das umweltfreundlichste Papier der Welt. Das kommt aus einer Mühle in Schweden und diese Papiermühle steht mitten in einem Naturschutzgebiet. Die Bücher, die wir machen, sind in Deutschland gedruckt, die haben Fadenbindung, die haben Lesebändchen, das sind hochwertige Bücher.

Alles, was wir machen, soll extrem hochwertig sein.

Erst gucken wir nach der Qualität, und erst danach nach der Marge. Das sind dann Prozesse, wo man aus Fehlern lernt. Wir haben teilweise Produktionen gehabt, wenn da ein Wirtschaftsprüfer reingeguckt hätte, hätte der ein Herzkasper gekriegt.

Manuel: Du hast anfangs gesagt, dass du direkt mit deiner Frau beschlossen hast, den Verlag zu machen. Hat das immer gut funktioniert?

Ich habe das Gefühl, dass wir gerade erst am Anfang stehen. Unser Weg hat gerade erst begonnen.

Stefan: Es hat immer gut funktioniert, sonst hätten wir das nicht gemacht. Ich glaube, wir haben da nie groß drüber geredet, aber wenn es berufliche Probleme gäbe und die würden anfangen, Privates zu überlappen, dann würden wir es seinlassen. Unsere Liebe ist das Wichtigste für uns. Aber es hat nie Probleme gegeben. Im Gegenteil, ich empfinde es als großes Geschenk. Wir haben relativ klar abgetrennte Bereiche. Klar, rede ich in gestalterischen Dingen mit, aber sie redet genauso in den Texten mit. Aber es ist klar, wer in welchem Bereich den Hut aufhat. Wir ergänzen uns super und haben eine Menge Spaß dabei. Den muss man sich auch erhalten. Wir haben vier Kinder und die Firma. Wenn man das nicht mit Spaß, mit Herzblut und mit viel Liebe macht, dann kann das nicht funktionieren. Ich habe das Gefühl, dass wir gerade erst am Anfang stehen. Unser Weg hat gerade erst begonnen.

Ehe- und Geschäftspartner: Julia und Stefan Kruecken

Kein Seemansgarn - Ankerherz erzählt starke Geschichten

Manuel: Welche Visionen habt ihr denn noch für Ankerherz?

Das war der emotionalste Moment in der Geschichte von Ankerherz.

Stefan: Wir suchen die schönsten Geschichten vom Meer. Uns geht es nicht mehr so sehr darum, wie groß die Marke umsatzmäßig wird, das ist gar nicht der Fokus. Wir wollen tolle Geschichten erzählen, Orte entdecken, die Leute mitnehmen auf die Reisen.

Wir wollen die guten Botschaften, die wir haben, an die Menschen bringen.

Eine Geschichte, die das gut rüberbringt: Wir haben ein Buch namens „Godafoss“ gemacht. Da geht es um die Godafoss, ein kleiner Frachter, der im Krieg von Island nach New York fuhr. Dieser Frachter wurde von einem deutschen U-Boot versenkt, kurz vor dem Hafen von Reykjavik. Es gab 42 Tote, für isländische Verhältnisse eine Mega-Katastrophe. Auf Island gilt das als isländische Titanic. Ich habe den letzten deutschen Überlebenden des U-Boots gesprochen und daraus haben wir dieses Buch geschaffen. Auf der Frankfurter Buchmesse, als Island das Gastland war, haben wir dann den letzten Überlebenden der Godafoss und den letzten Überlebenden vom U-Boot zusammengebracht. Die haben sich das erste Mal nach 70 Jahren gesehen und das war der emotionalste Moment in der Geschichte von Ankerherz. Das muss man sich  vorstellen: Frankfurter Messehalle, 400, 500 Leute, isländischer Außenminister hält die Rede, isländischer Präsident war vor Ort und der Horst Koske, der Deutsche vom U-Boot, hatte wahnsinnige Angst vor diesem Treffen. Der hatte 70 Jahre lang immer Angst und Alpträume - drei Kinder waren ertrunken. Er machte sich Vorwürfe. Er war 17 als das passierte, er war der Funker. Dann stand er auf, völlig unsicher, und von hinten rannte der Isländer Sigurdur auf ihn zu und schrie durch die ganze Messehalle „I don’t hate you, I don’t hate you. I love you“. Dann haben sie sich ganz herzlich umarmt, auf die Schulter geklopft, und jeder, der saß, hat geweint. Das war ein unfassbarer Moment, ein Moment der Versöhnung. Das Buch war wirtschaftlich eine Katastrophe, aber der Moment war es wert. Der Moment war alles, was wir wollen.

Manuel: Funktioniert die Marke, die Bücher, auch international oder seid ihr schon sehr auf den deutschsprachigen Raum fokussiert?

Stefan: Erstmal müssen wir hier unsere Hausaufgaben machen, aber ich würde das nicht ausschließen. Ich glaube, das, was wir machen, ist von der Grundidee so simpel und, dass man das überall machen kann.

Manuel: Die Liebe zum Meer gibt’s ja in vielen Ländern.

Stefan: Genau. Wenn wir schauen, wo unsere Kunden sind, das ist sehr viel im Norden, aber genauso im Westen, im Süden, in Österreich, in der Schweiz. Wir haben viele verschiedene Kunden, wir sehen das natürlich bei Shopify, aber auch bei Facebook. Da ist Hamburg, Berlin, Frankfurt, Köln, dann kommt Wien und dann kommen erst die anderen norddeutschen Städte. Das ist schon erstaunlich. Die Leute träumen sich ans Meer und nehmen dann ein Buch von uns, kaufen sich ein Kissen oder einen Hoodie. Menschen lieben starke Geschichten.

Eine starke Geschichte ist wie Wasser, die kannst du nicht aufhalten.


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Which method is right for you?Manuel Fritsch ist der Moderator des Shopify Podcasts. 2000 gründete Manu sein erstes Unternehmen und arbeitete 15 Jahre in der Agenturwelt. Seit 2015 ist er als freiberuflicher Spielejournalist für Fachmagazine, Zeitungen und seinen eigenen Podcast mit inzwischen über 2.500 Folgen tätig.

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